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Adeus Marcelinho!

Interview mit dem Ex-Hertha-Spieler zu seinem Abschiedsspiel
Er hat zu Beginn des neuen Jahrtausends wohl wie kein Zweiter das Spiel von Hertha BSC geprägt: Marcelo dos Santos, genannt Marcelinho (41), bestritt von 2001 bis 2006 für die Berliner 165 Spiele und erzielte 65 Tore. Der brasilianische Ballkünstler wurde zum Publikumsliebling und sorgte auch abseits des Platzes immer wieder für Gesprächsstoff.

Am 25. März bekommt er nun doch noch sein Abschiedsspiel im Olympiastadion - zu diesem Anlass werden zahlreiche alte Weggefährten in den Teams „Hertha Allstars“ bzw. „Brazil&Friends“ auflaufen.

Wir treffen Sie mitten im Winter bei unangenehmem Wetter in Berlin. Was ist der Anlass Ihres Besuchs?
Ach, ich finde es gar nicht so schlimm. Es ist nicht kalt für die Jahreszeit und es weht kaum ein Wind. Nein, ich bin immer gerne in Berlin - aber diesmal ist es natürlich wegen meines Abschiedsspiels. Da gibt es viele Termine, um dafür Werbung zu machen.

Also es gibt viel zu organisieren vor dem Spiel, sie pendeln deshalb öfter zwischen Brasilien und Berlin im Moment. Gibt es eigentlich auch ein Abschiedsspiel in Ihrer Heimat?

Ja, da wird es sicher auch noch ein Spiel geben - aber die Hauptveranstaltung findet hier in Berlin statt.


Abschiedsspiel für Marcelinho: Samstag, 15.30 Uhr, Olympiastadion


Ist es denn Ihre Idee gewesen, den Abschied von der Fußballbühne in Berlin zu begehen?

Die Idee ist schon entstanden, weil ich hier die meiste Zeit verbracht und auch die erfolgreichste Station meiner Laufbahn erlebt habe. Dann habe ich mit meinem Berater überlegt, wie wir das Ganze umsetzen können.

Wir wollen eine gute Show für die Zuschauer liefern. Alle sollen ihren Spaß haben.

Wir haben auch bei Hertha BSC angefragt und dann hat schnell alles gepasst. Der Verein tritt ja als Veranstalter auf und Michael Preetz (ehemaliger Mitspieler und heutiger Hertha-Manager) hat sich dann um viel gekümmert. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Jetzt hoffen wir natürlich, dass alle Ihre Zusage einhalten und kommen - wir wollen schließlich eine gute Show für die Zuschauer liefern. Alle sollen ihren Spaß haben.

Sie sind mit Hertha BSC damals nicht ganz im Guten auseinander gegangen, ein Abschiedsspiel kam nicht zu Stande. Ist diese Partie nun auch als eine Art Schlussstrich unter das Thema zu verstehen?

Ja, das war damals leider kein guter Abschluss. Ich habe ein paar Fehler gemacht und der Vertrag lief aus, das hatte ich mir schon anders gewünscht. Aber meine Karriere musste nun mal weitergehen. Jetzt bin ich aber froh, dass mich Hertha bei der Organisation unterstützt hat und so alles wieder gut ist zwischen uns.

Sie sind jetzt 41 Jahre alt, haben bis zuletzt im Profifußball gespielt – wie fühlt sich Ihr Körper jetzt an nach dieser Belastung?

Das Alter ist nur eine Zahl. Ich fühle mich noch sehr gut, spiele immer noch Fußball und halte mich auch sonst fit.

Wie ist denn damals der Wechsel gerade nach Berlin zu Stande gekommen? Sie waren zu dem Zeitpunkt ja sicher auch für andere Vereine interessant.

Ich hatte in Europa zuvor schon ein halbes Jahr bei Olympique Marseille gespielt. Da lief es sportlich nicht so gut, aber zumindest konnte ich schon mal die Bedingungen in Europa kennenlernen. Danach bin ich wieder nach Brasilien zurückgekehrt, wo ich bei Gremio Porto Alegre an zwei Titeln beteiligt war. Dort gab es einen Berater, der Kontakt zu Dieter Hoeneß (damaliger Hertha-Manager) hatte – und so kam die Sache ins Rollen...

Wie schwer ist Ihnen die Umstellung in Berlin damals gefallen?

Sportlich war das kein Problem, Mannschaft und Fans haben mich sehr gut aufgenommen. Das hat mir sehr geholfen und wir haben schnell erfolgreich gespielt. Abseits vom Fußballplatz war es allerdings nicht ganz so einfach. Ich hatte anfangs vor allem Schwierigkeiten mit der Sprache, ein bisschen auch mit dem Wetter und der anderen Kultur. Aber das wurde Schritt für Schritt besser.

Viele verbinden in Deutschland gefärbte Haare und bunte Fußballschuhe mit Ihnen – wie schwer war es damals für Sie, als Individualist im eher konservativen Umfeld des deutschen Fußballs zu bestehen?

Als ich nach Deutschland kam, hatte ich die Haare blond gefärbt und mein Ausrüster brachte gerade diese speziellen Schuhe auf den Markt. Das sorgte für Aufmerksamkeit, was der Firma natürlich recht war – insofern hat das gepasst.

Sehen Sie sich heute mal um: da laufen die meisten Fußballer mit auffälligen Frisuren und bunten Schuhen rum...

Ansonsten habe ich mir da keine großen Gedanken drüber gemacht – mir hat das einfach gefallen. Und sehen Sie sich heute mal um: da laufen die meisten Fußballer mit auffälligen Frisuren und bunten Schuhen rum... (lacht)

Sind Sie mit Ihrer Art nicht öfter auch mal angeeckt?

Ich glaube, die Leute haben das geduldet, weil ich hier doch viel Erfolg hatte und gut gespielt habe. Ab und zu mal feiern gehen, das gehörte für mich auch dazu. Letzten Endes aber zählt doch immer die Leistung auf dem Platz – und die hat gestimmt. Da wurde dann über das andere hinweg gesehen (lacht)... aber ich empfehle jungen Spielern natürlich, dass nicht genau so zu machen (lacht noch mehr).

Gibt es ein Erlebnis aus Ihrer Zeit bei Hertha BSC, dass Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Einmal habe ich drei Tore in einem Spiel gegen Wolfsburg erzielt (beim 3:2-Auswärtssieg im November 2004) – und dann natürlich das „Tor des Jahres“, als ich mit einem Schuss aus dem Mittelkreis traf (der Treffer im April 2005 gegen den SC Freiburg aus 48 Metern wurde später in der Abstimmung bei ARD ausgezeichnet).

Würden Sie sagen, dass es im aktuellen Fußball - der ja sehr auf das System setzt - überhaupt noch Platz gibt für Typen wie Sie einer waren?
Heute ist der Fußball schon anders – die Trainer und Spieler sind taktisch noch besser geschult. Da ist es schwerer, sich mit individuellen Fähigkeiten durchzusetzen. Das ist das, was mir heutzutage aber auch ein bisschen fehlt - Spieler, die für überraschende Momente sorgen.

Ist das vielleicht auch ein Problem der brasilianischen Nationalmannschaft, dass sie den Übergang noch nicht vollzogen hat – zu diesem Systemfußball, in dem jeder Spieler eine ganz spezielle Aufgabe erfüllen muss?

Nein, Brasilien hat gerade eine gute Mannschaft. Tite, der neue Trainer der Seleçao, legt viel Wert auf Taktik, aber auch auf spielerische und individuelle Fähigkeiten. Dazu kommen auch einige junge Spieler, die viel versprechend sind – also: bei der nächsten Weltmeisterschaft wird man wieder eine stärkere Seleçao erleben.

Ist das „Trauma“ der WM 2014 mit dem denkwürdigen Aus gegen Deutschland im Halbfinale also überwunden?

Wir sind auf dem richtigen Weg. Mir gefällt die Arbeit von Tite, seine Mentalität und Spielauffassung. Er setzt zum Beispiel einen Schwerpunkt auf die Bewegung ohne Ball. Klar, alle Brasilianer spielen immer gerne mit dem Ball (lacht) – aber wir müssen auch diese andere Seite des modernen Fußballspiels lernen und uns darin verbessern. Dann bin ich sicher, dass der Erfolg auch wieder kommen wird.

Wie viel bekommen Sie denn noch von Hertha BSC in Brasilien mit?

Ich weiß auch in Brasilien immer Bescheid, wie Hertha gespielt hat.

Ich verfolge die Ergebnisse und die Bundesligatabelle, daher weiß ich immer Bescheid. In Brasilien läuft auch immer ein Topspiel aus der Bundesliga im Fernsehen - und wenn Hertha dabei ist, sehe ich natürlich zu.

Wie beurteilen Sie denn den Weg, den der Verein inzwischen eingeschlagen hat? Also: mit einem kontinuierlichen Aufbau und der Einbindung ehemaliger Spieler...

Ich finde das gut. Es ist wieder Ruhe eingekehrt im Verein und der Erfolg ist zurück. Den Weg sollte Hertha weitergehen: ob Preetz als Manager, Dardai als Cheftrainer oder auch „Zecke“ Neuendorf im Nachwuchsbereich – das sind ja alles auch ehemalige Mitspieler von mir, die den Verein kennen und gute Arbeit leisten.

Haben Sie sich aufgrund der gemeinsamen Erfahrungen damals vorstellen können, dass Pal Dardai mal Trainer werden könnte?

Pal war immer ein akribischer Arbeiter, hat viel richtig gemacht und war immer sehr konzentriert bei dem, was er tat. Insofern war das für mich keine Überraschung, dass er auch schafft, ein guter Trainer zu werden. Ich hoffe natürlich, dass es gerade bei Hertha für ihn so gut weitergeht.

Wie sehen denn Ihre Pläne nach Abschluss ihrer aktiven Karriere aus – bleiben Sie dem Fußball erhalten?

Ja, auf jeden Fall. Vielleicht mache ich auch den Trainerschein. Ansonsten bin ich aber auch schon als Berater für einige junge Spieler tätig und werde mich eventuell in diesem Bereich noch stärker betätigen.

Sie sollen auch einen sehr talentierten Sohn (Marcelo Junior) haben....

Ja, er macht das sehr gut. Ich hoffe, dass er wie ich den Sprung zu den Profis schafft.

Würden Sie sagen, dass er mit seinen 14 Jahren weiter ist als Sie es in dem Alter waren?

Ganz bestimmt. Sehen Sie, als ich jung war, gab es noch keine solche Talentförderung wie heutzutage. Ich habe lange Zeit einfach auf der Straße gekickt. Klar, das war gut für die Technik – aber sonst? Mein Sohn spielt jetzt schon neun Jahre im Verein, hat eine ganz andere Ausbildung als ich damals und somit eine viel bessere Basis. Aber im Fußball weiß man nie, was morgen passiert. Also freue ich mich jetzt vor allem darauf, dass er bei meinem Abschied in Berlin mitspielen wird.

Marcelinho, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Beitrag+Fotos: Hagen Nickelé

Der FC Viktoria 89 spielt eine gute Saison in der Regionalliga Nordost, belegt dort aktuell den 5. Platz. Dazu steht der Verein im Halbfinale des Berlin-Pokals, wo ihn allerdings mit der VSG Altglienicke eine schwere Aufgabe erwartet.


Halbfinale im Berlin-Pokal:
VSG Altglienicke - FC Viktoria 89
Samstag, 13.35 Uhr, Stadion Altglienicke


Im Gespräch mit Berlinsport Aktuell erklärt Sportdirektor Rocco Teichmann, was man sich in der Liga noch vorgenommen hat, wie man die wegen einiger Nachholspiele anstehenden Englischen Wochen angeht - und unterstreicht die Wichtigkeit des Pokalspiels am Samstag in Altglienicke.

Zum Abhören des Interviews bitte unten anklicken

 

Beitrag+Foto: Berlinsport Aktuell

Abu Njie, neuer Trainer bei Regionalligist Berliner AK 07

Zwei Jahre war Abu Njie nach seiner Entlassung bei Berlinligist SV Tasmania ohne Anstellung im Bereich Fußball. In dieser Winterpause folgte er dann der Anfrage des Regionalligisten Berliner AK, wo er zunächst den Posten des Co-Trainers (für Cemal Yildiz, der zu TeBe ging) übernahm. Nach vier Spielen in der Rückserie trennten sich dann die Wege des Vereins und Chefcoach Jörg Goslar.

Njie gilt zunächst als Interimslösung bis zum Sommer, hat - nachdem das Saisonziel frühzeitig abgehakt werden musste - keine einfache Aufgabe. Das bewies auch die 1:4-Niederlage zu seinem Einstand bei Union Fürstenwalde. Am Mittwoch gegen den FC Schönberg 95 reichte es am Ende zwar auch "nur" zu einem 2:2, ein Aufwärtstrend war aber unverkennbar.

Im Interview mit Berlinsport Aktuell spricht Abu Njie über verbleibende Ziele für diese Saison, die lange "Wartezeit" - und was die Zukunft bringen könnte.

Zum Anhören der Aufnahme bitte unten anklicken

 

Beitrag+Foto: Berlinsport Aktuell/Hagen Nickelé

Chancen und Geschenke

Beitrag von Eike Ahlhausen

Die Füchse Berlin erleben eine wechselhafte Rückrunde. Schwach gegen den Tabellenletzten, stark gegen den amtierenden Meister. Ein Thema begleitet die Berliner dabei seit Wochen: die Schiedsrichterleistungen.

Zuletzt in Top-Form: Füchse-Torwart Silvio Heinevetter (Foto: ©Eike Ahlhausen)

Der Schiedsrichter im Handball ist ein hoch beanspruchtes Wesen. Laut Studien muss er pro Spiel bis zu zehnmal mehr Entscheidungen treffen als ein Schiedsrichter in anderen Sportarten, zum Beispiel dem Fußball. Nun weiß aber auch jeder, der schon einmal gearbeitet hat: Wer mehr arbeitet, kann auch häufiger Fehler machen – alles eine Frage der Statistik.

Die Füchse und die Unparteiischen - ein schwieriges Thema

Besonders benachteiligt von diesem Prinzip fühlten sich in den letzten Wochen die Füchse aus Berlin, insbesondere, wenn es gegen Spitzenmannschaften ging. „Uns hat es heute schon wieder getroffen“, haderte Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse, Anfang März mit der Schiedsrichterleistung. Nach einem dramatischen Spiel trennten sich seine Füchse mit 30:30 unentschieden vom amtierenden deutschen Meister, den Rhein-Neckar-Löwen aus Mannheim. „Heute haben die Schiedsrichter nur über einen Punkt entschieden, in Flensburg waren es noch zwei.“ Zwei für die Füchse verlorene Punkte wohlgemerkt, denn Hanning sprach von der 26:27-Niederlage Ende des Jahres 2016 bei der SG Flensburg-Handewitt.

„Heute haben die Schiedsrichter nur über einen Punkt entschieden, in Flensburg waren es noch zwei.“

Bob Hanning, Füchse-Geschäftsführer, nach dem 30:30 gegen die RN Löwen

Gegen die Löwen fühlte sich die Punkteteilung erst einmal an wie eine Niederlage. Füchse-Torjäger Petar Nenadić wollte das Ergebnis unmittelbar nach dem Schlusspfiff auch gar nicht wahrhaben und stürmte wutentbrannt auf die Schiedsrichter los. Sein Torwart Silvio Heinevetter konnte sich gerade noch dazwischenwerfen, um Schlimmeres zu verhindern. Auch Füchse-Trainer Velimir Petković schrie seine Wut frei heraus und missbilligte damit die Schiedsrichterentscheidungen aus der Schlussphase der Partie.

Ärger auch Ausdruck der verpassten Chance

Dreißig Sekunden vor Schluss etwa hatten die beiden Unparteiischen Nenadić einen Freiwurf verweigert, als dieser auf dem Weg zum 31:30 für die Füchse unsanft von einem Mannheimer Verteidiger in seiner Wurfbewegung behindert wurde – alle in der Halle hatten es gesehen, einfach alle. Anstatt den Siegtreffer zu setzen, mussten die Füchse nun dem letzten aussichtsreichen Angriff der Löwen entgegensehen.


Nächstes Heimspiel der Füchse: Mittwoch, 21. März, gegen die HSG Wetzlar - Anwurf: 19 Uhr in der Max-Schmeling-Halle


Über Linksaußen flog der Isländer Gudjon Valur Sigurdsson ungehindert zum finalen Sprungwurf in den Berliner Sechs-Meter-Kreis und zog ab: Der Halle stockte der Atem, Silvio Heinevetter riss das rechte Bein hoch – und hielt. Danach war Schluss, und das Unentschieden stand. Ein 30:30 gegen den Favoriten aus Mannheim – ein kleiner Erfolg für die Berliner. Doch zu groß war direkt nach dem Schlusspfiff das Entsetzen über die Schiedsrichterleistung. Zu groß aber vielleicht auch die Enttäuschung, eine Partie, die zwischenzeitlich mit 8:3, 13:7 oder auch 27:23 angeführt wurde, nicht siegreich beendet zu haben.

Füchse-Trainer Petković hadert

Dementsprechend ging der Schlagabtausch auch nach dem offiziellen Schlusspfiff noch weiter. Die launige Pressekonferenz 15 Minuten nach dem Spiel glich dem harten Ringen der Spieler um die sportliche Hoheit in der Halle. Die Deutungshoheit im Presseraum war so umkämpft wie der Sieg auf dem Spielfeld kurz zuvor. Auch hier drehte sich alles um die Leistung der Unparteiischen.


Weitere Sporttermine für die Hauptstadt in unserem Sportkalender


Nikolaj Jacobsen, Trainer der Rhein-Neckar-Löwen, legte selbstbewusst vor. Er habe am Ende noch ein paar tolle Chancen für seine Mannschaft gesehen, das Spiel für sich zu entscheiden. „Geschenke – das waren Geschenke“, blaffte Velimir Petković noch immer in Rage zurück und pochte auf eine korrekte Sprachreglung – aus seiner Sicht. Sein Chef Hanning bekam kurzzeitig Angst, Petković könnte komplett aus dem Rahmen fallen, und hielt ihm während des Statements kurz die Hand auf den Arm. „Ruhig Großer, ruhig“, wollte er signalisieren. „Das haben wir nicht verdient, das geht nicht so – ein klares Foul“, zeterte Petković trotzdem weiter und hielt die Schiedsrichter unter Beschuss.

Hanning mahnt, streicht aber auch das Positive heraus

Sein Chef hingegen versuchte abzuwiegeln, gab sich abgeklärter. Doch auch Hanning konnte das Thema Schiedsrichter nicht ruhen lassen. „So ein Ding ist nicht einfach zu pfeifen“, versuchte Hanning moderat zu bleiben. Ein dickes „Aber“ sollte folgen: „Die Schiedsrichter haben in das Spiel eingegriffen. Das darf nicht passieren! Wir hätten verlieren können.“ Bei einer Niederlage hätte Hanning nach eigenen Angaben seine Spieler und den Trainer vielleicht nicht mehr einfangen können. Mit einem gequälten Lächeln schiebt er hinterher: „Und mich hätte ich dann wohl auch nicht mehr unter Kontrolle gehabt.“

„Die Schiedsrichter haben in das Spiel eingegriffen. Das darf nicht passieren! Wir hätten verlieren können.“

Bob Hanning

Doch Hanning ist zu klug, sich einzig auf die Fehlurteile der Unparteiischen zu kaprizieren und versuchte, den Fokus der Debatte noch einmal zu verschieben. Zunächst lobte er die überragenden Akteure seiner Mannschaft, allen voran Silvio Heinevetter, der Torwart, der den Punkt festhielt. Auch Kent Robin Tönnesen bekam ein Extra-Lob: Der 25-jährige Norweger ist seit Wochen in blendender Verfassung und füllt die Lücke, die die Verletzung von Fabian Wiede reißt, immer besser aus – acht Treffer steuerte Tönnesen als erfolgreichster Werfer der Berliner gegen die Rhein-Neckar-Löwen bei.

Nicht weit weg von der Spitze

Doch die Einzelkritik gipfelte in der für Hanning eigentlichen Nachricht des Tages: Das Spiel habe gezeigt, dass seine Füchse nicht weit weg seien von der nationalen Spitze. Statt Frust schwang jetzt Stolz in seiner Stimme, und er legte nach: „Und das mit der Hälfte des Etats der anderen Spitzenmannschaften.“

Bevor die anwesenden Journalisten noch mal nachrechnen konnten, nahm ein Kollege vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk das Geschenk Hannings an: „Prima, da habe ich ja schon meinen Schlusssatz.“ Er bedankte sich lauthals in die Runde und sorgte für leichte Verwirrung unter den Pressevertretern. Hanning sah das als Chance: „Gut, dann sind wir ja hier fertig“, ergriff er die Gelegenheit, eine aufregende Pressekonferenz nach einem aufregenden Spieltag mit einem lapidaren Satz zu beenden.

Geburtstags-Kutschfahrt für Michael Schmid

 Der frischgebackene Fünfzigjährige steuert Magdalena Kieniksmans Hengst Brandy Hornline zum Weile-Sieg. Michael Nimczyk punktet für die Farben von Ulrich Mommert sogar doppelt. Roman Matzky überrascht mit It’s Amazing. Der von Dennis Spangenberg präsentierte Rossini Diamant ist eine Klasse für sich.

„Er ist kein Pferd, das auf einen Ruck schnell wird. Sondern eher ein Dauerläufer, der über weite Strecken ein hohes Tempo gehen kann!“

Michael Schmid mit Brandy Hornline (Foto: @Marius Schwarz)

Das war der goldrichtige Tipp, den Magdalena und Robert Kieniksman dem Geburtstagskind Michael Schmid – der Profi wurde am Montag 50 Jahre alt – für die Fahrt im Sulky ihres Hengstes Brandy Hornline mit auf dem Weg gegeben haben. Die Analyse des polnischen Besitzer-Ehepaares erwies sich als goldrichtig und der frischgebackene Jubilar setzte den Ratschlag hundertprozentig um. Nachdem „Schmiddi“ mit dem 31:10-Mitfavoriten noch auf der Startgeraden die Führung übernommen hatte und sein einziger ernsthafter Gegner Michael Nimczyk die Stute Chance Classique nicht zur korrekten Gangart bewegen konnte, waren die Zeichen sofort auf Sieg gestellt. Das Rennen entwickelte sich zu einer One-Horse-Show: Michael Schmid konnte sich schon weit vor dem Ziel für das Siegerfoto zurechtsetzen, denn Brandy Hornline stolzierte mit unzähligen Längen Vorsprung elegant wie ein edles Kutschpferd über die Ziellinie.

Nimczyk gewinnt zweimal

Hatte gut lachen: Michael Nimczyk, hier mit Hitchcock HK

In der Klasse bis 10.000 Euro sah es lange nach einem Treffer für Andreas Marx und seinen Crack Bonjour Ganyboy AM aus. Doch die von Michael Nimczyk gesteuerte Sayuri Mo (62:10) war dem Piloten wie ein Schatten gefolgt und zu Beginn der Zielgeraden deutete sich die große Überraschung an. Die von Michael Larsen trainierte Mommert-Stute stürmte grußlos an ihrem Widersacher vorbei, der obendrein noch Schwierigkeiten mit seinem Geläuf offenbarte und nach einer Überprüfung von den Stewards wenige Minuten nach dem Rennen nachträglich aus der Wertung genommen wurde. Für Michael Nimczyk blieb es nicht bei diesem einzigen Erfolgserlebnis, denn er führte wenig später auch Ulrich Mommerts Wallach Hitchcock HK auf die Ehrenrunde. Nach einem Verlauf als zweites Pferd innen kam der Ganymede-Sohn auf der Zielgeraden rechtzeitig genug frei, um die führende Aura Olympic (Thomas Panschow) mit einer halben Länge Vorsprung zu bezwingen.

Dauersieger Rossini Diamant unangefochten vorne

Auch für Favoriten war's Drecksarbeit: Dennis Spangenberg (M.) mit Rossini Diamant

Ein Sieg nach dem anderen und kein Ende der Serie in Sicht: Der diesmal wieder von Dennis Spangenberg gesteuerte Rossini Diamant feierte den siebenten Erfolg hintereinander. Der in dieser Saison noch ungeschlagene Wallach, der für die Farben von Klaus Bockhoff und Wolfgang May läuft, war einmal mehr eine Klasse für sich. Nachdem Rossini Diamant Mitte der Tribünengeraden die Spitze übernommen hatte, dehnte der 11:10-Topfavorit seinen Vorsprung immer weiter aus und lag mit Erreichen des Schlussbogens bereits mit sieben Längen in Front. Am Ende konnte der Zielrichter das Zählen sogar komplett einstellen. Denn es war eine ganze Weile, die den Dunkelbraunen am Pfosten von seinen Gegnern trennte.

Matzky steuert Außenseiter zum Sieg

Außenseiter, Spitzenreiter: Roman Matzky (M.) überraschte mit It's Amazing

Für die größte Überraschung der Matinée-Veranstaltung sorgte Roman Matzky mit seinem familieneigenen Fuchs It’s Amazing. Der bei 157:10 notierte Außenseiter kam mit der vom tagelangen Dauerregen aufgeweichten Mariendorfer Bahn bestens zurecht – ganz im Gegensatz zu einigen seiner prominenten Gegner. Als Thomas Panschow mit Holly go lightly, die in der Endabrechnung hinter Bianca Boshoeve (Heinz Wewering) Rang drei belegte, Mitte der Gegenseite einen fulminanten Vorstoß einleitete, hängte sich Roman Matzky mit seinem Schützling clever an die Angreiferin ran.

„Der Fuchs musste aufgrund einer Verletzung zwar eine mehrmonatige Pause einlegen, ist nun aber wieder mächtig in Schwung.“

Roman Matzky, Fahrer von It's Amazing

It’s Amazing wurde mit jedem Meter immer stärker und war schon zu Beginn der Zielgeraden auf der sicheren Seite. „Der Fuchs musste aufgrund einer Verletzung zwar eine mehrmonatige Pause einlegen, ist nun aber wieder mächtig in Schwung“, freute sich Roman Matzky bei der anschließenden Ehrung über die tolle Leistung seines Schützlings.

Gesamtumsatz: 32.146,80 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 26. März statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)

Fotos (3): Berlinsport Aktuell/H. Nickelé

René Zampich, Trainer beim SV Empor

Ungewöhnliches trug sich heute Nachmittag im Jahn-Sportpark zu: die Partie der Berlin-Liga zwischen dem SV Empor und Blau-Weiß 90 wurde bereits nach einer knappen Viertelstunde vorzeitig beendet. Die Windverhältnisse und die Prognose diesbezüglich führten zum Abbruch der Partie, die mit einer gewissen Spannung erwartet worden war - schließlich läuft es bei beiden Teams momentan richtig gut. Der Aufsteiger aus Mariendorf (7. Platz) hat neun seiner letzten zwölf Ligaspiele gewonnen, Empor (9. Platz) mit seinem neuen Trainer René Zampich zuletzt sieben Punkte aus drei Partien gesammelt.

Zampich hat beim Berlinligisten aus dem Prenzlauer Berg in der Winterpause die Nachfolge von Nils Kohlschmidt angetreten. Berlinsport Aktuell nutzte die Gelegenheit nach dem Spielabbruch zu einem ausführlichen Interview mit dem Empor-Coach, für den die Übernahme des Amts gewissermaßen auch eine Rückkehr darstellt - und der sich von Berufs wegen recht gut mit witterungsbedingten Absagen auskennt.

Zum Anhören des Interviews (Dauer: etwa 12 Minuten) bitte anklicken

 

Beitrag+Foto: Berlinsport Aktuell/H. Nickelé

Jörg Goslar (l.), hier noch mit dem damaligen Co-Trainer Cemal Yildiz

Am Ende brachte die Heimniederlage im Spitzenspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena am vergangenen Samstag das Fass wohl zum Überlaufen. Nun gab Regionalligist Berliner AK 07 die Trennung von Trainer Jörg Goslar bekannt. Von einer „strategischen Neuausrichtung“ nach dem 1:3 gegen den Tabellenführer war die Rede, die nicht der Vorstellung Goslars entsprochen habe. In jedem Fall wurde das Saisonziel, bis zum Schluss um den Aufstieg mitzumischen, vom BAK frühzeitig verpasst. Schon 14 Punkte trennen die Weddinger nach 21 absolvierten Partien von der Tabellenspitze.

Noch mit Baumgart in die Saison 2016/17

Steffen Baumgart musste den Platz auf der BAK-Bank schon nach dem 5. Spieltag räumen

Es ist dabei bereits die zweite Trainerentlassung in dieser Saison bei den „Athleten“. In die Spielzeit gestartet war man noch mit Ex-Profi Steffen Baumgart, der im Sommer 2016 wegen der starken Saison 15/16 und dem nur haarscharf verpassten Sprung des BAK in die Relegation noch zum „Trainer des Jahres“ gewählt worden war. Doch Baumgarts Lorbeeren vertrockneten schnell – nach sechs Punkten aus fünf Spielen zum Auftakt dieser Spielzeit war Schluss für den ehemaligen Spieler des 1. FC Union.

Jörg Goslar wurde der neue Mann auf der Kommandobrücke, startete mit einem 4:1-Sieg gegen Bautzen verheißungsvoll. Das folgende, deutliche 0:3 in Jena war aber bereits ein herber Rückschlag für die Berliner, denn der Rückstand auf die Überflieger aus Thüringen betrug seinerzeit schon 12 Punkte. Goslar gab die Aufholjagd dennoch nicht verloren und machte den BAK mit sieben Siegen in Serie wieder zumindest zum Verfolger Nr. 1 des FC Carl Zeiss – bei jetzt nur noch fünf Zählern Rückstand.

Goslars starke Aufholjagd fährt sich zunehmend fest

Bild mit Vergangenheitswert: Nach 19 Ligaspielen ist Schluss für Trainer Goslar beim BAK

In dieser Situation kam die 0:1-Heimniederlage gegen den FC Oberlausitz am 15. Spieltag ebenso überraschend wie ungelegen. Das Pokal-Aus beim Oberligisten VSG Altglienicke und ein 3:5 wieder zuhause (gegen RB Leipzig II) ließen zum Abschluss der Hinserie bereits die Ziele außer Reichweite verschwinden. Trotz zweier Siege zum Rückrundenauftakt ließ dann aber besonders das Unentschieden im Poststadion gegen Auerbach aufhorchen.

Im direkten Aufeinandertreffen mit Carl Zeiss Jena letzten Sonntag gab es dann wenig zu holen. Schnell führte der Tabellenführer mit 2:0, BAK-Keeper Flauder konnte durch das Parieren eines Elfmeters sogar noch eine Vorentscheidung zur Pause abwenden. Am Ende setzte sich Jena mit 3:1 durch und ließ den Athleten keine Illusionen mehr für diese Spielzeit. Grund genug für die Verantwortlichen des immer noch besten Berliner Regionalligisten, bei der angestrebten „strategischen Neuausrichtung“ Nägel mit Köpfen zu machen und den Weg ohne Jörg Goslar fortzusetzen.

"Interimstrainer" Njie hat Chance zur Eigenwerbung

Übergangslösung oder mehr? Abu Njie (noch zu Zeiten bei Tasmania)

Der neue Mann auf der Bank – zumindest übergangsweise – ist dabei kein Unbekannter im Berliner Fußballgeschehen. Abu Njie spielte für einige Hauptstadtklubs und feierte als Neueinsteiger auf dem Trainerstuhl des SV Tasmania bemerkenswerte Erfolge, bevor sich Verein und Trainer überwarfen und die Zusammenarbeit im März 2015 beendeten. Seither war Njie ohne Job quasi im Wartestand, hospitierte bei höherklassigen Vereinen und absolvierte Trainerprüfungen . Das Geduldsspiel hatte in dieser Winterpause dann ein Ende: BAK-Assistenztrainer Cemal Yildiz trat im Januar die Nachfolge von Daniel Volbert bei Tennis Borussia an, für den vakanten Platz neben Jörg Goslar bekam der gebürtige Gambier den Zuschlag.

Nach nur vier Pflichtspielen als „Co“ nun also schon die Beförderung zum Chef beim Regionalligisten BAK – frei nach dem Motto: erst hat’s gedauert – und dann ging’s ganz schnell. Wer den ehrgeizigen und erfolgsorientierten Njie aber kennt, weiß, dass er alles geben wird, um mehr als nur die verlautbarte „Interimslösung“ im Poststadion zu werden.

Beitrag+Fotos: Berlinsport Aktuell/H. Nickelé

Wolfgang Sandhowe, Trainer des BSC

Besonders im Berliner Fußball hat der Name des Westfalen, der gemeinsam mit Andi Weiß die 1. Herren des BSC trainiert, einen guten Klang. Nachdem er seine Laufbahn 1986 im Trainerstab von Hermann Gerland (damals VfL Bochum) begann, folgten auch einige Stationen in der Hauptstadt. Sein letzter Posten im überregionalen Fußball war der beim damaligen Regionalligisten 1. FC Magdeburg, wo er 2011 ausschied. Seither ist es um den mittlerweile 64-Jährigen, der besonders als Talentförderer geschätzt wird, etwas ruhiger geworden.

Im Interview mit Berlinsport Aktuell  gibt Sandhowe nach der Partie BSC - Tasmania (3:2) Auskunft über den Stand der Dinge im Grunewald, hat aber auch - ganz Experte - bis zur letzten Minute der Nachspielzeit alle Tore genau mitgezählt.

Zum Anhören des Interviews bitte anklicken

 

Beitrag+Foto: Berlinsport Aktuell/H. Nickelé

Leon Jauß: Auf den Spuren des Großvaters

Der achtzehnjährige Jungprofi gewinnt sein erstes Rennen. Thorsten Tietz glänzt mit drei Treffern und bereitet dem Besitzer Nico Böker ein feines Geburtstagspräsent.  

Jung und schon erfolgreich: Fahrer Leon Jauß mit Finnegan Bros (Foto: ©Marius Schwarz)

Kalter Wind und heißes Kesselgulasch: Bei sonnigem, aber winterlich kühlem Wetter hatte der Rennverein die ersten 150 Besucher pünktlich zum Veranstaltungsbeginn zu einem kostenlosen und schmackhaften Schmaus eingeladen, der zugleich auch mächtig Appetit auf trabrennsportliche Höchstleistungen machte. Und in der Tat lieferten viele Pferde im Anschluss tolle Vorstellungen ab und machten ihre Gegner – wenn auch nicht zu Gulasch – zu Statisten. In fast allen der zehn Rennen fielen die Entscheidungen recht deutlich aus. Zweimal musste der Zielrichter allerdings ganz genau hinschauen, um den Sieger zu bestimmen.

Jauß jr.: Ganz der Großvater

Für einen bewegenden Moment sorgte der erst 18-jährige Leon Jauß, dem beim achten Start seiner Berufsfahrerlaufbahn mit Finnegan Bros der erste Volltreffer gelang. Und zwar genau an jener Stätte, an der sein 1999 verstorbener, aber unvergessener Großvater Gottlieb Jauß (4.401 Fahrersiege) ruhmreiche Zeiten erlebt und dem Rennsport auf faszinierende Art und Weise seinen Stempel aufgedrückt hatte.

Leon, der dem legendären Trainer und Derby-Sieger zwar nicht von der Statur, wohl aber von den Gesichtszügen her ähnelt, scheint eine gehörige Portion jenes Fingerspitzengefühls geerbt zu haben, das die Familie Jauß über Generationen hinweg berühmt gemacht hat. Er sicherte seinem Hengst zunächst einen idealen Verlauf als zweites Pferd an der Innenkante und schlug, als die Tempomacherin Aniceride (Thorsten Tietz) das Geläuf verlor, eiskalt mit dem 116:10-Außenseiter zu. Finnegan Bros stellte seine Bestmarke in 15,7/1.900m auf die Zehntelsekunde genau ein.

Premiere auch für Siebert, Soccer souverän

Der aus dem niederrheinischen Kalkar angereiste Amateurfahrer und Besitzer Simon Siebert freute sich ebenfalls über einen kleinen Meilenstein. Denn er feierte im Sulky von Lordano Ass seinen ersten Sieg auf der Derby-Bahn – und zwar mit einer taktischen Glanzleistung! Der 27-Jährige steuerte seinen familieneigenen Wallach eingangs der Tribünengeraden nach vorne, drosselte dann enorm das Tempo und gab auf der Schlusshalben wieder richtig Gas. Er verpasste seinen Konkurrenten damit einen klassischen Knockout.

Für Victor Gentz, den Trainer von Lordano Ass, wurde der gelungene Nachmittag wenig später durch den Sieg von Soccer, dessen Leinen er selber in die Hand genommen hatte, perfekt abgerundet. Der Achtjährige war einmal mehr eine Klasse für sich. Soccer zog eine Runde vor dem Ziel an die Spitze und gab das Heft in 14,8/1.900m nicht mehr aus der Hand. Die Manier war überragend und es herrscht kein Zweifel: Die Pferde des Stallteams von Victor Gentz sind für den Berliner Sport eine großartige Bereicherung!

Triple für Tietz

Abräumer: Thorsten Tietz war gleich in drei Rennen ganz vorne (Foto: Berlinsport Aktuell/H. Nickelé)

Der von Thorsten Tietz gesteuerte Classico Chess bereitete seinem Besitzer Nico Böker, der am Sonntag 26 Jahre alt wurde, das passende Geburtstagsgeschenk. Der Sohn des Elitloppet-Siegers Gidde Palema übernahm sofort die Führung und gewann gegen den außen herum tapferen Richard Parker (Dennis Spangenberg) leicht.

Sein zweiter Tagestreffer gelang dem Silberhelm mit dem für 52:10 gehandelten Mighty Hanover, der in der internationalen Klasse mit seinen Gegnern in 16,5/2.000m erstaunlich wenig Mühe hatte. Der Wallach, der sofort die Führung übernommen hatte, wies die mit Zulage bedachte Stacelita (Josef Franzl) souverän ab.

Hauchdünn ging es jedoch beim dritten Treffer des Berliner Champions zu. Mit der dänischen Stute Unforgettable, die ebenfalls für die Pace gesorgt hatte, blieb er nur um wenige Zentimeter vor dem speedigen War Horse (Michael Nimczyk).

Tragopan Jet - wer sonst?

Für das wettende Publikum ist er eine feste Bank: Tragopan Jet (Dennis Spangenberg) trat zum wiederholten Mal als Tipp des Tages an und wurde den hohen Erwartungen zur Quote von 11:10 erneut vollauf gerecht. Der Hengst stürmte aus dem ersten Bogen heraus an die Spitze und geriet in 14,7/1.900m zu keinem Zeitpunkt unter Druck. Berlusconi (Kay Werner) besaß 400 Meter vor dem Ziel zwar einen ganz starken Moment, musste sich anderthalb Längen hinter dem Sieger aber mit Rang zwei zufrieden geben.

Nimczyk nimmt Revanche, Wewering und Kube unangefochten

Der Goldhelm Michael Nimczyk punktete mit Minka Express. Die Stute lag unterwegs an dritter Stelle und wurde aus dem Schlussbogen heraus mächtig schnell. Der in 14,7/1.900m erzielte Sieg gelang Minka Express allerdings erst mit dem allerletzten Schritt, denn die Widersacherin Miss Apple JM (Thorsten Tietz) wehrte sich heftig.

Deutlich klarer gestaltete sich das Geschehen für Heinz Wewering und Jorma Bo. Der Wallach, der sich in den zurückliegenden Wochen enorm verbessert hat, übernahm eingangs der ersten Geraden das Kommando und gewann in 16,0/1.900m souverän.

Die von Sarah Kube gerittene Inari setzte den Schlusspunkt unter die Veranstaltung. Die Stute hatte trotz vierzig Meter Zulage schon nach einer guten halben Runde die Führung übernommen und strampelte das Pensum eisern herunter.

Gesamtumsatz: 128.880,32 Euro – Bahnumsatz: 41.607,40 Euro - Außenumsatz: 87.272,92 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 20. März statt. An diesem Tag werden fünf hochdotierte PMU-Prüfungen ausgetragen. Der Start des ersten Rennens erfolgt um 11.10 Uhr. Das Stall-Casino und das Teehaus sind für Sie geöffnet!

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)

Stellten sich den Fragen (v.l.n.r.): Andreas Voigt (Geschäftsführer), Jörg Zimmermann (Vorstand Sport), Jens Redlich (Vorsitzender), Michael Scholich (Vorstand Finanzen)

Oberligist drückt 6-stelliges Defizit +++ Hauptsponsor muss drohende Insolvenz abwenden

Als Sonntag vor einer Woche publik wurde, dass NOFV-Oberligist Tennis Borussia seinen Vorstand umbesetzt, konnten aufmerksame Beobachter schon hellhörig werden. Zumal der neue Vereinsvorsitzende beim Hauptsponsor auch die Position des Geschäftsführenden Gesellschafters bekleidet. Im Club-Umfeld wurde daraufhin spekuliert, Erinnerungen wurden wach an die beiden Insolvenzen, nachdem Investoren bei den Lila-Weißen ein- und wieder ausgestiegen waren.

Daraufhin sah sich die Vereinsführung veranlasst, eine offene Fragerunde anzuberaumen, um Mitgliedern, Fans und Interessierten genauere Informationsmöglichkeiten zu verschaffen. Was Jens Redlich, der neue „TeBe-Chef“, dann am Montagabend nach einer kurzen Vorstellung seiner Person den etwa vierzig Gästen mitzuteilen hatte, dürfte die Mehrheit überrascht haben. Jedenfalls war im Casino des Mommsenstadions förmlich zu spüren, wie im Auditorium der Atem angehalten wurde, als Redlich die aktuelle Situation des Vereins ungeschminkt darstellte.

Demnach drückt den Charlottenburger Club ein Defizit im sechsstelligen Bereich, das bereits Ende des kommenden Monats zwangsläufig zur Anmeldung der Insolvenz geführt hätte. Redlich, Leiter einer Fitnessstudio-Kette, versicherte den Anwesenden jedoch nachdrücklich, das nötige Geld zur Abwendung des Verfahrens zur Verfügung zu stellen. Um Tennis Borussia für neue Sponsoren interessant zu machen, hält der Geschäftsmann es allerdings für unabdingbar, eben auch in leitender Position im Verein einzusteigen.

Regionalliga bleibt mittelfristig das Ziel

Ziel bleibt, in spätestens drei Jahren den Aufstieg in die Regionalliga zu erreichen. So lange wollen Redlich und sein Unternehmen TeBe auf jeden Fall erhalten bleiben. Der Gedanke ist jedoch, dass die Lila-Weißen – auch mit Hilfe der Kontakte des neuen Vorsitzenden - einen Sponsorenpool aufbauen, der sie nicht abhängig von einem einzelnen Geldgeber macht. Dazu sollen Einsparungen u. a. im Lizenzspielerbereich, mit denen zum Teil schon in der Winterpause begonnen wurde, ebenfalls zum Abbau des Defizits beitragen.

Der aktuelle Fehlbetrag sei dabei aus einem Minus der vergangenen Spielzeit sowie u. a. nicht vollumfänglich Folge geleisteten oder ausgefallenen Sponsorenzahlungen entstanden. Letztere seien allerdings, so Redlich, vom alten Vorstand auch nur teilweise vertraglich festgelegt worden. Die Kritik an dieser Praxis ließ der neue Vorsitzende dabei mehr als nur zwischen den Zeilen durchscheinen. Dazu sei die gefährliche Entwicklung bei den Finanzen viel zu spät erkannt worden.

Auf sportlicher Ebene soll der Schwerpunkt zukünftig wieder mehr auf der Jugendarbeit mit der Heranführung von Talenten an den Herrenbereich liegen. Dazu schwebt Redlich z. B. ein durchgehend einheitliches Spielsytem in den Nachwuchsteams vor. Bei den Herren sei die Saison nach der Niederlage bei Optik Rathenow im Grunde abgeschlossen, über die Ziele für die kommende Spielzeit wollte sich der Vorstand noch nicht äußern. Dazu, so der neue Vorsitzende, sei im Moment angesichts der drängenden Erledigung existenziell wichtiger Fragen für den Verein noch nicht der Zeitpunkt.

Beitrag+Foto: Berlinsport-Aktuell/H. Nickelé