Der österreichische Amateur-Fahrer Thomas Royer bei der Arbeit (Foto: Lingk)
Am Tag 4 der Derby-Woche (Start des 1. Rennens um 17.00 Uhr) haben sich der Maxime des Veranstalters zuliebe, ein Meeting für alle anzubieten, traditionsgemäß die Professionals etwas zurückzuhalten. Fünf der 13 Rennen sind den Amateuren reserviert, bei denen man bei vielen von Hobbyfahrern gar nicht schreiben möchte. Spitzenkräfte wie Mutter und Tochter Lindinger, Thomas Royer, die Hufschmiede Hans-Jürgen von Holdt und André Pögel, Jörg Hafer, Marian Tux stehen in punkto Taktik und Gewitztheit manchem Profi in nichts nach, was rasante Fights um jeden Zentimeter erhoffen lässt.
Duell, Dreikampf und Derby-Championat
Sie steigen in den Renntag ein mit dem Duell zwischen Atlantic CG und Richard Parker. Nach einem Profi-Rennen, in dem vor allem Get Lucky und Night Star Sam dem frischen Berliner Doppelsieger Eminent Frisia die Daumenschrauben ansetzen wollen, gilt es für die Damen und Herren Amateure dann richtig. Wie schon seit 1997 - damals noch als Derby-Pokal der Amateure ausgetragen - geht’s in der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure in zwei Vorläufen und dem Finale Grande (10. Rennen, 20.40 Uhr) neben dem Eintrag auf die noble Ehrenliste um richtig viel Kohle. Allein 25.000 Euro werden im „Endspiel“, das die jeweils besten Fünf bestreiten, verteilt, womit dies das wertvollste Amateurfahren in deutschen Landen ist.
Vor der großen Kür haben 20 Gespanne die Pflicht der Vorläufe zu absolvieren. Die Ärmeren bis maximal 20.000 Euro Gewinnsumme messen sich im 3. Rennen um 17.52 Uhr, und dort sticht sofort ein Gespann ins Auge, das erste Chancen gar auf den Gesamtsieg anmeldet: Desert King und Thomas Royer. Der von Josef Franzl geformte „Wüstenkönig“ hat heuer in vier von fünf Auftritten der Konkurrenz das Wasser deftig abgegraben und die Generalprobe am 1. Juli in München mit dem Hotelier aus Ramsau am Dachstein in einen überlegenen Triumphmarsch gemünzt. Der zählt in Austria zu den profiliertesten Männern seiner Zunft und hat auch hierzulande durch schneidige Fahrten - und noch schneidigere Bonmots - gepunktet. Das Starts-Siege-Verhältnis des 39jährigen ist phänomenal, und wie man diese Meisterschaft gewinnt, hat er dem faszinierten Publikum bereits 2014 beim Durchmarsch mit Faust Hanover vorgeführt. Da werden sich Realist, Kashmir, Pompano Julian, Finnegan Bros, Offroader und Tipsport Boy als allesamt sehr solide Größen bzw. deren Steuerleute einiges einfallen lassen müssen, um dem Favoritenduo eins auszuwischen.
In sich hat’s Vorlauf 2 (4. Rennen, 18.16 Uhr) für die Reichen - jene bis 50.000 Euro Einkommen. Die bayerische Macht Cachamour mit dem mit allen Wassern gewaschenen Marian Tux, Lasbeks Dauerläufer Kelso mit Dennis Kristiansen, einem der besten Amateure Dänemarks, Wildcat Hanseatic, die seit 1½ Jahren „läuft und läuft und läuft“, aus 30 Starts zwölf Siege und sieben Ehrenplätze ins Gefecht wirft und mit Hans-Jürgen von Holdt hier im Dezember 2017 Vorlauf und Finale des Winterpokals der Amateure an ihre reich geschmückte Fahne geheftet hat, dazu der nach sieben Monaten Pause gerade rechtzeitig in Form gekommene Titelverteidiger Out of the Slums mit Thomas Maassen - gegen dieses Super-Quartett wird selbst für Könner wie den inzwischen in Österreich seine Brötchen verdienenden einstigen Seriensieger Mister Big Yankee wie den enorm zuverlässigen SJ’s Sunday der Griff nach einem der Final-Billetts kein Zuckerschlecken. Der Kampf mit offenem Visier ist eröffnet!
Wer wird "Shootingstar"?
Natürlich gehen auch die Profis nicht leer aus, was lukrative Prüfungen anbelangt. Für all jene Vierbeiner, deren Karriere drei- und vielleicht auch vierjährig noch nicht recht ins Rollen gekommen ist, wurde 1997 der Shootingstar-Cup ins Leben gerufen. Pferde wie Celebrate Light, Celestial Dreams, Arc de Triomphe, Indio Corner, Out of the Slums haben diese Art „zweiter Bildungsweg” zum Durchstarten in eine bemerkenswerte Laufbahn genutzt. Erstmals wird der Shootingstar in lediglich einem Lauf ermittelt, in dem es wie so häufig beim Derby-Meeting heißt: Holland gegen den Rest der Welt. Die Hälfte der zehn Aspiranten im 12. Rennen (21.30 Uhr), in dem es neben 14.000 Euro Rennpreisen für die Wetter um eine garantierte Dreierwette-Auszahlung von 8.888 Euro geht, hat einen mehr oder weniger intensiven niederländischen Hintergrund. Zwei Kandidaten schickt das Quartier von Hugo Langeweg ins Gefecht, die beide erstmals deutschen Boden betreten.
Für Bachelet trifft dies nicht ganz zu, denn geboren wurde die Lady 2014 im holsteinischen Gestüt Westerau. Die Braune, die bei ihren neun Versuchen nie schlechter als Dritte war und fünfmal ganz vorn angeschlagen hat, wird vom Trainer selbst gesteuert, was in ihrem Fall nicht unbedingt ein Hinweis sein muss. Noch eindrucksvoller liest sich nämlich Happy Hollandias Bilanz, die bei allen sechs Saisonstarts unbezwingbar war und mit Finn Verkaik einen Nachwuchsmann im Sulky weiß, der mit ihr acht Siege herausgefahren und gerade in den letzten Monaten auch in „offenen“ Prüfungen für viel Furore gesorgt hat. Nicht so sehr „Oranje“, sondern eher „Rot-Weiß“ könnte nach diesem Match im Winner Cicle aufkreuzen, denn die glückliche Holländerin ist einer der seltenen Fuchsschimmel. Bange machen gilt bekanntlich nicht, und so werden die frischen Sieger Here I am, Hairos F Boko und Titan As alles daran setzen, den Langeweg-Express zu stoppen. Oder kann Hocus Pocus alle aus dem Weg zaubern? Den nötigen Schliff hat sich der Wallach auf dem Gelsenkirchener Rechtskurs geholt. Michael Nimczyk versucht den dritten Streich in Folge mit Viveur Bi, der Italiener aus dem Championatsstall von Jeroen Engwerda hat sich allerdings zum Comeback nach halbjähriger Auszeit enorme Brocken eingeladen.
Rekordhalter Fridericus gegen starke Konkurrenz
Dort, wo die Shootingstars hinwollen, sind die acht Teilnehmer im Derby-Pokal der Flieger bereits angekommen: in der oberen Gehaltsliste. Über die an 7. Stelle um 19.28 Uhr ausgetragene Meile gibt’s ein Wiedersehen mit Mariendorfs Bahnrekordler Fridericus, der nach seiner erfolgreichen Schweden-Rallye nun beim Ur-Berliner Roman Matzky gelandet ist. Mit Startplatz „8“, der wie für Thai Investment (7) die zweite Startreihe beim etwas kniffligen „Ab“ im Bogen bedeutet, sind dem „Preussen“ zunächst die Füße gebunden. Im Vorjahr krallte sich Immosand diese Aufgabe. Sollte der Achtjährige geschwind wie immer in die Hufe kommen und die Mitstreiter einschläfern, könnte es für Mighty Hanover, Nileo, Rapido OK, Paymybills Diamant & Co ein böses Erwachen geben.
Kein Einschlafen, sondern Ahs und Ohs gibt’s noch mal nach dem letzten Rennen beim Höhenfeuerwerk, zu dem man sich um die Vierbeiner keine Sorgen machen muss: Zum Einen sind diese längst in ihren Boxen, zum Anderen wird auf laute Knalleffekte verzichtet - es lockt ein Augenschmaus.
Unsere Tipps:
1. Atlantic CG – Richard Parker – Katy Perry 2. Mr Bathuan Byd – Get Lucky – Eminent Frisia 3. Desert King – Offroader – Pompano Julian 4. Out of the Slums – Wildcat Hanseatic – SJs Sunday 5. Handicap-Pokal de Luxe, Halbfinale B 6. Hanna Greenwood – Taj Mahal Diamant – Only You 7. Rapido Ok – Paymybills Diamant – Nileo 8. Candyman Hornline – Tragopan Jet – Ivy Corner 9. Handicap-Pokal de Luxe, Halbfinale A 10. Int. Derby-Meisterschaft der Amateure Finale A 11. Danielle Simoni – Lewandowski – Highlander Boko 12. Happy Hollandia – Hairos F Boko – Bachelet 13. Int. Derby-Meisterschaft der Amateure Finale B
Freitag, 3. August
5. Tag des Derby-Meetings
Freitagabend - Damenwahl!
Nein, nicht im weltberühmten Café Keese, sondern rund 15 Kilometer südwestlich am 5. Tag des Derby-Meetings auf der Mariendorfer Pferde-Avus, wo um 16.10 Uhr zum 1. Start gebeten wird.
Anfang Juni war Arendelle mit "Goldhelm" Michael Nimczyk im Sulky in Mariendorf erfolgreich (Foto: Marius Schwarz)
Im Mittelpunkt des 13 Rennen umfassenden Menü, von dem die Rennen 4 bis 7 über den französischen Kooperationspartner PMU nach Frankreich übertragen und dort bewettet werden, steht seit je her das in zwei Vorläufen und Finale entschiedene Bruno-Cassirer-Rennen für die Traberladys. Mit dieser Prüfung erinnert die Derby-Bahn an jenen Mann, ohne dessen großzügiges finanzielles und ideelles Engagement die im April 1913 eingeweihte Piste - damals noch vor den Toren Berlins - gar nicht mehr existieren würde. Ende jenes Jahres war der Verein pleite, und nur Cassirers erheblichen Mitteln war es zu danken, dass es weiterging. 20 Jahre leitete der Verleger und Kunstmäzen die Geschicke Mariendorfs und auch Ruhlebens, bis er vor den nationalsozialistischen Machthabern 1938 endgültig ins Londoner Exil flüchtete.
28.000 Euro lässt sich der Berliner Trabrenn-Verein das Memorial kosten, wovon allein in dessen als 10. Rennen anstehendem Finale (20.22 Uhr) 20.000 Euro verteilt werden. Vor diesen fetten Preis haben die Ausschreibungsgötter den Schweiß gesetzt: Nur wer in den Vorläufen unter die besten Fünf kommt, darf sich Hoffnung auf einen weiteren üppigen Scheck machen.
3-mal Lasbek gegen 2-mal Bayern
In Vorlauf 1 (2. Rennen; 16.40 Uhr) für die etwas ärmeren Ladys rüstet Deutschlands berühmtestes Gestüt Lasbek kräftig an: Drei Ladys gehen für Günter Herz’ kaffeebraune Farben mit den weißen Nähten ins Gefecht, von denen sich Christian Lindhardt für Misty Morning entschieden hat. Eigentlich ist dies die erste Wahl - er als Gestütstrainer sollte schließlich wissen, wer die Beste ist. Nicht minder gut ist es allerdings um Medici Isabella bestellt, für die Jörgen Sjunnesson verpflichtet wurde. Der südschwedische Catchdriver hat bei seinen zahlreichen Berlin-Gastspielen fast immer für enorme Furore gesorgt und ist selten ohne Sieg im Gepäck heimgereist. Etwas ab fällt Marimba - da muss es mit Heinz Wewering niemand Geringerer als der mit fast 17.000 Siegen erfolgreichste europäische Trabrennfahrer richten.
Sehr gut möglich allerdings, dass mit Sotchi Santana ein bayerisches „Madl“ allen einen dicken Strich durch jedwede Rechnung macht. Sieben ihrer elf Starts hat sie als Klassenbeste absolviert, dazu kommen zwei Ehrenplätze - und im Sulky sitzt Rudi Haller, der in Berlin stets zu besonderer Hochform aufläuft. Landsfrau Velvet Affair hat sich mit einem souveränen Sieg das nötige moralische Rüstzeug geholt; auch Josef Franzl präsentiert seine Schützlinge fast durchweg in extrem starker Manier.
"Berliner Pflanze" Nelly Pepper will ins Finale
Elimination 2 (3. Rennen; 17.10 Uhr) ist den reicheren Damen vorbehalten, die im Finale 20 Meter mehr laufen müssen. Im Vorjahr gewann Michael Nimczyk mit Goldy Stardust aus dieser Konstellation nach dem Vor- auch den Endlauf - es ist also durchaus machbar. Diesmal sieht es für ihn und die zuverlässige Arendelle a priori nicht ganz so rosig aus, denn einige Gegnerinnen sind von besonderer Güte. An erster Stelle ist die von Hugo Langeweg geformte Hindy Heikant zu nennen. Richtig ins Rollen gekommen ist die Braune erst vor einem knappen Jahr, doch dann ging’s rapide voran. Seither hat sie samt 12.000 Euro ein halbes Dutzend Rennen gewonnen, darunter drei PMU-Prüfungen, und wagt sich nun erstmals nach Deutschland.
Viele Meriten hat Good Girl As eingeheimst, mit der Bahneigentümer Ulrich Mommert ganz im Stile Bruno Cassirers, der einst ebenfalls einen erstklassigen Rennstall sein Eigen genannt hat, den großen Coup anpeilt; ganz so zwingend wie im Vorjahr scheint die Tochter von Derby-Sieger Abano As jedoch derzeit nicht zu sein. Und dann ist da noch Lokalmatadorin Nelly Pepper aus dem Stall der Familie Stamer. Achtmal hat die Dunkelbraune den Gegnern bereits Eisen und Hacken gezeigt und ist dank ihrer Speedstärke in ihrem bislang schwersten Match selbst für den Sieg nicht außen vor. Im Finale sollten die Berliner ihre „kesse Göre“ auf jeden Fall wiedersehen.
Einige Favoriten auf der Langstrecke
Neben dem PMU-Intermezzo ist der Derby-Marathon-Pokal (12. Rennen, 21.14 Uhr) über die bis 1978 gelaufene Derby-Strecke von 3200 Metern ein echter Hingucker, bei dem die elf Aspiranten von drei Startpunkten auf die 2½ Runden weite Reise gehen. Mit 3240 Meter haben der US-Finne Classic St Pat sowie Running Allmar am meisten zu ackern, wobei der Italiener in diesem Jahr in einem ähnlich langen Rennen in Florenz schon mal als Bester vom Platz gegangen ist. Die Konkurrenz allerdings ist enorm anspruchsvoll. Von der 3200-Meter-Grundarke werden die formstarken General Lee, Glaedar und Gobelin auf niemanden warten und versuchen, die Chance resolut beim Schopf zu packen. Im zweiten Band lauert mit Goldy Stardust die Cassirer-Siegerin des Vorjahrs, die überhaupt erst vier ihren 17 Starts nicht als Siegerin beendet hat. Ein auf diesen Distanzen bewährter Recke ist O’Sunday - kein Siegertyp, für die Dreierwette, in der eine Garantieauszahlung von 7.777 Euro winkt, jedoch allemal denkbar.
Nach dem 13. Rennen (21.40 Uhr) heißt’s für die Vierbeiner dann „husch, husch in die Boxe“; ausklingen soll der Renntag gegen 22.00 Uhr mit einem romantischen Klassikfeuerwerk.
Unsere Tipps:
1. Ciao Amore – Top Winner – Garry 2. Sotchi Santana – Medici Isabella – Velvet Affair 3. Hindy Heikant – Arendelle – Nelly Pepper 4. Gri Maximus – Kentucky Bo – Cromwell 5. Astasia du Vivier – Casanova d’Amour – Deniro – Chronos 6. Stradivari – Libero – Fire Lane 7. Hercules Petnic – Arkadiusz Simoni – Gameboy Newport 8. Hamilton SR – Houdini Newport – Windhund 9. Shakira CH – Chuckaluck – Flavio As 10. Finale Bruno Cassirer-Rennen 11. Samir – Lordano Ass – Janus R.A. 12. Goldy Stardust – General Lee – O’Sunday 13. Idol – Be Happy – Naymoon
Es ist angerichtet für das höchstdotierte deutsche Trabrennen des Jahres, das am kommenden Sonntag zum 123. Mal entschiedene Derby. Was die Auguren im Vorfeld von den vier Qualifiern erwartet hatten, wurde hinsichtlich eines Faktums gar noch übertroffen. Man muss kein großartiger Prophet sein, um zu vermuten, dass am 5. August zum sechsten Mal in Folge im Winner Circle niederländischer Zungenschlag dominiert. Neun der zwölf Finalisten kommen aus dem Nachbarland: Je drei aus dem Quartier Paul Hagoorts, das zwei Vorläufe und einen Ehrenplatz an seine Fahne heftete, und Dion Tesselaar, der das Kunststück mit drei dritten Plätzen schaffte. Einzelkämpfer sind der im Speed als Zweiter restlos überzeugende „adlige“ Velten von Polly (Hugo Langeweg), der erneut ungemein beeindruckende Very Impressie S (I., Cees Kamminga) sowie Inspector Bros (II., Stefan Schoonhoven). Und weil Altmeister Jean-Pierre Dubois den in der Normandie vorbereiteten Laurel Park (II.) weiterbrachte, stemmen sich diesen Zehn mit Ulrich Mommerts und Hans Brockers Chapter One, dem es vor allem zuzutrauen ist, die Phalanx dieser fremden Armada aufzubrechen, sowie Marion Jauß’ Standbyme lediglich zwei hierzulande trainierte Aspiranten entgegen.
Ids Boko hängt Favorit Emilion ab
Ids Boko mit Robin Bakker gewinnt den ersten Vorlauf zum 123. Deutschen Traber-Derby (Foto: Marius Schwarz)
Der Vorlauf-Reigen begann mit einem Knaller. Der im Vorfeld selbst für den Derby-Sieg hoch gehandelte Emilion bzw. seine Entourage bekamen knallhart unter die Nase gerieben, dass ein Sicherheitsstart, wie ihn Michael Nimczyk dem Sam-Bourbon-Sohn verschrieb, mit rund 30 Meter Bodenverlust ein zu großes Handicap ist, wenn die Anderen wie geschehen nicht auf ihn warten. Ids Boko, von dem Trainer Paul Hagoort meinte, das Derby käme für ihn vielleicht zwei, drei Wochen zu früh, setzte sich gegen Jean-Pierre Dubois’ Laurel Park fürs Kommando durch und „never looked back“. Emilion war etwa zur Halbzeit dran am Feld und wurde eingangs gegenüber in Spur drei dirigiert, wo der von Dubois senior gezüchtete Hengst aus dem Hause Mommert bei dem enormen Knast nur mühsam vorankam und seine Derby-Ambitionen als Vierter sogar komplett begraben musste. In sagenhaften 1:12,1 - Berliner Saisonrekord und deutscher Mitteldistanz-Rekord für dreijährige Wallache - ließ Ids Boko den Angriff des prima durchstehenden Laurel Park locker um eine Länge an sich abtropfen; 2½ weitere Längen zurück war Platz drei und damit die erste Niederlage seines jungen Arbeitslebens für Dion Tesselaars Crazy and Quick durchaus ein kleines Ruhmesblatt, das mit der Endlauffahrkarte belohnt wurde.
Very Impressive S eindrucksvoll ruhig
Siegerehrung: Very Impressive S mit Cees F. Kamminga gewinnt den zweitten Vorlauf zum 123. Deutschen Traber-Derby (Foto: Marius Schwarz)
Der nächste Paukenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Cees Kamminga ließ sich in Qualifier 2 von der Hetzjagd, die der nach einer Runde in Front springende Iron Transs R und dessen Verfolger Charmeur Royal anzettelten, mit dem Geldwechsler Very Impressive S nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen. Vorsichtig ins Match gebracht, machte sich der Schwarzbraune in der Außenspur auf die Verfolgung der Flüchtlinge, baute den Buddenbrock-Sieger nach einer Runde dahinter für 300 Meter auf und wechselte im Scheitel der letzten Kurve nach außen. Wie eine Windsbraut zog er drückend überlegen in 1:12,6 über Charmeur Royal hinweg und warf mit dem dritten Berliner Sieg in Folge seinen Hut höchst nachdrücklich in den Derby-Ring. Fürs dritte Finalbillett kämpfte Standbyme den gerade mal 320 Euro reichen Great Gatsby As mit Ach und Krach nieder.
Chapter One siegt von der Spitze
Siegerehrung: Chapter One mit Michael Nimczyk gewinnt den dritten Vorlauf zum 123. Deutschen Traber-Derby (Foto: Marius Schwarz)
Endlich mal ein deutsches Kapitel schlug Chapter One in Vorlauf 3 auf, der beim Sieg im Adbell-Toddington-Rennen einem Very Impressive S das Nachsehen gegeben hatte. Mit ihm ging Michael Nimczyk sofort volles Risiko, mischte sich kräftig in den zwischen City Guide und Officer Stephen tobenden Zweikampf um die Spitze ein, den City Guide mit einem 13 Sprünge umfassenden Fehler im ersten Bogen beendete, und übernahm nach 500 Metern die Spitze, „womit die halbe Miete schon drin war“, wie Trainer Wolfgang Nimczyk im Nachgang bestätigte. Die ganze wurde es mit Beginn der Zielgeraden, als Deutschlands Goldhelm ihm den Kopf freigab. Im Sturmschritt setzte er sich in 1:13,6 klar und deutlich von Inspector Bros und Officer Stephen ab, der dem nach seinem Fehler zügig in die Todesspur dirigierten City Guide um Haaresbreite widerstand.
Mister F Daag dreht nach schwachem Start auf
Mister F Daag mit Robin Bakker gewinnt den vierten Vorlauf zum 123. Deutschen Traber-Derby (Foto: Marius Schwarz)
Nach dem Motto „Der Beste zum Schluss“ hatte der BTV Mister F Daags Vorlauf als Nummer 4 angesetzt, und der haushohe Favorit auf das Blaue Band ließ sich nicht lumpen. Robin Bakker hatte mit dem Hagoort-Schützling am Start einige Probleme, so dass sich zunächst die Anderen kräftig ins Zeug legen konnten. Dennoch kam der Sohn der Miss Love, der sich die Rennhärte heuer ausschließlich in Frankreich geholt hat, nach 500 Metern im zweiten Paar außen unter - idealer konnte es für den 10:10-Geldwechsler nicht laufen. 600 Meter vorm Ziel machte Bakker das erste Mal ein bisschen Ernst, umflankte sein Zugpferd Ibra Boko wie nix und legte sich an die Flanke des Leaders Fabio de Pervenche. Bis Mitte des Einlaufs blieb er mit diesem auf Augenhöhe und stiefelte dann aus der Hand locker-flockig in starken 1:12,8 ab. Den totalen holländischen Triumph komplettierte der ganz spät eingesetzte Velten von Polly, der mit Hugo Langeweg dem tapferen Tempomacher die zweite Prämie stahl und eine kleine deutsche Note ins Spiel brachte: Besitzerin ist die seit Jahrzehnten überaus engagierte Sigrid Velten. Ein Haar in der Siegersuppe fand Robin Bakker doch: „Am Start gefiel er mir gar nicht, nahm nicht genug Tempo auf und rumpelte sogar kurz. Wollen wir im Derby eine Chance haben, müssen wird das schleunigst abstellen - dafür ist der Trainer zuständig!“
Zauni - Deutschlands Sattelkönig
Siegerehrung: Zauni mi tFahrerin Ronja Walter (M.) gewinn (Foto: Marius Schwarz)
Einen weißen Fleck in ihrer langen Erfolgsliste tilgte Ronja Walter im zum sechsten Mal ausgetragenen Derby-Monté um stolze 20.000 Euro, in dem sie ihrem Zauni vorab kaum Chancen gegen die französisch- schwedischen Spezialisten ausgerechnet hatte. Doch der seit dieser Saison ausschließlich - und das mit immensem Erfolg - unterm Sattel eingesetzte St-Leger-Sieger der Saison 2016 fand viel besser in die Hufe als befürchtet, konnte nach 600 Metern in dritter Spur hinter dem sich kräftig beharkenden Schweden-Duo Victorious Star innen und Star Advisor Joli einparken und hatte, als der Fuchs die Todesspur mehr und mehr spürte, nur noch den Lugauer-Schützling vor der Nase. Der zeigte unter Zaunis wachsendem Druck 100 Meter vorm Ziel deutliche Wirkung und wurde von ihm um zwei Längen weggebürstet. „Obwohl er am Start mehrmals einen Fehler andeutete, lief doch alles gut ab, und einen besseren Verlauf hätte ich mir auf den letzten 1000 Metern nicht wünschen können. Wie er sich in seine Aufgaben reinhängt, ist einfach bombastisch“, war Deutschlands Monté-Königin nach ihrem insgesamt 98. Sieg zu Freudentränen gerührt.
Heinz Wewering - ein putzmunterer Oldie
Acht Piloten mit zusammen mehr als 30.000 Siegen trafen sich im Derby-Pokal der Oldies, der das Rennen jenes Mannes wurde, der lange Zeit mit 707 Saison- sowie später mit Gesamt-Siegen die Rangliste aller Professionals weltweit angeführt hat und derzeit bei Numero 16.872 angekommen ist (mehr hat lediglich der Amerikaner Dave Palone auf dem Kerbholz): Heinz Wewering. Es war ein Verlauf so recht nach dem Geschmack des 68jährigen „ewigen Goldhelms“, der Unstoppable mit dem ersten Schritt derart unerbittlich kesseln ließ, dass der Rest spätestens auf der Zielgeraden nur das staunende Nachsehen hatte. Der „Oldie but Goldie“ verpasste dem fürwahr nicht zu stoppenden, sonst von Schwiegersohn Robbin Bot chauffierten Zola-Boko-Sohn als Nebenprodukt mit 1:13,1 eine neue Hausmarke. Ex-Europameister Manfred Zwiener befriedigte seine Berliner Fans mit Rang zwei durch Late Night Show, Gerd Biendl rettete sich mit der lange außen rum marschierenden Marie Galante zu „Bronze“.
Wie im Vorjahr ein Sieg für die TraberParti
Richtig voll im Winner Circle wurde es nach dem 11. Rennen, in dem Hannah Hazelaar, das Pferd mit den 350 TraberParti-Besitzern, eine im Grunde nicht mehr zu gewinnende Partie mit einer tollen Speedshow doch noch zu ihren Gunsten hinbog. Durch ständige Führungswechsel bis an die letzte Position zurückgeschoben, nutzte Michael Nimczyk mit eisernen Nerven die gegenüber in dritter Spur vorrückende Hélène des Moères als Lokomotive. Wer unterwegs nicht viel investieren muss, hat am Ende reichlich in petto - und das hatte die brave Hannah unter dem Jubel ihrer Besitzer mit verblüffender Leichtigkeit: „Sie wird immer besser und ist für die Idee, mit einem Traber Viele glücklich zu machen, das ideale Pferd. Keine Bange - wir haben in punkto Beschlag- und Ausrüstungsvariationen noch einiges in der Hinterhand, so dass wir noch lange nicht das Ende der Erfolgsstange gesehen haben“, war des Goldhelms Statement über die Lady, die sich um 1,2 Sekunden auf 1:14,5 steigerte.
Vor dem 1. Derby-Vorlauf wurde dem Publikum eher sportliche Schonkost geboten, denn sowohl beim Sieg der mit Roland Hülskath sofort in Front gedüsten Ivonne Dragon wie bei jenem Gian Luca Pasels, die sich endlich wieder ihrer Top-Form vor zwölf Monaten erinnerte und mit Ersatzmann Michael Nimczyk Richard Parker niederrang, war doch reichlich Sand im Getriebe der Anderen. Zumindest bis zum Ziel spannender machte es der Berliner Krabat, mit dem Manfred Zwiener den von Gerhard Mayr angekündigten Iceman Bo in Abteilung 1 des 2. Handicap-de-Luxe-Vorlaufs eiskalt mit Augenmaß einsammelte. In Abteilung 2 scheiterte er mit der braven Jilliane knapp an Apollonia, mit der Michael Nimczyk eine Runde vor Schluss die Regie übernahm und bis zum Pfosten alle Hände voll zu tun hatte, die nicht überzeugende Sechsjährige zusammenzuhalten.
Startnummer „1“ war für Dr. Marie Lindinger in einem der vielen Derby-Pokale der Amateure Programm. Die Pole Position ließ sie sich mit Atlantic CG auf keinem Meter streitig machen und hatte endgültig gewonnenes Spiel, als Zweitausend PS, der den Wieserhofern noch am nächsten war, 400 Meter vorm Ziel im Galopp Adieu sagte.
Start-Ziel dominierten Be Happy und Victor Gentz eine maßgeschneiderte Aufgabe, zumal das „Stallgeflüster“ Payet viel zu weit aus dem Rennen lag, um die Lauvenburgerin trotz famosem Endspurts in Verlegenheit zu bringen; am Zielstrich fehlte ihm eine halbe Länge. Den Schlusspunkt setzte ein Nimczyk - diesmal Vater Wolfgang, der mit dem familieneigenen Red Lover den mit Michael liierten Best Kept Secret auf Distanz hielt, was durchaus erwartet worden war.
Dank der heißen Favoriten Very Impressive S und Mister F Daag, die bei 10:10 nichts zum Geld mehren, wohl aber etwas für die Jagd auf Prämienlose waren, machte der Umsatz knapp unter der 400.000-Euro-Grenze halt und lag damit fast fünf Prozent über dem des Vorjahrs.
Umsatz bei 14 Rennen: 397.624,89 Euro (incl. 255.075,74 Euro Außenwette)
Samstag, 28. Juli 2018:
2. Tag des Derby-Meetings
Dreimal Holland, einmal Bavaria
Auf diese Kurzformeln lassen sich die vier Vorläufe zum Arthur-Knauer-Rennen 2018 bringen, womit die für die Setzliste Verantwortlichen im Vorfeld ausgezeichneten Spürsinn bewiesen haben. Die gemeinten Stuten gaben sich lediglich in einem Fall eine kleine Blöße: Allein Laura Vici vermochte sich nicht als Siegerin fürs 30. Stuten-Derby zu empfehlen und schaffte mit Ach und Krach Rang zwei - das lässt ihr nach den erstklassigen Vorstellungen der Siegerinnen nur bedingte Chancen, diese Scharte auszubügeln, wenn es in einer Woche um den großen „Pott“ geht.
Cahaya und Fahrer Dion Tesselaar siegten im ersten Vorlauf zum Stuten-Derby (Foto: Marius Schwarz)
Die etwas ungewöhnlich nach nur einem Start - dem Ehrenplatz im Buddenbrock-Rennen - gesetzte Cahaya wurde im 1. Vorlauf dieser Wertschätzung vollauf gerecht - und das, obwohl ihr die Losfee den äußersten Startplatz „8“ aufgebürdet hatte. Dion Tesselaar riskierte mit der Love-You-Tochter gar nichts, sondern überstellte ihr erst auf der Tribünengeraden aus vierter Stelle den Marschbefehl. Thorsten Tietz war mit Blitzstarterin Girlofmanymissions gut beraten, die 13:10-Favoritin für die Schlussrunde vorbeizulassen, die fortan niemanden mehr in ihrer Nähe duldete und sich in bestechender Manier in 1:13,4 überlegen verabschiedete. An ihrer Vorderfrau Girlofmanymissions, die als Dritte den Endlauf bombensicher erreichte, raufte sich Intouchable locker vorbei.
Auch Avalon Mists und Fahrer Robin Bakker wurden im zweiten Vorlauf zum Stuten-Derby ihrer Favoritenrolle gerecht (Foto: Marius Schwarz)
Kurioserweise musste auch Avalon Mists, die heiße Favoritin auf den Gesamtsieg, in Elimination 2 von der „8“ los - und erledigte die Pflicht vor der großen Kür noch schmuckloser. Robin Bakker kannte kein Erbarmen, ließ die Pastor-Stephen-Tochter vom Fleck weg knattern und wurde von Björn Goop ausgangs der ersten Kurve auf den Regiestuhl durchgewinkt. Nach diesem ersten heftigen Run drosselte Bakker das Tempo enorm, so dass bis auf die kurz nach dem „Ab“ gesprungene Gri Happy Girl das Feld dicht zusammen blieb. Da änderte sich schlagartig, als es „Leinen los“ hieß für die 10:10-Favoritin. Nach 1:14,2 war die Messe souverän vor der vergeblich attackierenden Unicorn Diamant und Nagama, die sich bis zum Schluss tapfer durch Todesspur mühte, in den schönsten Liedern gesungen: „Sie wäre vielleicht auch gut genug fürs ‚große’ Derby, aber wir haben uns bewusst für die vermeintlich leichtere Aufgabe entschieden. Sie ist topsicher und kann speziell am Start noch zügiger loslegen - das wird sie im Finale vermutlich auch müssen. Doch da haben wir auf jeden Fall eine bessere Startnummer“, resümierte Bakker.
Donna Granata und Rudolf Haller düpierten im dritten Vorlauf zum Stuten-Derby Favoritin Laura Vici (Foto: Marius Schwarz)
Als einzige der Gesetzten sollte es für Adbell-Toddington-Siegerin Laura Vici in Vorlauf 3 nicht zum Sieg reichen, weil Donna Granata sich mit dem „Rudi-Haller-Berlin-Effekt“ in bestechender Verfassung präsentierte. An der sofort in Front gezogenen, „immer etwas faulen“ Corleone-Tochter biss sich die nach einer Runde in die Angriffsspur dirigierte Laura Vici derart gründlich die Zähnchen aus, dass sie für den Ehrenplatz um ein Haar von Trainingsgefährtin Lightning Bo erwischt worden wäre. „Wir haben sie etwas anders zurechtgemacht - das hat sich ausgezahlt“, war des Bayern kurzes Statement zum nicht unbedingt erwarteten Erfolg, der nach 1:13,7 zwei Längen voraus ganz leicht ausfiel.
Isabella Boshoeve wurde im vierten Vorlauf zum Stuten-Derby von Dion Tesselaar erwartungsgemäß zum Sieg gesteuert (Foto: Marius Schwarz)
Den Lapsus Laura Vicis bügelte Isabella Boshoeve im 4. und letzten Qualifier umgehend in einem Stil aus, an dem es nicht das kleinste Fitzelchen zu deuteln gab. Aus dem irren Gefecht um die Spitze zwischen Fitforfun, die im ersten Bogen ausfiel, Olena und der sich letztlich durchsetzenden Brétigny hielt sich Dion Tesselaar mit der heuer in Schweden und Frankreich gestählten Ready-Cash-Tochter nach dem Motto zurück: „Wenn du gegen diese Gegnerinnen früh aufs Ganze gehst und Galopp fährst, hast du gar nichts. Es gilt allein, ohne große Umstände das Finale zu erreichen.“ Als sich der Pulverdampf nach 500 Metern verzogen hatte, machte sich der 49jährige mit viel Verve auf den Weg nach vorn und wurde von Michael Nimczyk 1100 Meter vorm Ziel bereitwillig in Front gelassen. Wie Wiebe Landmans Stute ihr Pensum nach diesem kernigen Zwischenspurt abspulte, hinterließ gehörigen Eindruck. Ohne auch nur im Entferntesten gefordert zu werden, setzte sie sich in erstklassigen 1:13,8 überlegen auf fünf Längen ab. Brétigny, deren großer Bruder Broadwell kurz zuvor mit seinem Sieg im Prix de Milan zu Enghien sein vorläufiges Meisterstück abgegeben hatte, bekam den anfänglichen Kraftakt deutlich zu spüren, wurde immer müder und rettete nicht mal den dritten und letzten Finalplatz, für den sich Lusiana Bo und Olena als die deutlich Munteren erwiesen.
Rayman in Tagesbestzeit
Vor der feierlichen Eröffnung mit Durchschneiden des Blauen Bandes war „Wewering-Time“ angesagt. Genau wegen solcher Vorstellungen wie mit dem bislang sieglosen Henry Havana, den er erstmals in Händen hatte und auf Anhieb um 2,4 Sekunden verbesserte, ist der ewige Goldhelm zur Legende geworden. „Was war denn da los?“ wurde „Heinz the Champ“ gefragt. „Das Pferd wollte rennen wie der Deibel, und ich hab ihm den Willen gelassen“. Das reichte für den üppigen 145:10-Außenseiter, der den harschen Schlussangriff Drachenbluts ausstand und Heinz Wewering den 16.871. Sieg bescherte - so sich die Statistiker bei der Masse nicht verzählt haben.
Der nächste Schocker ließ nicht lange auf sich warten: Nachdem Janika Bo scheinbar souverän voraus 250 Meter vorm Ziel ausfiel und sich die Waage sehr deutlich Local Hero zuneigte, kam auch jener kurz vorm Ziel aus dem Takt, so dass die innen von Herbert Plankl klug geschonte Flying Wings für 329:10 abstaubte und die Phalanx der V7+-Wetter radikal dezimierte. Auch für die Tochter von Derby-Sieger 2002 Lets Go gab’s die erste Siegerschleife der Karriere.
Es blieb Navy Blue und Deutschlands Amateurchampionesse Sarah Kube vorbehalten, im 3. Rennen den Fluch, der über den Favoriten lag, zu brechen. Obwohl sie zur Halbzeit die wohlfeile Lage hinter Tempomacher Falco verließen und ihnen anschließend der äußere Fahrtwind ins Gesicht blies, legten sie den Holländer in einem einsamen Duell vor dem Rest locker zu den Akten.
In Abteilung II sprang der schon so oft angesungene Locarno über seinen Schatten - bzw. zog nach zahlreichen Ausfällen mit André Pögel in der Todesspur ohne Fehl und Tadel durch. Des Rätsels Lösung für den kniffligen Burschen, der überlegen in 1:13,6 nach Hause rannte, als kenne er keinen Fehler, war ein Bodenblender, der installiert wurde, damit er sich nicht vor Schatten erschreckt.
Als echter Publikums- und Wetterliebling entpuppte sich RitchiRich Diamant, mit dem Gerd Biendl nach zurückhaltendem Beginn ab der Tribünengeraden als Lokomotive durch die Außenspur dampfte und Mariendorfs Pferd des Jahres 2015 Mighty Hanover, dem Thorsten Tietz zügig die Tête gesichert hatte, mit Augenmaß zu den Akten legte. „Dank seines riesigen Kämpferherzens kann man ihm solch einen Transport durchaus zumuten“, war des oftmaligen bayerischen Champions Resümee, der den mit zunehmendem Alter immer stärker werdenden Conway-Hall-Sohn zum 19. Sieg aus 44 Auftritten führte.
Gelohnt hat sich die weite Anreise aus Dinslaken für Bourgogne, von dem im 1. Vorlauf des Handicap de Luxe lange gar nichts zu sehen war. Als sich die Anhänger des durchweg führenden Kleiner Donner wahlweise Richtung Winner Circle bzw. Auszahlkasse aufmachten, kam weit außen Wolfgang Musga mit dem Sam-Bourbon-Sohn angeflogen und schnappte ihm den Sieg sicher vor der Nase weg. Dass es auch für die „Handicapper“ kein leichtes Amt ist, zeigte die Siegzeit von 1:16,0 für den bei 88:10 notierten Hengst.
Der erste Vergleich des Fahrernachwuchses ging auf die Kappe des Favoriten-Duos Fire Lane und Jan Thirring, das sich aus der Frontlage zum Schluss sputen musste, um nicht von der von Lisa Hanikirsch fein auf Touren gebrachten Tiffany Diamant erwischt zu werden.
Kurz vor Toresschluss hatte auch Thorsten Tietz noch einen messerscharfen Pfeil im Köcher, mit dem nach den letzten Leistungen nicht unbedingt zu rechnen war. Lag es daran, dass sein Züchter Roman Krüger aus der Normandie tags zuvor nach Berlin gereist war? Rayman präsentierte sich in einer wilden Tempojagd, bei der am Ende mit 1:12,7 die schnellste Zeit des heißen Samstags zu Buche stand, kernig wie in besten Tagen. Schon der Griff nach dem Taktstock gegen den mächtig gegenhaltenden Little Danny war nichts für schwache Nerven, doch machte das dem Lets-Go-Sohn gar nichts aus. Erstmals mit Backenfellen ausstaffiert, rannte der Wallach unter Tietz’ energischen Hilfen wie um sein Leben und war auch vom wieder genesenen Tequila F. nicht einzufangen.
Zum guten Ende schepperte es noch mal ordentlich: Come on Scully stand einen Fluchtversuch eisern durch und spendierte den wenigen Glücklichen, die ihr und ihrem Fahrer Georg Kowalski ihr Erspartes anvertraut hatten, mit 921:10 die bisher höchste Sieg-Quote des Meetings.
Der Umsatz blieb um eine Idee unter jenem des Vorjahrs, in dem bei 14 Rennen 321.541 Euro umgesetzt worden waren. Das entspricht einem Schnitt von rund 23.000 Euro im Vergleich zu den 22.616 dieses Samstags.
Umsatz bei 13 Rennen: 294.011,58 Euro (incl. 188.785,13 Euro Außenumsatz)
Freitag, 27. Juli 2018:
1. Tag des Derby-Meetings
Orlando Jet - nur fliegen ist schöner
Siegerehrung: Orlando Jet mit Fahrer Rudolf Haller gewinnt das Charlie-Mills-Memorial 2018 (Foto: Marius Schwarz)
Auch wenn im traditionsreichen Charlie-Mills-Memorial nur sechs Starter an die auf ebenso viele Schecks verteilten 20.000 Euro Prämie wollten, wurde es den Erwartungen auf ein erstes sportliches Highlight des Derby-Meetings 2018, das ja offiziell erst am Samstag eröffnet wird, vollauf gerecht. Orlando Jet, Deutschlands aktuelles und einziges Aushängeschild fürs „ältere“ internationale Parkett, für 10:10 zum Geldwechsel-Kurs angetreten und ganz sicher im Fokus all jener „Jäger“, die sich über die Bank des Renntages ihr üppiges Quantum Anrechtscheine für die große Prämienausspielung um einen nagelneuen PKW sichern wollten, stellte seine riesige Anhängerschar vollauf zufrieden.
„Ich war mir im Vorfeld ziemlich sicher, wir würden das Ding nach Hause schaukeln, hatte aber gehörigen Respekt vor Cash Hanover. Ist der auf Hundert und man lässt ihn sein Ding durchziehen, kann es durchaus eine böse Überraschung geben“, verriet der „Haller Rudi“ im Nachgang und ging das Rennen auf die gnadenlos harte Tour an, zumal Michael Nimczyk hatte verlauten lassen, keineswegs vorm großen Namen zu kuschen und sich durchaus eine klitzekleine Chance auszurechnen. Und so donnerten sie denn mit Urgewalt los - ganz innen SJs Junior C, Cash Hanover in der Mitte und Hallers „bestes Pferd, das ich in meiner langen Karriere je hatte“, in dritter Spur. Zu Beginn der ersten Biege bei 1:05,8 für die ersten 300 Meter zog sich Stefan Schoonhoven zurück, doch brauchte der „Jet“ Vollschub bis zu deren Mitte, um endlich an Cash Hanover vorbeizukommen. Danach war der Fisch im Grunde geputzt, denn nach dem irren Anfangstempo konnte Haller die Fahrt deutlich drosseln. Seine behäbig eingetretene zweite Waffe Stark Bi wurde eingangs gegenüber von Josef Franzl in Marsch gesetzt, und nun musste Cash Hanover, wollte er nicht rettungslos eingebaut werden, wohl oder übel selbst in Spur zwei.
Das alles spielte dem von Peter Busch gezüchteten wuchtigen Orlando-Vici-Sohn nur noch effektiver in die Karten. Nach 1:09,2 für die vorletzten setzte es 1:10,4 für die finalen 400 Meter - fertig war in 1:12,5 der 13. Sieg aus lediglich 17 Versuchen, mit dem der braune Bomber, an dessen Manier und Exterieur ganz sicher auch der trabrennsportliche Weltenbürger Charlie Mills seine Freude gehabt hätte, nun 229.599 Euro reich ist. Kein schlechter Schnitt für Einen, den Hallers langjährige österreichische Besitzerfamilie Bauer bei der Derby-Auktion 2014 für ganze 7.500 Euro an Land gezogen hat und der sich nun wieder den fetten Prämientöpfen Frankreichs zuwenden wird: Am 14. August soll er in Enghien sein nächstes Engagement im Prix de la Porte Versailles um 70.000 Euro wahrnehmen, für das er den überaus warmen Applaus der hiesigen Zuschauer mitnimmt. Der Mumm, dem großen Favoriten tapfer die Stirn geboten zu haben, wurde Cash Hanover mit dem sicheren Ehrenplatz vor Stark Bi entgolten.
Keine Überraschung im Derby-Cup
Pelle Barosso mit Fahrer Josef Franzl hat die Nase im Derby-Cup vorne (Foto: Marius Schwarz)
Auch der erste sportliche Höhepunkt war nur mit sechs Aspiranten bestückt, auch er wanderte in weiß-blaue Gefilde. Wobei der mit 7.500 Euro dotierte Derby-Cup der Vierjährigen „aufm Platz“ als echter Langweiler daherkam, denn Pelle Barosso vor Kentucky Bo lautete die Reihenfolge nach 200 wie 1900 Metern. Josef Franzl durfte mit dem verhinderten Derby-Starter 2017 in Seelenruhe schalten und walten, wie er wollte, legte ausgangs des Schlussbogens ein gehöriges Pfund drauf und war durch nichts mehr zu erschüttern. Die krachende Bayern-Doublette vollendete Rudi Haller, der mit Kentucky Bo gut beraten war, dem 1:13,3 auslaufenden Favoriten bei der Kommandoübernahme keinen Stein in den Weg gelegt zu haben. „Ich hoffe, er bleibt endlich mal eine Weile gesund und kann alle zwei, drei Wochen starten. Im Training ist er nämlich kein Weltmeister; er braucht Rennen, damit er mal den Gipfel seiner Kapazitäten erreicht“, hoffte Franzl auf anhaltende Gesundheit für die Zukunft, „immer wieder sind uns kleinere Malaisen dazwischengekommen.“
Den Amateuren blieb die erste Siegerschleife der sieben tollen Renntage vorbehalten. In einer „Zuchtmeisterschaft“ der Bins-Traber hielt Sarah Kubes in Schweden registrierter Gonzales Greenwood sich für das kürzlich erlittene Pech schadlos. Nach betulichem Start riss er mit energischem Zwischenspurt einen Kilometer vorm Ziel den Taktstock an sich und widerstand dem Konter seines in Deutschland eingetragenen Verfolgers Miguel Greenwood recht sicher um einen „Hals“, womit das Meeting für Berlins in letzter Zeit ziemlich gebeutelten Thorsten Tietz schwungvoll begann.
Genau andersherum lief es unmittelbar danach im Trabreiten, bei dem der ebenso laufgewaltige wie kapriziöse Vrytzen mit seinem 20-Meter-Bandvorteil gar nichts anzufangen wusste und im Mittelfeld verschwand. Umso stärker präsentierte sich der hünenhafte Franzose auf dem zweiten Kilometer, wurde von Sytske de Vries mit aller Finesse ans vordere Duo herangeführt und wischte an dem schon mit dem Sieg liebäugelnden Ramazotti Diamant wuchtig vorbei.
Danach waren wieder die Amateure an der Reihe, bei denen Hans-Jürgen von Holdt mit seinem Paradepferd Wildcat Hanseatic der gewiss nicht schlechten Konkurrenz Start-Ziel Saures gab. Für die erst Anfang des Vorjahrs in den Rennbetrieb eingestiegene Sechsjährige war der 13. Volltreffer in 1:13,6/1900m nicht viel mehr als eine schärfere Übungseinheit für die am Donnerstag anstehende Internationale Meisterschaft der Amateure.
Nimczyk mit Doppelsieg
Das Rendezvous der über 2500 Meter gescheuchten Trotteurs Français wurde eine sichere Beute Michael Nimczyks, der sich aus einem bis zum Schluss zusammenbleibenden Quintett mit dem in Polen von Robert und Magdalena Kieniksman vorbereiteten Diego du Bellay um eine Länge durchsetzte. Viel leichteres Spiel hatte Deutschlands Goldhelm gleich im Anschluss mit Kiss Me Bo, die auch beim vierten Start ihrer spät begonnenen Karriere vorneweg nicht zu ballern war und sich auf 1:15,5 steigerte. Die kleine Schwester der 2013er Stuten-Derby-Fünften Donna Kievitshof, auch sie eine Füchsin mit einer markanten Gesichtszeichnung, offenbarte gehöriges Potential nach oben.
Seinen Treffer setzte Berlins Lokalmatador Thorsten Tietz mit Gri Maximus, den er sich immer besser hingebogen hat. Selbst die Todesspur konnte den vierjährigen Wallach nicht bremsen, der sich Frontrenner Chuckaluck souverän zum vierten Sieg in Folge zur Brust nahm. Einen dritten Treffer für das Quartier aus Schöneiche verhinderte im Abschlussrennen die vorneweg wie entfesselt marschierende Opalis, mit der Franz Klein als einziger „Dreistelliger“ bei 114:10 souverän seine Bahnen zog. Jolie Coer bzw. Sarah Kube, die außen rum bei 1:13,8 kein leichtes Amt hatten und letztlich auf Rang vier landeten, musste genauso chancenlos wie alle anderen anerkennen, dass diese Schwarzbraune heute nicht zu kippen war.
Umsatz bei 9 Rennen: 224.073,59 Euro (incl. 163.678,94 Euro Außenumsatz)
Umsatz PMU-Rennen (Rennen 4 bis 7) in Frankreich: 1.093.136 Euro
Vor sechs Jahren stieg der Frohnauer SC aus der Berlin-Liga ab und wurde gleich in die Bezirksliga durchgereicht. Nun fand der Verein auf vergleichbare Art, nur in umgekehrter Richtung, wieder den Weg zurück in Berlins höchste Spielklasse. Andreas Weiner ist seit vielen Jahren beim Frohnauer SC tätig, zuletzt als Trainer der A-Jugend, und übernimmt nun zur neuen Saison das Amt des scheidenden Olaf Jahn bei den 1. Herren.
A. Weiner
Im Interview mit Berlinsport Aktuell spricht Weiner über die vergangenen Jahre, über die Zu- und Abgänge sowie die Ziele für die kommende Spielzeit.
Der CFC Hertha 06 erlebte eine schwierige Saison 2017/18 und konnte erst in der Relegation gegen den Süd-Vertreter aus Kamenz den Klassenerhalt erreichen. Vor den Ausscheidungsspielen war Murat Tik auf die Bank zurückgekehrt.
M. Tik
Der einstige Aufstiegstrainer der Charlottenburger berichtet im Interview mit Berlinsport Aktuell* über die Schwierigkeiten der Vorbereitung auf die Saison 2018/19 und die Ziele, die man in der anstehenden Spielzeit verfolgt. Thema war dazu, wie sich Hertha 06 und Tik wieder zusammengerauft haben - und wie der Trainer die durchaus lange "fußballfreie Zeit" verbracht hat.
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*Das Gespräch fand vergangenen Sonntag nach dem Testspiel beim Frohnauer SC statt
Einer der Stars zum Auftakt der Derby-Woche: Orlando Jet mit Fahrer Rudolf Haller
(mw). Das Warten hat ein Ende! Neun Tage vor dem ultimativen Saisonhöhepunkt, dem trotto.de 123. deutschen Traber-Derby, wird der Hauptstarter seine acht (Amateur-)Schäfchen zum 1. Rennen des Derby-Meetings, das ja seit Jahren schon über eine Woche hinausgeht, am Freitagnachmittag um 16.10 Uhr hinters Auto rufen. Wie in den Jahren zuvor wird der „Apéritif“ durch die Übertragung der Rennen 4 bis 7 nach Frankreich noch ein bisschen schmackhafter gemacht. Die Kooperation Traber-Deutschlands mit der französischen Wettorganisation PMU, ohne die der Trabrennsport hierzulande auf tönernen Füßen stehen würde, geht nun schon ins achte Jahr und hat mithin Traditionscharakter.
Das erste dieser sogenannten PMU-Rennen versammelt um 17.40 Uhr nur sechs Vierjährige hinterm Startwagen, die noch keine 20.000 Euro verdient haben - aber die haben’s fürwahr in sich. Viele werden hinter Pelle Barosso ihr Kreuzchen machen, dem das Pech zuweilen an den Füßen klebt. Im Vorjahr fürs Derby sportlich qualifiziert, musste er das Blaue Band wegen einer Erkältung sausen lassen und sollte in diesem Jahr Teile des Versäumten nachholen. Doch auch das ging nicht ganz geräuschlos über die Bühne: Beim Comeback war er als Erster an der imaginären Linie, wurde jedoch im Nachgang wegen Störung eines Kontrahenten disqualifiziert. Satisfaktion holte er sich im Pfarrkirchener Großen Pfingst-Preis nach hartem Kampf - und musste anschließend erneut krankheitsbedingt kurz aussetzen. Platz vier in einem Rennen der Vierjährigen-Serie und ein überlegener Sieg in Münchner Alltagsgeschäft dürften den enorm talentierten Dunkelbraunen auf den Favoritenschild heben. Doch „dahoam“ ist der Franzl-Schützling gegen Nordmann, der bei seinem Sieg am 13. Mai enorm zu beeindrucken vermochte und nach seiner jüngsten Startgaloppade in ungewohnter Hand nun wieder vom Trainer an die Kandare genommen wird, sowie den häufig in Dänemark wildernden Glaedar noch lange nicht.
Als sportliches Sahnehäubchen kommt die 8. Prüfung um 19.35 Uhr daher. Was könnte besser zu einem PMU-Renntag passen als ein Traber, der zweimal in Vincennes, dem Mekka des Sports schlechthin, erfolgreich war? Im Charlie-Mills-Memorial, mit dem eines vor 46 Jahren verstorbenen europäischen Meisters seines Fachs und Weltbürgers des Trabrennsports gedacht wird, gibt sich Orlando Jet die Ehre, Deutschlands vermutlich beste internationale Waffe bei den Älteren. Wobei „älter“ relativ ist. Das Bild von einem Pferd hat gerade mal fünf Jahre auf dem Buckel und erst 16 Rennen im Leib. Wenn ein alter Fahrensmann wie Rudolf Haller, der in seiner Laufbahn weit mehr als 2100 Rennen gewonnen und Pferde wie Renado, Saskia Bisa und den ebenfalls im Memorial antretenden Stark Bi geformt hat, bei den Siegerehrungen mit Orlando Jet feuchte Augen hat, sagt das mehr als tausend Worte: „Er ist das beste Pferd, das ich je trainiert habe“, war sich der „Haller Rudi“ schon nach der Dreijährigen-Saison sicher und hütet den für im Nachhinein geradezu läppische 7.500 Euro auf der Derby-Auktion 2014 ersteigerten Hengst wie seinen Augapfel.
Vor einem Jahr tilgte der 53jährige auf der berühmtesten Bahn der Welt mit diesem Hengst einen weißen Fleck in seinem Fahrtenbuch - dort hatte er bis dato noch nie gewonnen. Nach dem Elitloppet-Fiasko legten die beiden im Juni eine neuerliche kesse Sohle auf jenes noble Parkett. Trotz eines Cash Hanover, dem er beim BILD-Pokal am 1. Mai kräftig die Leviten las - mehr als zum Geldwechsel-Siegkurs von 10:10 wird der braune Bomber kaum antreten. Das sollte den Wettumsatz kaum schmälern: Sieht man von der Binsenweisheit ab, dass es „Unverlierbare“ im Sport nicht gibt, dürfte dieses Duo die sicherste Bank der gesamten Derbywoche sein, um an eines der begehrten Lose für die große Prämienausspielung zu gelangen. Bei der darf ein Glückspilz am Ende des Meetings mit einem neuen Automobil, einem VW join up! black pearl im Wert von 13.900.- Euro, nach Hause fahren.
Knüller des Garantieauszahlungs- und Jackpot-Festivals ist die zum zweiten Mal angebotene V7+-Wette. Vom 2. (16.40 Uhr) bis zu besagtem 8. Rennen sind alle sieben Sieger vorherzusagen. Bei der Premiere am 15. Juli gelang dies niemandem, woraus ein Jackpot von 7.616 Euro resultierte, der am Freitag in die 20.000 Euro betragende Garantieauszahlung einfließt. Wenngleich mit Orlando Jet ein „Vinnar“ scheinbar festzustehen scheint und die V7+- in praxi zur V6+-Wette macht, halten einige andere Prüfungen manche Stolpersteine parat.
Das gilt besonders für das französischen Trabern vorbehaltene 5. Rennen (18.10 Uhr), in dem die Suche nach dem Sieger einem Würfelspiel gleicht: Aus drei Bändern gehen zehn „Trotteur français“ auf die bis zu 2540 Meter weite Strecke, von denen die fünf aus Polen anreisenden Kandidaten vorab kaum stichhaltig zu taxieren sind. Viel leichter dürfte auch die 7. Prüfung (19.10 Uhr) nicht zu enträtseln sein, in der mit Holly Star, Star’s Speed, Gri Maximus und Eminent Frisia vier aktuelle „Winner“ von Chuckaluck herausgefordert werden, der lediglich bei einem seiner zehn Saisonauftritte nicht auf einem der ersten beiden Plätze gelandet und in diesem Jahr der Großverdiener dieser Neun ist.
Unsere Tipps:
1. Gonzales Greenwood – Miguel Greenwood – Ivy Corner 2. Leap Day Credit – Gri Power Jet – Ramazotti Diamant 3. Wildcat Hanseatic – Gobelin – Gentle Yankee 4. Pelle Barosso – Lille Alfred – Glaedar 5. Derrick de Nganda – Douce Rose Amour – Delta d’Urfist 6. Kiss Me Bo – Longhire – Mon Filou – Campione 7. Gri Maximus – Chuckaluck – Eminent Frisia 8. Orlando Jet – Cash Hanover – Stark Bi 9. Harley As – Firefox BR – Nico Way
Samstag, 28. Juli 2018 2. Tag des Derby-Meetings
Nun gilt’s für die dreijährigen Ladys
Favoritin im zweiten Vorlauf zum Stuten-Derby 2018: Avalon Mists (Foto: Marius Schwarz)
(mw). Wer schwingt sich zur 30. Siegerin des deutschen Stuten-Derbys auf? Obwohl diese Frage erst am kommenden Samstag (4. August) beantwortet wird, wirft sie ihre Schatten bereits am zweiten Tag des Derby-Meetings, bei dem um 13.00 Uhr zum ersten heißen Tanz gerufen wird, voraus.
31 im Jahr 2015 ins deutsche Gestütbuch eingetragene junge Damen bzw. ihr zweibeiniges Umfeld wollen an den rund 92.000 Euro fetten Final-Kuchen, sodass wie üblich vorab kräftig gesiebt wird. Als roter Faden ziehen sich vier „Qualifier“ um jeweils 10.000 Euro als 4., 6., 8., und 10. Menüpunkt durch die 13-Rennen-Karte; die jeweils ersten Drei dürfen eine Woche später nochmals ran.
Wie üblich wurde für jeden Vorlauf eine Stute gesetzt, was bei einem Trio keine Zweifel offen ließ. Im 2. Vorlauf sticht Avalon Mists derart weit heraus, dass die Frage nach der Siegerin keinesfalls nebulös ist. Dreimal war die Stute aus dem Erfolgsquartier des Paul Hagoort heuer unter Order und warf mit einem zweiten wie fünften Platz im Trabertempel von Vincennes ihren Hut nachdrücklich in den Ring. Für alle „Unkenrufer“ unterstrich sie beim überlegenen Sieg in der Stutenabteilung des Buddenbrock-Rennens ihre Anwartschaft nicht nur für die Setzliste, sondern gar auf den Gesamtsieg. Und weil diese 6. Prüfung um 15.30 Uhr mitten im V7+-Reigen liegt – die neue deutsche Großwette beginnt mit dem 2. Rennen um 13.50 Uhr – werden ihr nicht nur in der Sieg-, sondern auch der „Königswette“ viele Wetterherzen zufliegen. Als wollte es ihr die Losfee nicht zu einfach machen, hat sie der „fliegenden Holländerin“ die äußerste Startposition „8“ zugeschanzt. Platz zwei ist für Unicorn Diamant machbar; des „Einhorns“ nimmt sich mit Björn Goop einer der besten Catchdriver der Welt an - nicht nur zwölffacher schwedischer Champion, sondern dank Readly Express auch „amtierender“ Prix-d’Amérique-Sieger.
Im Siebener-Feld von Vorlauf 3 (8. Rennen; 16.20 Uhr) wurde Laura Vici gesetzt. Die von Deutschlands Goldhelm Michael Nimczyk gesteuerte Braune hat sich diese Wertschätzung durch einen furiosen Kampf-Sieg in der Damenriege des Adbell-Toddington-Rennens über Isabella Boshoeve redlich verdient. In etwas veränderter Aufmachung belegte sie im bereits angesprochenen Buddenbrock-Vergleich „nur“ Rang drei. Zur schärfsten Herausforderin sollte Bayerns Donna Granata avancieren, die zwei blitzsaubere Siege im Marschgepäck hat. Es sei denn, die stets brandgefährliche Holland-Fraktion um Diablo Simoni, Smilla und Symphonie H hat mit feinem Gespür für den Ernst der Situation gewaltig zugelegt und vermag im Gegensatz zu den vorigen Auftritten gewaltig auf die Pauke zu hauen.
Besagte Isabella Boshoeve nimmt Qualifier 4 (10. Rennen, 17.10 Uhr) als Primadonna in Angriff. Dion Tesselaars Stute war im Vorjahr eine Augenweide und holte sich hier auf der Derbybahn leichten Schritts Auktionsrennen und Jugendpreis; den einzigen „roten Fleck“ auf der weißen Weste gab’s bei der Disqualifikation im Stuten-Preis des Winterfavoriten. 2018 führte sie ihr Arbeitsweg aufgrund ihrer Gewinnsumme ins Ausland. In Holland, Schweden und Frankreich lief sie durchwegs in die Geldränge. Beim einzigen Deutschland-Auftritt zog sie nur haarscharf gegen Laura Vici den Kürzeren und sollte eingedenk dessen für den Vorlaufsieg, der für den Startplatz im Finale von Bedeutung ist, durch niemanden in die Bredouille geraten. Schafft Björn Goop die Sause dorthin als Nummer zwei? Fitforfun wies bei der Hamburger Generalprobe, einem an die 1994er Derby-Siegerin Sunset Lane erinnernden Rennen für dreijährige Stuten, die kurioserweise ebenfalls in diesem Vorlauf vertretenen Smilla und Brétigny um eine halbe bzw. drei Längen in die Schranken - da dürfte das letzte Wort noch nicht gefallen sein.
Mit Cahaya wurde in Vorlauf 1 ein weitere Aspirantin aus dem Lot Dion Tesselaars gesetzt - und das nach lediglich einem Start! Das Debüt als Zweite des Buddenbrock-Rennens hinter Avalon Mists, aber deutlich vor Laura Vici entschied zu ihren Gunsten; nun muss sie sich des Vertrauens des für die Setzliste zuständigen Veranstalters würdig erweisen. Queen for a Day war in jener letzten Derby-Prüfung nach ruinösem Verlauf als Siebente klar abgehängt. Die kleine Schwester des berühmten Orlando Jet wird auf Rache sinnen und beweisen wollen, dass ihre beiden Siege zuvor nicht von ungefähr kamen. Sieben Mal war Intouchable am Start - so häufig wie keine ihre Konkurrentinnen. Neben immenser Erfahrung spricht für sie, dass sie durchweg Prämien eingetrabt hat und viermal tatsächlich „unberührbar“ war, sprich als Siegerin vom Platz gegangen ist. Das lässt fürs 4. Rennen (14.40 Uhr) reichlich Spannung erwarten.
Das leckerste Schmankerl des reichhaltigen Rahmenprogramms ist an 7. Stelle (15.55 Uhr) der Derby-Pokal der Publikumslieblinge - der vierbeinigen selbstverständlich, die in allen Regionen Deutschlands über die Jahre ihre Fans zu begeistern wussten. Mighty Hanover, eine echte Berliner Pflanze - schon ihre Mutter Misty Hanover legte für den Stall Adlermühle Ruhm und Ehre ein -, war 2015 Mariendorfs Traber des Jahres und hat mittlerweile 25 Siege auf dem sieben Jahre jungen Kerbholz. Der ein Jahr jüngere Rainbow Diamant aus dem kleinen Lot des Berliners Dr. Manuach Messengießer hat mit dem aktuell 16.870 Siege schweren Heinz Wewering 14 Mal den Zielstrich als Primus passiert und befindet sich in bestechender Form. Da werden sich selbst Cracks wie der Bayer RitchiRich Diamant (18 Siege) und Gamine Newport, die mit dem Rückenwind von drei frischen Treffern am Stück an die Spree reist, gewaltig strecken müssen.
Unsere Tipps:
1. Houdini Newport – Drachenblut – Horatio Fortuna 2. Janika Bo – Simba Diamant – Lokal Hero 3. Navy Blue – Falco – Fairy Ass 4. Cahaya – Queen for a Day – Intouchable 5. Nordic Jaycee – Hestia R.A. – Varykinow – Kleiner Donner 6. Avalon Mists – Unicorn Diamant – Uptoheaven Diamant 7. RitchiRich Diamant – Rainbow Diamant – Garmine Newport 8. Laura Vici – Donna Granata – Lightning Bo 9. Bruce Simoni – Pepper K.L. – Power of Rhythm 10. Isabella Boshoeve – Fitforfun – Calamintha 11. Tiffany Diamant – Fire Lane – Paco Jet – Marimba 12. Gustavson Be – Little Danny – Tequila F. 13. Highlander Boko – Irabelle – My Star
Sonntag, 29. Juli 2018: 3. Tag des Derby-Meetings
Stall Nimczyk contra „Oranje“
Gesetzt im zweiten Vorlauf zum Traber-Derby 2018: Very Impressive S und Fahrer Cees Kamminga (Foto: Lingk)
So oder ähnlich könnten die Überschriften lauten, läuft es in den vier Vorläufen zum trotto.de 123. deutschen Traber-Derby so, wie es sich die Setzkommission bei der Startplatzauslosung am Freitag vorgestellt hat. 33 Hengste und Wallache - erneut wagt keine Stute den Gang gegen das starke Geschlecht um den letztlich mit rund 216.000 Euro gefüllten Final-Topf - müssen eine Woche vor dem Blauen Band die Karten etwas nachhaltiger auf den Tisch legen. Von ihnen ist Great Gatsby As als mit 320 Euro ärmster Schlucker der Proposition gemäß der einzige, der aus Startreihe zwei los muss.
Aus vier Vorläufen, die als 4., 6., 8. und 12. Rennen das Gerüst der um 13.00 Uhr gestarteten 14-Rennen-Karte bilden, qualifizieren sich die jeweils besten Drei für den Endlauf. Die vier vermeintlich Stärksten (unterstrichen) können frühestens am Derby-Sonntag die Klingen miteinander kreuzen. Bei drei Kandidaten war die Lage glasklar. Ausgerechnet Wackelkandidat Emilion eröffnet den Reigen im 1. Vorlauf (4. Rennen; 14.20 Uhr). Über die läuferische Klasse des von Jean-Pierre Dubois gezüchteten Braunen aus dem Stall von Bahneigentümer Ulrich Mommert gibt es keine zwei Meinungen. Platz zwei in der Breeders Crown 2017 hinter Mister F Daag und zwei heurige Siege in Gelsenkirchen unterstreichen dies. Genauso unstrittig ist, dass der Sam-Bourbon-Hengst leicht aus der Fasson zu bringen ist, wie drei rote Karten im Fahrtenbuch beweisen. Die letzte handelte er sich beim kapitalen Startfehler im Buddenbrock-Rennen ein. Was er danach - praktisch außer Konkurrenz mitlaufend - zeigte, bewog die Verantwortlichen, ihn in den Kreis der vier schweren Jungs aufzunehmen. Wie der Zufall es wollte, hat er mit Ids Boko den Aspiranten zugelost bekommen, den man sich ebenfalls als Gesetzten hätte denken können - er war schließlich die Nummer drei der großen Derby-Generalprobe. Monsieur Dubois hat das Los ebenfalls in diesen Vorlauf verfrachtet - mit seiner wohl schwächeren zweiten Waffe Laurel Park.
Keine Diskussionen gab es hinsichtlich Very Impressive S, dem Gesetzten in Qualifier 2 (6. Rennen, 15.10 Uhr). Sehr beeindruckend war es in der Tat, wie der Schwarzbraune erst in einem Trial und eine Woche später im Buddenbrock-Rennen vom Leder zog. „Er wird mit jedem Start besser“, hatte sein Trainer Cees Kamminga nach dem Trial versprochen und hielt Wort: 1:12,9 war eine überdeutliche Ansage an die Konkurrenz, und Kamminga weiß, wie man deutsche Derby-Sieger „baut“: 2004 konnte er als Trainer schon einmal dank Ambassador As den renommiertesten deutschen Lorbeerkranz an seine Stalltür nageln. Da dürfte es für den Rest, von dem sich vielleicht der Schwedens Meisterfahrer Björn Goop anvertraute Standbyme als zweite Kraft entpuppt, nur um „Silber“ und „Bronze“ gehen.
Ein Déjà-vu zum 1. Vorlauf gibt’s in Elimination 3 (8. Rennen, 16.00 Uhr). Erneut kommt mit Chapter One der Gesetzte aus dem Stall Mommert/Nimczyk, ist wie Emilion von Dubois senior gezüchtet und hat seine Generalprobe am 1. Juli im Galopp vermasselt. Was der Wallach allerdings zuvor beim PMU-Sieg gegen ältere Semester und beim überlegenen Triumph im Adbell-Toddington-Rennen 3½ Längen vor Very Impressive S gezeigt hat, war schlichtweg eine Offenbarung. Erneut kann „Monsieur Dubois“ aus nächster Nähe begutachten, was für einen Kracher er 2015 gezüchtet hat: Er ist mit City Guide dabei, der in Italien vier Siege am Stück von der Spitze weg eingeklinkt hat, dann nach Frankreich ging und dort ein ums andere Mal kräftig die Leviten gelesen bekam. Nun ist der startschnelle Bursche erstmals rechtsrum auf Arbeit, und die vergleichsweise kurze Mariendorfer Zielgerade dürfte dem Bruder des vorjährigen Derby-Trostlauf-Siegers Classic Connection bestens munden. Optisch besser steht Officer Stephen da, der erst in dieser Saison in den Rennbetrieb eingestiegen ist und bei fünf Auftritten lediglich einmal einen Bezwinger fand.
Auf die Präsentation des heißen Derby-Favoriten Mister F Daag muss das geneigte Publikum bis zum 4. Vorlauf (12. Rennen, 17.45 Uhr) warten. Auf den ersten Blick sieht die 2018er Bilanz des vorjährigen Breeders-Crown- und Winterfavoriten-Triumphators nicht überragend aus. Jeweils ein erster, vierter und fünfter Rang - da haben andere eine wesentlich bessere Zahlen im Bordbuch stehen. Fast 40.000 Euro fielen dabei an - und schon ist das Rätsel gelöst: Sämtliche Formen stammen aus dem Schlaraffenland Frankreich von den ersten Adressen Vincennes und Enghien, wobei der Schützling von „Dauer-Derbysieger“ Paul Hagoort durchweg exzellente Kritiken eingeheimst hat. Es grenzte schon an ein kleines, im Rennsport allerdings nicht ungewöhnliches Wunder, sollten ihm Bayerns stärkste Protagonisten Provenzano und Far West, die der Zufall gemeinsam in einen Qualifier verfrachtet hat, oder der Buddenbrock-Zweite Fabio de Pervenche eins auswischen.
Die Kirsche auf dem Preisgeldkuchen bleibt im 10. Rennen (16.50 Uhr) den Satteltrabern vorbehalten. Zum 100. Geburtstag hat sich Mariendorf 2013 das 20.000 Euro wertvolle Derby-Monté spendiert und die Mittelstreckenprüfung seither im Programm belassen. Obwohl die auswärtige Konkurrenz mit dem französischen Ex-Weltrekordler Valdenburg, dem bei lediglich zwei Ausritten als Erster bzw. Dritter in 1:11,6 und 1:11,5 anschlagenden schwedischen Fuchs Star Advisor Joli sowie Conrad Lugauers Victorious Star als Speerspitzen von allerbesten Eltern ist, könnte es wie 2015 durch Greenspan einen deutschen Treffer geben: St-Leger-Sieger Zauni ist nach einer 2017er Saison zum Vergessen von seinem neuen Trainer Manfred Walter im wahrsten Sinn des Wortes umgesattelt worden und mit der deutschen Championesse in dieser Disziplin zu einer Macht avanciert: Mit seiner Tochter Ronja hat der Fünfjährige in Belgien, Holland und Frankreich erstklassige Visitenkarten abgegeben, ist bei elf Ausritten nie ohne Beute heimgekommen und hat mal eben 36.600 Euro verdient. Da werden sich alle warm anziehen müssen…
In Erinnerungen schwelgen heißt es im 7. Rennen um 15.35 Uhr, wenn mehr als 30.000 Siege aufeinandertreffen. Im Derby-Pokal der Oldies sind nur Chauffeure jenseits der 60 Jahre zugelassen, wobei fast alle Teilnehmer noch im Rennwagen aktiv sind. Heinz Wewering (68) mit Unstoppable, Gerd Biendl (61) mit Marie Galante, Hendrik Grift (71) mit Fast and Furious, Jean-Pierre Dubois (78) mit Lordano Ass sollten den Sieg unter sich ausfechten - oder zieht Ex-Europameister Manne Zwiener sie in seiner Heimatstadt allesamt mit Late Night Show am Nachmittag über den Leisten?
Und dann ist da noch Hannah Hazelaar, das zweite Pferd der 2017 nach dem Vorbild der schwedischen Travkompaniet ins Leben gerufenen, über die gesamte Bundesrepublik verstreuten Besitzergemeinschaft TraberParti. Sollte die von den Nimczyks gemanagte Stute tatsächlich im 11. Rennen den sechsten Sieg aus elf Versuchen feiern, dürfte es kurz nach 17.20 Uhr im Winner Circle proppenvoll werden: Natürlich sind alle Miteigner herzlich eingeladen, dann eine ausgiebige Jubel-Party steigen zu lassen.
Unsere Tipps:
1. Ivonne Dragon – Kartell – Inshallah H 2. Dismoiouicheri – Richard Parker – Genever 3. Iceman Bo – Krabat – Super Trader 4. Emilion – Ids Boko – Crazy and Qick 5. Graf Bismarck – Atlantic CG – Marinah – Percy LB 6. Very Impressive S – Standbyme – Bleu Roi 7. Fast and Furious – Marie Galante – Unstoppable 8. Chapter One – Officer Stephen – City Guide 9. Be Happy – Payet – Paavo Nurmi 10. Star Advisor Joli – Zauni – Victorious Star – Winston Laser 11. Helene des Moeres – Hannah Hazelaar – Victory Moko 12 Mister F Daag – Fabio de Pervenche – Far West 13. Jiliane – El Raul – Apollonia 14. Ice Greenwood – Best Kept Secret – Bella Romantica
Der SV Tasmania schloss die abgelaufene Saison mit der unrühmlichen Serie von nur einem Punkt aus acht Partien ab. Unter der Leitung von Tim Jauer, der erst zu Jahresbeginn das Traineramt bei der 1. Herren übernommen hatte, waren die Neuköllner dabei zuerst gut in die Rückserie gestartet.
T. Jauer
Im Interview mit Berlinsport Aktuell spricht Jauer über sein schwieriges erstes Halbjahr in der Berlin-Liga sowie die Qualität und die Möglichkeiten des mit einigen Neuzugängen bestückten Kaders für die Spielzeit 2018/19. Das Gespräch fand letzten Samstag nach dem Testspielsieg beim BSC Süd 05 statt.
Allein in den letzten beiden Spielzeiten der Berlin-Liga schnitten die Mahlsdorfer mit 78 und nun 80 Punkten ganz stark ab - mussten sich in der Endabrechnung aber jeweils einer "Übermannschaft" (2017 Staaken, 2018 Blau-Weiß) geschlagen geben. Da sich eine solche - zumindest zu diesem Zeitpunkt - noch nicht herausgeschält hat, bekommt die Eintracht quasi automatisch die Favoritenrolle für kommende Spielzeit angetragen.
T. Boer
Der Sportliche Leiter Torsten Boer sprach im Interview mit Berlinsport Aktuell darüber, wie man in Mahlsdorf mit dieser Rolle umgeht und was von den Neuzugängen bzw. Rückkehrer Christoph Zorn (nach Verletzung) erhofft wird.
Selbst vom Seriensieger New Dawn nicht zu stoppen: Charlotte Newport gewinnt das KRAFFT Vierjährigen-Rennen. Ihr Fahrer Michael Nimczyk führt noch vier weitere Pferde auf die Ehrenrunde. Total abgezockt: Marc Elias triumphiert im Lauf zum Super Trot Cup und legt mit seiner Stute Bijou Bourbon H.M. eine coole Fahrt hin.
Es war alles andere als die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm: Die Mariendorfer Veranstaltung vor der Derby-Woche (27. Juli bis 5. August) hatte mit dem KRAFFT Sport Original Rennen (12.000 Euro) und dem dritten Lauf zum Super Trot Cup (10.000 Euro) zwei spektakuläre Highlights zu bieten. Garniert wurde das Geschehen auf der Tempelhofer Piste obendrein durch die Einführung der V76-Wette, deren erster Rang zwar nicht getroffen wurde, aber bereits für sechs Richtige gab es 42.311:10 zurück. Eine Vierbeiner-Lady, die von Tag zu Tag besser wird und vor einer großartigen Zukunft steht, strich die dickste Siegbörse ein: Nämlich die von Thomas Holtermann für die Farben von Ulrich Mommert trainierte Charlotte Newport (35:10), die sich mit Michael Nimczyk im Sulky in 13,4/1.900m gegen den von Thorsten Tietz gesteuerten Seriensieger New Dawn (21:10) durchsetzte. Der Deutsche Meister triumphierte mit einem cleveren taktischen Schachzug, denn er übernahm mit der Stute sofort die Spitze und ließ dann ausgangs des ersten Bogens den Widersacher New Dawn vorbei. Eine halbe Runde vor dem Ziel dirigierte Nimczyk Charlotte Newport in die zweite Spur und übte enormen Druck aus, dem sich New Dawn am Ende mit einer halben Länge Rückstand beugen musste. In das Duell dieser beiden Spitzenpferde konnte die drittplatzierte Pearl Stardust (Jaap van Rijn) zu keinem Zeitpunkt eingreifen. Die Dominanz von Charlotte Newport und New Dawn war einfach unantastbar.
Goldhelm Nimczyk herausragend an diesem Renntag
Für Michael Nimczyk war dieser Erfolg die Krönung eines perfekten Tages, denn er hatte zuvor schon vier andere Pferde auf die Ehrenrunde geführt. Gleich zweimal ging es für seine Schützlinge über die Meilendistanz. Der Goldhelm triumphierte zunächst mit TomNJerry Diamant, der sich ausgangs des Schlussbogens an die zweite Position verbessert hatte und im Einlauf in spektakulären 1:12,7 min. souverän an dem Tempomacher Chuckaluck (Victor Gentz) vorbeizog. Der Hengst blieb somit nur vier Zehntelsekunden über dem von Rainbow Diamant im April aufgestellten 12,3-Saisonrekord. Wenig später führte Michael Nimczyk dann Fast and Furious auf die Ehrenrunde, der sich zwar auf 1:14,0 min. steigerte, auf der Zielgeraden aber aus der Fahrspur wich dabei einen Gegner behinderte. Erstaunlicherweise verblieb der Hengst dennoch in der Wertung. Nimczyks weitere Siege ergaben sich mit Free Bird, der sich auf 1:14,8 min. verbesserte und nach einem Idealverlauf als zweites Pferd innen im Einlauf überlegen freimachte, sowie mit Lille Alfred, der Mitte der Gegenseite ernstmachte und in 1:14,5 min. mit riesigem Vorsprung gewann.
Dass er ein feines Händchen besitzt und in seiner skandinavischen Heimat nicht ohne Grund große Aufmerksamkeit erfährt, stellte der 24-jährige Marc Elias im dritten Lauf zum Super Trot Cup mit der für eigene Farben laufenden Bijou Bourbon H.M. eindrucksvoll unter Beweis. Die Kunde von den fahrerischen Klasseleistungen des Sohnes von Conrad Lugauer und seiner Lebensgefährtin Karin war natürlich auch nach Berlin gedrungen und der frische Erfolg seiner Stute in Kalmar war ein zusätzliches Plus, sodass die Vierbeiner-Lady hinter dem 28:10 Favoriten Prince of Persia (Michael Larsen) mit einer Quote von 39:10 an zweiter Stelle rangierte.
Larsens Schützling schien im Rennen zunächst tatsächlich auch der Hauptgegner zu sein. Denn der Hengst hatte sofort die Führung übernommen, während Bijou Bourbon H.M. an dritter Position auszumachen war und ab dem trotto.de-Bogen den schwereren Verlauf in zweiter Spur akzeptieren musste. Doch Marc Elias verrichtete seine Arbeit ohne jegliche Hektik, sondern mit viel Kaltschnäuzigkeit und Nervenstärke. Er wartete mit dem entscheidenden Angriff bis zum Schlussbogen. Prince of Persia hielt zwar noch dagegen, doch Mitte der Zielgeraden war Bijou Bourbon H.M. in 13,4/1.900m endgültig am Piloten vorbei. Für Prince of Persia blieb sogar nur der vierte Platz übrig, denn der Hengst musste auch noch den unterwegs im zweiten Paar außen optimal postierten Den of Warlock (Markus Niklasson) und den innen geschonten Tyrolean Dream (Thomas Panschow) vorbeilassen.
Janus R. A. verblüffend
Eine faustdicke Überraschung gab es in dem aus drei Bändern gestarteten internationalen Rennen, denn weder der trotz optimalen Verlaufs schon im letzten Bogen nicht mehr zwingend wirkende Lighten up Today (Michael Nimczyk) noch der ebenfalls stark gewettete Rainbow Diamant (Heinz Wewering) wurden ihrer Favoritenrollen gerecht. Rainbow Diamant, der mit der für ihn ungewohnten Startmethode überhaupt nicht zurechtkam und daher gleich viele Meter auf die Spitze verlor, lieferte zwar noch eine tolle Aufholjagd ab und belegte den Ehrenrang. Gegen den eine halbe Runde vor dem Ziel von Bernd Warnke gebrachten Janus R.A. konnte er aber nichts ausrichten – der Aleo-Traber zog in 15,1/2.500m mit drei Längen Vorsprung auf und davon.
Tietz siegt mit Gri Maximus - hat mit Favorit Fionaro aber das Nachsehen
Für Thorsten Tietz, für den an diesem Nachmittag nicht alles optimal lief, sprang wenigstens ein Sieg mit Gri Maximus heraus. Der Wallach, der unterwegs zunächst nur an fünfter Stelle auszumachen war, stellte den eigentlich schon wie der sichere Sieger wirkenden Cromwell (Michael Nimczyk) genau auf der Ziellinie.
Marlene Matzky feierte einen spektakulären Erfolg mit dem 205:10-Außenseiter Richard Parker, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Das Publikum ging stattdessen mit dem auf 10:10 herunter gewetteten Favoriten Fionaro (Thorsten Tietz) und nachdem der Derby-Aspirant Ende der Tribünengeraden an Richard Parker vorbei das Kommando übernommen hatte, schien die Welt für seine Fangemeinde noch in Ordnung zu sein. Doch der nur durch einen Kraftakt erreichte Führungswechsel hatte mächtig viele Körner gekostet. Und tatsächlich: Bereits im Schlussbogen sendete Fionaro, der am Ende sogar nur Sechster wurde, akute Notsignale, während sein Konkurrent Richard Parker die übrigen Verfolger unter Rekordverbesserung auf 15,9/1.900m überlegen abfertigte.
Speedpferde siegen in Amateurrennen
Zwei Amateurrennen wurden bei der Veranstaltung ausgetragen. Die erste Prüfung ging an den norddeutschen Gast Hinrich Heitmann, der sich in der jüngsten Vergangenheit in Berlin zwar ziemlich rar gemacht hatte, aber bei seinen wenigen Starts auf der Derby-Bahn jedes Mal sehr erfolgreich agiert. Diesmal schlug der Routinier mit Paco Jet zu, der auf der Schlusshalben immer näher an die Pilotin Fame Greenwood (Hans-Jürgen von Holdt) herankam und die Gegnerin mit dem letzten Schritt bezwang.
Auch das zweite Amateurfahren wurde zur Beute eines Speedpferdes: Navy Blue war von Sarah Kube geschickt aus allem herausgehalten worden und zog im Einlauf mit flinken Schritten an ihren Konkurrenten vorbei.
Gesamtumsatz: 138.848,90 Euro – Bahnumsatz: 47.857,00 Euro – Außenumsatz: 90.991,90 Euro.
Unser Terminhinweis: Es ist bald soweit – die Derby-Woche beginnt! Die erste Veranstaltung des wichtigsten Meetings des deutschen Trabrennsports findet am Freitag, dem 27. Juli statt. Im Mittelpunkt steht das mit 20.000 Euro dotierte Charlie-Mills-Memorial. Beginn ist um 16 Uhr.
Nach einer starken Hinrunde gerieten die Tempelhofer in der zweiten Saisonhälfte 2017/18 mit zunehmender Dauer in einen Abwärtstrend. Am Ende blieb nur der 7. Platz - Zeit also, sich für die kommende Spielzeit neu aufzustellen.
M. Wilke
Trainer Marco Wilke sprach vergangenen Mittwoch nach dem Test bei Tennis Borussia (2:5 nach vorherigem Regenguss, s. großes Foto) über vergangene Saison, Zu- und Abgänge sowie eine Zielsetzung für die Mannschaft vor dem Start der neuen Serie.
Die Süd-Neuköllner zeigten in der abgelaufenen Spielzeit zwei Gesichter: eine starke Hinrunde inklusive eines siegreich gestalteten Pokalkrimis gegen den Oberligisten SC Staaken (6:5 n. V.) - und eine schwache zweite Saisonhälfte mit nur zwei Siegen. Unter dem Strich stand am Ende der 10. Platz in der Berlin-Liga 2017/18. Nun vollzieht der TSV zur kommenden Spielzeit einen kleinen Umbruch im Kader.
A. Müller
Trainer Aaron Müller sprach im Interview am Sonntag vor einer Woche (nach dem 1:1 im Test gegen Staaken) mit Berlinsport Aktuell über die Vorbereitung, bisher feststehende Zu- und Abgänge und ein mögliches Ziel für 2018/19.