Autoren-Archive: Hagen Nickele

sfc-stern-cornelius-qDer Trainer des Berliner Vizemeisters will mit seiner Mannschaft auch dieses Jahr wieder eine gute Rolle in der höchsten Hauptstadtliga spielen. Auf die Ungewissheit über einen zusätzlichen Aufstiegsplatz, die gegen Ende der vergangenen Spielzeit für Verwirrung sorgte, kann er dagegen gut verzichten - und nimmt in dieser Hinsicht auch kein Blatt vor den Mund.

Manuel Cornelius sprach anlässlich des Peter-Hanisch-Gedenkturniers in Zehlendorf Anfang Juli mit Hagen Nickelé.

 

Text+Foto: Hagen Nickelé

Die beiden Berliner Trabrennbahnen haben die wirtschaftlich schwierigen Zeiten für den Pferderennsport überstanden

Ein Mittwochvormittag Anfang Juni in Berlin-Karlshorst. Schon der Termin legt nahe, dass nicht der ganz große Andrang auf der ortsansässigen Trabrennbahn zu erwarten ist. Doch dann spielt auch noch das Wetter nicht mit: pünktlich zum ersten Rennen um 11.30 Uhr beginnt es, Strippen zu regnen. Die wenigen Anwesenden ziehen sich unter das Dach der beeindruckenden Tribüne zurück, während unten das Geschehen seinen Lauf nimmt.

Bis zu 4.000 Zuschauer haben dort Platz, heute sind es vielleicht 50. Aber wie gesagt: der Termin des „PMU Matinée Renntags“ ist schon allein wegen der frühen Stunde etwas für eingefleischte Fans mit Zeit. So ist das Publikum eher betagt, aber fachkundig. Lokalmatador Andreas Gläser, der das erste von vier Rennen mit Fittipaldi für sich entscheidet, wird mit warmem Applaus und vereinzelten „Andi“-Rufen verabschiedet.

Der zwischenzeitlich nachlassende Regen meldet sich pünktlich zum zweiten Rennen in alter Stärke zurück. Spätestens hier wird dem nicht szenekundigen Beobachter klar: schlechtes Wetter gibt es nicht beim Trabrennsport, das Programm wird straff durchgezogen. Schließlich wird hier - im Gegensatz zum Galopprennsport - auch noch über den Winter gelaufen.

Mit Thorsten Tietz bleibt ein weiterer „Berliner“ Fahrer siegreich. Im Jahr 2008 zog der gebürtige Recklinghausener in die Hauptstadt und lebt dort in unmittelbarer Nähe der Bahn in Mariendorf. Zuvor war er vornehmlich als Stalljunge tätig, nun ist er sehr erfolgreich im Sulky aktiv. Den Silberhelm als Zeichen für den zweitbesten Fahrer des Vorjahrs trägt er nicht zum ersten Mal. Vergangenes Jahr griff er mit Cash Hanover sogar nach der Krone im Traber-Derby in Mariendorf. Im Schlussbogen fuhr er auf der Außenbahn den Angriff an, als sein Pferd ansprang – so heißt es im Fachjargon, wenn der Vierbeiner in den Galopp verfällt – und so die Chance vergab, als erster Berliner nach 1988 wieder das größte deutsche Championat zu gewinnen.

Auf dem durch die Nässe schwierigen Geläuf in Karlshorst lässt Tietz mit Seriensieger Zauni allerdings nichts anbrennen und verweist Goldhelm Michael Nimczyk und Traber-Legende Heinz Wewering auf die Plätze. Auch in den folgenden beiden Rennen schauen die Zwei in die Röhre: Nimczyk muss zunächst im dritten Lauf auf der Zielgeraden noch den bayrischen Bronzehelm Josef Franzl passieren lassen, danach setzt sich erneut Tietz souverän durch.

Gegen 13.30 Uhr ist der „PMU Matinée Renntag“ schon gelaufen. Doch wer das Innere des Karlshorster Tribünengebäudes betritt, versteht erst, wie sich eine derartige Veranstaltung vielleicht ansatzweise rechnet: an die Gaststätte mit gutbürgerlicher, preisgünstiger Küche ist quasi ein Wettbüro angeschlossen. Über die zahlreichen Bildschirme flimmern Rennen aus aller Welt: Trab-, Galopp- oder sogar Windhundrennen. An den vielen Stehtischen werden Vorschauen studiert, Wettscheine ausgefüllt oder Rennverläufe diskutiert. Durch das Aufkommen von Internetwetten waren diese Einnahmen für die Bahnen zwischenzeitlich eingebrochen, inzwischen scheint diesbezüglich die Talsohle aber durchschritten.

Auf die insgesamt wirtschaftlich problematische Entwicklung im Pferdesport nach der Jahrtausendwende reagierte man im Bezirk Lichtenberg angemessen: eine Hälfte des Areals wurde dem Pferdesportpark Berlin-Karlshorst e.V. zur Fortführung des Rennbetriebs verkauft, die andere als Bauland veräußert. Gesundung durch Schrumpfen, wenn man so will. Sponsoren konnten ebenso wieder hinzugewonnen werden wie Investoren für verschiedene infrastrukturelle Maßnahmen – z. B. das im Bau befindliche Reittherapiezentrum auf dem Gelände. Auch die Durchführung anderer Großveranstaltungen wie etwa der Deutsch-Russischen Festtage bringt zusätzlich Geld in die Kasse. In Karlshorst hat man sich also neu aufgestellt, um den Traditionsbetrieb – hier fand 1884 das erste öffentliche Pferderennen Berlins statt, 1945 wurde das Gelände zur Trabrennbahn umgebaut – auch zukünftig zu sichern.

Ein mittleres Erdbeben verursachte dagegen im Jahr 2013 in Berlin die Ankündigung von Ulrich Mommert, sich aus dem Betrieb der Trabrennbahn in Mariendorf zurück zu ziehen. Der Unternehmer hatte das Gelände im Jahr 2005 übernommen und so vor dem drohenden Aus bewahrt. Dabei wurde ähnlich wie in Karlshorst über die Veräußerung von Teilen der Anlage wieder mehr Rentabilität erreicht. So entstanden u. a. ein Senioren- und ein Einkaufszentrum in dem betreffenden Gebiet.

Die Aussage Mommerts - ausgerechnet zum 100-jährigen Bestehen getroffen – verfehlte dann ihre Wirkung nicht. Ohne das weitere, nicht nur finanzielle Engagement des Eigentümers hätte die Existenz der Traditionsstätte im Bezirk Tempelhof tatsächlich auf der Kippe gestanden. Im Berliner Blätterwald rauschte es darob vernehmlich - und die eigentlich als Adressat gemeinte Politik in Bezirk und Land kam in Bewegung. Offenbar zumindest zu einer gewissen Zufriedenheit des Eigentümers – denn Mommert, inzwischen 75 Jahre alt und früher selbst erfolgreich im Sulky unterwegs, ist der Mariendorfer Bahn bis heute treu geblieben.

Dort findet Anfang August auch alljährlich der Höhepunkt der Trabsaison statt: die Derby-Woche mit dem Deutschen Traber-Derby, traditionell am ersten Sonntag im Monat. Zwei Pferde in niederländischem Besitz werden dabei dieses Jahr besonders hervorgehoben: Dreambreaker und Blackhawk, beide trainiert von Arnold Mollema. Es sind allerdings deutsche Pferde, da nur solche für das Derby zugelassen sind. Ein Sieg eines „Berliner“ Trabers liegt, wie bereits erwähnt, lange zurück. Immerhin aber konnte sich Ulrich Mommert letztes Jahr über den 3. Platz von Raffaelo Diamant aus seinem Stall freuen. Von den Pferden mit „Heimvorteil“ zeigten sich dieses Jahr besonders Zauni, aber auch Fiobano in guter Form.

In jedem Fall wird auch 2016 der Besucherandrang wieder groß werden zwischen dem 29. Juli und 7. August: 50 – 60.000 Neugierige lockte die Topveranstaltung des deutschen Trabersports an den sieben Renntagen zuletzt an. Etwa ein Drittel des gesamten Wettumsatzes von 7 Millionen Euro pro Jahr wird in der Derby-Woche erzielt. Stolze Zahlen, die auch zum Fortbestehen der Rennbahn in Mariendorf beitragen. Sponsoren, Investoren und ein vom Pferdesport begeisterter Eigentümer wie Ulrich Mommert sind allerdings ebenso weiterhin unerlässlich.

Als Konkurrenten verstehen sich die beiden Trabrennanlagen in der Hauptstadt im Übrigen nicht. Im Gegenteil: man stimmt sich bezüglich des Terminkalenders nicht nur untereinander, sondern obendrein auch noch mit der schmucken Galopprennbahn vor den Toren Berlins ab. Sogar hinsichtlich eines gemeinsam veranstalteten 3-Rennen-Wochenendes hat man sich jüngst ausgetauscht. Keine Frage also: Karlshorst, Mariendorf sowie Hoppegarten – diese „Dreier-Wette“ soll auch künftig weiter aufgehen.

Bericht + Fotos: Hagen Nickelé

Nach dem klaren Ergebnis im Berlin-Derby scheinen sich die sportlichen Wege der Lokalrivalen in der GFL Nord vorerst zu trennen

Es sollte eine Werbung für den Football-Sport in Berlin werden – und die Zuschauer strömten am vergangenen Sonntag bei herrlichem Sommerwetter ins Poststadion im Bezirk Mitte unweit des Hauptbahnhofs. Die etwa 4.000 Besucher – in der an Sportangeboten reichen Hauptstadt eine durchaus bemerkenswerte Zahl – sollten nicht enttäuscht werden. Zumindest, wenn sie neutral oder Anhänger der Rebels aus Charlottenburg waren. Denn die konnten das Lokalderby am Ende deutlich mit 49:26 für sich entscheiden und stürmten damit sogar an die Spitze der Nordstaffel der German Football League (GFL). Beim Traditionsverein der Berlin Adler macht sich dagegen eher Ernüchterung breit.

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Die Berlin Adler um Devon Francois (Nr. 7) laufen zum Derby auf

Die Adler hatten keinen guten Start in ihre Season, die mit zwei Niederlagen auf europäischer Ebene im Rahmen der „Big 6“ begann und in denen man ohne jeden Punkterfolg blieb. Die Rebels dagegen konnten dem Play-Off-Aspiranten Dresden Monarchs zum Saisonauftakt der GFL am 1. Mai im heimischen Mommsenstadion beim 21:21 immerhin ein Unentschieden abtrotzen. Running Back Larry McCoy glänzte mit zwei Touchdowns und auch Darius Outlaw, der als Wide Receiver auflief und damit von Terell Robinson auf seiner angestammten Position des Quarterbacks abgelöst wurde, war einmal erfolgreich. Eine Woche später starteten auch die Adler in die nationale Liga – und holten sich eben in Dresden eine derbe 20:71-Pleite ab. Schwacher Trost dabei: die ersten Punkte der Season überhaupt und die zwei Touchdowns des in der Defense wie Offense eingesetzten Devon Francois. So stand das Team von Head Coach Eric Schramm am zweiten Spieltag schon gehörig unter Druck: bei den Hamburg Huskies musste zumindest so etwas wie ein Aufwärtstrend her vor dem Berlin-Derby.

Als die Hanseaten im letzten Quarter mit 14:10 in Führung gingen, drohte den Adlern jedoch die nächste Niederlage. Dann aber schlug die Stunde von Paul Zimmermann – der mit 19 Jahren jüngste Quarterback der Liga gab höchstpersönlich dem Spielgeschehen die entscheidende Wende, als er das Ei zum 17:14 für die Adler in die Endzone trug. Ein Erfolg also, von dem man sich vor dem Aufeinandertreffen mit den Rebels das nötige Selbstvertrauen versprach – auch, wenn die Hamburg Huskies nicht zu den stärksten Teams der GFL Nord gezählt werden.

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Head Coach Kim Kuci (4. v. l.) instruiert seine Rebels

Die Rebels hatten dagegen einen Tag später mit den Kiel Baltic Hurricanes gleich ein weiteres „Schwergewicht“ der Liga zu Gast. Die Kieler führten im dritten Quarter bereits 17:7 – doch am Ende begehrten die Rebels noch einmal entscheidend auf und siegten mit 19:17. Outlaw setzte den Schlusspunkt dabei eine halbe Minute vor dem Ende. Somit ging das Team von Head Coach Kim Kuci als leichter Favorit in das Berlin-Derby. Vor dem Duell der Lokalrivalen war die Spannung deshalb nun so groß wie seit Jahren nicht mehr. Haben die Adler noch rechtzeitig die Kurve gekriegt, um im Hauptstadt-Duell vor eigenem Publikum bestehen zu können? Oder wird die Brust der Rebels wegen des viel versprechenden Saisonstarts zu breit sein? So in etwa lauteten die Kernfragen, die die Berliner Footballfans vor dem heißen Aufeinandertreffen bewegten.

Zunächst ging es eng zu in diesem Derby: zweimal legten die Rebels vor, zweimal kamen die Gastgeber wieder heran. Der einzige Unterschied zu diesem Zeitpunkt: Manuel Lewerenz konnte seine Zusatzkicks für die Adler jeweils nicht unterbringen, so dass im zweiten Quarter zwischenzeitlich bei 12:14 aber immer noch alles drin war. Der „Herausforderer“ aus Charlottenburg schien sich sogar etwas mit der Favoritenrolle schwer zu tun, wirkte anfangs bisweilen übermotiviert. So brachte man sich zunächst um eine mögliche bessere Ausgangsposition. Doch auch im zweiten Quarter hatten sie dennoch die richtige Antwort parat und zogen bis zur Halbzeit auf 28:12 davon. Die Rebellen schienen nun ihren Rhythmus gefunden zu haben: der erneut als Quarterback aufgelaufene Robinson verteilte die Bälle mit Übersicht, der wieder starke RB McCoy oder auch WR Outlaw nutzten diese. Mit fortschreitender Spieldauer traten auf diese Weise aber auch zunehmend die (altbekannten) Defensivprobleme des Gegners zu Tage.

So war vor Beginn des vierten Quarters beim Stand von 35:12 die Vorentscheidung gefallen. Die letzte vermeintliche Aussicht der Adler auf eine positive Wendung zerstob dabei, als deren WR Sebastian Krech nach dem einzigen richtigen Fehler der Rebels-Defense freistehend ein Drop unterlief. Sprich: er ließ den Ball fallen – die Bahn wäre frei gewesen zum Touchdown. Im Gefühl des sicheren Sieges ließen es die Rebels gegen Ende lockerer angehen – Cheftrainer Kuci tauschte etwa Robinson und den angeschlagenen Outlaw sicherheitshalber aus. Auf beiden Seiten gab es nun nochmal reichlich Punkte zu bestaunen. Rebels-Kicker Max von Wachsmann wahrte dabei seine „blütenweiße“ Weste bezüglich der Zusatzkicks, wodurch sein Team am Ende mit 49:26 deutlich und verdient die Oberhand behielt. Mit fünf von sechs möglichen Punkten ist ihnen ein starker Saisonstart geglückt – gerade wenn man bedenkt, dass sie gegen zwei Playoff-Kandidaten und im Berlin-Derby geholt wurden. Die eigene Zielsetzung, erstmals in die Endrunde einzuziehen, können die Berlin Rebels so durchaus in die Tat umsetzen. Der nächste Schritt in diese Richtung – am Sonntag bei den Hamburg Huskies – steht jedenfalls unter guten Vorzeichen.

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Shakehands und ein bisschen Trost zum Abschluss - wie es sich gehört

Die stolzen Adler sind dagegen noch in der Findungsphase und müssen sich erst mal an den positiven Ansätzen aufrichten. Bis ins zweite Quarter war die Leistung gut, ebenso ließ man sich in der Schlussphase nicht hängen. Dazu hat man mit „Allzweckwaffe“ Devon Francois einen starken Akteur in seinen Reihen, an dem sich noch der eine oder andere im Team aufbauen kann. Auch der erst wenige Tage vor dem Derby aus Chicago eingeflogene RB Mason Zurek konnte bereits überzeugende Spielzüge zeigen. Zeit braucht dagegen der junge Zimmermann auf der Quarterback-Position, der in Hamburg noch die siegbringenden Punkte selbst machte, im Derby aber Licht und Schatten präsentierte. Beide – die Adler kurzfristig, Zimmermann langfristig – werden ihren Weg gehen, wenn sie sich entsprechend Zeit nehmen und weiter an sich arbeiten. Schon im nächsten Heimspiel am Sonntag im Poststadion, wenn mit den Panthern aus Düsseldorf ein Kontrahent zu Gast ist, der zumindest aktuell eher auf Augenhöhe zu sein scheint. Die Nr. 1 in Berlin zu sein, ist da erst mal eine ganz andere Geschichte.

Bericht + Fotos: Hagen Nickelé