Trab: Rückschau auf den Mariendorfer Mittwoch

Glanzlichter im Nebel

Impression vom Mittwochabend in Mariendorf (Foto: @Marius Schwarz)

Trotz widrigster Sichtverhältnisse liefern die Pferde und Fahrer beim Mariendorfer Saisondebüt tolle Leistungen ab und der Rennkommentator Marvin Schridde behält jederzeit den Überblick. Im Rahmen der Live-Übertragung wird der deutsche „Traber des Jahres“ verkündet.

"Hallo, hier spricht... Marvin Schridde!"

Man stelle sich vor, man besucht eine Theaterpremiere. Der Vorhang geht auf – aber die Bühne bleibt komplett dunkel. So in etwa müssen sich die treuen Zuschauer gefühlt haben, die am Mittwochabend trotz dichten Nebels den Weg zur Derby-Bahn und zu der acht Rennen umfassenden PMU-Veranstaltung fanden. Beim Mariendorfer Saisonauftakt waren die Sichtverhältnisse so schlimm, dass man quasi nicht einmal die Hand vor den Augen sehen konnte. Das Szenario glich einem Edgar-Wallace-Krimi.

Dass der Abend aber trotz der widrigen Bedingungen alles andere als ein Reinfall wurde, ist zum einen den Aktiven zu verdanken, die mit ihren Pferden einen erstklassigen Job ablieferten – und zum anderen dem souveränen Rennkommentator Marvin Schridde, der zu jedem Zeitpunkt den vollen Überblick behielt. Der Sprecher machte das Beste aus der misslichen Lage und kommentierte das Geschehen direkt aus dem mitfahrenden Rennleitungswagen heraus. Dies gelang ihm so perfekt, dass sich in den Köpfen der Zuhörer tatsächlich ein imaginärer Rennfilm abspielte – obwohl auf den Bildschirmen und an den Rails nichts zu erkennen war.

"Goldhelm" Nimczyk erster Sieger 2018 in Mariendorf

Und natürlich verpasste der normalerweise als Kommentator im Galoppsport eingesetzte Schridde auch nicht den ersten Sieger der Mariendorfer Trabrennsaison 2018: die von Michael Nimczyk gesteuerte Stute Colombe d’Or aus dem Besitz von Harald Krogmann. Die Vierjährige fand an dritter Stelle innen einen geschonten Verlauf vor und zog auf der Zielgeraden sehr leicht mit zwei Längen Vorsprung an dem Tempomacher Margaux (Kornelius Kluth) vorbei. Auf eine offizielle Kilometerzeit musste hier genauso wie in den anderen sieben Rennen verzichtet werden. Michael Nimczyk durfte sich aber nicht nur über diesen Triumph, sondern auch über einen großartigen überregionalen Erfolg eines Trainingsschützlings seines Vaters Wolfgang freuen.

Pellander verkündet Traber 2017 - und gewinnt danach selbst

Denn Moderator Christoph Pellander hatte an diesem Abend die dankbare Aufgabe, das Ergebnis der auf www.mein-trabrennsport.de durchgeführten Wahl zum „Traber des Jahres“ zu verkünden: Mit 37 Prozent der über 1.500 abgegebenen Stimmen wurde die Bruno-Cassirer-Siegerin Goldy Stardust zu Deutschlands populärsten Trotter auserkoren. Auf Rang zwei landete Orlando Jet (27 %) vor Tsunami Diamant (18 %). Nur ein paar Minuten nach der Verkündung wechselte Christoph Pellander dann das Metier und tauschte das Mikrofon gegen den Platz im Sulky ein, um mit der Stute Here she goes in überlegener Manier Start bis Ziel zu gewinnen.

Gentz siegt gleich wieder doppelt

Der einzige Doppelsieger war an diesem Abend Victor Gentz, der sich offenbar nach seiner großartigen Saison 2017 auch für das neue Jahr einiges vorgenommen hat. In seiner Hand präsentierte sich Gustavson Be diesmal wie ein Pferd der Extraklasse. Obwohl sich der Fuchswallach zwei kurze Galoppaden erlaubte, marschierte er im Anschluss nicht nur am gesamten Feld vorbei, sondern entwickelte sich sogar zum überlegensten Sieger der Veranstaltung.

Ähnlich dominant agierte wenig später Hakon von Haithabu. Nachdem der Dunkelbraune eine Runde vor dem Ziel die Führung übernommen hatte, gab er sich zwar ein wenig phlegmatisch und musste von seinem Trainer stets wach gehalten werden. Aber kein Konkurrent kam auch nur ansatzweise in die Nähe des Siegers, der das Ganze offenbar nur als lockere Trainingseinheit ansah und meilenweit über den Gegnern stand.

8-Jähriger gehört noch nicht zum alten Eisen

Ziemlich genau elf Monate lang hatte sich Dulco di Quattro nicht mehr im Mariendorfer Winner-Circle blicken lassen – und seine ständige Fahrerin Marlene Matzky hatte sich bereits Sorgen gemacht, ob der Wallach doch langsam, aber sicher ins Alter kommt. Diese Zweifel wischte der acht Lenze zählende Braune nun mit einer erstklassigen Leistung vom Tisch und präsentierte sich bestens aufgelegt. Nach einem guten Start war Dulco di Quattro sofort an zweiter Stelle auszumachen und legte mit Erreichen des Einlaufs nahezu spielerisch zu. Als der innen postierte Run for the Roses (Michael Nimczyk) freikam, wurde es zwar noch mächtig spannend – aber der Matzky-Crack hielt den Angreifer mit einem Halsvorsprung im Schach.

Panschow siegt durch Änderung der Strategie

„Bei einem passenden Verlauf kann sie in ihrer Gewinnsummenklasse eigentlich jeden schlagen“, lobte Thomas Panschow Bell Simoni nach ihrem hochverdienten Erfolg bei der anschließenden Ehrung im Winner-Circle. Obwohl der nunmehr bei 2.902 Siegen stehende Profi diesmal mit der Entwicklung des Geschehens gar nicht mal hundertprozentig zufrieden war: „Ich hätte Bell Simoni am liebsten ganz auf Warten vorgetragen und erst auf der Zielgeraden eingesetzt, musste aber auf der Gegenseite aktiv werden und angreifen.“ Die für die Farben von Julia Hoheisel trabende San-Pellegrino-Tochter machte ihre Sache jedenfalls bravourös und rettete sich gegen den im Einlauf furios auf Touren gekommenen und für zukünftige Starts unbedingt vorzumerkenden Jarich (Kay Werner) über die Linie.

Nordic Jaycee klaut dem Prinzen die Krone

Ein waschechter Finish-Krimi entwickelte sich in der Gewinnsummenklasse bis 1.750 Euro. Denn im Schlussbogen schien der von Daniel Wagner gesteuerte Prinz Friedrich, der sofort die Spitze übernommen hatte, schon auf der sicheren Seite zu sein. Doch im Einlauf wurden die Schritte des Wallachs dann doch etwas müder und sein Konkurrent Nordic Jaycee, dessen Angriffsversuche unterwegs zunächst nicht gefruchtet hatten, kämpfte sich mit Michael Hönemann im Sulky immer näher heran. Unmittelbar vor der Linie zog der bei 69:10 gehandelte Traber tatsächlich vorbei und auch die durch eine Galoppade im ersten Bogen gehandicapte Valerie As (Matthieu Hegewald) war als Dritte nur um wenige Zentimeter geschlagen.

Katy Perry schneller als ihr Schatten

Den zweiten Treffer in Folge landete Katy Perry, die offenbar den Hufspuren ihrer Mutter, der 16-maligen Siegerin Katjes, folgen will. Kornelius Kluth steuerte die Vierjährige offensiv an die Spitze und obwohl ihr der Herausforderer Samuray Diamant (Michael Nimczyk) über den gesamten Weg wie ein Schatten folgte und sie in der Schlussphase hart bedrängte, setzte sich die Stute mit einem Halsvorteil durch. Dieser Start wird Katy Perry, die ja zuvor erst fünf Einsätze bestritten hatte, mit Sicherheit noch weiter gefördert haben und sie wird ihren Weg weitergehen.

Gesamtumsatz: 96.219,98 Euro – Bahnumsatz: 27.050,90 Euro – Außenumsatz: 69.169,08 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 24. Januar statt. Beginn ist um 17.30 Uhr.

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)

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