Großes Bild: Spannendes Spiel - am 1. Spieltag empfängt Titelfavorit Blau-Weiß 90 den Berliner SC - hier eine Szene aus der vergangenen Saison vom BSC-Sportplatz
Der frühere Bundesligist drängt zurück in den überregionalen Fußball – und hat vor der Saison 2017/18 in der Berlin-Liga deshalb personell kräftig aufgerüstet
Die vergangene Saison war noch nicht abgelaufen, da begann man bei der Sportlichen Vereinigung Blau-Weiß 90 gewissermaßen, bereits den Hut für die kommende Spielzeit in den Ring zu werfen. Der Verein aus Mariendorf mit einem Jahr Bundesliga in seiner Historie (1986/87) war gerade erst in die sechstklassige Berlin-Liga aufgestiegen, die höherklassigen Ambitionen aber schon länger hinterlegt.
Das Ganze trägt den Titel „Blau-Weiß 90 is back“ und beginnt im Jahr 2015 – nach dem Konkurs 1992 und Löschung aus dem Vereinsregister vier Jahre später war der Traditionsname zur Spielzeit 2015/16 wieder frei. Es gelang der Aufstieg aus der Landesliga. Mit der Rückbenennung wollte man an die Tradition anknüpfen und dadurch auch Sponsoren und Spieler für sich gewinnen. Binnen fünf Jahren will man in der Regionalliga Nordost ankommen - spätestens.
Die Mariendorfer verpflichten 11 namhafte Spieler
Mit ihm ging es los: Lukas Rehbein
Im Mai 2017 also, gegen Ende des ersten Jahrs in der Berlin-Liga, verkündeten die Verantwortlichen dann schon mal zwei bemerkenswerte Wechsel. Mit Robin Mannsfeld und Lukas Rehbein verpflichteten die Blau-Weißen zwei Stammspieler des Oberligisten Tennis Borussia für die Saison 2017/18.
Doch das sollte nur der Anfang sein: binnen eines Monats gaben die Mariendorfer neun weitere Neuzugänge mit höherklassiger Erfahrung bekannt. Ob Julian Austermann und Pascal Matthias (VSG Altglienicke), Jeffrey Gleisinger (BFC Dynamo), Michael Hinz (1. FC Neukölln, früher mal 3. Liga u. a. bei Union), Tim Lensinger (FC Viktoria 89), Tobias Francisco und Kiyan Soltanpour (FSV Luckenwalde) oder Kevin Giese und Kevin Gutsche (Tennis Borussia) – gleich eine komplette Elf mit Stammplatzanspruch wurde verpflichtet. Um den nötigen Platz zu schaffen, verabschiedete man sich vom halben Kader der Vorsaison.
Gehalten wurden Routiniers wie Bruckmann, Hendschke, Kuche, Steinert oder Torwart Pruschke, die alle mal das Trikot von TeBe trugen. Und natürlich Rani Al-Kassem, der mit seinen inzwischen 37 Jahren den Altersdurchschnitt im Kader deutlich anhebt. Doch der 1,90m große Stürmer ist eine Identifikationsfigur an der Rathausstraße, spielt dort (mit einem Jahr Unterbrechung) seit 2010. Dazu hat er das Toreschießen nicht verlernt: 69 Treffer allein in den letzten beiden Spielzeiten verdeutlichen das.
Macher in Mariendorf: Michael Meister
Der Mann hinter dem ganzen Plan in Mariendorf ist Michael Meister, Präsident des Vereins. Der Mittfünfziger dürfte auch als finanzieller Unterstützer von „Blau-Weiß 90 is back“ nicht unmaßgeblich beteiligt sein – ganz genau lässt er sich in dieser Hinsicht nicht in die Karten schauen. Mit einem Augenzwinkern kommentiert er seine Bemerkung zu den Neuverpflichtungen. Nämlich, dass man seinem Verein nun nicht den Vorwurf machen könne, bei der Konkurrenz in der Berlin-Liga gewildert zu haben.
Der Ball liegt unter diesen Voraussetzungen jetzt natürlich beim Trainer – der aber hat aufgrund seiner Laufbahn wohl kaum ein Akzeptanzproblem. Marco Gebhardt hat schließlich mit Eintracht Frankfurt und Energie Cottbus in der Bundesliga gespielt und im Berliner Fußball drei Jahre beim 1. FC Union Spuren hinterlassen. Seine Schützlinge können dabei sicher sein, dass Vorgeschichte bei Gebhardt nichts zählt – beim Ex-Profi wird streng nach Leistung aufgestellt. Man darf gespannt sein, wie die kompromisslose Art im Kader ankommt.
Wer sind die Konkurrenten?
Torgarant: Christoph Zorn
Die Frage nach dem Favoriten für die Saison 2017/18 in der Berliner Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Oberliga wäre damit ausführlich beantwortet. Hinter der SP.VG. Blau-Weiß 90 dürfen sich wohl die „üblichen Verdächtigen“ in die Warteliste eintragen: der Vorjahreszweite Eintracht Mahlsdorf und dessen Verfolgertrio, bestehend aus SD Croatia, SV Tasmania und SFC Stern 1900.
Bei den Mahlsdorfern ist der Torjäger Christoph Zorn - gerade zum Berliner Amateurfußballer 2017 gewählt – alleine für eine Platzierung im vorderen Drittel gut. Die 120 Treffer aus den letzten vier Saisons sprechen für sich. Der neue Trainer Christian Gehrke hat dazu bei Germania Schöneiche letztes Jahr Oberligaluft geschnuppert.
Bleibt in der Liga: Erhan Bahceci
Beim SD Croatia konnte man zwei Transfercoups landen: mit Efraim Gakpeto (FC Hertha 03, Oberliga) und Erhan Bahceci (SC Staaken, 16/17 34 Tore) hat die Offensive bei den Tempelhofern nochmal richtig Schub bekommen. Trainer Marco Wilke, der letztes Jahr vom Teamgeist und nun von seinen Neuzugängen schwärmte, musste allerdings auch einen überraschenden Abgang verkraften. Alianni Urgelles Montoya, ehemaliger kubanischer Nationalspieler, verließ den Club offenbar ohne Angabe von Gründen und kehrte zu Schwarz-Weiß Neukölln zurück. Eine Personalie, die reichlich Wellen schlug und das Gefüge bei Croatia beeinflussen könnte.
Der SV Tasmania gehörte in den vergangenen vier Jahren immer zu den Favoriten, verpasste zwischen Platz 2 und 4 aber immer mehr oder weniger knapp den großen Wurf. Dadurch, dass der Nachfolger des legendären Bundesligisten von 1965/66 schon Anfang des Jahrtausends mehrfach knapp Platz 1 verpasste, gilt er inzwischen quasi als „unaufsteigbar“. Der Umbruch, den die Neuköllner vor dieser Spielzeit vollzogen haben, scheint nach den ersten Eindrücken aber keinen gravierenden Leistungsabfall zur Folge zu haben. Ein Platz unter den „Top Five“ ist also allemal drin.
Sehr solide wird seit Jahren beim SFC Stern 1900 gearbeitet. Da man aber auch eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit und eine starke Frauenabteilung gleichermaßen berücksichtigt, erwies sich der Kader bei der 1. Herren oft nicht den Schwierigkeiten wie Verletzungspech oder Urlaubsplanung gewachsen. Andreas Thurau löst nun Manuel Cornelius nach vier Jahren auf der Bank ab. Als Spieler war Thurau eher ein „Enfant Terrible“ – er kennt den Verein aber gut und könnte mit seiner ganz anderen Art den erfolgreichen Weg mit Stern weiter beschreiten.
Neu beim Neuling Türkspor 04: Ertan Turan kam von Oberligist TeBe
Zu beachten sein wird auch Aufsteiger Hellas Nordwest, der nach einer Fusion ab sofort unter dem Namen Berlin Türkspor 04 firmiert. Auch im Norden Charlottenburgs verfolgt man mittelfristig ehrgeizige Pläne, zur neuen Saison wurde bereits ein halbes Dutzend Spieler mit Oberligaerfahrung unter Vertrag genommen – weitere Neuzugänge nicht ausgeschlossen.
Dem ehrgeizigen Aufsteiger wie dem ambitionierten Altbundesligisten dürften dabei die kritischen Blicke der Konkurrenz sicher sein. Und für den Fall des Reinfalls - das weiß Michael Meister jetzt schon genau - gilt: „Dann“, sagt der Blau-Weiß-Präsident, „werden wir natürlich zur Lachnummer.“
Gesprächsrunde am Donnerstagabend u. a. mit BFV-Präsident Bernd Schultz (3. v. l.) und Spielleiter Joachim Gaertner (l.). Foto: BFV
Ab der Spielzeit 2017/18 verfügt die Berlin-Liga mit "11teamsports" über einen so genannten Kooperationspartner. Am Donnerstagabend wurde die Partnerschaft in den Räumlichkeiten des Sportausrüsters in Berlin-Charlottenburg vorgestellt. Die 18 Vereine der Berlin-Liga erhalten laut "Fußball-Woche" 500 Euro pauschal für eine Saison und noch einmal 1.000 Euro extra, wenn sie ihre Trikots auf dem rechten Ärmel mit dem neuen Logo der Spielklasse bedrucken lassen. Dazu gibt es Rabatt bei der Anschaffung von Ausrüstung.
Bislang haben 15 von 18 Clubs dem kompletten Angebot inklusive Badge zugestimmt - Berliner SC, Füchse Berlin und der TSV Rudow, der das Eröffnungsspiel am Freitag gegen den SV Sparta ausrichtet, haben sich noch nicht endgültig geäußert. Die Partnerschaft wurde mit dem Berliner Fußball-Verband (BFV) über zwei Jahre vereinbart.
Hören Sie hier zwei Stimmen des BFV - sie wurden aus der Gesprächsrunde vom Donnerstagabend zusammengeschnitten.
BFV-Präsident Schultz über die erstmalige Partnerschaft der Berlin-Liga:
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Spielleiter Gaertner über die Saison 17/18 der Berlin-Liga:
Beim TSV Rudow wird am Freitag die neue Spielzeit der Berlin-Liga eröffnet (gegen den SV Sparta um 19.30 Uhr). Trainer Aaron Müller geht dabei in seine zweite Saison bei den Süd-Neuköllnern.
Im Interview mit Berlinsport Aktuell spricht der 28-Jährige über sein erstes Jahr an der Stubenrauchstraße, Zu- und Abgänge - und was man sich für 2017/18 vorgenommen hat.
Das Gespräch wurde bereits Sonntag vor einer Woche aufgezeichnet.
Am 1. Spieltag der NOFV-Oberliga Nord unterlag Aufsteiger SC Staaken am Sonntag im heimischen Sportpark dem FC Hertha 03 mit 1:2 (0:2).
Nach dem Spiel äußerten sich die Trainer Alexander Arsović (H03, 1. Teil bis 01:40) und Jeffrey Seitz (SCS) auf der Pressekonferenz. Hören Sie den Zusammenschnitt von Berlinsport Aktuell.
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Beitrag: Hasso/Hagen Nickelé
Fotos: Wozny und Berlinsport Aktuell/ Hagen Nickelé
Großes Bild: Faszination Freitagabendspiel - bei Tennis Borussia im Mommsenstadion ist die Oberliga besonders zu Beginn des Wochenendes sehr atmosphärisch (Foto: Berlinsport Aktuell)
Mehrere Aufstiegskandidaten
Die VSG Altglienicke schaffte letzte Spielzeit das, wovon viele Oberligisten nur träumen können: im direkten Durchmarsch ließ man die Nord-Staffel des NOFV gleich wieder hinter sich. Allerdings war man dafür in Berlins Südosten auch bereit, in viel Qualität für den Kader zu investieren. Das kann aber nicht jeder Verein leisten – mit Germania Schöneiche zog zuletzt wieder mal ein Verein freiwillig zurück. So geht die Oberliga, die vor allem für Clubs aus Berlin als unattraktiv gilt, 2017/18 mit 17 Vertretern ins Rennen.
An der Spitze erscheint die kommende Spielzeit dabei nun zumindest ausgeglichener. Letzte Saison hatten die beiden heißesten Kandidaten – neben Altglienicke noch Optik Rathenow - das Rennen am Ende tatsächlich unter sich ausgemacht. Da die Rathenower als Tabellenzweiter aber in der Relegation scheiterten, wird natürlich auf diese gezeigt, wenn es um Benennung des Aufstiegsfavoriten Nr. 1 geht.
Kann Trainer Kahlisch schnell ein neues Optik-Team formen?
Trainer Ingo Kahlisch
Die Optiker haben allerdings zahlreiche Abgänge zu kompensieren. Am schwersten wiegt sicher der von Dragan Erkic (zu Tennis Borussia): der Mittelfeldspieler avancierte schließlich mit 24 Treffern zum besten Spieler der Liga 2016/17. So muss sich Trainer-Urgestein Ingo Kahlisch (seit 1988 bei Optik) auf sein Händchen für Spieler verlassen. Immer wieder hat er schließlich bewiesen, Mannschaften formen zu können. Und: Rathenow spielte drei der vergangenen fünf Spielzeiten in der Regionalliga Nordost - da kommen Wunsch und Anspruch trotz des fehlenden großen Geldes quasi von selbst.
Die drei hartnäckigsten Widersacher kommen allesamt aus der Hauptstadt. Zwei von ihnen haben den Aufstieg sogar schon offiziell zum Ziel erklärt – allerdings mittelfristig. Da es diese Spielzeit wahrscheinlich keinen „Überflieger“ a la Altglienicke geben wird, wäre die Gelegenheit aber eben durchaus günstig.
Hertha 03 will mittelfristig sowieso aufsteigen,....
Beim FC Hertha 03 ist man nach vier Spielzeiten mit guten Platzierungen längst der Oberliga überdrüssig. Der für seine hervorragende Jugendarbeit bekannte Club will seinen Talenten Regionalliga im Herrenbereich anbieten können, um diese zu halten. Dafür ist man vor dieser Saison bereit gewesen, etwas offensiver auf dem Spielermarkt vorzugehen.
Philipp Sprint etwa kommt aus Aachen für die Torwartposition – früher spielte er im Nachwuchs von Hertha BSC und hat sogar zwei Einsätze in der 2. Liga vorzuweisen. Und mit Sebastian Huke (27) konnte ein echte Knipser von Tennis Borussia losgeeist werden: immerhin traf der 27-Jährige in seinen letzten beiden Oberligajahren 43-mal.
Dazu gesellen sich wieder mehrere Spieler aus der U19, die der heutige Herren-Trainer Alexander Arsovic aus seiner Zeit im Jugendbereich bei Hertha 03 bestens kennt. Selbst wenn der sich meist in Zurückhaltung übt – sein „Chef“, Präsident Kamyar Niroumand, ist heiß auf die Regionalliga Nordost.
...das gilt auch für TeBe
Von Dynamo zu TeBe: Thiago Rockenbach
Auch bei Tennis Borussia verfolgt man dieses Ziel – zum Teil auch aus der Not heraus. Im Frühjahr musste der Chef des Hauptsponsors, Jens Redlich, den Verein vor der Insolvenz bewahren. Allerdings wollte er nicht nur bestehende Löcher stopfen, sondern aktiv die Zukunft des Vereins mitbestimmen – so wurde er binnen kurzer Zeit zum Vorstandsvorsitzenden bei TeBe.
Acht Stammspieler haben die Veilchen nun verlassen – dafür wurden allerdings auch einige Hochkaräter nach Charlottenburg gelotst. Torwart Stephan Flauder (BAK) oder Spielgestalter Thiago Rockenbach (BFC Dynamo) kommen aus der Regionalliga. Dazu gesellen sich einige Zugänge aus der Oberliga – wie eben der Topspieler 2016/17, Dragan Erkic.
Trainer Cemal Yildiz muss diesen Umbruch bewältigen – selbst wenn ihm dabei für den Aufstieg mehr als eine Spielzeit eingeräumt wird: auch Präsident Redlich, für den die Regionalliga quasi ein betriebswirtschaftliches Muss darstellt, wäre für eine schnelle Abwicklung seiner Vorgabe sicher dankbar. Und die zahlreiche Anhängerschaft der Lila-Weißen ohnehin.
Wann schlägt Lichtenbergs Stunde?
Lichtenberg 47 hatte in den letzten Jahren viel Grund zum Jubeln - diesmal auch am Saisonende?
Etwas anders gehen da die Uhren in Lichtenberg. Fragt man beim SV 47 nach, wird man positive Reaktionen in punkto Oberliga bekommen. Trainer Uwe Lehmann schätzt den deutlich anspruchsvolleren Fußball als schon eine Spielklasse tiefer. Auch was die Auswärtsfahrten angeht, beschwert man sich nicht – mit Schwerin (hin und zurück rund 400km) und Wismar (500km) gibt es lediglich zwei Standorte, die einen ganz langen Spieltag versprechen.
Das Reisen sieht man bei den Lichtenbergern eher als einen Beitrag zur Förderung des Teamgeists – und der steht bei den 47ern über allem. Viel Geld kann man nicht ausgeben, lieber wird in die Infrastruktur und gute Ausrüstung investiert. Dazu sucht man Spieler, die in die Mannschaft passen und das familiäre Umfeld schätzen. Das Konzept funktioniert: in den fünf Jahren Oberliga haben sich die Rot-Weißen punktemäßig jedes Mal steigern können.
Eine wichtige Rolle in der kommenden Saison könnte Mittelfeldspieler David Hollwitz spielen, der aus der Regionalliga vom FC Viktoria 89 kommt. Sollte die Offensive wieder so gut funktionieren (2016/17: 88 Tore in 30 Partien), dann ist auch mit dem SV Lichtenberg 47 im Aufstiegsrennen - bis zum Schluss - zu rechnen. Im Gegensatz zu Hertha 03 oder Tennis Borussia setzt man sich für das Erreichen der Regionalliga an der Ruschestraße jedoch keine Frist – mit Kontinuität wird es irgendwann werden, heißt dort die Devise.
Hertha 06 und Staaken suchen sicheren Mittelfeldplatz
Aufgrund der guten Platzierungen könnte auch noch der FC Anker Wismar eine gute Rolle spielen. Das Team von Trainer Dinalo Adigo erreichte nach dem Wiederaufstieg Platz 7 bzw. 5. Die anderen beiden Berliner Vertreter sollten mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Der CFC Hertha 06, Vorjahres-12., sucht dabei im dritten Jahr Oberliga immer noch nach der nötigen Konstanz. Vergangene Saison stand man nach sieben Spieltagen auf Platz 1, holte anschließend nur noch 15 Punkte.
Ohne Torjäger in die Oberliga: Erhan Bahceci verlässt den SC Staaken
Beim SC Staaken dagegen ist man glücklich, in der Oberliga zu sein. Schließlich ist letzte Saison der Aufstieg gelungen - das Team von Jeffrey Seitz, der im ersten Jahr gleich zum Amateurtrainer der Saison gewählt wurde, setzte sich am Ende sogar ungeschlagen durch. Zwar hat mit Erhan Bahceci der Torjäger (2016/17: 34 Treffer) den Verein aus dem Westen Spandaus verlassen - die Blau-Weißen wissen aber, wie man mit geringen Mitteln und mannschaftlicher Geschlossenheit punktet. So dürften die Staakener ihren Platz mittendrin in der NOFV-Oberliga Nord finden.
Der Goldhelm gewinnt alle fünf Rennen bei der PMU-Matinee
(mf). Es war zwar „nur“ eine PMU-Matinee mit fünf Rennen, doch sie endete denkwürdig. Goldhelm Michael Nimczyk gelang ein Meisterstück, das an die Ascot-Gala von Jockey-Legende Frankie Dettori am 28. September 1996 erinnerte, als der auf Englands Nobelbahn alle sieben Prüfungen des Tages für sich entschied und den Buchmachern viele Millionen Pfund Verlust bescherte. Nimczyk machte es etwas gnädiger, zumal er im Gegensatz zu Dettori ausnahmslos Favoriten steuerte, aber auch davon wollen fünf erst einmal ins Ziel gebracht werden.
Den Auftakt machte Ear to Earth, so dass nicht nur Michael Nimczyks glänzende Fahrerform dieser Tage, sondern auch die Erfolgsserie von Besitzer Ulrich Mommert ihren Fortgang nahm. Vom Potenzial her hatte Trainer Thomas Holtermann den Dreijährigen als gut genug für einen Derbystart gesehen, ihn als großes Pferd aber vernünftigerweise noch nicht für reif genug befunden. In der „normalen“ Klasse stand Ear to Earth aber deutlich heraus, konnte sich einen einige Meter kostenden Sicherheitsstart erlauben und war nach einem Zwischenspurt vor der Tribüne dennoch schnell und für den Rest des Rennens souverän in Front. Mit dem von Hannu Voutilainen trainierten Jahrgangsgefährten Glaedar ließ sich der deutsche Champion ein Rennen später noch mehr Zeit und brachte ihn erst nach einer Runde mit einem Vorstoß in dritter Spur an die Seite des führenden Molto Bene H, den er im Einlauf mit nochmaliger Tempoverschärfung stehen ließ.
Rasantes Duell
Den spannendsten Endkampf erlebten die zu früher Stunde erfreulich zahlreich erschienen Besucher im dritten Rennen. Beim zweiten Start nach der Pause zeigte sich Flash di Quattro erheblich gesteigert, wurde von Thosten Tietz sofort an die Spitze geschickt und nahm dort das Tempo erst einmal deutlich aus der Partie. So konnte Michael Nimczyk mit dem am Toto noch etwas kürzer stehenden Melchior Mo zwar nach halber Strecke aus anfänglich sechster Position mühelos zum Piloten aufrücken, doch verfügte der nach der Bummelpartie naturgemäß über erhebliche Reserven. Der absolute Siegeswille beider Pferde und Fahrer führte zu einem faszinierenden Endkampf, den Melchior Mo nach einer selbst für die schnelle Mariendorfer Bahn ungewöhnlichen letzten Zwischenzeit von 1.09,8 minimal für sich entscheiden konnte.
Nimczyk zu überlegen – Geld zurück
Geschah das Spektakel im dritten Rennen auf dem Geläuf, nahm es nach dem vierten bei der Ermittlung der Quoten seinen Lauf. Über die PMU-Schiene waren sensationelle 345.197 Euro – in den übrigen Rennen die gewohnten 20.000 bis 40.000 Euro allein in der Platzwette angelegt worden. Natürlich fast ausnahmslos auf Prince of Persia, bei dem insbesondere Großwetter die in Frankreich „garantierten“ 11:10, sprich eine nahezu risikolose Rendite von 10 % mitnehmen wollten. Das war den PMU-Verantwortlichen dann aber doch zu viel des Guten. Sie setzten, bevor ein zu großes Verlustgeschäft drohte, die außerordentlich selten angewendete Ausnahmeregelung in Kraft, wonach in solchen Situationen, wenn 11:10 weit verfehlt würden, die gesamte Platzwette annulliert werden kann und alle Einsätze – auch die, die verloren hätten – an die Wetter zurückerstattet werden. Dies alles interessierte Prince of Persia überhaupt nicht, der an der Spitze Start-Ziel seine Kreise zog und mit dem Richterspruch „Weile“ als 10:10-Favorit vor allem die erfreute, die sich Anteilscheine für die Prämienausspielung sicherten.
Kleiner Mann ganz groß
Den Schlusspunkt seiner Fünfergala setzte Michael Nimczyk mit dem von Henk Grift trainierten Großverdiener Unword im Bänderstart-Rennen der französischen Pferde. Eigentlich hatte Grift selbst mit dem wesentlich startschnelleren Vamos Jet früh die Spitze nehmen wollen, um dann das Rennen ruhig zu machen, damit der mit Doppelzulage gehandicapte „kleine Mann“ Unword es beim Aufrücken leichter hätte. Den ersten Teil des Vorhabens setzte Henk Grift auch souverän um, doch dann packte ihn die Lust auf einen eigenen Fahrererfolg. Ohne auf Unword zu warten, ließ er Vamos Jet auf unzählige Längen vom Feld wegziehen. Eigentlich zu weit, als dass noch etwas passieren konnte. Wenn nicht Michael Nimczyk hinter einem richtig guten Pferd gesessen hätte, das in großer Manier von ganz hinten nachsetzte und den nur scheinbar überlegen vorneweg gehenden Trainingsgefährten tatsächlich noch zu fassen bekam. Als Grift das Unheil kommen sah, nahm er nur noch die Hände herunter und signalisierte seinem Catchdriver so etwas wie „Bravo, große Kino, das Du heute veranstaltest“. Und das war es wirklich an diesem kurzweiligen Vormittag, den die Anwesenden so schnell nicht vergessen werden.
(cb). Die Fortführung der Derbywoche nach der Mittagsveranstaltung am Mittwoch, die ganz im Zeichen des Goldhelms gestanden hatte, denn Michael Nimczyk hatte sich kurzerhand alle fünf ausgetragenen Rennen einverleibt, sah am Donnerstag gleich zum Auftakt wieder den Champion in der Favoritenrolle. Doch am fünften Tag der Derbywoche wurde Michael Nimczyk im ersten Rennen gestoppt, und anschließend musste er ohnehin zusehen, da die Amateure in der Internationalen Derby-Meisterschaft ihren Auftritt hatten. Aber auch diese mussten dann vor der ersten Abteilung des zweiten Vorlaufes einen Stopp hinnehmen, denn der Himmel hatte seine Schleusen derart geöffnet, dass man kaum noch die Hand vor Augen geschweige denn ein Pferd erkennen konnte. Mit einer erheblichen Verzögerung konnte es dann weitergehen.
Mayr stoppt Nimczyk
Gerhard Mayr „verdarb“ Michael Nimczyk zum Auftakt des Donnerstags die Show, denn mit Zampano As hatte er zwar den schlechteren Rennverlauf, aber dann das Glück des Tüchtigen, als der aus seinem Rücken angreifende General Attack von den Beinen zu kommen drohte, so dass Michael Nimczyk nicht zur vollen Generalattacke blasen konnte, sondern seinen Schützling ins Ziel trug. Der sympathische Österreicher feierte seinen ersten Sieg anlässlich der Derbywoche.
Im Halbfinale B zum Handicap-Pokal „de luxe“ aber war der Goldhelm mit Barbarella von nichts und niemandem zu stoppen. Ein Fehlstart und weitere Verzögerungen durch einen ungebärdigen Nico W konnten die 12:10-Kocherin nicht überhitzen, die sich sofort nach dem Anpfiff das Kommando sicherte und längst in Sicherheit war, als hinter ihr im letzten Bogen nach einer Kollision A‘lvo Torkdahl fahrerlos wurde.
Das Halbfinale A sicherte sich in identischer Manier Thorsten Tietz mit Fast Shadow, der vorn niemals in Gefahr kam. Ein bestens gelaunter Siegfahrer launig im Winner-Circle danach: „Er möchte nicht langsam laufen, deshalb ist er vor dem Start so aufgeregt, aber wir ärgern uns immer über Pferde, die im Rennen langsam laufen, also ist das so doch viel besser!“
Bevor der große Regen einsetzte, flutschte Bjarke Haagensen mit O‘Sunday Start-Ziel ins Finale der Internationalen Derby-Meisterschaft. Der sich am Start etwas versäumende Nileo kam ebenso mit gutem Schlussakkord wie Global Player in die nächste Runde, die Key Largo denkbar knapp verpasste.
Nach der Regenpause, die doch eine Stunde währte, war Sarah Kube mit Mighty Hanover zur Stelle. Wuchtig eingesetzt kam der Wallach im ersten Bogen in Front und war dann nicht mehr zu verdrängen. Weitere Finaltickets wanderten nach Österreich: Rapido OK nach hartem Verlauf und der speedige Special holten sich diese ab, während die Siegfahrerin Pferd und Geläuf lobte: „Das Geläuf ist nach den Regenfällen in sehr gutem Zustand, fest genug. Da konnte sich Mighty Hanover – auch mit ein wenig Aufwand – das Kommando sichern. Auch wenn er dann gleich wieder aufhören wollte, lief es insgesamt ja doch sehr gut für uns.“
Mit dem allerletzten Schritt sicherte sich Jaap Terstal mit Frank W den ersten Vorlauf. Out of the Slums schien nach umsichtiger Fahrt von Thomas Maaßen bereits zu Hause zu sein, als der vor allem im letzten Bogen weite Wege gehende Frank W die Sache dann doch noch umbog.
Im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr im Regen stand Thomas Maaßen im Finale. Mit Out of the Slums gab er auf abgetrockneter Piste vom Fleck weg Vollgas: „Das hatte ich mit Michael so abgesprochen: Ich sollte von Start volle Suppe fahren“, sprudelte es aus dem Finalsieger hervor, der vom größten Triumph seiner Laufbahn sprach: „Ich hatte meinen Kindern versprochen, heute ein Rennen zu gewinnen, damit sie aus einem Pokal morgen die Milch trinken können. Da musste ich nach den beiden Ehrenplätzen in den Vorläufen ja das Finale holen.“ Frank W und Uldimeo schlugen hinter dem Sieger an. Mangels Startern fiel das Finale B dann aus, was angesichts der regenbedingten Verspätung zu verkraften war.
Zweimal Langeweg, aber dann….
Den ersten Vorlauf zum Shootingstar-Cup holte sich wie erwartet Hugo Langeweg mit Ula Mil. Die beiden waren Start-Ziel nicht anzutasten. Die eigens für diese Aufgabe vorbereitete Stute verbesserte ihren Rekord und ließ Gräfin Greenwood, Flavio As und Get Lucky keine Chancen, die innen geschont ebenso das Finale erreichten wie der außen herum für Bewegung sorgende Easy Going BR.
Auch der zweite Vorlauf ging an den Mann aus Holland. Favorit Dragona verabschiedete sich bereits hinter dem Startwagen, und das Kommando ging an Kashmir, der auf Zielhöhe dann aber von Bright Light BR abgelöst wurde. Hugo Langeweg hatte sich das alles mit Galaxy W in Seelenruhe angeschaut und warf seine Stute erst am 1.000-Meter-Pfosten in die Entscheidung. Galaxy W wurde immer stärker und knockte schließlich in 1:13,7 auch die Pilotin aus. So hatte Hugo Langeweg für das Finale die Qual der Wahl.
Im Vorjahr hatte Michael Nimczyk mit Out of the Slums den Shootingstar-Cup gewinnen können. Während dieser sich nun in Amateurhand das eine Highlight des Tages sicherte, verleibte sich jener erneut das andere ein. Der weiter in absoluter Glanzform fahrende Champion düpierte die Konkurrenz mit Bright Light BR im Endlauf und überrollte aus dritter Position außen auf der Zielgeraden alle. Ob Hugo Langeweg die Angreiferin zu spät gesehen hatte oder einfach nicht kontern konnte, sei dahingestellt, die 11:10-Favoritin Ula Mil war geschlagen. So wurde der Renntag doch noch erneut zu einer „Nimczyk-Party“, denn beide Hauptrennen gingen in das Trainingsquartier im Willich.
Großer Bahnhof
Übervoll wurde es im Winner-Circle nach dem Treffer von Symphony Diamant. Das aktuelle Pferd der TraberParti enttäuschte die 300 Besitzer nicht und gewann mit Christoph Fischer gegen Medici Isabella und Irma. Die größte Schwierigkeit war, die anwesende Besitzerschar auf das Siegerfoto zu beordern, denn im Rennen lief alles ideal und problemlos für die überlegene Stute, weshalb der Zielrichter den Richterspruch „sicher“ exklusiv gehabt haben dürfte.
Flott ging es im Derby-Pokal der Flieger zu. Victor Gentz verbesserte Immosand um eine volle Sekunde auf 1:12,3 und rettete sich gegen den heranfliegenden Vrai Lord ins Ziel. Gentz fiel ein Stein vom Herzen: „Die Derbywoche ist bislang ja nicht unbedingt nach Wunsch verlaufen, da freut es mich, dass es jetzt geklappt hat.“ Und noch ist die Derbywoche ja nicht beendet, was alle Aktiven zum Anlaß nehmen können, sich einem weiteren Durchmarsch der Nimczyk-Armada entgegen zu stemmen.
Gesamtumsatz: 270.245,29 Euro – Bahnumsatz: 124.483,80 Euro – Außenumsatz: 145.761,49 Euro
Der Landesligist aus Kreuzberg verpasste in der abgelaufenen Saison den Aufstieg nur knapp. Dieses Jahr will man erneut oben mitmischen - allerdings hat es den einen oder anderen personellen Wechsel gegeben. So ist Ugur Binici (31) neu auf der Trainerbank bei HIlalspor - als Spieler und Coach war er maßgeblich mit am rasanten Aufstieg des SSC Südwest beteiligt, bevor er dort unter ungewöhnlichen Umständen seine Tätigkeit beendete. Im vergangenen Jahr setzte er dann aus, bevor das Angebot von HIlalspor kam.
Das Gespräch mit Berlinsport Aktuell fand am vergangenen Sonntag statt - wegen der akustischen Probleme zu Beginn bitten wir um Nachsicht.
Der Aufsteiger in die Berlin-Liga gilt als Außenseiter in der höchsten Hauptstadtspielklasse 2017/18. Der Co-Trainer des 1. FC Schöneberg (Chefcoach Ayhan Bilek war nicht vor Ort) stand nach dem Testspiel am Sonntag bei Hilalspor (3:7) Berlinsport Aktuell für ein Gespräch zur Verfügung. Robert Gruner kickte selbst noch bis 2014 für die Lila-Weißen, damals noch in der Bezirksliga.
Abano H (Thorsten Tietz) brilliert auf der Steherdistanz – Dennis Spangenberg steuert mit Rossini Diamant und Khalid zwei weitere Trainerpunkte bei – Christian Lindhardt punktet mit den Ultrafavoriten Kashmir und Kelso für das Gestüt Lasbek
Es war zwar nicht 11 Uhr 11, sondern 15.30 Uhr, als mit dem Zerschneiden des „Blauen Bandes“ die Derbywoche am Freitag offiziell eröffnet wurde, aber ebenso elektrisierend wie bei den Karnevalisten war der Vorgang trotzdem. HVT-Präsident Heinz Tell und Vorstandskollegin Maren Hoever waren mit der historischen Postkutsche vorgefahren, begleitet von Bahneigentümer Ulrich Mommert, BTV-Präsident Axel Reinke sowie den beiden Spitzenprofis Michael Nimczyk und Thorsten Tietz, die schließlich gemeinsam den feierlichen Akt vornahmen, der mit der live vorgetragenen Nationalhymne den entsprechenden Rahmen erhielt.
Acht Rennen standen auf der Karte, die als so genannte „PMU-Rennen“ nach Frankreich übertragen wurden. Hatte die deutliche Wetterbesserung in Berlin zuvor noch für eitel Sonnenschein gesorgt, zog bei einigen Wettern ein Gewitter auf, nachdem kurzfristig verkündet worden war, dass entgegen sonstiger Usancen keine Wetten in den französischen Totalisator möglich sein würden. Erfolgreich war diese Maßnahme, die eigentlich zur weiteren Stabilisierung der Quoten beitragen sollte, auf den ersten Blick nicht, da ein leichter Umsatzrückgang zu verzeichnen war, dessen Ursachen aber erst nach genauer Analyse ergründet werden können.
Erster Sieger der diesjährigen Derbywoche, die nach zwei Fehlstarts mit leichter Verzögerung begann, war in einem Franzosenrennen der klar favorisierte Casanova d’Amour , über dessen Erfolg Trainer und Fahrer Jochen Holzschuh nach dem beinahe Start-Ziel herausgefahrenen Treffer gleich doppelt erfreut war: „Bei der wichtigsten Woche des Jahres früh einen Sieger zu steuern, ist immer gut, danach wird man ruhiger“, gab ein entspannter Holzschuh zu Protokoll. „Aber auch, weil es weder beim Casanova noch im Stall überhaupt in jüngster Zeit optimal lief, freue ich mich. Er startet hier nächste Woche noch einmal, hinter dem Auto tut er sich zudem leichter als wie heute beim Bänderstart.“
Leicht taten sich auch die meisten Siegwetter, denn in fast allen Rennen dominierten die klaren Favoriten. Christian Lindhardt punktete zweimal für die kaffeebraunen Farben des Gestüts Lasbek, als er die beiden zuletzt nicht ganz glücklichen Kashmir und Kelso jeweils nach früher Führung nach Hause brachte. Hatte es auf ersteren noch 13:10 gegeben, produzierte Dauerläufer Kelso mit 11:10 die niedrigste Siegquote des Tages.
Viel mehr gab es auch im Rennen der besten Klasse auf Abano H nicht zu verdienen, aber in Anbetracht der erneut großen Überlegenheit, mit der der auch beim vierten Mariendorfer Saisonstart erfolgreiche Wallach auf der Steherdistanz nach schnellem Ausgleich seiner Zulage und übernommener Führung dominierte, war das beinahe schon eine lohnende Quote. Klar hinter dem von Thorsten Tietz einmal mehr in den höchsten Tönen gelobten Klassetrabers, der voraussichtlich in der Rekordmeile ein zweites Mal im Verlauf der Derbywoche an den Ablauf kommen wird, demonstrierte Helios nach vorübergehendem Kommando seine enorme Vorliebe für die Derbybahn und verteidigte das zweite Geld als vorletzter Außenseiter vor dem im Speed nicht vorbeikommenden SJs Junior C.
Zwei weitere Punkte für das die Jahresstatistik anführende Tietzsche Trainerquartier steuerte Dennis Spangenberg bei, der damit auf dieselbe Saisonsiegzahl wie der „Chef“ kam und gemeinsam mit ihm und Josef Franzl mit aktuell 37 Treffern an zweiter Stelle in Deutschland liegt. Mit Rossini Diamant , der erwartungsgemäß beim zweiten Start nach kurzer Pause gefördert war, konnte er den Spieß gegen Soccer umdrehen und sich für die jüngste ehrenvolle Niederlage revanchieren. Als Victor Gentz mit dem leicht favorisierten Seriensieger vor der Tribüne bezüglich eines möglichen Führungswechsels anfragte und Spangenberg daran kein Interesse hat, so dass Soccer hinter ihn zurückgenommen wurde, war die Messe gelesen.
Ähnlich souverän korrigierte auch Khalid sein letztes galoppbedingtes Scheitern, ließ sich im Mittelfeld außen ziehen und überlief die Führenden im Speed nahezu unaufgefordert. „Es war ein guter Tag, aber kein Traumtag“, bilanzierte Dennis Spangenberg nach dem letzten Rennen, denn zu gern hätte er auch mit Extra Cash gewonnen. Die Debütantin, nach ihrer sensationellen Qualifikation als kaum glaubliche 10:10-Favoritin zum reinen Geldwechselkurs gehandelt, war jedoch im ersten Bogen an der Spitze von den Beinen gekommen. „Keine Ahnung, was da los war“, erläuterte ihr Fahrer, „vielleicht hat sie sich erschrocken oder was auch immer, bei so jungen und unerfahrenen Pferden kann das passieren.“
Goldhelm Michael Nimczyk, der der Szene die unblutig übernommene Führung zu verdanken hatte, nahm es gelassen, seine Zufriedenheit war Moderator Nicolai Laaser bei der ersten Zieldurchfahrt nicht entgangen: „Es stimmt, ich musste schon ein wenig schmunzeln, natürlich nicht aus Schadenfreude, aber in dem Moment stand praktisch fest, dass es für meine gut gehende I Want You kaum noch ein Verlieren geben konnte.“
So durften sich seine Fans über die stattliche Siegquote von 75:10 freuen, schließlich war die siegreiche Stute aus dem Stall von Ulrich Mommert eine von nur zwei denkbaren Alternativen zu Extra Cash gewesen. Eine gewisse Zufriedenheit strahlte auch Heinz Wewering aus, der nach zwei fehlerhaften Vorstellungen von Jorma Bo wieder einmal den Winner-Circle aufsuchen durfte. „Wir wissen ja alle, dass der Start sein Problem sein kann. Diesmal haben wir es mit einer Kopfstange versucht, da war er super zu regulieren und konnte nach übernommenem Kommando seine ganze Stärke ausspielen.“ 22:10
kassierte der Anhang des Rekordchampions, da Flash di Quattro noch etwas kürzer gehandelt wurde, beim Comeback nach langer Pause aber als Vierter noch nicht ganz an alte Stärke anknüpfen konnte.
(mf). Nach der PMU-Vorspeise am Freitag begann die Derbywoche für viele erst am Samstag mit den Vorläufen zum Stutenderby so richtig. Wie schon am Tag zuvor dominierten die Favoriten in selten gekannter Manier. Vier der fünf Vorlaufsiegerinnen zahlten knappe Quoten zwischen 13 und 15:10, allein die in ähnlichem Bereich gehandelte Miss Godiva patzte, doch sprangen die beiden anderen gewetteten Stuten nach ihrem Ausscheiden in die Bresche. Fahrer des Tages war ohne Wenn und Aber Goldhelm Michael Nimczyk, der drei der fünf Eliminations an sich brachte. Doch auch für Dennis Spangenberg, in den Vorläufen nicht vertreten, lief es mit einer Triplette alles andere als schlecht.
Von der Spitze aus ins Stutenderby
Das knappste Ergebnis, gefolgt von einer hitzigen Diskussion gab es im ersten Vorlauf. Michael Nimczyk hatte mit Tijuana Diamant das Heft vom Start weg in der Hand gehalten und sich mit Erreichen der Zielgeraden auf Längen von den chancenlosen Verfolgern gelöst, da geschah es: Wie schon beim Start zuvor beäugte seine Stute das Zielschild aus der Entfernung mit größter Skepsis, bremste komplett ab und wich auch noch etwas nach außen. Handsome Starlake rauschte mit ganz anderer Endgeschwindigkeit heran und hätte sogar noch gewonnen, doch Hugo Langeweg musste den Spurwechsel der Favoritin mitgehen, um nicht aufzuprallen. Das Manöver kostete die entscheidenden Zentimeter, aber nach Überprüfung durch die Rennleitung bleib es beim ursprünglichen Resultat. „Das war nicht leicht für die Rennleitung“, räumte Michael Nimczyk bei der Siegerehrung ein, was im Klartext bedeutete, dass sich auch über die Disqualifikation der Favoritin niemand hätte beschweren können. Weniger aufregend kamen die beiden weiteren Vorlaufsiege für den deutschen Champion zustande, die er gleichfalls für Besitzer Ulrich Mommert herausfuhr. Honesty Newport, die sich später bei der Auslosung für das Finale als die Wahl Nimczyks entpuppte, profitierte davon, dass die am Toto höher eingeschätzte Miss Godiva nach dem Start Galopp ging, und kontrollierte mit einmal übernommener Führung auch die Schlussattacke von Himoko Greenwood, mit der Hugo Langeweg diesmal reell geschlagen war. Das Mommert/Nimczyk-Trio komplettierte Charlotte Newport, vom Besitzer als sein Lieblingspferd bezeichnet, ebenfalls Start-Ziel, die hinter ihr zu spät freikommende Hera F Boko konnte das Blatt nicht mehr wenden. Von der Spitze aus wurden auch die beiden übrigen Vorläufe gewonnen, wobei Heinz Wewering zunächst mit Motion Pure nicht anzutasten war, und das Gestüt Lasbek nach dem nicht einkalkulierten Ausfall von Miss Godiva somit zumindest mit einer Stute im Finale am nächsten Samstag vertreten ist. Conrad Lugauer, mit Madonna ST hinter Motion Pure ohne Chancen auf den Sieg, durfte trotzdem in den Winner-Circle einkehren, nachdem er mit Alegra B die in 1.13,8 schnellste Vorlaufsiegerin und nicht nur deshalb den vielleicht heißesten Tipp auf den Derby-Titel nach Hause gebracht hatte. Mit der im Speed überraschend starken Hazel Newport ist die bekannte Zuchtstätte von Peter ter Borgh im Stutenderby dreifach vertreten.
Erster Start – erster Sieg
Noch nie in Mariendorf am Start war Yentl Heirbrandt, doch nach dem Sieg im Monté-Derby kennt jeder die junge belgische Reiterin. Mit dem elfjährigen und über eine halbe Million „schweren“ Franzosen Safari Dream, den ihr Vater ihr im Februar zum Geburtstag geschenkt hatte („Ich besitze jetzt das beste Pferd der Welt“) ließ sie sich an zweiter Stelle den Weg zeigen, um in der Zielgeraden mit tollem Speed den nicht nur finanziell wertvollen Titel der Mariendorfer „Monté-Queen“ an sich zu bringen.
Auch für den sechsjährigen Wallach Surpris war es der erste Auftritt auf der Derby-Bahn. Ehemals im Norden beheimatet, war er vor einigen Wochen nach Bayern verkauft worden und ebnete seinem Fahrer Andreas Geineder vielleicht den Weg zum bislang größten Erfolg. Mit dem überlegen (und überlegt) herausgefahrenen Treffer hat der jetzt alle Chancen, sich nach dem letzten Lauf am kommenden Samstag „Deutscher Nachwuchsmeister“ nennen zu dürfen.
Besser und besser
„Das Beste kommt zum Schluss“, heißt es oft. Die Beste kam diesmal aber schon in der Mitte des 14 Rennen-Programms, als Gerhard BiendlCelestial Light TK einmal mehr in Top-Verfassung vorstellte. Obwohl es ihm von der Konkurrenz nicht leicht gemacht wurde, fuhr der vielfache bayerische Champion auf dem Weg an die Spitze einfach weiter, wohl wissend, was sein Pferd kann. Am Ende stand im Derby-Pokal der Publikumslieblinge ein überlegener Sieg in der Tagesbestzeit von 1.13,3 zu Buche und ein für seine Verhältnisse ein sehr gesprächiger Gerhard Biendl im Winner-Circle. Auf die Frage von Moderator Christoph Pellander, ob Celestial Light TK aktuell die beste deutsche Stute sei, antwortete er knapp „Das glaube ich jetzt auch“, um gleichzeitig zu versprechen, dass man die Sechsjährige auch im kommenden Jahr wird bewundern dürfen. „Gesunde und vorsichtig aufgebaute Pferde werden im Alter immer besser.“ Einen weiteren Start in der Derbywoche will Biendl seinem Juwel allerdings nicht zumuten – dazu ist sie ein zu schlechtes Reisepferd.
84. Start - erster Sieg
Dass in der wichtigsten Woche des deutschen Trabrennsports auch „kleine Helden“ geboren werden können, erlebten die Besucher gleich zu Beginn des Renntags, als Oneandonly Diamant als Siegerin geehrte werden konnte. Dass dieser erste Treffer der von Dennis Spangenberg gleich an die Spitze gesteuerten Stute etwas glücklich zustande kam, weil der kurz vor dem Ziel das Geläuf verlierende Lillebror disqualifizierte wurde, spielte dabei überhaupt keine Rolle – den ersten Treffer beim 84. Lebensstart gönnte ihr jeder. Spangenberg siegte auch noch mit der vom Ende des Feldes eine sensationelle Speedleistung zeigende Lady Vera, die der Konkurrenz im Derby-Cup der Vierjährigen keine Chance ließ und jetzt zu den heißen Favoriten für das Bruno Cassirer-Rennen am Freitag zählt, sowie dem schwierigen Fast Shadow. Nach dem Doppelerfolg vom ersten Tag führt der Berufsfahrer am Stall von Thorsten Tietz die Tabelle der siegreichsten Fahrer während der Derbywoche zunächst an und hat sich bundesweit auf den alleinigen zweiten Platz vorgeschoben
Die drei übrigen Prüfungen gingen nach Holland, nachdem der dortige Champion Rick Ebbinge mit den Favoritinnen Gina Schermer und Velten Vivienne nicht anzutasten war und zuvor schon Erwin BotMiss Mara zu einem der klarsten Siege des Nachmittags gesteuert hatte.
Gesamtumsatz: 321.543,01 Euro – Bahnumsatz: 129.632,10 Außenumsatz: 191.910,91 Euro.
3. Tag: Der Mann mit dem goldenen Helm und den goldenen Händen
Die Sonne lachte vom Himmel, und insofern war an diesem dritten Tag der diesjährigen Derby-Woche in jeder Hinsicht alles perfekt angerichtet für einen Renntag der Superlative. Die Derbyfinalisten 2017 wurden gesucht, doch neben den vier Vorläufen gab es weitere hochinteressante Prüfungen, die so nur „Beiwerk“ waren, obwohl sie sonst die Highlights jedes anderen Renntages gewesen wären, so etwa das J.J. Darboven Charlie Mills-Memorial. Im Mittelpunkt des Renntages aber stand ganz eindeutig die Suche nach dem Favoriten eines offenen Derbys, welches nach den Vorläufen jedoch weiterhin recht offen erscheint.
Michael Nimczyk trägt bekanntlich den goldenen Helm zum Zeichen seines Championats, und dass dies nicht von ungefähr kommt, bewies der Goldhelmträger aus Willich am letzten Julisonntag in Berlin durch seine „goldenen Hände“. Er gewann drei Rennen, darunter neben einem Derbyvorlauf auch das Rennen der besten Klasse. Überdies schaffte es Nimczyk, insgesamt drei Pferde ins Derbyfinale zu bringen: Neben TomNJerry Diamant Mc Arthur und Mister Ed Heldia - alle seine Derbystarter. Ob es allerdings auch „sein“ Derby am kommenden Sonntag wird, weiß zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand - die Vorfreude auf das Rennen der Rennen bleibt nach den Vorentscheidungen so oder so erhalten.
Der Weg ins Finale
Die erste Vorentscheidung zum diesjährigen Derby sah gleich den 19:10-Totofavoriten in der Luft. Björn Goop konnte Classic Connection nicht heil ins Rennen bringen, und auch Aurelio CG verabschiedete sich umgehend im Galopp. Dies nutzte Michael Nimczyk mit Mister Ed Heldia, um sich von ganz außen früh das Kommando zu sichern. Der bis dato ungeschlagene Hengst schien nun alles für sich zu haben, doch das Team des Derby-Vorjahressiegers war damit nicht einverstanden. Robbin Bakker beorderte 1.000 Meter vor dem Pfosten Tsunami Diamant in die Außenspur und orientierte sich nach vorn. „Ich hatte schon im letzten Bogen das Gefühl, das Finale sicher zu haben, und dann sah ich, dass Michael Nimczyk schon die Watte gezogen hatte und hielt auch den Sieg für möglich“, tat Bakker bei einer emotionalen Siegerehrung mit den Besitzern Johann Holzapfel und Andreas Schwarz kund und freute sich über den Sieg in 1:13,4. Der innen geschonte Flying Fortuna in der Hand von Christoffer Eriksson erreichte unweit zurück als Dritter das Finale.
Auch im zweiten Vorlauf erwischte es in der Startphase einen der Gemeinten. Heinz Wewering hatte zwar extra vor dem Rennen noch Gummiboots aufziehen lassen, doch auch mit dieser „Hilfe“ war Maxi Cup nicht auf den Beinen zu halten und musste disqualifiziert werden. Roland Hülskath schickte den bis dato sieglosen Portland offensiv in die Partie und hatte ausgangs des ersten Bogens das Kommando übernommen. Danach kam der bildhübsche Fuchs aus dem Stall von Marion Jauß nicht mehr in Gefahr und gewann in 1:13,3. Siegfahrer Roland Hülskath strotzte vor Optimismus: „Wer mich schlägt, gewinnt das Derby!“ Der wichtigste Tag sei zwar erst in einer Woche, doch er habe das beste Pferd: „Ich kann auch von Start noch schneller“, machte er der Konkurrenz zusätzlich Angst. Mc Arthur kam mit gutem Schlussakkord ins Finale, welches Kentucky Bo etwas unglücklich verpasste, denn der Haller-Schützling verlor kurz vor der Linie das Geläuf und ging Pass. So kam glücklich, aber nicht unverdient Ganyboy, der im Schlussbogen keine freie Fahrt hatte, zum begehrten Finalticket.
Eine Überraschung erlebten die Besucher am Renntag der Hotellerie dann im dritten Vorlauf. Rick Ebbinge eroberte mit dem 193:10-Außenseiter Velten Las Vegas das Kommando und beschloss, es einfach nicht mehr abzugeben: „Wir hatten einen guten Start, und dann hatte ich schon im ersten Bogen ein gutes Gefühl“, führte der holländische Champion bei der Siegerehrung aus. Ebbinge selbst war maßgeblich beteiligt an diesem Sieg, denn er dosierte die Fahrt richtig, hatte hinter sich Pelle Barosso in der Falle und konnte den nicht voll überzeugenden Mac Smily immer sich außen vom Leib halten. Der Lasbeker verpasste sogar die Finalqualifikation, da sich Rudi Haller mit Power of Rhythm vorbeifinishte. Wie die Chancen in einer Woche stehen? „Wir waren heute Außenseiter und werden es kommenden Sonntag sein, doch damit konnten wir bislang gut leben“, fasste Ebbinge nach dem Treffer in 1:14,3 zusammen.
Die vierte Vorentscheidung ging dann an den deutschen Champion, der mit TomNJerry Diamant das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite hatte. Von ganz außen fand Michael Nimczyk an die Innenkante hinter den führenden Tiger Hill Diamant, der im letzten Bogen aber überraschenderweise früh Notsignale sandte. TomNJerry Diamant fand nach außen und dann wieder nach innen, und genau dort schnappte er sich in 1:14,1 in diesem Katz-und Mausspiel den schon wie der Sieger gehenden Harbour Eightysix und schlug auch vor dem weit nach außen driftenden Baxter Hill an, der als Dritter das Finalticket löste. Nach dem mit 161:10 am Toto belohnten Treffer dankte Nimczyk seinem Team und war am Ende seines erfolgreichen Tages recht bewegt: „Das ist schwer in Worte zu fassen.“
Während der Champion sich selbst für den Vorlaufsieger entscheid, wurde Mister Ed Heldia Björn Goop anvertraut und Mc Arthur in die Hände von Michael Larsen im Finale gegeben. Nach den Vorläufen erscheint vieles möglich, wenngleich nun sicher Portland die Favoritenrolle übernehmen muss - nicht nur, weil der Fuchs der schnellste aller Vorlaufsieger war.
Cash erneut bärenstark
Einen großartigen Doppelerfolg feierte Besitzer Ulrich Mommert im J.J.Darboven Charlie Mills-Memorial. Der kürzlich schon imponierende Cash Hanover hatte zwar erneut keinen Traumverlauf, doch auch außen herum war der Fünfjährige mit Michael Nimczyk nicht aufzuhalten. Stan Libuda wurde im letzten Bogen mühelos umdribbelt, danach war der Triumph in 1:11,9 bereits in trockenen Tüchern, als Stallgefährte Montecore Mo mit feinem Speed nachsetzte. Karin Walter-Mommert war es nicht ganz, aber doch fast: „Ich bin sprachlos“, sprach sie letztlich sichtlich überwältigt ins Mikrofon von Moderator Christoph Pellander: „Das ist ein Riesengeschenk für uns!“
Sieger unter der Berliner Sonne
Überlegene Sieger gab es in den Amateurfahren des Tages. Marie Lindinger war mit Tyrolean Dream zum Auftakt nicht von der Spitze zu verdrängen, was Hans-Jürgen von Holdt mit John Bull einsehen musste. Ohne die Kollegin aus Bayern reichte es dann in einem Vorlauf zum Derby-Pokal der Amateure. Hans-Jürgen von Holdt sicherte sich mit Wildcat Hanseatic über den langen Weg das Kommando, teilte sich dort alles nach Wunsch ein und fuhr am Ende ab. Sönke Gedaschko setzte sich mit seinem Domecq Baldwin durch, womit auch für den Hamburger der Himmel voller Geigen hing, hatte doch schon zuvor Michael Nimczyk mit Barbarella für seine Farben gewinnen können: „Zwei Starter an einem Tag und zwei Siege, da kann die Heimfahrt gar nicht lang genug sein, um im Glücksgefühl zu schwelgen!“
Beflügelt agierte wohl auch Roland Hülskath, der mit Fleur Starlake und in ungewohnter Offensive den Derby-Pokal der Stuten gewann und seinen zweiten Punkt markierte.
Demnächst erneut dabei
Eine gelungene Generalprobe für die Derbyrevanche am kommenden Wochenende gelang Dreambreaker in der Hand von Thorsten Tietz. Nach einem gelungenen Bänderstart kontrollierten die beiden das Geschehen von der Spitze aus und schalteten nach einem ruhigen ersten Kilometer gleich mehrere Gänge höher. Obwohl die Konkurrenz bereits auf verlorenem Posten kämpfte, ließ Thorsten Tietz den Wallach bis zum Pfosten flattern und auf der letzten Halben unter 1:10 traben. „Ich musste ein echtes Rennen haben, wenn wir nächste Woche mitmischen wollen, zumal er in Front immer ein bisschen faul ist“, gab der Silberhelm zu Protokoll und nannte die Breeders Crown als weiteres Ziel für Dreambreaker.
Strahlende Gesichter gab es auch nach dem Derby-Pokal der Oldies im Winner-Circle. „Berlins Finne“ Jorma Oikarinen freute sich nach dem Treffer mit Willow Bay Evert auf seine Art: „Zwei Finnen, die sich gut verstehen, mein Pferd und ich - das gibt es auch nicht so oft.“ Dafür, dass der Sieg im Speed nicht so beeindruckend ausfiel wie erwartet, hatte Okarinen eine plausible Erklärung: „Ich musste 1.000 Meter mit einem platten Reifen fahren, den mir ein Konkurrent getreten hatte.“
Ferdinand Hirsch sicherte sich nach mutigem Vortrag einen Vorlauf zum Handicap-Pokal de luxe mit 222:10-Außenseiter Jeronimo Express, profitierte dabei aber auch von der Tatsache, dass der kaum zu regulierende Bando d’Havane den führenden El Raul kräftig massiert hatte. Den Schlusspunkt setzte Dennis Spangenberg mit der debütierenden Ready Cash-Tochter Easter Smart, die mit einem Tempolauf die chancenlose Konkurrenz düpierte.
Kein Sieg zum Abschied: Burton De Koning (Berlin Adler)
Das Hauptstadtderby am Sonnabend nahm den erwarteten Verlauf. Am Ende setzten sich die Berlin Rebels klar mit 63:10 durch und holten sich Playoff-Platz 4 zurück, da das Spiel des Konkurrenten Cologne Cardinals in Hildesheim abgesagt werden musste. Die Berlin Adler, die die dritte Heimpleite mit über 60 Punkten in Folge hinnehmen mussten, bleiben auf dem vorletzten Platz der GFL-Staffel Nord.
Die Hoffnung, das Derby möglichst lange offen zu gestalten, erwies sich schnell als Irrglaube. Nach dem ersten Quarter stand es bereits 0:14, das erste Erfolgserlebnis der Adler durch Lewerenz' Field Goal beantworteten die Rebels bis zur Pause mit zwei weiteren Touchdowns. So ging es mit 3:27 in die Kabinen - angesichts der Offensivschwäche der Gastgeber eine kleine Vorentscheidung.
Konnten die Adler zumindest das dritte Quarter (7:7) noch ausgeglichen gestalten, so brachen im letzten Abschnitt nochmal die Dämme und die Rebels erhöhten zum Endstand von 10:63. Ganz besonders im Mittelpunkt bei den Gastgebern: Linebacker Burton De Koning, der zum letzten Mal im Adler-Trikot auflief.
Nicht zu stoppen: Alex Tounkara (Berlin Rebels)
Auf Seiten der Rebels glänzten besonders Larry McCoy und Alex Tounkara, die sich die ersten sechs Touchdowns brüderlich teilten. Quarterback James Harris konnte dazu fünfmal einen entscheidenden Pass anbringen.
Die Berlin Adler gastieren bereits kommenden Samstag bei den punktgleichen Hildesheim Invaders (sofern der Platz wieder bespielbar ist) - ein Sieg könnte dem Team von Head Coach Eric Schramm viel Luft im Abstiegskampf verschaffen. Die Rebels müssen erst am 12. August beim Tabellenzweiten aus Kiel antreten.