Die Rebels überflügeln die Adler

Nach dem klaren Ergebnis im Berlin-Derby scheinen sich die sportlichen Wege der Lokalrivalen in der GFL Nord vorerst zu trennen

Es sollte eine Werbung für den Football-Sport in Berlin werden – und die Zuschauer strömten am vergangenen Sonntag bei herrlichem Sommerwetter ins Poststadion im Bezirk Mitte unweit des Hauptbahnhofs. Die etwa 4.000 Besucher – in der an Sportangeboten reichen Hauptstadt eine durchaus bemerkenswerte Zahl – sollten nicht enttäuscht werden. Zumindest, wenn sie neutral oder Anhänger der Rebels aus Charlottenburg waren. Denn die konnten das Lokalderby am Ende deutlich mit 49:26 für sich entscheiden und stürmten damit sogar an die Spitze der Nordstaffel der German Football League (GFL). Beim Traditionsverein der Berlin Adler macht sich dagegen eher Ernüchterung breit.

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Die Berlin Adler um Devon Francois (Nr. 7) laufen zum Derby auf

Die Adler hatten keinen guten Start in ihre Season, die mit zwei Niederlagen auf europäischer Ebene im Rahmen der „Big 6“ begann und in denen man ohne jeden Punkterfolg blieb. Die Rebels dagegen konnten dem Play-Off-Aspiranten Dresden Monarchs zum Saisonauftakt der GFL am 1. Mai im heimischen Mommsenstadion beim 21:21 immerhin ein Unentschieden abtrotzen. Running Back Larry McCoy glänzte mit zwei Touchdowns und auch Darius Outlaw, der als Wide Receiver auflief und damit von Terell Robinson auf seiner angestammten Position des Quarterbacks abgelöst wurde, war einmal erfolgreich. Eine Woche später starteten auch die Adler in die nationale Liga – und holten sich eben in Dresden eine derbe 20:71-Pleite ab. Schwacher Trost dabei: die ersten Punkte der Season überhaupt und die zwei Touchdowns des in der Defense wie Offense eingesetzten Devon Francois. So stand das Team von Head Coach Eric Schramm am zweiten Spieltag schon gehörig unter Druck: bei den Hamburg Huskies musste zumindest so etwas wie ein Aufwärtstrend her vor dem Berlin-Derby.

Als die Hanseaten im letzten Quarter mit 14:10 in Führung gingen, drohte den Adlern jedoch die nächste Niederlage. Dann aber schlug die Stunde von Paul Zimmermann – der mit 19 Jahren jüngste Quarterback der Liga gab höchstpersönlich dem Spielgeschehen die entscheidende Wende, als er das Ei zum 17:14 für die Adler in die Endzone trug. Ein Erfolg also, von dem man sich vor dem Aufeinandertreffen mit den Rebels das nötige Selbstvertrauen versprach – auch, wenn die Hamburg Huskies nicht zu den stärksten Teams der GFL Nord gezählt werden.

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Head Coach Kim Kuci (4. v. l.) instruiert seine Rebels

Die Rebels hatten dagegen einen Tag später mit den Kiel Baltic Hurricanes gleich ein weiteres „Schwergewicht“ der Liga zu Gast. Die Kieler führten im dritten Quarter bereits 17:7 – doch am Ende begehrten die Rebels noch einmal entscheidend auf und siegten mit 19:17. Outlaw setzte den Schlusspunkt dabei eine halbe Minute vor dem Ende. Somit ging das Team von Head Coach Kim Kuci als leichter Favorit in das Berlin-Derby. Vor dem Duell der Lokalrivalen war die Spannung deshalb nun so groß wie seit Jahren nicht mehr. Haben die Adler noch rechtzeitig die Kurve gekriegt, um im Hauptstadt-Duell vor eigenem Publikum bestehen zu können? Oder wird die Brust der Rebels wegen des viel versprechenden Saisonstarts zu breit sein? So in etwa lauteten die Kernfragen, die die Berliner Footballfans vor dem heißen Aufeinandertreffen bewegten.

Zunächst ging es eng zu in diesem Derby: zweimal legten die Rebels vor, zweimal kamen die Gastgeber wieder heran. Der einzige Unterschied zu diesem Zeitpunkt: Manuel Lewerenz konnte seine Zusatzkicks für die Adler jeweils nicht unterbringen, so dass im zweiten Quarter zwischenzeitlich bei 12:14 aber immer noch alles drin war. Der „Herausforderer“ aus Charlottenburg schien sich sogar etwas mit der Favoritenrolle schwer zu tun, wirkte anfangs bisweilen übermotiviert. So brachte man sich zunächst um eine mögliche bessere Ausgangsposition. Doch auch im zweiten Quarter hatten sie dennoch die richtige Antwort parat und zogen bis zur Halbzeit auf 28:12 davon. Die Rebellen schienen nun ihren Rhythmus gefunden zu haben: der erneut als Quarterback aufgelaufene Robinson verteilte die Bälle mit Übersicht, der wieder starke RB McCoy oder auch WR Outlaw nutzten diese. Mit fortschreitender Spieldauer traten auf diese Weise aber auch zunehmend die (altbekannten) Defensivprobleme des Gegners zu Tage.

So war vor Beginn des vierten Quarters beim Stand von 35:12 die Vorentscheidung gefallen. Die letzte vermeintliche Aussicht der Adler auf eine positive Wendung zerstob dabei, als deren WR Sebastian Krech nach dem einzigen richtigen Fehler der Rebels-Defense freistehend ein Drop unterlief. Sprich: er ließ den Ball fallen – die Bahn wäre frei gewesen zum Touchdown. Im Gefühl des sicheren Sieges ließen es die Rebels gegen Ende lockerer angehen – Cheftrainer Kuci tauschte etwa Robinson und den angeschlagenen Outlaw sicherheitshalber aus. Auf beiden Seiten gab es nun nochmal reichlich Punkte zu bestaunen. Rebels-Kicker Max von Wachsmann wahrte dabei seine „blütenweiße“ Weste bezüglich der Zusatzkicks, wodurch sein Team am Ende mit 49:26 deutlich und verdient die Oberhand behielt. Mit fünf von sechs möglichen Punkten ist ihnen ein starker Saisonstart geglückt – gerade wenn man bedenkt, dass sie gegen zwei Playoff-Kandidaten und im Berlin-Derby geholt wurden. Die eigene Zielsetzung, erstmals in die Endrunde einzuziehen, können die Berlin Rebels so durchaus in die Tat umsetzen. Der nächste Schritt in diese Richtung – am Sonntag bei den Hamburg Huskies – steht jedenfalls unter guten Vorzeichen.

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Shakehands und ein bisschen Trost zum Abschluss - wie es sich gehört

Die stolzen Adler sind dagegen noch in der Findungsphase und müssen sich erst mal an den positiven Ansätzen aufrichten. Bis ins zweite Quarter war die Leistung gut, ebenso ließ man sich in der Schlussphase nicht hängen. Dazu hat man mit „Allzweckwaffe“ Devon Francois einen starken Akteur in seinen Reihen, an dem sich noch der eine oder andere im Team aufbauen kann. Auch der erst wenige Tage vor dem Derby aus Chicago eingeflogene RB Mason Zurek konnte bereits überzeugende Spielzüge zeigen. Zeit braucht dagegen der junge Zimmermann auf der Quarterback-Position, der in Hamburg noch die siegbringenden Punkte selbst machte, im Derby aber Licht und Schatten präsentierte. Beide – die Adler kurzfristig, Zimmermann langfristig – werden ihren Weg gehen, wenn sie sich entsprechend Zeit nehmen und weiter an sich arbeiten. Schon im nächsten Heimspiel am Sonntag im Poststadion, wenn mit den Panthern aus Düsseldorf ein Kontrahent zu Gast ist, der zumindest aktuell eher auf Augenhöhe zu sein scheint. Die Nr. 1 in Berlin zu sein, ist da erst mal eine ganz andere Geschichte.

Bericht + Fotos: Hagen Nickelé