Autoren-Archive: Hagen Nickele

Schalke siegt rechtzeitig

Wie sich herumgesprochen haben dürfte, ist dem FC Schalke 04 bei "letzter Gelegenheit" in der Bundesliga ein Sieg gelungen – damit konnten die Königsblauen die Einstellung des "Ewigkeitsrekords" vom SC Tasmania 1900 aus der Saison 1965/66 vermeiden. In Neukölln freute man sich dagegen vergangenen Samstag nach dem Abpfiff durchaus darüber, das Alleinstellungsmerkmal von 31 Bundesligapartien ohne Sieg behalten zu haben. Wie sehen es aber die Aktiven von damals? Berlinsport Aktuell fragte nach bei Kapitän Hans-Günter "Atze" Becker (Foto unten, l.) und Klaus "Conny" Konieczka, wo bzw. wie sie das Spiel erlebt haben, was sie Schalke noch zutrauen – und, in einem spontanen Exkurs, wie sie die Situation bei Hertha BSC beurteilen.

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Teil 1: Tasmania bleibt Rekordhalter – Schalke und Hertha BSC

*für die Störgeräusche in diesem Teil des Gesprächs bitten wir um Nachsicht






Vor 55 Jahren: Nur 827 Zuschauer – aber ein Punkt

Am 15. Januar 1965 traf der SC Tasmania 1900 im Rahmen des 19.Spieltags auf das Team von Borussia Mönchengladbach. Bei irregulären Platzbedingungen im Olympiastadion war das torlose Unentschieden praktisch unvermeidbar. Die Neuköllner holten ihren ersten Punkt (von nun insgesamt vier) seit drei Monaten, der Rückstand zum rettenden Ufer vergrößerte sich an diesem Tag aber dennoch auf neun Punkte. Dazu sorgte die Minuskulisse im weiten Rund für weitere Ernüchterung: wo sich fünf Monate zuvor noch 81.524 Besucher zum Saisonauftakt ins Olympiastadion gedrängt hatten, verliefen sich nun 827 Zuschauer – eine weitere (Negativ-)Rekordmarke, die Tasmania bis heute hält. Berlinsport Aktuell sprach im zweiten Teil des Gesprächs mit "Atze" Becker und "Conny" Konieczka ausführlich über das Spiel, das in die Bundesligageschichte einging.

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Teil 2: 15.01.1966 – 0:0 gegen Gladbach

Beitrag + Fotos: BspA/Hagen Nickelé

Robbin Bot wie entfesselt

Der 29-jährige Niederländer erzielt die sensationelle Ausbeute von sieben Tagessiegen – Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Lokalmatadoren geehrt.

Hatte allen Grund zur Freude: der Niederländer Robbin Bot, der gleich sieben der 10 Läufe für sich entscheiden konnte (Foto: ©Marius Schwarz)

Jede Menge Jackpots und Garantien und sogar der eine oder andere Sonnenstrahl am Himmel: Der Mariendorfer Jahresauftakt wurde von interessanten Wett-Highlights und von idealen äußeren Bedingungen begleitet. Und doch lag ein kleiner Hauch von Melancholie in der Luft: Denn eine Veranstaltung, bei der die neuen Lokalmatadoren geehrt werden, hätte ganz sicherlich ein vielköpfiges Publikum verdient gehabt und dass die treuesten Fans aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen nicht vor Ort sein konnten, war natürlich überaus bedauerlich.

Vier Champions müssen passen

Die neuen Champions mussten also notgedrungen auf den herzlichen Applaus verzichten und es bleibt nur zu hoffen, dass nach einem Abklingen der Infektionszahlen bald alles wieder in geregelten Bahnen verläuft. Zudem wurde auch der wohl prominenteste der Champions – nämlich der Meister der Berufsfahrer – schmerzlich vermisst: Michael Nimczyk konnte krankheitsbedingt nicht teilnehmen. Auch sein nach einer Hüftoperation gerade erst wiedergenesener Vater Wolfgang Nimczyk, die Monté-Championesse Ronja Walter und der bereits in Winterruhe befindliche „Mariendorfer Traber des Jahres“ Purple Rain waren im Gegensatz zu den Lokalmatadoren Ulrich Mommert, André Dujardin, André Pögel und Franz-Josef Stamer leider nicht vor Ort.

Bot startet mit 4 Siegen ins neue Jahr

Unseren Rückblick auf die Veranstaltung wollen wir standesgemäß natürlich mit den ersten Siegern der Mariendorfer Trabrennsaison 2021 beginnen – nämlich mit Robbin Bot und Favori de la Basle. Auf der langen 2.500-Meter-Distanz war das Gespann zunächst an dritter und auf der Schlussrunde dann an zweiter Stelle postiert. Als Robbin Bot mit dem 1,0-Topfavoriten ausgangs des letzten Bogens ernst machte, war es um den tapfer agierenden Piloten Dalton du Demon (Anne Lehmann) rasch geschehen und Favori de la Basle ging – sicherlich sehr zur Freude seines Besitzers Bernhard Schuch – einem überlegenen Sieg entgegen. Für Robbin Bot, der Michael Nimczyks Fahrten übernommen hatte, war nach diesem Triumph aber noch nicht der Feierabend eingeläutet. Ganz im Gegenteil: Durch weitere Siege mit Key West Newport, der den führenden Quartmajor (Thorsten Tietz) in einem dramatischen Finishduell abfing, und mit Venture Capital, der ausgangs des ersten Bogens nach vorne ging und im Einlauf spielerisch zulegte, legte der schon seit langem in Deutschland lebende Niederländer einen lupenreinen Hattrick hin. Leider gibt es kein Synonym für einen vierfachen Sieg, also keinen „Quattrick“. Ein derartiger Begriff müsste aber dringend erfunden werden, um Robbin Bots Start in die Mariendorfer Saison passend zu umschreiben. Denn der Profi legte unmittelbar nach seinem lupenreinen Hattrick gleich noch einen obendrauf und führte Kaiserhof Newport auf die Ehrenrunde. Der rollte auf der Schlusshalben das gesamte Feld von hinten auf.

Panschow durchbricht Bots Siegsträhne – Der legt aber 3-mal nach

Mit Jacques Villeneuve wäre dem Bronzehelm fast sogar noch der „Quinttrick“ gelungen – das wusste aber Thomas Panschow mit Rolfi zu verhindern. Der „Mann in Blau“ harmoniert mit Hans-Heinrich Dreves Wallach einfach blendend und dies wurde nun belohnt. Nach einem rasanten Start schwang Thomas Panschow ein eisernes Zepter und führte Rolfi von der Spitze aus gekonnt zu dessen ersten Volltreffer seit dem Dezember 2019.

Doch die Chronologie der Erfolge war für Robbin Bot trotz des „Gegentores“ nicht beendet, ganz im Gegenteil. Der Profi punktete mit der durch die Außenspur trabenden Jacy di Quattro, mit Maesta Hill, die nach geschontem Verlauf an der Innenkante eine knappe halbe Runde vor dem Ziel zum Angriff beordert wurde, und mit Garuda Fligny, der Start-Ziel keinerlei Opposition duldete. Insgesamt sieben Tagessiege – eine derartige Ausbeute ist bisher nur ganz wenigen Trabrennfahrern jemals auf der Derby-Bahn gelungen und Robin Bot wird sich noch lange an das denkwürdige Ereignis erinnern.

VIvaldi Diamant hält sein Versprechen

Der spektakuläre Auftritt des Bronzehelms prägte natürlich das gesamte Geschehen. Aber es gab noch weitere exzellente Leistungen der zwei- und vierbeinigen Akteure zu bewundern. Zum Beispiel in der Gewinnsummenkasse bis 3.500 Euro: Die großen Versprechungen, die Vivaldi Diamant nach Einschätzung seines Trainers und Fahrers Victor Gentz schon vor längerer Zeit gemacht hatte, hält er zu hundert Prozent. Der Wallach entwickelt sich einfach prächtig. Nachdem der Braune auf Zielhöhe das Kommando übernommen hatte, war er eine Macht und gewann mit drückender Überlegenheit.

Tietz siegt zweifach

Auch die von Thorsten Tietz präsentierte Gwendoline Go hatte gleich zu Beginn ihrer Rennlaufbahn viel Können bewiesen – dann geriet der Kurs aber etwas ins Schlingern. In den vergangenen Wochen geht es nun aber wieder steil bergauf und trotz zweiter Startreihe erfolgte der zweite Sieg hintereinander. Die Fünfjährige ging eine Runde vor dem Ziel nach vorne und löste sich auf den letzten Metern souverän von den Verfolgern.

Thorsten Tietz punktete ebenfalls mit Paris Turf, der von der Spitze aus gegen starke Konkurrenten im Einlauf zwar für einen kurzen Moment unter Druck geriet, aber sofort wieder famos anpackte und den Sieg festhielt.

Gesamtumsatz: 181.812,88 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 24. Januar statt. Beginn ist um 13.30 Uhr. Im sportlichen Mittelpunkt steht der Winter-Pokal des VDT.

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)


In unserer heutigen Ausgabe mussten wir auf den "Medienmarathon"-Mann "Atze" Becker verzichten – Klaus "Conny" Konieczka sprach mit Berlinsport Aktuell so quasi im Alleingang über:

Teil 1: Hertha - Schalke (3:0) und der drohende Verlust des Negativrekords

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Teil 2: KSC - Tasmania (08.01.1966), falsche Schuhe und Torwartrotation

Zum Auftakt der Hinrunde hatte Tasmania den KSC bekanntlich vor 80.000 Zuschauern mit 2:0 bezwungen, bis zum Wiedersehen ergatterten die Neuköllner aber lediglich noch einen weiteren Punkt. Die guten Erinnerungen an die Karlsruher nützten zum Jahres - bzw. Rückrundenauftakt 1966 dann auch nichts – die Treffer zur 0:3-Niederlage im Wildparkstadion waren allesamt bereits nach nicht einmal einer halben Stunde gefallen.

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Beitrag+Fotos: BspA/Hagen Nickelé


Aufgrund der Negativserie des FC Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga hat sich in den letzten Wochen das öffentliche Interesse am bisherigen Rekordhalter aus Berlin gewaltig vergrößert: der SV Tasmania, bzw. sein „Vorgängerverein“ SC Tasmania 1900, hatte bekanntlich in der Saison 1965/66 unter denkwürdigen Umständen einige Negativrekorde – vermeintlich – für die Ewigkeit aufgestellt. Der eine oder andere davon ist bereits gefallen, aktuell geht es um die längste Serie von Bundesligapartien ohne einen Sieg. Tasmania hatte dabei zwischen dem 1. (2:0 gegen den Karlsruher SC) und dem vorletzten Spieltag (2:1 gegen Borussia Neunkirchen) 31 Spiele auf ein Erfolgserlebnis mit zwei Punkten (Drei-Punkte-Regel gilt erst seit 1995) warten müssen.

"Alte Dame" könnte Schicksal spielen


Schalke 04 bringt es in dieser Hinsicht nun inzwischen auf 29 Spiele – allerdings haben die Königsblauen diese Serie im Gegensatz zu Tasmania saisonübergreifend aufgestellt. Und: dieser Negativrekord ist im Prinzip nur ein „Kollateralschaden“, der aus Tasmanias eigentlicher, historischer Marke resultiert – mit acht Zählern (nach heutiger Rechnung 10) die geringste Punktzahl, die jemals ein Bundesligist in einer Spielzeit erreichte. Am Sonnabend könnte nun ausgerechnet Hertha BSC Schicksal spielen – bei einer Niederlage der "Alten Dame" gegen Schalke wäre der bisherige Rekordhalter aus Neukölln noch rechtzeitig "erlöst" und würde die Marke behalten.



Wie sehen es aber die Aktiven von damals? Berlinsport Aktuell fragte nach bei Kapitän Hans-Günter "Atze" Becker (Foto, l.) und Klaus "Conny" Konieczka, wie sie die aktuelle, königsblaue Bedrohung ihrer historischen Marke erleben, was ihnen vom sportlichen Aufeinandertreffen mit Eintracht Braunschweig vor genau 55 Jahren (31.12.1965) im Gedächtnis geblieben ist – und noch einiges mehr.

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Teil 1: Tasmania, Schalke und Hertha BSC


Teil 2: Tasmania und das Spiel am Silvestertag vor 55 Jahren

 

Beitrag + Fotos: BspA/Hagen Nickelé

Viel wird aktuell gesprochen über die 31 Spiele des SC Tasmania 1900 in der Bundesligasaison 1965/66 ohne Sieg. Der FC Schalke 04 ist drauf und dran, die fast 55 Jahre alte Rekordmarke der Neuköllner einzustellen bzw. zu überbieten (wenn auch saisonübergreifend). Da stellt sich zwangsläufig die Frage, wie es Tasmania-Spieler von damals sehen: soll die "negative Bestleistung" lieber abgegeben oder behalten werden?


Möchten Sie noch erleben, dass der Negativrekord des SC Tasmania 1900 gebrochen wird..?


Berlinsport Aktuell hat sein Archiv durchstöbert und aus Videoaufnahmen vom Ehemaligentreffen 2016 (Foto) einen kurzen Film zu dem Thema zusammengestellt. Seinerzeit ging es dabei um den "Ur-Rekord" von nur acht (nach heutiger Rechnung zehn) Punkten in einer Saison – dessen Einstellung noch unvorstellbarer schien, als die der oben erwähnten Bestmarke.

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Beitrag+Film+Foto: BSpA/Hagen Nickelé


Aufgrund der Negativserie des FC Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga hat sich in den letzten Wochen das öffentliche Interesse am bisherigen Rekordhalter aus Berlin gewaltig vergrößert: der SV Tasmania, bzw. sein „Vorgängerverein“ SC Tasmania 1900, hatte bekanntlich in der Saison 1965/66 unter denkwürdigen Umständen einige Negativrekorde – vermeintlich – für die Ewigkeit aufgestellt. Der eine oder andere davon ist bereits gefallen, aktuell geht es um die längste Serie von Bundesligapartien ohne einen Sieg. Tasmania hatte dabei zwischen dem 1. (2:0 gegen den Karlsruher SC) und dem vorletzten Spieltag (2:1 gegen Borussia Neunkirchen) 31 Spiele auf ein Erfolgserlebnis mit zwei Punkten (Drei-Punkte-Regel gilt erst seit 1995) warten müssen.

Schalke 04 bringt es in dieser Hinsicht nun inzwischen auf 29 Spiele – allerdings haben die Königsblauen diese Serie im Gegensatz zu Tasmania saisonübergreifend aufgestellt. Und: dieser Negativrekord ist im Prinzip nur ein „Kollateralschaden“, der aus Tasmanias eigentlicher, historischer Marke resultiert – mit acht Zählern (nach heutiger Rechnung 10) die geringste Punktzahl, die jemals ein Bundesligist in einer Spielzeit erreichte.

Dass die aktuellen Verantwortlichen des SV Tasmania dabei „ihren“ Rekord behalten wollen, hat sich mittlerweile dank großer Aufmerksamkeit in Presse, Funk und Fernsehen herumgesprochen. Wie sehen es aber die Aktiven von damals? Berlinsport Aktuell fragte nach bei Kapitän Hans-Günter "Atze" Becker (Foto, l.) und Klaus "Conny" Konieczka, wie sie die aktuelle, königsblaue Bedrohung ihrer historischen Marke erleben – und was ihnen vom sportlichen Aufeinandertreffen mit Schalke 04 vor fast genau 55 Jahren (18.12.1965) im Gedächtnis geblieben ist. Das Gespräch fand dabei im Gegensatz zu den zahlreichen Interviewterminen der letzten Wochen per Telefonkonferenz statt – dadurch gibt es allerdings auch ein paar Störungen, die aber zum Teil durchaus unterhaltsam sind.

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Teil 1: Tasmania, Schalke 04 und das Thema "Negativrekord"

Teil 2: Tasmania und das Spiel gegen Schalke vor 55 Jahren

*Das Gespräch fand vor dem letzten Bundesligaspieltag 2020 – also auch vor der erwähnten Partie Schalke - Bielefeld (0:1)

 

Beitrag + Fotos: BspA/Hagen Nickelé


Der FC Viktoria 89 ist bislang das Topteam der Regionalliga Nordost – dabei konnte erst im vergangenen Winter das Insolvenzverfahren offiziell abgeschlossen werden. Aus dieser Krise hat sich der Verein inzwischen also nicht nur befreien können, sondern plant – kurz- oder mittelfristig – mit höherklassigem Fußball.


      Benedetto Muzzicato (FC Viktoria 89)

Wir sind voller Selbstvertrauen an die Sache herangegangen, haben das auch von Tag 1 an vorgelebt – ob das in den Analysen war, ob das in den Einzelgesprächen war: wir wollten klarmachen, dass das dieses Jahr auch mit Jena, Cottbus oder Chemnitz unsere Saison sein kann."


Berlinsport Aktuell sprach im zweiten Teil eines ausführlichen Telefoninterviews* mit Viktoria-Trainer Benedetto Muzzicato über Planbarkeit von Erfolg, Viktorias Voraussetzungen – und das "A-Wort".

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*Das Gespräch fand am vergangenen Sonntag statt

Beitrag+Fotos: BspA/Hagen Nickelé


Der FC Viktoria 89 ist in der Saison 2020/21 bisher das Maß der Dinge in der Regionalliga Nordost. Verlustpunktfrei rangieren die "Himmelblauen" mit 33 Punkten aus elf Spielen an der Tabellenspitze und haben damit bereits acht Punkte Vorsprung auf den ärgsten Verfolger, die VSG Altglienicke. Aktuell ruht der Spielbetrieb aber wegen der Coronavirus-Pandemie, sodass sich Viktoria und die anderen Vereine der Nordost-Staffel für den "Tag X" bereit halten müssen.


    Benedetto Muzzicato (FC Viktoria 89)

Wer mich kennt, weiß, dass Siege alleine nicht immer alles sind – ich schaue den Jungs einfach gerne zu. Aber ich nehme jetzt mal als Beispiel Tennis Borussia, wo wir glücklich mit 2:1 vom Feld gegangen sind – solche Spiele gefallen mir einfach nicht. Also: es sind nicht nur Siege – da muss mehr sein.


Berlinsport Aktuell sprach im ersten Teil eines ausführlichen Telefoninterviews* mit Viktoria-Trainer Benedetto Muzzicato über besondere Anforderungen in dieser Saison, den Umbruch zuvor – und warum auch ein Tiefschlag sein Team in der Liga bislang nicht stoppen konnte.

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*Das Gespräch fand am vergangenen Sonntag statt

Beitrag+Fotos: BspA/Hagen Nickelé

Beide Hauptereignisse an Jaap van Rijn

Zweiter Hauptgewinn des Tages: Jaap van Rijn steuert Prosperous zum Sieg im Lauf der Gold-Serie (Foto:©BTV)

Hollands Nachwuchsstar bei den Dreijährigen hauchdünn mit Di Ospeo, Prosperous leichtfüßig zum dritten Gold – Purple Rain krallt sich den VDT-Pokal – Thorsten Tietz auch mit I’ve got mail – der Goldhelm mit Elka Ludoetka, Venture Capital und King of the Hill

Ein frischer, trockener 1. Advent, zwei 10.000-Euro-Prüfungen, dazu der Geburtstagsrenntag des mit 126 Jahren ältesten deutschen Vereins für Traber-Besitzer und -Züchter VDT – Traber-Herz, was willst du mehr? Zuschauer natürlich, und die waren wegen der Corona-Bestimmungen samt und sonders ausgeschlossen, was nicht nur VDT-Präsident Andreas Prössel jammerschade fand: „Wir hätten uns als Verein gern wie üblich um diese Jahreszeit mit Info-Stand und Glühwein präsentiert. Das fiel leider genauso weg wie das uns sehr am Herzen liegende Heinz-Mohr-Memorial, das ja den Amateuren vorbehalten ist.“ Advents- oder gar feierliche Stimmung war somit Mangelware.

Galoppadenfestival bei Di Ospeos Sieg

Sportlich gab’s hingegen nix zu greinen. Kurz vor Saisonultimo hatten die etwas Ärmeren der Generation 2017 – jene, die maximal 5.000 Euro reich waren– im Herbstpreis der Dreijährigen um 10.000 Euro eine gute Gelegenheit, Winterfutter zu verdienen. Geprägt wurde das Rennen auch durch viele Galoppeinlagen. 50 Meter vor der Startmarke erwischte es die Belgierin Nyx Hillperon, 50 Meter danach Hooper des Chasses, im ersten Bogen Ray Kelly, kurz vor Erreichen der zweiten Kurve Captain Olaf, der gerade Stallkamerad Di Ospeo an der Spitze abgelöst hatte, und eingangs der Zielgeraden Kirby Starlake, als der sich eben diesen Di Ospeo zur Brust nehmen wollte. So war Jaap van Rijn urplötzlich weit voraus und schien das Match ungefährdet in derTasche zu haben, als innen entlang aus dem Nirgendwo Villeneuf mit Siebenmeilenstiefeln angesaust kam und ein Zielfoto erzwang, das einen minimalen Vorsprung für Di Ospeo auswies. Seine drei roten Karten in Folge ließ King of Steel vergessen und hatte als Dritter reichlich Platz nach vorn wie hinten. Bei 109:10 schröpfte der Überraschungssieger die V7+-Fans gewaltig.

Zweiter Tagessieg für van Rijn

Wesentlich entspannter ging’s für Hollands Nachwuchsstar gleich darauf im ebenfalls 10.000 Euro wertvollen 7. Lauf der Goldserie zu. Prosperous, der bereits die Läufe IV und VI an seine Fahne geheftet hatte, machte die Hälfte seiner 20 Meter Zulage auf den ersten 100 Metern wett, kreuzte bald an der Seite des führenden Major Ass auf, übernahm für die Schlussrunde das Zepter und hatte den achten Deutschland-Sieg damit de facto in der Tasche. In der letzten Kurve setzte er sich umso leichter ab, weil die erklärten Herausforderer General Lee und Arendelle um den müden Louie Brodde herum mussten, spazierte locker-flockig davon und wäre mit seiner Gewinnsumme von 210.754 Euro gut in Frankreich unterzubringen. „Henk Grift hat so etwas angedeutet, doch hier gibt’s auch gutes Geld zu verdienen, und das auf wesentlich leichtere Art“, plädierte van Rijn eher für den Spatz in der Hand denn die Taube auf dem Dach.

Purple Rain gewinnt VDT-Mitgliederpokal

Der mit Formpferden nur so gespickte Mitglieder-Pokal des VDT wurde eine souveräne Beute von Purple Rain, der mit Thorsten Tietz auch beim sechsten gemeinsamen Auftritt nicht zu knacken war und stramm durch die Klassen marschiert. Diesmal war es ein wenig anders als sonst, denn nicht der Fast-Photo-Wallach, sondern Francesco flog in Front, „doch ich hab Purple Rain, der sich von Start zu Start steigert und mittlerweile völlig unkompliziert ist, sofort nach außen dirigiert, und Jörgen Sjunnesson hat mich zu Beginn der Tribünengeraden vorbeigelassen. Schon das war ein Höllenritt, danach gab’s Druck von Man U. Das halten nur wirklich gute Pferde aus und können sich am Ende leicht lösen.“ Mit viel Pep stürmte Iron Polly aus der Deckung zum Ehrenplatz, wobei dem Wallach die launische Fortuna hold war: An der letzten Ecke hingen die aus dem Hintertreffen schwungvoll aufziehenden Virginias Prime und Moncler Bo mit den Sulkyrädern zusammen und verloren jenen Drive, der zu mehr als Rang drei bzw. vier vonnöten gewesen wäre.

Weitere Rennen

Ein zweites Mal hatte der VDT in die Vereinskasse gegriffen und einen Rennpreiszuschuss spendiert: Kein Wagnis-Kapital war im „126 Jahre VDT“-Rennen bei 10:10 eine Wette auf Venture Capital trotz des kniffligen Meilenstarts im Bogen. Michael Nimczyk ließ den dreijährigen Fuchs ruhig eintreten, kam ungeschoren um die springenden Klippen San Pardo und Goofy Wan, parkte hinter dem die äußere Reihe anführenden Camus und band ab 250 Meter vorm Ziel den Sack rigoros zu.

Ein prächtiges Debüt gab King of the Hill, der auf prominente Verwandtschaft bauen kann: Zu den älteren Geschwistern zählen die beiden Derby-Sieger Unforgettable und Expo Express sowie Yankee Elmo, Flashback und Juan Les Pins. Dieser Noblesse zeigte sich der von Mats Strandqvist für Ulrich Mommert geformte und vom deutschen Champion pilotierte Dreijährige würdig. Der Wallach verlor den Kampf ums Kommando gegen die ein Jahr ältere Extravaganza, entpuppte sich jedoch auf den finalen 250 Metern als extravagant stärker und setzte klar voraus einen ersten Pflock, dem bald weitere folgen werden.

Glasklar brachte Kornelius Kluth mit Naidoo stramm vorneweg selbst einem munteren Burschen wie Jacques Villeneuve rigoros die Flötentöne bei, der reichlich wacklig wirkte und vom Goldhelm mit aller Finesse im Takt gehalten werden musste. Thorsten Tietz hingegen musste zittern, dass sich ein Schlupfloch zwischen Cashgirl Hall, Rolfi und Only Time auftat. Auf den letzten Point war die Lücke da, um mit I’ve got mail zuzustoßen und Rolfi auf den Ehrenplatz zu schicken – den nunmehr fünften aus den letzten sieben Auftritten des Wallachs.

Trotteurs-Français-Läufe

Zwei der drei den Renntag eröffnenden PMU-Prüfungen waren den Trotteurs Français gewidmet. Nummer eins ging auf die Kappe von Elka Ludoetka, die der frisch aus dem Urlaub gekommene Michael Nimczyk munter vorneweg knattern ließ und so Germinal den Angriffswind aus den Segeln nahm. Bei den reichen Franzosen musste er zuschauen, weil sein Favori de la Basle wegen Krankheit die Boxe hütete. Das nutzte der in Deutschland auch im Tagesgeschäft bestens erprobte, recht aufwändig vorgetragene Flyer de Brikvil, mit dem Reinier Feelders sich Dalton du Démon kräftig zur Brust nahm, als es um die Wurst ging.

Dazwischen lag ein aus drei Bändern begonnenes Handicap, bei dem die favorisierte und vom Fleck weg führende Its Race Time im Einlauf deftig die Segel strich. Umso besser präsentierte sich der als innerer Dritter lauernde Arabesk Hazelaar, der sich zuletzt nachdrücklich angekündigt hatte und, erstmals für Dennis Spangenbergs Quartier auf Achse, mit diesem kurz, trocken und überlegen vor Otto Cash zuschlug.

Jacky Bros mit längstem Atem

Trotz des 2500 Meter langen Kantens fiel die Vorentscheidung im letzten Gang der Karte zu Beginn. Wieselflink düste Jacky Bros von der „8“ nach vorn, wehrte nach 600 Metern den Angriff Giant Starlakes ebenso ab wie eine Runde später jenen des Favoriten Place Royal und hatte dennoch im Finish genügend Power, den von Anne Lehmann unterwegs geschickt versteckten Freedom Fighter abzuwimmeln. Für die Schnapszahl von 111:10 machte Thomas Panschow 18 Spieler glücklich, die alle sieben Sieger der V7+-Wette auf einem Schein angekreuzt hatten.

Umsatz bei 11 Rennen: 106.007,46 Euro (incl. 96.007,46 Euro Außenumsatz) – Umsatz PMU (Rennen 1 bis 3): 439.242,45 Euro 

Nächster Renntag des BTV: Montag, 14.Dezember2020

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)

 

Jaap van Rijn und Prosperous erneut unschlagbar

Triumph im Lauf der Gold-Serie: Prosperous mit Fahrer Jaap van Rijn (Foto:©Marius Schwarz)

Das Erfolgsgespann holt sich den hochdotierten Lauf der Gold-Serie. Josef Franzl, Jan van Dooyeweerd, Thorsten Tietz und Robbin Bot gelingen jeweils Doppeltreffer.

Der Wettergott meinte es gut mit der Sonntagveranstaltung. Die größtenteils unter blauem Himmel ausgetragenen Prüfungen waren unvergessenen Sportlern gewidmet – auf Siegerehrungen und auf das Publikum musste der Rennverein aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen allerdings verzichten.

Das war natürlich überaus schade, denn besonders Jaap van Rijn hätte sich nach seinem Sieg mit Prosperous in dem mit 10.000 Euro dotierten Lauf der Gold-Serie sicherlich riesig gefreut. Der Triumph des 1,0-Topfavoriten war eine Demonstration. In der höllisch schnellen 05,5-Startphase drückte Jaap van Rijn zwar noch nicht auf das Gaspedal, sondern ließ seinen von Henk Grift trainierten Schützling erst auf der Tribünengeraden losmarschieren. Doch als Prosperous kurz vor dem zweiten Bogen die Führung übernahm, waren die Würfel bereits gefallen. Jaap van Rijn schaltete und waltete mit dem Rappen ganz so, wie er wollte. Der Wallach stürmte in der Tagesbestzeit von 13,3/1.900m zu einem überlegenen Drei-Längen-Sieg. Exzellente Noten verdienten sich ebenfalls die zweit- und drittplatzierten Tyrolean Dream (Michael Larsen) und Orkan von Haithabu (Thorsten Tietz). Beide hatten zunächst die Lage an der Innenkante – aber vor allem Tyrolean Dream ging dann im weiteren Verlauf in die Offensive, ohne jemals ein Zeichen von Müdigkeit zu verraten. Als Vierter und Fünfter hielten Major Ass (Victor Gentz) und TomNJerry Diamant (Robbin Bot) ebenfalls ausgezeichnet mit.

Doppelsiege für Franzl,...

Für Ol Dono Lengai war der überlegene Sieg mit seinem Trainer Josef Franzl trotz 20 Metern Zulage nicht mehr als eine bessere Trainingseinheit. Der 1,0-Ultrafavorit hatte seinen Rückstand bereits auf der Tribünengeraden wettgemacht. So richtig ernst machte der Vierjährige jedoch erst in der letzten Kurve und als der Dunkelbraune die Schlagzahl ruckartig erhöhte, hatte die führende Timoka Corner (Thorsten Tietz) gegen ihren in 14,5/2.020m auftrumpfenden Kontrahenten nicht den Hauch einer Chance.

Durchaus ein wenig anstrengender war das Pensum für Josef Franzls zweiten Tagessieger Maxi Cup. Der Wallach, der zunächst die Idealposition an vierter Stelle außen ergattert hatte, landete nach einem Führungswechsel einmal mehr in der Todesspur, stand den Verlauf in 14,4/1.900m aber blendend durch und bewegt sich in exzellenter Form.

...van Doyeweerd, ...

Nichts für schwache Nerven war das Rennen für zwei- und dreijährige Pferde, denn von dem späteren Sieger Imoko Deux und seinem Trainer Jan van Dooyeweerd war lange Zeit überhaupt gar nichts zu sehen. Zu Beginn der Schlussrunde lag der Rapphengst noch sechzig, siebzig Meter zurück und nichts deutete auf einen Erfolg des Debütanten hin. Doch ab der Gegenseite tankte sich der 9,2:1-Außenseiter langsam heran und erwischte die Pilotin Berenice Gar (Thorsten Tietz) in 16,3/1.900m genau auf der Linie.

Mit dem ein Jahr älteren Trainingsgefährten Harper Smart sorgte der nahezu nie ohne einen vollen Erfolg aus Berlin in die Niederlande zurückreisende van Dooyeweerd dagegen schon sehr früh für klare Verhältnisse. Der Uniclove-Sohn schoss sofort an die Spitze und brachte das Rennen in 15,6/1.900m mit zweieinhalb Längen Vorsprung souverän vor Mockridge (Victor Gentz) nachhause.  

...Thorsten Tietz...

Der von Thorsten Tietz gesteuerte San Pardo kam beim neunten Anlauf zum ersten Saisonsieg. Der Wallach hatte zu Beginn der Schlussrunde das Kommando übernommen und führte zeitweilig deutlich, musste sich aber gegen die enorm speedige Naomi Bo (Robbin Bot) noch mächtig strecken.

Wesentlich leichter fiel der Erfolg dagegen für Tietz‘ Schützling Purple Rain aus. Während einige der Teilnehmer des 13-köpfigen Mammutfeldes bereits in der Startphase alle reellen Chance verloren, ergatterte der Wallach sofort die Spitze. In der Schlusskurve sah es zwar für einen kurzen Moment so aus, als könnte Purple Rain noch in Bedrängnis kommen. Aber als ihm Thorsten Tietz den Kopf freigab, legte der Dunkelbraune problemlos eine Schippe drauf und marschierte in 15,1/1.900m in imponierendem Stil seinem fünften Treffer in Serie entgegen.

...und Robbin Bot

Er galt schon im Vorfeld als Tipp des Tages und unterstrich diese Einschätzung mit einer eindrucksvollen Leistung: Der von Robbin Bot präsentierte Englishtown war eine Klasse für sich. Der Vierjährige marschierte in dem weit auseinandergerissenen Feld stramm durch die Außenspur und verabschiedete sich auf der Schlusshalben mit Weile-Vorsprung von seinen überforderten Gegnern – das Ganze zum Geldwechselkurs von 1:1.

Für den Stall von Ulrich Mommert punktete Robbin Bot auch mit Nada más, der die Außenspur nicht scheute und sich mit Erreichen des Einlaufs weit genug absetzen konnte, um sich knapp vor dem anschließend wegen unreiner Gangart aus der Wertung genommenen Proud Miguel (Manfred Zwiener) sowie Camus (Kay Werner) über die Linie zu retten.

Weitere Rennverläufe

Feel the Magic legte mit ihrem Trainer Andreas Gläser im Sulky beim siebenten Versuch die Maidenschaft ab. Die Stute ging zunächst nach vorne, ließ aber auf Zielhöhe einen Gegner passieren. Zu Beginn der Schlusshalben trat sie wieder aus dem Windschatten heraus und siegte mit drei Längen Vorsprung völlig überlegen.

Auch mit dem Hengst Fight of the Night, der auf der Gegenseite einen gewaltigen Vorstoß unternommen hatte, wirkte Andreas Gläser eigentlich schon wie der Sieger. Aber der Vierjährige wurde genau auf der Linie noch kalt erwischt. Und zwar von Ronald de Beer und dem 23,3-Außenseiter Calypso, die sich nach einem flotten Beginn clevererweise an die Innenkante begeben hatten. Ausgangs des Schlussbogens fand Calypso in die zweite Spur und spielte in 15,4/1.900m überzeugend seine Reserven aus.

Den Schlusspunkt unter die Veranstaltung setzte ein großartig aufgelegter Fend d’Ukraine, der in Thomas Heinzig offenbar seinen idealen Partner gefunden hat. Der von Anna Frontczak-Salivonchy trainierte Wallach drückte dem Geschehen von der Spitze aus klar seinen Stempel auf und ging in 15,1/1.900m mit sieben Längen Vorsprung auf und davon.

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)