Dass es nochmal so spannend würde, hätte nach dem 2. Satz wohl kaum einer der rund 4.300 Besucher gestern abend in der Max-Schmeling-Halle gedacht. Die ersten beiden Durchgänge hatten die Berlin Recycling Volleys nämlich für sich entscheiden können (25:20 bzw. 25:22). Damit war das Ziel des Abends beinahe erreicht: denn das Team von Roberto Serniotti benötigte einen Sieg, um sich vorzeitig für die Playoffs der Champions League zu qualifizieren und es nicht womöglich auf ein "Endspiel" in der letzten Partie beim italienischen Starensemble von Civitanova ankommen zu lassen.
Doch die Mannschaft von Resovia Rzeszów aus dem Südosten Polens, die von einer respektablen Fan-Abordnung ins etwa 800 Kilometer entfernte Berlin begleitet wurde, war längst noch nicht so weit, ihre letzte Chance auf ein Weiterkommen aufzugeben. Schließlich hatte man beim Hinspiel in eigener Halle gegen die Volleys mit 3:2 die Oberhand behalten. So holten sie nicht nur den dritten Satz für sich (25:21), sondern schafften anschließend auch noch verdient den Ausgleich (25:20).
Jetzt musste der Tiebreak entscheiden, in dem beide Teams ähnlich wie im Tennis bei wechselndem Aufschlag bis 15 Punkte um die endgültige Entscheidung kämpfen. Reine Nervensache, also - und beide Teams schenkten sich nichts. Rzeszów ließ die Volleys nur wenige Male auf zwei Punkte davon ziehen, kam dann wieder heran.
So näherte man sich dem Showdown - und ausgerechnet beim Stand von 12:13 ging der Gast erstmals in Führung. Spannung wie Stimmung in der Schmelinghalle jetzt auf dem Höhepunkt - und die BR Volleys mal wieder im entscheidenden Moment mit der nötigen Nervenstärke: die folgenden drei Punkte machte der Gastgeber und fuhr nach zwei Stunden und 15 Minuten Spielzeit den erlösenden Sieg mit 3:2 ein.
Letztes Spiel 'nur' noch um Gruppensieg
Im abschließenden Gruppenspiel bei Cucine Lube Civitanova geht es jetzt nur noch um Rang 1 oder 2, die beide zum Weiterkommen berechtigen. Die Berliner sind dabei aufgrund der Tabellensituation im Vorteil und können so auch auf ein günstigeres Heimrecht in den Playoffs der Champions League hoffen. Und das ist gerade im Fall der Volleys nicht zu unterschätzen: schließlich gewannen sie alle drei Partien der Gruppenphase vor eigenem Publikum.
Foto: Zusammenstehen - wichtig für die Füchse in der Rückrunde
Die Füchse Berlin haben ihren Angriff auf einen Spitzenplatz in der Bundesliga noch nicht aufgegeben. Ein neuer Trainer und ausgeruhte Nationalspieler sollen dabei helfen.
Wer die Mimik von Bob Hanning während der letzten Spiele der Hinrunde lesen wollte, musste ihn erst mal suchen. Saß er in der letzten Saison noch neben Spielern, Coach und Sportdirektor gut sichtbar auf der Trainerbank, hatte er inzwischen die Seiten gewechselt. Der Platz des Geschäftsführers der Berliner Füchse ist jetzt am Rande der Pressetribüne, einer langgezogenen Tischreihe direkt hinter der Werbebande, vis a vis zur Trainerbank. Wer ihn dort gegen Ende des vergangenen Jahres beobachtete, konnte seiner Mimik einiges entnehmen. Zum Beispiel: er war genervt.
Leichter Abwärtstrend zum Ende der Hinrunde
Der Grund: Seine Füchse verloren gegen Ende des Jahres deutlich den Faden. Die Darbietungen wirkten fahrig und fahrlässig in Anbetracht des eigenen Potentials und der vorgegebenen Ziele. Denn Hanning wünscht sich endlich wieder einen Platz unter den ersten drei Teams des Landes, gleichbedeutend mit der Qualifikation zur Champions-League. Außerdem soll es im EHF-Pokal dieses Jahr bis ins Finale gehen.
Der Schaden der Schwächephase kurz vor Weihnachten blieb überschaubar: ein unnötiges Unentschieden in der Liga und ein erbarmungswürdig schwacher Auftritt im EHF-Pokal, der ohne Konsequenzen blieb. Doch Hanning wollte nicht länger zuschauen. Von seinem neuen Platz in der Halle hatte er auch freien Blick auf Erlingur Richardsson, seinen Trainer.
Der Perspektivwechsel des Geschäftsführers war für Richardssons Karriere bei den Füchsen fatal. Frontal konnte Hanning mitansehen, wie Richardson zunehmend den Zugriff auf sein Team verlor. Der Isländer wirkte am Ende seiner Zeit ratlos und zunehmend passiv. Wann diese Phase genau begann, kann keiner zuverlässig sagen, denn auffällig unauffällig war der 44-jährige Isländer von Anfang an bei den Berlinern.
Trainer Richardsson wurde entlassen
Die Pressevertreter hatten sich daran gewöhnt, dass Richardsson nicht mehr als zwei, drei banale Sätze zum Spielgeschehen präsentierte - Hanning übernahm das für ihn. Der Trainer war am Ende sogar zu unauffällig, um in die Schusslinie der Presse zu geraten. Und so erlebten die Füchse-Fans nach dem 15. Spieltag eine Trainerentlassung ohne Ansage - für viele kam sie aus heiterem Himmel.
Erst fünf Tage vor der Entlassung äußerte die Hauptstadtpresse überhaupt leise Zweifel am Trainer – und das auch nur, weil Hanning sie selbst säte, auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Melsungen Anfang Dezember. Es zeigt, wie gut Hanning seinen Job beherrscht - auf die Berliner Sportberichterstattung wirft es kein gutes Licht. Ohne Hannings Ansage schreibt hier kaum einer was.
Die Modalitäten der Entlassung überlies Hanning nach eigenen Angaben Richardsson zu guten Teilen selbst. Die Füchse wollten sich auf keinen Fall undankbar gegenüber ihrem Ex-Übungsleiter zeigen - immerhin gewann er zweimal die Klubweltmeisterschaft. Die Frage nach dem Zeitpunkt seiner Demission beantwortete der Isländer mit seinem sofortigen Rückzug am 12. Dezember. Da waren im Hintergrund die entscheidenden Strippen bereits gezogen. Plan B konnte anlaufen und der hieß Velimir Petković.
Der 60 jährige Trainer aus Bosnien-Herzegowina konnte sein Glück kaum fassen. Hanning holte ihn aus dem vorgezogenen Ruhestand, der Bundesliga-Veteran war sofort Feuer und Flamme. „Seit Jahren schon habe ich auf den Anruf von Bob Hanning gewartet“, flachste der temperamentvolle Petkovic auf seinem ersten Pressetermin. Von 2005 bis 2013 trainierte er Frisch Auf Göppingen, konnte zweimal den EHF-Pokal gewinnen und wurde 2005 zum „Trainer der Saison“ in der Bundesliga gewählt.
Die Ausgangslage für die Füchse und ihren neuen Trainer ist klar: Vor Beginn der Rückrunde am 12. Februar beim TBV Lemgo (die Füchse gewannen das Spiel mit 34:29; die Red.) stehen sie auf Platz vier in der Tabelle. Unangefochten, könnten Spötter behaupten. Verfolger Hannover und Magdeburg liegen bereits sechs Punkte zurück, doch zu den drittplatzierten Rhein Neckar Löwen sind es auch schon vier Punkte. Wird es auch in diesem Jahr nichts mit dem von Hanning heiß ersehnten Platz unter den besten Drei? Bleiben die Füchse auf absehbare Zeit das Beste vom Rest - nicht gut genug für die Löwen, Flensburg oder Kiel, aber besser als alle anderen in der Liga? Für immer Vierter?
Petkovic ist angetreten, das zu verhindern. „Ich will da vorne rein“, zeigt er sich entschlossen. Inwieweit das realistisch ist, bleibt abzuwarten. Ein wenig entsteht der Eindruck, Trainer Petkovic - ein ausgewiesener EHF-Pokal-Spezialist - wurde als Feuerwehrmann geholt, um die Saison zu retten. Ein Erfolg im Europapokal könnte über den vierten Platz in der Liga hinweg trösten.
Frühes WM-Aus als Vorteil für die Füchse?
Petkovic als Übergangslösung? Auf Nachfrage verneint Hanning. „So lange er gute Leistung bringt, kann er bleiben“ antwortete er etwas flapsig, schiebt aber noch hinterher: „Im besten Falle so lange wie Dagur“. Gemeint ist der inzwischen ehemalige Nationaltrainer Dagur Sigurdsson, der von 2009 bis 2015 die Berliner Füchse trainierte, also eine halbe Ewigkeit.
Zum weiteren Gelingen der aktuellen Spielzeit kann das frühe Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Frankreich beitragen - völlig unerwartet war bereits im Achtelfinale Schluss gegen Katar. Was kurzfristig auf die Moral der Nationalspieler Paul Drux, Steffen Fäth und Silvio Heinevetter schlug - langfristig ist es Gold wert für das Mannschaftstraining von Velimir Petković. Auch der kroatische Kreisläufer Kresimir Kozina (kann wegen eines inzwischen erlittenen Bänderrisses frühestens im März wieder spielen; die Red.) meldete sich zeitgleich mit seinen deutschen Kollegen zurück zum Alltagsdienst - die Feinabstimmung in der Angriffsformation konnte früher beginnen als geplant.
Wann Fabian Wiede wieder daran teilnehmen wird, bleibt zunächst einmal offen. Nach seiner Schulter-OP im Dezember befindet sich der 22 jährige Rückraumspieler noch in der Rehabilitation. Der Rückrundenstart kommt für ihn eventuell zu früh, doch spätestens Ende Februar möchte auch er wieder ins Geschehen eingreifen - dann aber bestimmt nicht, um Vierter zu werden.
*Der Beitrag wurde bereits Anfang Februar verfasst und erscheint hier in zweiter Veröffentlichung
Glanzvoller Sieg in Tagesbestzeit: In Vertretung des erkrankten Michael Nimczyk gewinnt der Topfahrer mit Vin Rouge den Winter-Pokal des VDT. Für eine weitere außergewöhnliche Leistung sorgt der von Dennis Spangenberg präsentierte Rossini Diamant, der gegen exquisite Konkurrenten sogar eine Galoppade ausbügelt.
Weit über 2.200 Siege und zehn Millionen Euro an erzielter Gewinnsumme: Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass Michael Schmid, der am 20. März seinen 50. Geburtstag feiern wird, zu den besten Sulkysportlern der Republik gehört. Am Sonntag lieferte der gebürtige Straubinger auf der Derby-Bahn einmal mehr eine Kostprobe seines Könnens ab und gewann mit dem Hengst Vin Rouge den mit 4.000 Euro Preisgeld dotierten Winter-Pokal des VDT.
Obwohl der Start eigentlich gar nicht eingeplant war, denn Michael Nimczyk sollte den von Manfred Schub trainierten Traber steuern. Da der Goldhelm aber die Fahrt aufgrund einer Grippeerkrankung nicht wahrnehmen konnte, trat Michael Schmid für die Interessen von Thomas Hierl und Daniel Färber – den beiden Besitzern von Vin Rouge – an. Eine goldrichtige Entscheidung.
„Das war wirklich ein feiner Auftritt von Vin Rouge. Er hatte auf dem Schlusskilometer nicht die geringsten Probleme und wird in dieser Saison noch häufig in den Winner-Circle einkehren!“
Michael Schmid
Denn „Schmiddi“ fackelte nicht lange und nahm mit dem sechsjährigen Hengst bereits nach wenigen Metern das Zepter in die Hand. Das war es auch schon, denn Vin Rouge spulte das Pensum aus der Führungsposition heraus eisern ab, ohne auch nur einen einzigen Zwischenangriff seiner Konkurrenten zuzulassen. Die Uhren blieben bei 13,8/1.900m stehen – Tagesbestzeit!
Rossini Diamant: 5. Sieg in Folge trotz Problemen
Fast noch spektakulärer als dieser Sieg war allerdings der Triumph von Dennis Spangenberg und Rossini Diamant. bei der von kaltem, aber trockenem Wetter begleiteten Veranstaltung. Außergewöhnlich nicht nur, weil es bereits der fünfte Volltreffer hintereinander für den Wallach aus dem Besitz von Klaus Bockhoff und Wolfgang May war. Sondern sensationell vor allem, weil eine Galoppade eingangs der Gegenseite den Dunkelbraunen nahezu aussichtslos zurückgeworfen hatte.
Doch obwohl seine Gegner wahrlich nicht von Pappe waren, sondern durchweg beste Qualität verkörperten und zudem ein rasantes Tempo vorlegten, kämpfte sich Rossini Diamant ins Rennen zurück. Ausgangs des Schlussbogens war der Traber bereits wieder auf Tuchfühlung mit den vorderen Pferden. Mit den letzten Schritten machte Rossini Diamant dann tatsächlich das schier Unglaubliche perfekt und nagelte den Piloten Soccer(Victor Gentz) unmittelbar vor der Linie fest. Die exquisite Zeit von 14,6/1.900m war dabei fast nebensächlich, denn ohne den Fehler wäre für den Seriensieger sogar ein 13-er Schnitt drin gewesen.
Spangenberg siegt auch mit Il Santo
Für Dennis Spangenberg blieb es nicht bei dem diesem einzigen Sieg. Das erwartete muntere Hauen und Stechen gab es in dem mit 9.999 Euro Garantie ausgestatteten Viererwetten-Rennen, denn auf dem langen 2.500-Meter-Kanten gab es mehrere Führungswechsel und turbulente Attacken. Zu denen, die kurzzeitig die Spitze hatten, gehörte auch der vom Berufsfahrer gesteuerte Il Santo.
Spangenberg ließ sich mit dem Wallach dann aber an die dritte Position zurückfallen und ergriff die Initiative erst wieder auf der Schlussrunde, als Teeny Weeny(Thorsten Tietz) längst das Kommando übernommen hatte. Il Santo folgte der Pilotin in der Außenspur wie ein Schatten und zog mit den letzten Schritten mit einer Halslänge vorbei. Auch die dritt- und viertplatzierten Bonaparte(Michael Hönemann) und Krabat(Matthieu Hegewald) hielten sich achtbar und waren nur knapp geschlagen.
Überraschung: Außenseiter siegt, Tragopan Jet nur Vierter
Mit dem auf 13:10 herunter gewetteten Tragopan Jet, der nur Vierter wurde, blieb Spangenberg allerdings deutlich unter den Erwartungen, denn der italienische Hengst konnte sich in dem in 15,3/1.900m gelaufenen Rennen der Gewinnsummenklasse bis 14.000 Euro trotz akzeptablen Verlaufs an sechster Position außen verblüffender Weise nie entscheidend einschalten. Stattdessen gab Jorma Oikarinen mit dem bei 258:10 gehandelten Riesenaußenseiter Willow Bay Evert den Ton an – die größte Überraschung der Veranstaltung.
Der Finne hatte den in seinem eigenen Besitz befindlichen Wallach gekonnt im Windschatten des Tempomachers Harley As gehalten und obwohl dieser zu keinem Zeitpunkt müde wurde und sich überaus teuer verkaufte, bog Willow Bay Evert den Spieß mit einem fulminanten Schlussangriff doch noch um.
Auch Merete düpiert die Favoriten
Auch Heiner Christiansen sorgte für lange Odds. Der vielfache Norddeutsche Champion kämpfte mit der für die Farben von Kay Härtel laufenden Merete kurz um die Spitze mit und servierte der vierjährigen Stute im Anschluss einen Traumverlauf als zweites Pferd an der Innenkante.
Im Schlussbogen wirkte Merete zwar noch nicht wie die kommende Siegerin – aber auf der Zielgeraden streckte sich die 127:10-Außenseiterin willig und hielt die ganz außen heranfliegende Classic Winner(Edelbert Ohmer), die sogar bei 323:10 notiert war, und die erst spät freigekommene Ring the Bell(Thorsten Tietz) unter Rekordverbesserung auf 1:17,8 min. in Schach. Honoriert wurde die richtige Dreier-Reihenfolge mit dem tausendfachen Einsatz!
Topkandidat setzt sich nach Aufholjagd durch
Eine geradezu phänomenale Leistung lieferte der von André Pögel präsentierte Amundsen Mo ab. Sicherlich – dass der 20:10-Favorit nach der Zieldurchfahrt zur Ehrenrunde eindrehte, war zunächst einmal keine allzu große Überraschung. Aber angesichts des Rennverlaufs war der Auftritt einfach großartig. Denn beim Eindrehen aus dem Band kam der Mommert-Traber überhaupt nicht gut weg und folgte der Spitze mit gehörigem Abstand. Es kam zu einer imponierenden Aufholjagd, bei der Amundsen Mo herausragende Moral bewies.
So hartnäckig sich Cash Only S(Michael Hamann), der Ende der Gegenseite die Führung übernommen hatte, auch wehrte – er besaß gegen den über sich hinauswachsenden Amundsen Mo keine Chance.
Zweiter Saisonsieg für Lordano Ass
Lordano Ass fühlt sich auf dem Mariendorfer Rechtskurs offensichtlich pudelwohl und unterstrich seine tolle Verfassung mit dem zweiten Saisonsieg. „Ohne Eisen ist er ein besseres Pferd!“, strahlte sein Trainer und Fahrer Victor Gentz bei der anschließenden Siegerehrung und hatte wahrlich allen Grund zur Freude, denn der fünfjährige Wallach trommelte stolze 14,7/1.900m auf das Geläuf.
Selbst der harte Rennverlauf in zweiter Spur konnte dem Ganymede-Sohn nicht das Geringste anhaben – der Wallach wird in den kommenden Wochen und Monaten weiter von sich reden machen!
Taktikfuchs Wewering führt Außenseiterin zum Sieg
Eine erstklassige taktische Leistung durfte man Heinz Wewering bei seiner Fahrt mit Fabian Boshoeve attestieren. Europas siegreichster Sulkysportler steuerte die Stute des Niederländers Wiebe D. Landman sofort in Front, ließ dann aber im weiteren Verlauf einige seiner Gegner gewähren und wartete in aller Seelenruhe ab.
Schon im Schlussbogen war erkennbar, das Fabian Boshoeve noch ein Wörtchen mitreden würde – und so kam es dann auch. Die 101:10-Außenseiterin spurtete am Konkurrenten Good Vibrations(Dennis Spangenberg) vorbei und setzte sich mit einer halben Länge Vorsprung durch.
„Dass sie auf einem guten Weg ist, hatte Fabian Boshoeve schon beim Start zuvor bewiesen, als sie eine 16-er Zeit lief.“
Heinz Wewering
Mit Edana wäre für Heinz Wewering beinahe ein weiterer Tageserfolg drin gewesen, denn die Stute zog von der Spitze aus fein durch und wurde für ihren Fleiß verdienterweise mit dem zweiten Platz belohnt. Noch besser konnte es allerdings der von Hannu Voutilainen trainierte und von Daniel Wagner gesteuerte Saint’s Angel, der nach vielen guten Leistungen für einen vollen Erfolg geradezu überfällig war.
Leicht traf es der Sechsjährige allerdings nicht an, denn er musste sich das Rennen in der Außenspur selber gestalten. Doch Daniel Wagner überhastete trotz der eher misslichen Lage nichts und führte seinen Schützling peu à peu an die Gegnerin heran. Auf den entscheidenden letzten hundert Metern war Saint’s Angel eindeutig dominant.
Dulco di Quattro beeindruckend
Auf den überlegensten Sieger des Tages mussten die Zuschauer bis zum abschließenden letzten Rennen warten. Der wie fast immer von Marlene Matzky vorgetragene Dulco di Quattro war eine Klasse für sich. Obwohl der Love-You-Sohn als einziger der acht Teilnehmer dieser Prüfung eine Zulage zu verkraften hatte und die gesamte 2.020-Meter-Strecke in der Außenspur bewältigen musste, war er am Ende weit voraus.
Dulco di Quatto sammelte einen Gegner nach dem anderen ein und schon deutlich vor dem Ziel war klar, dass es kein Verlieren für ihn geben würde. Der Wallach setzte sich in 1:14,5 min. mit vier Längen Vorsprung gegen Bianca Boshoeve(Chantal Solhart) und Inari(Sarah Kube) durch und scheint nach den ausgiebigen Ruhepausen, die ab dem Spätsommer eingelegt hatte, nun besser als jemals zuvor in Schwung zu sein.
Gesamtumsatz: 151.739,71Euro – Bahnumsatz: 36.549,30 Euro - Außenumsatz: 115.190,41 Euro.
Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 26. Februar statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.
Tischtennis: Deutlicher 3:0-Sieg gegen Grand Quevilly
Beitrag: Jo Lißner Ein sehr kalter Abend in Berlin. Nahe dem Velodrom an der Landsberger Allee liegt auf einem ausgedehnten Sportgelände auch die Große Spielhalle Paul-Heyse-Straße. Am Freitag versucht der ttc berlin eastside, wieder in das Halbfinale der Tischtennis-Champions-League der Frauen einzuziehen. Nicht ganz unerwartet sind die Berlinerinnen so weit gekommen, schließlich sind sie amtierende Titelträger nicht nur in Deutschland, sondern eben auch in ganz Europa.
Vor knapp zwei Wochen, am Sonntag, dem 29. Januar, waren die Tischtennis-Damen aus der Hauptstadt in Frankreich angetreten. Und so hatte sich eastside-Chef Alexander Teichmann das damals vorgestellt: Das CL-Viertelfinal-Hinspiel bei ALCL TT Grand-Quevilly klar gewinnen, um dann im Rückspiel befreit aufzuspielen. Beim 3:1 standen zwei Siege von Petrissa Solja gegen Shiho Ono, einer von Georgina Póta gegen Tian Yuan, allerdings auch eine Niederlage von Shan Xiaona gegen Galia Dvorak zu Buche.
Heute am Freitagabend traten die Französinnen wieder mit dem gleichen Personal an in Berlin. Eigentlich hatte man bei eastside damit gerechnet, dass Grand-Quevilly Ex-Europameisterin Li Fen für das wichtige Rückspiel auf jeden Fall aus dem Hut zaubern würde. Auf Berliner Seite ergab sich eine Änderung: Beim Finale des europäischen TOP-16-Turniers im französischen Antibes in der Vorwoche hatte sich Petrissa Solja an der linken Schlaghand verletzt, so dass am Freitag Yui Hamamoto zum einen mitspielte, zum anderen gleich an Position 1 gesetzt wurde. Position 2 war für Gina Póta, die beim TOP 16 Fünfte geworden war, Position 3 für Shan Xiaona vorgesehen. Die frischgebackene Junioren-Europameisterin Chantal Mantz war nicht dabei.
Hamamoto nur mit Problemen im ersten Satz
Im ersten Match des Abends standen sich Yui Hamamoto und die chinesischstämmige Kroatin Tian Yuan gegenüber. Gina Póta hatte bei Olympia 2012 schon gegen sie gespielt gesiegt. Ob die 18-jährige Japanerin mit der erfahrenen, 42-jährigen Chinesin fertig werden kann? Hamamoto wirkte vor der Partie jedenfalls, wie immer, nervös und schüchtern. Das ändert sich aber immer grundlegend, wenn das Match beginnt. Dann spielt sie aggressiv und will absolut jeden Punkt gegen jeden Gegner machen.
In Satz 1 ergibt sich ein Klasseduell mit dem besseren Ende für Tian: 14:12. Berlins Trainerin gibt Yui in der Satzpause einige Hinweise, und danach läuft es viel besser für den japanischen Jungstar, immerhin schon die Nummer 16 der Welt. Hamamoto gewinnt die nächsten drei Sätze in Folge, den letzten sogar unendlich überlegen zu Null. Das gilt in der Tischtennis-Szene eigentlich als Etikette-Verstoß, man lässt dem Gegner immer einen Ehrenpunkt. Hier tickt die extrem ehrgeizige Japanerin wohl anders. Speziell in diesem Satz trifft sie alles, schießt jeden Ball der Gegnerin ein. Das 3:1 ist komplett verdient.
Póta siegt im Duell der "Power-Frauen"
Nach diesem Statement sind Gina Póta und Galia Dvorak an der Reihe. Dvorak wurde 1988 zwar in der Ukraine geboren, kam aber im Alter von zwei Jahren nach Spanien und spielt auch international für die Iberer. Hier hatten sich wirklich zwei Gleichgesinnte gefunden: der arme Ball. Beide peitschten sich die Kugel nur so um die Ohren, dass es eine wahre Freude war. Dabei wirkte Póta aber deutlich weniger angestrengt. Sie spielt mit so extrem fließenden Bewegungen, dass man immer staunt, wieviel Power sie den Bällen mitgeben kann dabei. Dabei ist sie auch variabler, denn sie streut ja gerne sehr starke Topspins ein.
Dvoraks Spielart ist hingegen Höchstgeschwindigkeitstischtennis. Mitunter geht das aber auf Kosten der Genauigkeit. Gina Póta nutzte das aus und schlug Dvorak in drei glatten Sätzen. Durch den Gewinn des zweiten Matches stand bereits fest, dass in der Addition beider Begegnungen Berlin den Einzug ins Halbfinale geschafft hat.
Shan Xiaona holt auch den dritten Punkt
Nach der 15-minütigen Pause folgte quasi nur noch die Kür, aber zu Ende gespielt muss schon noch werden. "Nana" Shan Xiaona hatte ja aus dem Hinspiel noch eine Niederlage gutzumachen. Dass sie gegen Dvorak damals verloren hatte, nervte sie enorm. Heute hatte sie mit der Japanerin Shiho Ono ebenfalls eine Penholder-Spielerin wie sie selbst vor dem Schläger. Ono konnte nur in einem Satz ausreichend Paroli bieten und brachte die sonst so superbeherrschte Chinesin mit deutschem Pass zum Meckern - auf Deutsch übrigens.
Am Ende hatte Shan aber die dominantere Rückhand. Das ist ja generell bei dieser Art, den Schläger zu halten, die Schwierigkeit. Die Vorhand ist bei Penholder-Spieler(inne)n immer superstark. Um aber mehr als nur (halb-)hoch zurückzuschieben und den Ball dann eingeschossen zu bekommen, muss man die Penholder-Rückhand schon exzellent beherrschen. Ono ist darin auch nicht schlecht, nur ist "Nana" einfach noch ein ganzes Stück besser und schoss sich schlussendlich zu einem 3:1-Sieg.
Damit war auch das gesamte Match mit 3:0 in trockenen Tüchern. Jetzt strahlten die Berlinerinnen wie immer um die Wette und verbeugten sich geübt vor dem Publikum von ca. 200 Enthusiasten. Parallel hat sich der letztjährige Finalist Tarnobrzeg gegen Cartagena (Spanien) noch einmal vom Galgen gelogen. Das Hinspiel ging haushoch verloren, das Rückspiel haben die Polinnen aber noch höher gewonnen.
Im Halbfinale wartet Froschberg oder Metz
Die Ungarinnen aus Szekszárd setzen sich in beiden Matches gegen Berlins Gruppengegner aus St.-Quentin (Frankreich) durch. Am Sonntag hat Linz AG Froschberg (Österreich) dann Metz TT zu Gast, gegen die sie schon in Frankreich 3:2 gewonnen hatten. Es sieht also nach einem erneuten Halbfinale zwischen dem ttc eastside und Froschberg aus. In Semifinale 2 stehen Tarnobrzeg und Skeszárd. Die Hinspiele sind zwischen dem 10. und 12. März angesetzt, die Rückspiele zwischen dem 7. und 9. April.
Nach drei Siegen hintereinander wäre Ulrich Mommerts Crack für den V5-Auftakt eigentlich eine Bank – doch er trifft auf zwei erstklassige Konkurrenten. Im 4. Rennen geht es um eine Vierer-Garantie in Höhe von 9.999 Euro inklusive 2.573 Euro Jackpot! (Start des ersten Rennens um 14.00 Uhr / Qualifikation und Vorab-Interviews bereits ab 13.30 Uhr).
Starkes Duo im 6. Rennen: Montgomery Mo mit Fahrer Michael Nimczyk (Foto: Marius Schwarz)
Traberherz, was willst Du mehr: Der Rennverein lobt am Sonntag Auszahlungsgarantien, Jackpots und Prämien in Höhe von über 35.000 Euro aus! Die zahlreichen Wett-Highlights sind in ein exquisites sportliches Programm eingebettet, das neben klaren Favoritenerfolgen auch die eine oder andere dicke Überraschung erwarten lässt. Und selbst ein Vierbeinerheld wie Montgomery Mo ist noch längst nicht im Ziel, denn der dreimal hintereinander erfolgreiche Wallach aus dem Besitz von Ulrich Mommert steht vor keiner leichten Aufgabe. Er tritt mit Michael Nimczyk im Sulky im 6. Rennen an – dem Auftakt der V5. Doch betrachten wir das Geschehen am besten der Reihe nach.
Rennen 1 und 2: Erst Zweikampf, dann Mehrkampf erwartet
Im 1. Rennen ist ein heißer Fight zwischen der ebenfalls vom Goldhelm gesteuerten Senorita Diamant und Richard Parker(Roman Matzky) zu erwarten. Beide Pferde stehen noch ganz am Anfang ihrer Laufbahn, sind aber über ihre sieben Konkurrenten einzuordnen.
Im 2. Rennen besitzt Michael Nimczyk mit Chance Classique ebenfalls gute Aussichten – doch für die hier beginnende V4-Wette kommt man mit einem einzigen Kreuz nicht aus, denn Lordano Ass(Victor Gentz) und Insoglio(Thomas Panschow) gehören ebenso auf den Tippschein. Die beiden Dänen-Importe Aniceride(Thorsten Tietz) und Vivian Ward(Dennis Spangenberg) können in die Platzierung stoßen.
Rennen 3 und 4: Nur ein Favorit und Viererwetten-Knaller
Im 3. Rennen spricht alles für Amundsen Mo(André Pögel), der sich nach seiner mehr als halbjährigen Pause mit einem Ehrenrang überzeugend zurückmeldete. Er ist einer der klarsten Favoriten der Berliner Veranstaltung.
Unmittelbar darauf, nämlich in der vierten Tagesprüfung, lockt der schon erwähnte Viererwetten-Knaller mit 9.999 Euro Garantie inklusive 2.573 Euro Jackpot. Mit dem frischen Doppelsieger Ernie Digger(Michael Nimczyk) ist zwar das Stellpferd gegeben. Doch wer an den Pott herankommen will, muss weitere sechs Pferde mit kombinieren: Krabat(Matthieu Hegewald), Il Santo(Dennis Spangenberg), Teeny Weeny(Thorsten Tietz), Agostini(Thomas Panschow), Eminent Frisia(Manfred Zwiener) und Livestream(Ferdinand Hirsch).
Rennen 5 und 6: Alles drin und drei Topkandidaten
Das 5. Rennen muss auf einen Favoriten verzichten. Hier ist im Grunde alles möglich. Ein George Washington(Victor Gentz) zum Beispiel könnte glattgehend alle schlagen, genauso gut aber auch ganz aus der Wette sein. Die verlässlichste Konstante im Feld scheint wohl Cascada zu sein – ihr Fahrer Michael Nimczyk ist also wie bei nahezu aller seiner Starts bestens aufgestellt.
Ob er allerdings auch beim Auftakt der V6 – dem 6. Rennen – zuschlagen wird, ist schwer zu sagen. Mit seiner Prognose, dass Montgomery Mo sich optimal entwickelt und zu einem großartigen Pferd heranreift, hat der Deutsche Meister zwar eindeutig Recht behalten – drei Siege en suite sprechen ein klares Wort. Aber der sogar viermal hintereinander erfolgreiche Rossini Diamant(Dennis Spangenberg) und der wieder bei hundert Prozent stehende Soccer(Victor Gentz) sind vom gleichen Schlag. Montgomery Mo ist zudem durch die Startposition acht gehandicapt.
Rennen 7 und 8: '6 aus 9' und wer folgt dem Favoriten?
Während diese Drei klar über ihren Gegnern stehen, wird es im 7. Rennen wieder kunterbunt. Die V5-Wetter müssen sich breit aufstellen, denn sechs der neun Teilnehmer – darunter auch Saint’s Angel(Daniel Wagner) – sind als Sieger vorstellbar.
Deutlich klarer schaut die Konstellation im 8. Rennen aus, denn an Holly go lightly(Thomas Panschow) führt nach derzeitiger Form kein Weg vorbei. Da aber 5.000 Euro Dreierwetten-Garantie über dieser als Winter-Pokal des VDT ausgetragenen Prüfung stehen, werden noch weitere Pferde für den richtigen Tipp benötigt – und das ist durchaus knifflig, denn das aus Rayman(Matthieu Hegewald), Floh G(Dennis Spangenberg), Ozon(Heinz Wewering), Pikus G(Thorsten Tietz), Vin Rouge(Michael Nimczyk), Pascal SAS(Victor Gentz) und It’s Amazing(Roman Matzky) bestehende restliche Teilnehmerfeld strotzt nur so vor bekannten Namen.
Rennen 9 und 10: Einsame Spitze und gleich drei Siegertypen
Einen prominenten Stellenwert besitzt auch Tragopan Jet(Dennis Spangenberg), der die Mariendorfer Bestenliste aktuell mit vier Saisonsiegen anführt. Der vom Exterieur her überaus elegante Hengst ist im 9. Rennen der Prüfstein für Harley As(Michael Hönemann), MaxundAlex(Thorsten Tietz) sowie Hello Kutti(Michael Nimczyk) und gilt alles in allem als Tipp des Tages. Wie stark diese Prüfung besetzt ist, beweist die Tatsache, dass acht der zehn Teilnehmer bei ihrem letzten Start unter den ersten Dreien waren.
Das 10. Rennen rundet im Anschluss die tolle Mariendorfer Veranstaltung auf würdige Weise ab, denn hier gibt es mit Tokay (Marcus Gramüller), Dulco di Quattro(Marlene Matzky) und Beautiful Girl(Constantin Gentz) nicht weniger als drei frische Sieger.
Die Wett-Highlights am 12. Februar:
Prämienausspielung um Wettgutscheine und Sachpreise im Wert von 1.350 Euro über die Siegwette der Rennen 1-10! 1. Rennen - Lunch Double-Rennen. 2. Rennen - Start der V4-Wette mit 4.000 .- Euro Garantie! 3. Rennen - 4.000.- Euro Sieg-Garantie inkl. 1.000.- Euro Jackpot. 4. Rennen - 9.999.- € Garantie in der 4er-Wette inkl. 2.573.- € Jackpot! 5. Rennen - Daily Double-Jackpot 1.000.- Euro. 6. Rennen - Start der V5-Wette mit 5.000 .- Euro Garantie! 7. Rennen - 4.000.- Euro Sieg-Garantie inkl. 1.000.- Euro Jackpot. 8. Rennen - 5.000.- Euro Garantie in der 3er Wette! 9. Rennen - Mit 3er und 4er Wette. 10. Rennen - Sieg-Jackpot 1.000.- Euro.
Unsere Tipps: 1. Senorita Diamant – Richard Parker – Merete 2. Chance Classique – Lordano Ass – Insoglio 3. Amundsen Mo – Sophie Menoud – Millions Boy 4. Ernie Digger – Teeny Weeny – Krabat – Il Santo 5. Major Tom – Cascada – Good Vibrations 6. Montgomery Mo – Rossini Diamant – Soccer 7. Saint’s Angel – Edana – Lucky Silver 8. Holly go lightly – Pascal SAS – Floh G 9. Tragopan Jet – Harley As – MaxundAlex – Hello Kutti 10. Tokay – Dulco di Quattro – Bianca Boshoeve
Eishockey-Oberliga Nord: ECC Preussen und FASS Berlin verlieren ihre Schlüsselspiele
Foto: Ernüchterung - Preussen (links) und FASS können ihre Ziele abschreiben
Nach Abschluss der Hauptrunde in der Oberliga Nord läuft die Qualifikationsrunde auf vollen Touren. An ihr nehmen auch der ECC Preussen und FASS Berlin teil, die es "nur" in die Runde der letzten Acht der Hauptrundentabelle geschafft haben. Für diese hatten sich beide Teams allerdings noch zwei - allerdings ganz verschiedene - Ziele gesetzt.
Die Preussen liebäugelten mit dem Erreichen der ersten beiden Plätze, die zur Teilnahme an den sog. Pre-Playoffs berechtigen, in denen man mit den beiden Letzten der Meisterrunde nochmal um eine bessere Abschlussplatzierung kämpft. FASS als Schlusslicht hingegen peilte wenigstens noch Platz 6 in der Qualifikationsrunde an, um den Klassenerhalt direkt zu sichern.
Spätestens seit diesem Freitag aber dürften diese Träume endgültig geplatzt sein, denn beide Klubs verloren ihre Heimspiele am Abend gegen die Teams, die auf dem entsprechenden Platz liegen. Der ohnehin schon beträchtliche Rückstand vergrößerte sich so noch derart, dass die Chancen nur noch rein theoretischer Natur sind und schon nach den Spielen am Sonntag endgültig ad acta gelegt werden könnten.
Preussen verspielen alles im 2. Drittel
Der ECC Preussen bekam es dabei mit den Black Dragons Erfurt zu tun, die sich 15 Punkte voraus im Klassement auf dem 2. Platz befanden. Nach dem ersten Drittel führte der Gastgeber vor knapp 400 Besuchern in der Eishalle am Glockenturm noch mit 2:1 dank eines Blitzstarts mit Toren von Jentzsch (nach nur 16 Sekunden) und Rumpel (4.).
Im Mittelabschnitt dann aber passierte das schwer Erklärbare: erst musste der ECC gleich zu Beginn innerhalb von anderthalb Minuten drei Gegentreffer schlucken, dann folgten noch zwei weitere. Immerhin verkürzte Volynec noch auf den Zwischenstand von 3:6 (36.). Im letzten Drittel war diese Hypothek aber nicht mehr auszugleichen, es reichte lediglich zu einem Treffer durch Tepper (54.), womit die Partie schließlich 4:6 (2:1, 1:5, 1:0) verloren ging.
Vor dem "Rückspiel" in Erfurt ist der Rückstand auf den begehrten Platz 2 für die Preussen also auf 18 Punkte angestiegen - angesichts von noch sechs ausstehenden Spielen wahrlich eine unlösbare Aufgabe. Dennoch gilt es, die kommenden Aufgaben konzentriert anzugehen, denn der Vorsprung der Preussen auf den ersten "Abstiegsrundenplatz" ist mit sechs Zählern bedeutend knapper.
FASS trotz früher Führung chancenlos
Für FASS Berlin war die Ausgangsposition vergleichbar: vor den beiden Partien gegen den EHC Timmendorfer Strand (Sonntag an der Ostsee), der auf dem 6. Platz gerade noch über dem Strich lag, waren zwei Siege Pflicht - bei 15 Punkten Rückstand.
Die knapp 120 Zuschauer im Erika-Hess-Eisstadion sahen einen viel versprechenden Start des Heimteams: Gläser brachte FASS schon in der 4. Minute in Führung. Doch zum Ende des ersten Abschnitts bereits hatten die Timmendorfer den Spielstand zu ihren Gunsten gedreht.
Die "Beach Boys" ließen sich jetzt die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, bauten ihre Führung im Mitteldrittel mit drei Treffern aus. Den Weddingern gelang lediglich das zwischenzeitliche 2:4 durch Merk (26.).
Zarte Hoffnung keimte noch einmal auf, als Patrzek für die Akademiker im Schlussabschnitt das 3:5 gelang (50.) - für mehr reichte es aber nicht. Kurz vor Spielende fingen sich die Weddinger dann noch ein "Empty Net"-Goal, als man den Torwart herausgenommen hatte, zum Endstand von 3:6 (1:2, 1:3, 1:1) ein.
Der Rückstand auf den 6. Platz - ihn belegen jetzt die Hannover Scorpions, die Timmendorf passieren lassen mussten - und damit den vorzeitig gesicherten Klassenerhalt beträgt für FASS sechs Spiele vor Rundenende nun 17 Zähler. Die Akademiker können also schon mal mit der ungeliebten Relegation planen, in der die zwei Letzten der Ober- und die zwei Besten der Regionalliga um Klassenverbleib bzw. Aufstieg spielen.
Schon letzte Saison landete FASS in der Abstiegsrunde und verfehlte den Klassenerhalt sportlich, konnte aber dank des Rückzugs des EHC Neuwied schließlich doch in der Oberliga 2016/17 an den Start gehen.
Eigentlich sollte es nur nicht gegen den Abstieg gehen - doch mit dem Gewinn der Herbstmeisterschaft steht den Spreefüxxen Berlin ein unbeliebtes Thema ins Haus: Der Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Beitrag von Eike Ahlhausen*
Erstmal den Klassenerhalt sichern - dieses Saisonziel können die Spreefüxxe sich wohl frühzeitig abschminken. Denn die Berlinerinnen stehen schon wieder an Nummer eins, wie bereits im Aufstiegsjahr 2014 - damals gelang sogar der Durchmarsch in die 1. Liga. Doch die höchste deutsche Spielklasse im Frauenhandball brachte den Füxxen kein Glück und so meldeten sie nach zwei Jahren Erstliga-Abenteuer freiwillig für die 3. Liga Ost.
Bislang alle Spiele gewonnen
Hier läuft es prima: Jenseits des finanziellen und sportlichen Drucks einer nationalen Spitzenliga können die Berlinerinnen frei aufspielen. Ohne Punktverlust stehen sie ganz oben in der Tabelle und feierten die Herbstmeisterschaft. Dramaturgisch geschickt schlugen die Spreefüxxe am letzten Spieltag vor der Winterpause ihren hartnäckigsten Verfolger die SG 09 Kirchhof mit 31:28 im sogenannten Fuxxbau - das ist die Sporthalle Charlottenburg in der Sömmeringstraße.
Wie sehr die Spreefüxxe die 3.Liga Ost beherrschen zeigt ein Blick auf das Ergebnisbord. Ein knapper Sieg, wie gegen die Frauen von der SG 09 Kirchhof, bleibt in dieser Saison die Ausnahme. Nicht selten offenbaren sich Klassenunterschiede wie beim 31:21 gegen den Berliner TSC. Ganz bitter wurde es für die Spielerinnen vom Frankfurter HC (31:13) oder der HG Zirndorf bei ihrer 34:13-Niederlage im ersten Heimspiel der Füxxe.
Zwischen Vergangenheit und Machbarkeit
Auf der Vereins-Homepage lesen sich Spielberichte wie Elegien vergangener Festtage in der Beletage des Frauenhandballs. Als würde es noch immer um die deutsche Meisterschaft oder einen verheerenden Abstieg gehen, wird die eigene Mannschaft an vergangenen Maßstäben gemessen. „Noch deutlicher“ hätte der 27:17-Auswärtssieg gegen die SV Fritzlar 1976 nicht etwa ausfallen können, sondern gar „müssen“ - steht im Spielbericht vom 27 November 2016. Da schlägt unverkennbar das Herz eines erstklassigen Teams bei den Füchsen Berlin Reinickendorf, wie der Vereinsname ganz offiziell lautet.
Bleibt also das Dilemma zwischen sportlicher Leistungsfähigkeit und finanzieller Machbarkeit. Denn auch in der 1. Liga konnten die Spreefüxxe sportlich mithalten, wenn auch nicht ganz oben. Doch was ist der Unterschied zwischen Bietigheim oder Metzingen, den Spitzenreiterinnen in der 1. Liga, und Berlin? Die Antwort ist so einfach wie schnöde: Ein bisschen Kleingeld mehr oder weniger. Und in Berlin gibt es davon nunmal etwas weniger - zumindest für Frauensport im Allgemeinen und Handballsport im Besonderen.
Auf den ersten Blick erscheint das unlogisch: Berlin als Bundeshauptstadt, reich an gut laufenden Unternehmen und mit hohem Publikumspotential. Doch Britta Lorenz, die Managerin der Füxxe, formulierte es einmal so:
"Wir lieben diese Stadt, aber manchmal wünsche ich mir doch, wir wären ein Dorfverein in einem Ort, wo der Frauenhandball mehr geschätzt wird und alle dahinter stehen."
Britta Lorenz, Managerin der Spreefüxxe
Denn im Vergleich zu Bietigheim oder Metzingen, wo Etats in Millionenhöhe zur Verfügung stehen, ist die sportliche Konkurrenz in Berlin einfach zu groß. Über 100 Erstliga-Teams wetteifern um potenzielle Sponsoren und selbst vermeintlich große Tiere, wie die Männermannschaft der Füchse Berlin, immerhin Weltpokalsieger, haben große Probleme, adäquate Sponsoren zu finden.
Aufstieg war nicht das Saisonziel
Und so hofften die Verantwortlichen der Berliner Handballerinnen, dass es in diesem Jahr nicht schon wieder um den Aufstieg geht, denn Aufstieg bedeutet Existenzkampf - und davon hatten die Spreefüxxe in den letzten Jahren erst einmal genug. Eigentlich sollte in den nächsten Jahren eine ruhige Kugel im Handball-Unterhaus geworfen werden: Nachwuchs heranführen, günstiger wirtschaften, konsolidieren auf allen Ebenen - personell, finanziell und emotional. Denn die letzten Jahre in der 1. Liga waren kräftezehrend. Vor allem für Britta Lorenz, die sich zwischen Sponsorensuche und Finanzierungsmodellen aufrieb.
Doch mit der ruhigen Kugel wird es wohl nichts, die Mannschaft spielt einfach zu gut - es besteht akute Aufstiegsgefahr. Daran können auch die vielen neuen Nachwuchsspielerinnen nichts ändern. Denn das Gesicht der Mannschaft hat sich deutlich verändert, nur: anscheint nicht deutlich genug. Denn für die 3. Liga ist ihr Niveau immer noch zu hoch.
Ein Kader voller Klasse
Dazu gab es am Ende der Hinserie noch ein überraschendes Comeback: Bianca Trumpf, die zur Konkurrenz vom MTV Altlandsberg wechselte, ist zurück bei den Sprefüxxen und macht sie damit nicht schwächer. Trumpf ist jetzt neben Anna Blödorn und Alexandra Sviridenko eine von drei verbliebenen Ex-Erstligaspielerinnen. Sophie Mrozinski und Anna Eber komplettieren den Stamm von Spielerinnen, die bereits 2012 zusammen aus der dritten in die 2. Liga aufstiegen.
Das Team beherzigt, was André Konopinski, Vorsitzender vom Fan-Club "Füchse-Power", nach dem Aus in der 1. Liga formulierte:
"Luft holen, konsolidieren und ehrlichen Handball spielen."
André Konopinski, Fanclub "Füchse-Power"
Das gelingt bislang, Hardcore-Fans wie Konopinski finden ihren Spaß auch in der 3. Liga, besonders wegen der zahlreichen Derbys. Doch haltbar ist der Zustand nicht, denn die Sprefüxxe weisen immer noch mindestens Zweitliganiveau auf und der Spielberechtigung für die 2. Bundesliga dürfte nach aktuellem Ermessen am Ende der Saison ins Haus flattern.
Perspektiven für die Zukunft
Wie werden die Spreefüxxe damit umgehen? Den Aufstieg aus finanziellen Gründen ablehnen und die Konkurrenz in der 3. Liga Ost weiterhin mürbe schießen? Britta Lorenz gibt sich bei dieser Frage gelassen, will erst mal abwarten. Konkrete Planungen für den Fall der Fälle möchte sie noch nicht verraten. Einen Fingerzeig könnte der neu gewonnene Co-Sponsor von der BKK Verkehrsbau Union (BKK-VBU) geben.
Sein Engagement gilt ausdrücklich dem Nachwuchsbereich der Spreefüxxe. Eigens ausgebildete, bezahlbare Spielerinnen - so kann die Zukunft des Berliner Frauenhandballs aussehen, zunächst einmal in der 2. Liga. Dort könnten auch die Siege dann weiterhin noch deutlicher ausfallen.
* Dieser Beitrag wurde bereits Mitte Januar veröffentlicht und erscheint nun bei Berlinsport Aktuell
Das 4. ISTAF Indoor in Berlin wird mit internationalen Stars erstklassig besetzt sein. Zwei mit Spannung erwartete Duelle müssen aber leider ausfallen.
Bericht: Eike Ahlhausen
Stabhochsprung: "Olympia-Revanche" fällt aus
Beim 4. ISTAF Indoor am 10. Februar in der Berliner Mercedes-Benz Arena sollte eigentlich Stabhochsprung-Superstar Renaud Lavillenie aus Frankreich auf den Olympiasieger Thiago Braz da Silva aus Brasilien treffen. "Das ist die Riesen-Revanche für Rio", schwärmte Meeting-Direktor Martin Seeber noch vor Kurzem - Lavillenie sagte seine Teilnahme dann aber erst diese Woche wegen Problemen an der Achillessehne ab. Damit fällt ein mit Spannung erwartetes Duell beim ISTAF Indoor aus.
Für alle, die in Sachen Leichtathletik nicht zum Fachpublikum gehören, sei noch einmal an die Olympischen Spiele im letzten Jahr in Rio de Janeiro erinnert. Renaud Lavillenie ging als großer Favorit in den Wettkampf, das brasilianische Publikum im Olympiastadion buhte ihn gnadenlos aus – während seiner Sprungversuche. Unter Tränen brachte er den Wettkampf zwar zu Ende, aber nicht als Olympiasieger. Die Goldmedaille schnappte ihm der Brasilianer Thiago Braz da Silva unter frenetischem Jubel der einheimischen Zuschauer weg. Ein in der olympischen Geschichte ausnahmsloser Skandal. Olympisches Publikum hatte sich bisher immer positiv für einen Athleten engagiert, aber niemals gegen einen Sportler. Der amtierende Vize-Weltmeister Raphael Holzdeppe von der LAZ Zweibrücken dürfte aber für genügend Spannung im Wettbewerb der Stabhochspringer sorgen.
Dass auch die vierte Auflage des winterlichen ISTAF-Ablegers in der Arena am Ostbahnhof – im Sommer ist das Olympiastadion in Berlin der Austragungsort – zu einem ausgesprochenen Erfolg wird, da ist sich Martin Seeber sicher. Das größte Leichtathletik-Meeting unterm Hallendach habe sich in den vergangenen drei Jahren dank seiner einzigartigen Kombination aus Spitzensport und Show bei Zuschauern und Aktiven einen Namen gemacht. Nirgendwo sonst sei man näher am Geschehen, nirgendwo sonst seien die Emotionen greifbarer. Neben einem kurzen Live-Konzert sind folgende Disziplinen laut Seeber geplant: 60 Meter Sprint für Frauen und Männer, 60 Meter Hürdensprint (ebenfalls Frauen und Männer), Stabhochsprung und Diskuswurf der Männer, sowie Weitsprung der Frauen.
Weitsprung: Wester will's wieder wissen
Apropos Weitsprung: "Am 10. Februar wird wieder Berlin gerockt!" Vorjahressiegerin Alexandra Wester freut sich bereits jetzt auf diesen Wettkampf. Wester kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht: sie verspricht den Fans auch dieses Jahr wieder eine große Show. Die 22-Jährige sagte ihren Start beim weltweit größten Hallen-Meeting ebenso zu, wie die serbische Europameisterin Ivana Spanovic, die in Rio Olympia-Bronze gewann. Auch Sosthene Moguenara vom SV Saar 05 Saarbrücken, die im vergangenen Jahr mit 7,16 Metern in die Weltspitze sprang, wird dabei sein. Als Lokalmatadorin geht die Berlinerin Melanie Bauschke an den Start.
"Das wird krass, ein Hammer-Wettbewerb", sagt Alexandra Wester weiter. "Ivana mag ich sehr, finde sie richtig cool. Toll, dass auch Sosthene am Start ist. Wir sind gute Freundinnen, absolvieren auch gemeinsam Trainingslager. Das wird spannend!" Noch einmal zur Erinnerung: Vor einem Jahr katapultierte sich Alexandra Wester beim 3. ISTAF Indoor ins Rampenlicht und in die Herzen des Berliner Publikums. Die junge Kölnerin steigerte ihre Bestleistung gleich um 23 Zentimeter: 6,95 Meter – Meeting-Rekord und Weltjahresbestleistung! "Es war mein bester Wettkampf des Jahres, das war mein Durchbruch", erinnert sich Wester. "6,95 Meter – das hatte ich mir selbst nicht erträumt."
"Ich fühle mich richtig gut und freue mich wahnsinnig auf Berlin. Die Stimmung ist beim ISTAF Indoor einfach gigantisch."
Weitspringerin Alexandra Wester
Die Weitspringerin hat gerade ein Trainingslager auf Fuerteventura beendet. "Ich fühle mich richtig gut und freue mich wahnsinnig auf Berlin. Die Stimmung ist beim ISTAF Indoor einfach gigantisch. Der hohe Steg, der Laser, der die Weite der Führenden anzeigt, die Nähe zu dem tollen Publikum – das ISTAF Indoor ist etwas ganz Besonderes. Die Stimmung pusht mich, und auch der Laser hilft mir sehr. Es ist gut zu sehen, wie man springen muss, um in Führung zu gehen. Den Laser hätte ich am liebsten bei jedem Wettkampf. Den sollte man überall einführen." Meeting-Direktor Martin Seeber stimmt Alexandra Wester unbedingt zu: "Der Weitsprung ist stets ein emotionales Highlight, wir freuen uns auf einen starken Wettbewerb mit tollen Sportlerinnen."
Diskus: Auch ohne Brüderduell ein illustres Starterfeld
Ein starker Wettbewerb mit starken Sportlern sollte auch das Diskuswerfen werden. Wird es auch, allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Einer der beiden eingeschriebenen Hartings muss passen. Dreimal dürfen sie raten, wer von beiden es ist – richtig: Robert, der ältere ist wieder unpässlich. Der London-Olympiasieger von 2012 ist nach einem operativen Eingriff am rechten Knie noch nicht wieder hundertprozentig fit. "Ich kann leider immer noch nicht voll werfen. Die Heilung verläuft langwieriger als gedacht", sagte der 32-Jährige im Trainingslager Kienbaum. "Das ist schon ziemlich enttäuschend."
"Die Heilung verläuft langwieriger als gedacht. Das ist schon ziemlich enttäuschend."
Robert Harting, der wegen Verletzung absagen musste
Robert wird seinem jüngeren Bruder Christoph, dem Olympiasieger aus Rio, das Feld überlassen. Das bereits in Rio geplatzte Brüderduell wird auch in Berlin auf sich warten lassen. Wie bei den vergangenen großen Wettkämpfen heißt es leider auch diesmal: Christoph Harting – allein zu Haus. So alleine ein Athlet unter 12.500 Zuschauern halt sein kann. Noch im letzten Jahr war Robert der große Held der Veranstaltung. Nach 531 Tagen Verletzungspause feierte er sein großes Comeback. Nach den ersten fünf schwachen Versuchen im Wettbewerb sah es zunächst nicht nach einem erfolgreichen Abend für den Berliner aus.
Erst der letzte Versuch brachte Klarheit: Robert Harting ist zurück, und er ist immer noch stärker als Christoph. Er schleuderte den Diskus auf 64,81 Meter und sicherte sich damit den Sieg vor seinem sechs Jahre jüngeren Bruder, der auf 64,34 Meter kam. Robert verzichtete zwar darauf, wie sonst nach großen Siegen, sein Trikot zu zerfetzen. Nach seinem Siegeswurf fiel er aber auf die Knie und streckte beide Fäuste in Richtung Hallendecke, auch die Ehrenrunde schien er ganz besonders zu genießen.
Auch dieses Jahr würde ihm eine ähnliche Comeback-Party gut gefallen, keine Frage. Nach seinem Ausfall bei den Olympischen Spielen in Rio war Hartings Psyche angeknackst, das ewige Verletzungspech und die folgenden Rekonvaleszenzen kosteten Kraft. Trotz Robert Hartings Absage ist in der Mercedes-Benz-Arena aber ein hochkarätiges Starterfeld dabei. Im Diskusring treffen sich gleich die ersten Vier vom Olympia-Finale in Rio wieder: Goldmedaillengewinner Christoph Harting wird vom Olympia-Zweiten Piotr Malachowski aus Polen, dem Wattenscheider Daniel Jasinski und dem Esten Martin Kupper herausgefordert. Meckern kann da keiner.
Hürdensprint: Rohleder schwärmt - und siegt
Ebenfalls ohne Meckern wird Cindy Rohleder an den Start gehen – beim 60-Meter-Hürdensprint der Frauen. Für die 27-jährige Chemnitzerin ist es bereits der vierte Start bei dem recht jungen Hallensportformat in Berlin. Die Europameisterin peilt dabei ihren dritten Triumph an: "Beim ISTAF Indoor stehen wir Sportler ganz im Fokus, die Zuschauer sind ganz nah dran. Das hat mich schon zweimal zum Sieg gepusht. Jetzt will ich das Triple perfekt machen!" Die verkürzte Distanz – normalerweise sprinten die Frauen über 100 Meter Hürden – sei kein Problem. "Die Halle ist halt nicht größer", sagt sie lapidar.
"Beim ISTAF Indoor stehen wir Sportler ganz im Fokus, die Zuschauer sind ganz nah dran. Das hat mich schon zweimal zum Sieg gepusht."
Cindy Rohleder, Hürdensprinterin
Den Crash am Ende der Laufbahn in eine große weiche Mattenwand, um den Sprint abzubremsen und nicht in die Zuschauer zu laufen, habe sie fast schon lieb gewonnen. Als Gradmesser für die neue Saison könne das Rennen dann aber doch nicht herhalten. Zum einen unterscheide sich die verkürzte Distanz zu stark von der Normalstrecke, und außerdem sei der Zeitpunkt des ISTAF Indoor schlichtweg zu früh im Jahr. Trotz des frühen Zeitpunkts kommen viele Athleten auch dieses Jahr Anfang Februar wieder gerne nach Berlin – oder wie Martin Seeber es erzählt: "Einer der Athleten meinte im Vorjahr zu mir, er komme gern wieder in die größte Diskothek der Welt." Allein bleiben muss also keiner.
Der Oberligist SV Lichtenberg 47 hat eine sehr gute Hinrunde gespielt, auf dem aktuell 3. Platz gegen starke Konkurrenz an der Tabellenspitze aber dennoch das Nachsehen.
Wir kriegen unsere Jungs nicht über den Geldbeutel, sondern über ein schönes Stadion, gute Trainingsbedingungen und Materialien. Damit sind wir wirklich gut gefahren - statt jemandem Geld zu bezahlen, der in einem halben Jahr nicht mehr da ist.
Trainer Uwe Lehmann spricht im Interview mit Berlinsport Aktuell über die Gründe dafür und was man sich in der Rückserie, aber auch perspektivisch vornimmt.
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Das Gespräch fand am Rande des REGIO-Cups Mitte Januar statt.
Zeit für die erste Session des auf neun zu gewinnende Frames angesetzten Finals um das F66.com Snooker German Masters 2017. Fast 2.500 Zuschauer freuen sich auf die Begegnung zwischen Allister Carter und Anthony Hamilton. Beide Kontrahenten haben sich auch durch das Turnier kämpfen müssen, hatten aber immer die besseren Nerven als ihre jeweiligen Gegner. Carters Weg ins Endspiel führte über Stephen Maguire (5:1), Zhao Xintong (5:4), Tom Ford (5:2) und den Sieger des Vorjahres, Martin Gould (6:2). Hamilton schlug Ex-Weltmeister Mark Williams (5:3), den amtierenden Weltmeister Mark Selby (5:2), Barry Hawkins (5:4) und den Weltmeister von 2015: Stuart Bingham (6:4). Wie er selbst sagt, hatte er eine richtig schwierige Auslosung, und doch hat er sich ins Finale durchgebissen. Warum sollte er es nicht auch gewinnen?
Ali Carter, der "Captain“, hat auf jeden Fall etwas dagegen, Anthony Hamilton, den „Sheriff von Nottingham“, dessen ersten Weltranglistentitel der Laufbahn gewinnen zu lassen. Und so geht es auch gleich mit drei hochüberlegen vorgetragenen Frames von Carter los. Dieser kommt sofort in die Bälle und lässt sich nicht auf nachteilige Safetyabtäusche ein. Sicher spielt auch die viel höhere Finalerfahrung eine Rolle. In Frame 4 zeigt Hamilton, dass auch er durchaus flüssig Bälle versenken kann, macht im Folgeframe genau so weiter und verkürzt auf nur noch 2:3. Den Ausgleich gar will Carter aber nicht zulassen, erhöht mit einem glatten 100er-Break wieder auf 4:2 und gleich darauf nach einer flüssigen 54 auf 5:2.
Aus Berlin berichtet Jo Lißner Foto: Oliver Behrendt
Zu diesem Zeitpunkt gibt keiner der Anwesenden - außer vielleicht Anthony Hamiltons Eltern und ihm selbst - noch viel auf einen Sieg über Carter. Zu überlegen ist der "Captain": überlegt, präzise, fehlerfrei. Frame 8, der letzte der Nachmittagssession, geht - ein Hoffnungsfunken - nicht an Carter, sondern nach hartem Kampf und einer verschossenen Kombination von Carter doch an Hamilton, der so nur mit zwei Frames Rückstand in die entscheidende Abendveranstaltung geht.
Hamilton erhält in der Pause einen Tip und dreht auf
In den zweieinhalb Stunden bis dahin erhält Hamilton einen Tipp von einem Freund, nämlich „weniger Grimassen zu schneiden und sich lieber zu konzentrieren“. Anscheinend kommt das richtig beim "Sheriff" an, denn Hamilton ist nicht wiederzuerkennen ab 20 Uhr: Er schießt Serien wie Ronnie O'Sullivan und gewinnt die nächsten vier Frames bis zum Midsession Interval durch Breaks von 49, 118, 73 und 74. Spiel gedreht, Publikum begeistert, nur noch zwei Frames fehlen auf einmal zum Titel. Wow!
Eifrige Zuseher und -hörer von Rolf Kalb mögen sich erinnern, dass er öfter einmal über "Kicks" und die Spezialvariante des "bösen Kicks" erzählt. Gibt es eigentlich "gute Kicks"? Wie dem auch immer sei, gemeint ist, dass Kreidereste auf dem Spiel- bzw. Objektball zu einem unvorhergesehenen Richtungsversatz, bzw. einem Verhungern eines Balles führen können.
Der "Captain" - mit Pech im 13. Spiel - gibt nicht auf
Ali Carter zeigt sich nach der Pause in Frame 13, welch Omen, gut erholt vom Schock über Hamiltons Comeback, spielt eine nie gefährdete 53er-Serie. Schwarz ist nun die Farbe der Wahl, von ihrem eigenen Punkt, eine Standardlösung. Doch die "klappert" im Tascheneinlauf und fällt nicht. Ganz offensichtlich ein übler Kick. Ali Carter verpasst dem Queue in seiner Hand einen wütenden Tritt: extrem ungewöhnlich, speziell für diesen superbeherrschten Sportler.
Hamilton kommt ob des freundlichen Stellungsbildes sofort in die Bälle und schießt mit einer lockeren 70 den Frame aus. Nicht zu fassen: so hart kann Snooker sein. Carter sitzt völlig frustriert in seinem Sessel. Aufgeben ist aber keine Option. Davon hat schließlich noch nie jemand gewonnen, wie Schachspieler wissen. Carter spielt zwei blitzsaubere 40er Breaks in Frame 14, ein gutes Statement! Nur noch 8:6 für Hamilton. Frame 15 bringt dann aber das Ende. Hamilton legt einen trickigen Snooker, dem Carter nicht sicher entkommt. Hamilton räumt ab, spielt sogar eine sehr hübsch anzuschauende Kombination, nach der Carter Snooker benötigt.
Bald danach gibt sich der "Captain" dem "Sheriff" geschlagen. Tosender Beifall des Tempodroms! Mit 45 Jahren ist Anthony Hamilton der älteste Gewinner eines Weltranglistenturnieres seit 1989, als Doug Mountjoy als 46-Jähriger das Classic gewann. So richtig erklären kann sich Hamilton seinen Sieg nicht. Er habe, sagt er bescheiden, die ganze Woche nichts getroffen und dann aus dem Nichts sei die Form da gewesen. Geholfen habe auch, dass er vor einer Weile aufgehört habe, noch jemals auf einen Turniersieg zu hoffen und sich mit dem eigentlich hässlichen negativen Gefühl zu arrangieren, dass jedes Turnier früher oder später mit einer Niederlage ende. Das habe ihm die Anspannung genommen. Wichtig sei gewesen, nicht 2:6 nach der Nachmittagssession zurückzuliegen, sondern nur 3:5.
Ali Carter beglückwünschte Hamilton zum Sieg. Er, Carter, sei ja sonst nicht der beste Verlierer, aber dieses Match habe nicht er weggeworfen, sondern Hamilton habe es selbst gewonnen. Hamilton strahlt noch lange bis über beide Ohren, herzt seine Eltern Stella und Cliff, die zum ersten Mal ihrem Sohn in Berlin zugesehen haben. Er wollte, dass sie diesen Turnierort noch einmal sehen, bevor er als Profi aufhöre, denn das Tempodrom sei einer der besten Austragungsorte auf der ganzen Welt. Recht hat der Mann. Und vielleicht sehen wir ihn 2018 ja doch wieder in Berlin - er hat dann einen Titel zu verteidigen!
In der Abendsession trifft der Weltmeister von 2015 und momentane Weltranglistenzweite, Stuart Bingham, im zweiten Halbfinale auf den „Grauen Kobold“ Anthony Hamilton, auch „Sheriff“ oder „Robin Hood des Snooker“ genannt. Eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit mit Robin Hood ist in der Tat nicht zu leugnen. Hamilton hat aufgrund von chronischen Genickschmerzen ziemlich genau vor einem Jahr die Tourkarte verloren, sich allerdings in kurzer Zeit schon wieder auf Ranglistenposition 66 vorgespielt. Bei den Northern Ireland Open im November verpasste er gegen Barry Hawkins den Einzug in sein nur drittes Endspiel in immerhin 15 Jahren Profi-Snooker (und das erste seit 2002) dadurch, dass er beim Anschwingen den Queueball berührte und ein Foul beging, worauf Hawkins dann das Match ausschoss. Und nun hat Hamilton innerhalb relativ kurzer Zeit erneut eine Finalchance.
An Mixed Martial Arts Interessierte kennen den Ausdruck „Embrace the grind“, was soviel bedeutet wie: richte Dich auf ein langes, zähes Ringen ein und hab‘ Spaß daran. Laut Hamilton sind sowohl Bingham und Carter bessere Spieler als er selbst, so dass es auch darauf ankommt, diese nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Überlegtes, nicht notwendigerweise destruktives, aber lieber mal vorsichtiges Spiel und ein wohlgesetzter Snooker zur rechten Zeit, so kann das Erfolgsrezept lauten. Und Stuart Bingham hat heute auch nicht seinen besten Tag erwischt. Er verschießt viele Bälle, gibt zwei Frames in 41 bzw. 47 Minuten Spieldauer ab, in denen ein Snooker den nächsten jagt und Hamilton mehr Glück und Geschick hat.
3:1 heißt es zum Interval für den „Sheriff“, gar 5:1 bald darauf. Doch urplötzlich erwacht etwas in Stuart Bingham und er hört nicht mehr zu lochen auf, als Hamiltons Break in Frame 7 versiegt. Nur noch 2:5 aus Binghams Sicht. Ein 80er- und ein 55er-Break später steht es 4:5. Es ist schon deutlich nach Mitternacht und nur noch etwas mehr als die Hälfte der Zuschauer ist anwesend, als Stuart Bingham ein seltenes Kunststück zu Beginn von Frame 10 gelingt. Er spielt einen derart schlechten Anstoß, dass der Spielball direkt zur blauen Kugel zurückprallt und diese diagonal über den ganzen Tisch versenkt. Mit Absicht geht das kaum. Fünf Punkte gleich zu Beginn für Hamilton und viele Rote zur Verfügung. 77 Punkte später verlässt Anthony Hamilton den Tisch und hat das Match mit 6:4 gewonnen. Als er von Eurosport UK freigegeben wird und im Presseraum des Tempodroms auftaucht, ist es beinahe 1:30 Uhr nachts.
Aus Berlin berichtet Jo Lißner Foto: Oliver Behrendt
Er müsse sich steigern am Sonntag, um gegen Ali Carter eine Chance zu haben, er verliere gegen ihn deutlich häufiger, als er gewinne. Angesprochen auf „embrace the grind“, das er ja im Semifinale erfolgreich praktiziert habe: eher sozusagen Würgegriffe als Knockouts, meint Hamilton zu berlinsport-aktuell.de, das sei halt mitunter notwendig, und er wünsche den Zuschauern ja auch schöne hohe Breaks. Er wolle auf jeden Fall positiv ans Endspiel rangehen. Wir dürfen aber sicher sein, dass Anthony Hamilton für den Sieg gegen den starken Allister Carter, den Sieger von Berlin 2013, alles an legalen Mitteln auspacken wird, was es braucht für den ersten Siegerpokal bei einem Weltranglistenturnier.
Carter hat am Samstag aber auch bewiesen, dass er ein kompletter Spieler ist. Century Breaks oder Safetyduelle auf höchstem Niveau: Er kann einfach alles. Sein Fanclub wird ihn weiter lautstark unterstützen, aber auch Hamilton hat sich beim Publikum eine Menge Freunde in dieser Turnierwoche gemacht. Und seine Eltern, die die ganze Woche bereits im Publikum sitzen, drücken eh‘ fest die Daumen. Wird der „Captain“ Ali Carter seiner Favoritenrolle gerecht und siegt zum zweiten Mal beim German Masters? Oder gewinnt der „Sheriff“ Anthony Hamilton am Sonntag seinen ersten Titel in 15 Jahren Profi-Snooker? Nach zwei Sessions Best-of-17 im Tempodrom wissen wir mehr!
Halbfinaltag am Anhalter Bahnhof: In der Nachmittagssession streiten sich Martin Gould und Ali Carter um den Einzug ins Finale des F66.com German Masters 2017. Gespielt wird auf sechs gewonnene Frames. Gestern war die Arena schon fast voll, heute wird sie zum ersten Mal in der Turnierwoche ausverkauft sein. Da bekommt dann auch die Klimaanlage viel zu tun. Gestern erlitt leider eine Zuschauerin bei knapper Luft einen Schwächeanfall, die Matches mussten unterbrochen und die Dame notärztlich behandelt werden, zuerst in der Arena, dann hinter dem Vorhang zum Backstagebereich. Der Autor hatte hier noch nie ein Luftproblem, ist aber auch nicht der Jahrgang der Zuschauerin.
Zum Sportlichen also: Martin Gould ist immer noch „in it to win it“ und auch Allister Carter weiß sehr wohl, wie man Titel sammelt. Nicht zuletzt den in Berlin, als er 2013 Marco Fu im Finale 9:6 bezwang. Und Ali Carter, der „Captain“, eigentlich ein schwer gehandicapter Mensch, der seit vielen Jahren an der unheilbaren Darmkrankheit Morbus Crohn leidet, die den Patienten doch schon im Alltag sehr einschränkt, dieser Ali Carter ist heute in ganz starker Form. Speziell bei den langen Pots hat er im Vergleich zu Martin Gould die Nase vorn. Mitunter stellt er sich kurz, bevor er den Frame klar machen kann, allerdings noch selbst ein Bein und verschießt den nächsten notwendigen Ball.
Warum? Nun, Profis machen Fehler, müssen sie geradezu machen, die Otto-Normal-Snookerspieler nicht begeht. Sie versuchen nämlich zu stellen. Nicht reinschießen und dann mal sehen, was liegen geblieben ist, sondern Profis spielen sozusagen mit Absicht. Das ist jetzt nicht überraschend. Das bedeutet aber auch, dass sie mitunter den Queueball zu genau mittels Effet platzieren wollen für den nächsten Stoß und dabei das Lochen vergessen. Beiden Akteuren passiert dies ein ums andere Mal, Gould allerdings eine Spur zu häufig. Einmal muss er um Hilfe aus dem Publikum rufen, als ihm Carter wieder einen extrem unangenehmen Snooker legt. Gould kommt immer sehr sympathisch an bei den Zuschauern, denn seine Gestik ist wie ein offenes Buch und entspricht der des Publikums; weit entfernt von den „Iceman“-Zeiten des Steve Davis, der sich im Alter zum Glück eines Besseren besonnen hat und heute extrem beliebt ist – als Mensch, nicht nur als gottbegabter Spieler.
Martin Gould nun kann seinen Titel nicht verteidigen, denn er gewinnt heute nur zwei Frames. Carter, der seinen Auftritt heute als erkämpften, etwas zähen Arbeitssieg bezeichnet, locht beim 6:2 einfach alle wichtigen Bälle und hat auch im Sicherheitsspiel klare Vorteile. Sein Sieg ist vollauf verdient. Den Finaleinzug einmal gönnen würde er zwar Anthony Hamilton, aber auch Stuart Bingham wäre ihm als Gegner am Sonntag recht.
Freitag, 03. Februar: Achtelfinale (2. Teil) und Viertelfinale
Weltmeister Mark Selby (l.) und Anthony Hamilton gut gelaunt vor ihrer Partie - am Ende hatte nur noch der Außenseiter Grund zur Freude (Foto: Jo Lißner)
Freitagnachmittag, die erste von zwei Sessions dieses Tages bringt die letzten vier Achtelfinals. Am TV-Tisch trifft der Weltmeister von 2015, Stuart Bingham auf David Gilbert. Der amtierende Weltmeister Mark Selby wird herausgefordert von Anthony Hamilton. Außerdem hat es Michael Holt mit dem jüngsten Amateur-Weltmeister aller Zeiten, dem erst 16-jährigen Yan Bingtao zu tun. Yan holte den Amateurtitel 2014 – dabei ist er erst am 16. Februar 2000 geboren. Mit so einem Titel ist dann auch die Profi-Tourkarte für zwei Jahre verbunden. Doch Großbritannien gab ihm wegen seiner Jugend kein Visum, so dass er nun eine Tourkarte bis einschließlich 2018 besitzt. Die letzte Achtelfinalpartie lautet Ben Woollaston gegen Barry Hawkins.
Noch am Donnerstag hatte Ben Woollaston mit Neil Robertson einen großen Titelkandidaten aus dem Rennen geworfen. Aber jeder Tag ist anders und Barry Hawkins lässt Woollaston zu selten zum Zug kommen. Hawkins sichert sich mit 5:2 souverän einen Viertelfinalplatz. An Tisch 4 tut sich Ungewöhnliches. Wir erinnern uns, beim Snooker ist die allgemeine Lautstärke die eines Klosters mit Schweigegelübde, kein Zuschauer bewegt sich mehr als unbedingt lebensnotwendig. Die Klimanlage wird als störend empfunden. Eine todernste Angelegenheit, dieser Sport - oder auch nicht. Michael Holt und Yan Bingtao haben Spaß ohne Ende, reißen zusammen Witze und stecken damit auch das Publikum an. Selbst der todernsteste der todernsten Schiedsrichter hier kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Michael Holt scheint darüber aber das Gewinnrezept für Snookermatches vergessen zu haben, denn bis auf eine sogenannte Black-Ball-Decision, also einen Frame, der wegen Gleichstandes nach allen gelochten Kugeln mittels neu aufgesetzter Schwarzer entschieden werden muss, holt er sonst keinen Frame und scheidet gegen den absoluten Junior des German Masters 2017 mit 1:5 aus. Gute Unterhaltung war es aber dennoch!
Aus Berlin berichtet Jo Lißner Foto: Oliver Behrendt
Am TV-Tisch hat der nächste Favorit seine liebe Mühe mit einem Underdog. Stuart Bingham beginnt stark und führt schnell 2:0, läuft dann aber in vier hohe Breaks von David Gilbert: 68, 79, 74 und 92 Punkte stark. Bingham beißt jetzt auf die Zähne, schafft den Ausgleich und sogar den Sieg nach einem Fehler Gilberts im Entscheidungsframe. Da muss Bingham erst mal ganz schön durchschnaufen, als er die Arena verlässt.
Längstes Match der Session ist das zwischen Mark Selby und Anthony Hamilton. Hamilton, der immer ein wenig wie ein ergrauter Kobold aussieht, aber selten eine Miene verzieht, verbeißt sich in dieses schwere Match. Zum Interval steht es 2:2. Hamilton ist dem amtierenden Weltmeister heute absolut ebenbürtig, sowohl beim Potten als auch in den Safety-Wechseln. Und nervenstark ist Hamilton ebenfalls. So holt er, fast aussichtslos zurück, Frame 3 in einem schwierigen Break noch mit der letzten Schwarzen um einen Punkt. Nach der Pause lässt Hamilton nicht mehr locker. Symptomatisch der Ball des Tages, als Selby Hamilton eigentlich unlösbar hinter Blau auf die beiden letzten Roten snookert und Hamilton die deutlich schwerer zu treffende Rote einfach mit einem mit Mach 3 gespielten Effet-Ball über die lange Bande direkt locht. Tosender Beifall und ein letzter Nackenschlag für Selby, der bald darauf seine 2:5-Niederlage eingesteht. Noch ein Favorit aus dem Turnier. Wer bleibt denn jetzt noch übrig?
Hier die Viertelfinal-Paarungen des Abends: Stuart Bingham - Yan Bingtao, zwei ehemalige Weltmeister, am TV-Tisch - außerdem Barry Hawkins - Anthony Hamilton Martin Gould - Ryan Day und Tom Ford - Allister Carter Nach all dem Favoritensterben hier kann in diesen Begegnungen absolut alles passieren, Prognosen wären unredlich. „Dit is‘ Knorke“ hält Sie auf dem Laufenden!
In der Abendsession geht es an vier verbliebenen Tischen um den Halbfinaleinzug. Titelverteidiger Martin Gould profitiert gegen Ryan Day von dessen ungewöhnlicher hoher Fehlerquote, spielt selbst mutig, wenn es angebracht, vorsichtig, wenn Risiko dumm wäre und zieht mit einem 5:2 ins Halbfinale ein. Dort trifft er am Samstagnachmittag auf Allister Carter. Der „Captain“ hat gegen den „Maximum Man“ keine wesentliche Mühe, da er diesen einfach nicht in lange Serien kommen lässt. 5:2 hört sich klar an und ist es auch. So stark Ali Carter auch aufgetreten ist, würde ich nicht gegen Martin Gould wetten. Das zweite Halbfinale bestreiten Stuart Bingham und Anthony Hamilton. Wieder ein hartes Stück Arbeit für Bingham gegen den aufmüpfigen Jungprofi aus China, der ihm erst einmal im ersten Frame die sicher geglaubte 1:0-Führung noch nervenstark wegschnappt. Bingham lässt sich nicht beirren, gewinnt zwei Frames in Folge, Yan gleicht zum 2:2 zur Pause aus. Die 15-minütige Unterbrechung tut dem Chinesen allerdings nicht gut. Der erfahrene Bingham spielt seine Klasse aus und bringt mit drei durchaus erkämpften, aber eben gewonnenen Frames zum 5:2 die Halbfinalteilnahme in trockene Tücher. Barry Hawkins und Anthony Hamilton möchten etwas von ihrem Match gegeneinander haben, sie kosten es bis zum letzten aus, genießen aber auch die kniffligen Aufgaben, die sie einander stellen, beweisen Humor. In Frame 8 streiten sich die beiden eine Ewigkeit, wer die Tiebreaker-Schwarze im Black Ball Game versenkt. Und wieder einmal ist es der quasi unkaputtbare Hamilton, der seinen Gegner weichklopft. Und auch noch den neunten und letzten Frame gleich dazu. 5:4 für den „Grauen Kobold“. Da sieht man mal, dass hohe Breaks mit 50+ Punkten nicht alles sind: Hawkins spielt derer sechs, Hamilton nur zwei. Und der bekommt mit Stuart Bingham am Samstag gleich die nächste harte Nuss vorgesetzt. Aber ob er sie auch knacken kann? Bingham ist ein echter Gewinnertyp, nicht umsonst war er schon Weltmeister vor zwei Jahren. Ihr Autor glaubt an Bingham. Ob das alles so eintrifft, sehen wir dann morgen. Wir berichten weiter aus dem Tempodrom.
Donnerstag, 02. Februar: Die Abendsession (Achtelfinale, Teil 1)
Carter beißt sich durch
In der Abendsession bietet Zhao Xintong gegen Ali Carter eine starke Vorstellung. Er liegt gegen Carter erst 2:3 hinten, dreht das Match dann zum 4:3, ist somit einen Frame vom Viertelfinale entfernt. Doch Carter zieht ihm in Frame 8 und 9 den Zahn - 5:4 für den wie immer großen Kämpfer Carter.
Ford bezwingt den "Ronnie-Killer"
Stein, Schere, Papier - was wiegt schwerer: Maximum Break gegen Ronnie-Killer? Tom Ford gegen Mark King. Mark King beginnt erst einmal mit einem 96er-Break, in Frame 2 kontert Ford mit einer 73. Härtest umkämpft Frame 3, den sich King 63:62 sichert. Nun ist wieder Ford mit einer 62 an der Reihe. Es geht unentschieden ins Interval. Nach der Pause lässt Tom Ford nichts mehr anbrennen. Ob knappe Frames (5 und 7), ob hohe Breaks, Ford hat gegenüber King am Ende mit 5:2 die Nase vorn.
Gould setzt sich durch, Day gewinnt "Longplayer"
An Tisch 3 muss Titelverteidiger und Publikumsliebling Martin Gould gegen Ricky Walden harten Widerstand in einem Match ohne viele hohe Serien brechen. Goulds 5:3 sollte ihm weiter Selbstvertrauen geben fürs Viertelfinale.
Längste Partie des Abends wird das Achtelfinale zwischen Ryan Day und dem, wie man dem Namen unschwer entnehmen kann, Finnen Robin Hull. Und was für eine verrückte Partie sehen die Fans, die noch so lange im Tempodrom ausharren: Hull geht mit 3:0 in Front, Day schlägt, beginnend mit einer 132 in Frame 4 zurück und gleicht aus. In Frame 7 wieder eine höhere Serie von Hull. Und was macht Ryan Day? Schießt in Frame 8 eine 58 und in Frame 9 eine 104. Welch bittere Pille für Robin Hull!
Zwei Viertelfinals sind komplett: Martin Gould trifft am Freitagabend auf Ryan Day, Tom Ford nimmt es mit dem „Captain“ Ali Carter auf. Die beiden anderen Viertelfinals werden am Freitagnachmittag ermittelt. Wir berichten natürlich für Sie.
Donnerstag, 02. Februar: Die Früh- und Nachmittagssession (1/16-Finale)
Bingham und Hawkins ohne große Probleme
Die einzige frühe Turniersession, die am Donnerstag um 10 Uhr, sieht wieder nur Aktion auf dem TV-Tisch und zweien der vier Außentische. Stuart Bingham führt bereits 4:0 gegen Zhang Yong, nach dem Interval lässt er ihn aber zurück ins Match, verliert drei Frames in Folge, bevor er dann mit einem 129er-Break das Match beendet. 5:3 für Bingham. Barry Hawkins macht es deutlich gegen Michael White, einen gefährlichen Gegner, der gerne einmal heißläuft. Heute ist Hawkins zu stark und siegt 5:1.
Dale muss sich einem Teenager beugen
Dominic Dale, der sogar einmal eine Weile in Berlin wohnte und damit eine Art Lokalmatador, hat es mit dem gerade erst einmal 16-jährigen Yan Bingtao zu tun. Und dieser erweist sich als zu stark für Dale. 5:2 gewinnt Yan die längste Partie der Session. Wie immer wenn Dominic Dale dabei ist, entwickelt sich ein Match fast ohne hohe Breaks, vielen Sicherheitsbällen. Doch Yan hat auch hier heute die Nase vorn.
Aus Berlin berichtet Jo Lißner Foto: Oliver Behrendt
Bei der hohen Teilnehmerzahl von asiatischen Spielern, hauptsächlich aus China, aber auch aus Thailand, nimmt es nicht Wunder, dass das German Masters auch live in Asien übertragen wird, während Rolf Kalb auf Deutsch zum Teil nur für die Arena kommentiert.
Die Nachmittagssession bringt großen Sport auf allen fünf Tischen. Der amtierende Weltmeister Mark Selby trifft am TV-Tisch auf den Amateurweltmeister von 2008 und 6-Red-Weltmeister von 2015, Thepchaiya Un-Nooh. Neil Robertson tritt gegen Ben Woollaston an, Michael Holt hat es mit Stuart Carrington zu tun, der German-Masters-Finalist von 2013, Marco Fu, spielt gegen David Gilbert und der Weltmeister von 2003 und German-Masters-Sieger von 2011, Mark Williams, setzt sich mit Anthony Hamilton auseinander.
Selby sicher, Robertson raus
Schnell stellt sich heraus, dass es eine kurze Angelegenheit für die Fernsehzuschauer wird. Thepchaiya Un-Nooh unterlaufen viel zu viele Fehler, so dass Mark Selby nie gefordert wird und durch das 5:0 seinen frühen Feierabend einleitet. Neil Robertson, der Weltmeister von 2010, hat es sehr schwer gegen Ben Woollaston, der aus einem 1:2-Rückstand durch geduldiges Spiel sowie teils hohe Serien ein 4:2 macht und das Match letztendlich mit 5:4 nach Hause bringt. Der nächste Top-Favorit muss die Segel streichen.
Nicht unerwartet, dass die Partie von Marcu Fu, dem extrem methodisch agierenden Mann aus Hongkong, auch viel Zeit benötigt. Fu liegt auch 3:2 in Führung, als er den Faden verliert. David Gilbert holt die nächsten drei Frames in Folge, gewinnt somit 5:3. Michael Holt hat wieder einen guten Auftritt im Tempodrom und gibt auch nur einen Frame ab, einer hohen Serie von Stuart Carrington geschuldet.
Mark Williams, der Bauchspieler und ein wahres Pot-Wunder, muss sich heute zügeln, denn Anthony Hamilton ist ein ähnlicher Typ wie Marco Fu: sicher, geduldig, aber jederzeit in der Lage, Leichtsinn seines Gegners zu bestrafen. Da muss dann auch mal eine Safety herhalten. Heute gelingt ihm das allerdings zu selten, Hamilton setzt sich überraschend 5:3 durch. Ein Turnier der Überraschungen.
Am Abend kommt es damit zu folgenden Zweitrunden-Begegnungen: Im Fernsehen läuft die Begegnung zwischen „Captain“ Ali Carter und Zhao Xintong. An vier Außentischen werden folgende Begegnungen ausgetragen: Ryan Day – Robin Hull, Tom Ford – Mark King, also die beiden Sensationsspieler vom Mittwoch und last, but not least das Match von Titelverteidiger Martin Gould gegen Ricky Walden.
Die Zweitrundenbegegnungen der Freitag-Nachmittagssession stehen auch schon fest: Stuart Bingham – David Gilbert Michael Holt – Yan Bingtao Ben Woollaston – Barry Hawkins Anthony Hamilton – Mark Selby
Als Top-Favoriten auf den Turniersieg müssen nach dem Ausscheiden von O‘Sullivan und Robertson jetzt Weltmeister Mark Selby, Stuart Bingham (Weltmeister 2015), Vorjahressieger Martin Gould und „Ronnie-Killer“ Mark King gelten.
Die zweite Session vom Mittwoch, 01. Februar (1/16-Finale)
Die Abendsession ist schon besser besucht. Das 2.500 Zuschauer fassende Tempodrom ist jetzt nicht mit etwas weniger als der Hälfte, sondern etwas mehr als der Hälfte besetzt. Was soll bei Erstrundenmatches schon schiefgehen für die Favoriten? Man muss allerdings sagen, dass Ronnie O‘Sullivan mit Mark King schon einen sehr starken Gegner zugelost bekommen hat, gegen den er auch schon öfter das Nachsehen hatte.
Ford mit dem ersten Highlight
Bis zur Pause nach vier Frames, dem sogenannten Mid-Session Interval, liegt Ronnie allerdings problemlos mit 3:1 vorne, erhöht danach sogar auf 4:1. An Tisch 5 nebenan tut sich allerdings schon früh Sensationelles: Tom Ford spielt im zweiten Frame gegen Peter Ebdon ein Maximum Break, also die legendäre 147. Mehr Punkte kann man ohne Fouls des Gegners nicht in einem Aufwasch hintereinander erzielen. Speziell vor Fernsehkameras kommt das sehr selten vor. Und einen netten Bonus von 10.000 Pfund für das Maximum sowie 4.000 Euro für das höchste Break des Turnieres gibt es noch dazu. Wenn nicht ein weiteres Maximum Break gespielt wird im Turnierverlauf.
Ford ist überglücklich, weil so etwas schon im Training selten passiert. In einem Turnier vor laufenden Kameras hingegen… An allen Tischen werden die Matches unterbrochen, Eurosport schwenkt die Kameras hinüber, bis zur Erlösung aller die Schwarze in der Tasche verschwindet. Ohrentäubender Jubel!
Witzig: Ryan Day und Ricky Walden spielen an benachbarten Tischen. Beide haben eher die Statur von Power Forwards im Basketball - und sehr große Hände. Ein ungewöhnliches Bild.
O'Sullivan scheitert trotz 4:1-Führung
Nach Knaller Nummer 1 folgt dann um 22:55 Uhr Knaller Nummer 2: Ronnie O‘Sullivan hat, als er nur noch einen Frame fürs Weiterkommen benötigt, plötzlich Konzentrationsprobleme und verschießt einige Bälle. Mark King wiederum erinnert sich an einige gute Comebacks gegen Ronnie und beißt sich voll rein, nutzt fast jeden Fehler O‘Sullivans und gewinnt das Match sogar noch mit 5:4. DER Turnierfavorit ist ausgeschieden. Ronnie ist dementsprechend schnell auch Backstage auf dem direkten Weg Richtung Hotel. Kein Presse-Statement, aber das kann man verstehen, zumal bei World Snooker normalerweise auch nur die Sieger vor der Presse erscheinen.
Tom Ford gewinnt gegen Peter Ebdon schließlich 5:2. John Astley und Ricky Walden beharken sich in spannenden, aber lang andauernden Safetyduellen, bis schließlich Walden mit 5:4 die Oberhand behält. Zhao Xintong aus China schlägt Akani Songsermsawad aus Thailand souverän mit 5:0. Ryan Day behält gegen Mark Allen mit 5:1 die Oberhand. Allens Fehlerquote ist gegen den überaus sicher agierenden Day einfach zu hoch.
Schon um 10 Uhr geht es am Donnerstag weiter. Dann mit Stuart Bingham-Zhang Yong, Barry Hawkins-Michael White, Dominic Dale-Yan Bingtao. Wir berichten wieder.
Aus Berlin berichtet Jo Lißner Foto: Oliver Behrendt
Die erste Session vom Mittwoch, 01. Februar (1/16-Finale)
Frisch aus Mannheim zurück, besucht der Reporter - „Dit is‘ Knorke!“ - gleich das nächste Top-Event: das F66.com Snooker German Masters im Berliner Tempodrom. Als letztes Weltranglistenturnier vor dem Grand Prix - aufgrund seiner langjährigen Tradition und ob der innovativen Aufstellung von gleich fünf Snookertischen im gleichen, im Tempodrom kreisrunden Spielsaal ohne störende Trennwände, so dass jeder Zuschauer praktisch jedes Match zu jeder Zeit verfolgen kann - erfreut sich das German Masters nicht nur bei den Fans größter Beliebtheit, sondern auch die Snookerprofis kommen in der weiten Mehrzahl sehr gerne nach Berlin.
Superstar O'Sullivan mit dabei
Die Fans, die ja keinen lokalen Helden feiern können, weil die deutschen Snookerspieler einfach im Weltmaßstab nicht gut genug sind, stellen für World Snooker eine absolute Bank dar. Und sie werden in diesem Jahr belohnt, denn Ronnie O‘Sullivan ist in diesem Jahr mit von der Partie. Ihn werden wir in der Abendsession auf dem TV-Tisch gegen Mark King bewundern dürfen.
In der allerersten Turniersession heute am Mittwoch werden erst einmal nur der TV-Tisch und zwei Außentische bespielt. Auf dem TV-Tisch dann standesgemäß mit dem Titelverteidiger Martin Gould gegen Jamie Jones, an den Außentischen treten Allister Carter gegen Stephen Maguire an sowie der Publikumsliebling weltweit und fünffache Vizeweltmeister, der „Wirbelwind“ Jimmy White gegen Robin Hull.
Titelverteidiger Gould siegt souverän
Martin Gould macht nicht viel Federlesens mit Jones:das 5:0 entspricht auch komplett dem Spielverlauf. Nach dem Match sagt Gould, dass er sich sehr freue, hier in Berlin wieder anzutreten, um seinen Titel zu verteidigen. Er selbst habe zwar das Prinzip der Tischaufstellung im Tempodrom immer noch nicht verstanden, es störe ihn aber auch nicht. Er sei auf jeden Fall hier, um erneut den Titel mitzunehmen. Sein Jahr nach dem German-Masters-Gewinn 2016 sei durchwachsen verlaufen, immer sei er beim Players-Tour-Championship in Polen noch ins Finale gekommen, habe dort aber gegen Mark Selby (der hier übrigens am Donnerstag in der 2. Session ins Turnier einsteigt) verloren. Gegen die Nummer 1 der Welt kann so was schon mal passieren. So ein Turniersieg gebe aber schon eine Menge zusätzlicher Nervenstärke. Es zahle sich inzwischen in vielen Matches aus, einfach zu wissen, wie sich Gewinnen anfühlt.
Carter siegt mühelos, "Liebling" White scheidet aus
Allister Carter spielt wie gewohnt überlegt und präzise, hat mit dem ungewohnt fehleranfälligen Stephen Maguire keine nennenswerten Probleme. Das 5:1 ist vollauf verdient. Nur an Tisch 3 gibt es wirkliches Drama: Jimmy White ist nun auch schon 54 Jahre alt, wirbelt - auch etwas beleibter als früher - nicht mehr ganz so traumwandlerisch sicher um den Tisch. Immerhin ist er noch auf der Tour, anders als Steve Davis, der 2016 zurückgetreten war. White kann immer noch jeden Ball lochen, absolut jeden, er verschießt aber auch ziemlich häufig eher einfache Bälle und bringt so seinen Gegner wieder ins Spiel. So auch diesmal: Robin Hull ist durchaus talentiert, spielt gediegen und sicher, aber er ist kein Jimmy White. Und doch vergibt „The Whirlwind of London Town“ noch eine 4:3-Führung durch leicht(sinnig)e Fehler, die Hull dann nervenstark mit einem 125er- und einem 51er-Break bestraft. Das muss man dann allerdings auch erst einmal so vortragen.
Nach der Session ist aber vor der Session - am Abend wird geboten: Ronnie O'Sullivan-Mark King natürlich am TV-Tisch, außerdem Ryan Day-Mark Allen, John Astley-Ricky Walden, Akani Songsermsawad-Zhao Xintong und Tom Ford-Peter Ebdon. Die Vorfreude steigt!