Autoren-Archive: Hagen Nickele

Freitag, 2. August 2019 - 5. Tag des Derby-Meetings

Holländisches „Meisje“ düpiert die Favoritinnen

Ilja Medo setzte sich als Außenseiterin mit Fahrer Hugo Langeweg im Bruno-Cassirer-Rennen durch (Foto:©Marius Schwarz)

Die von Hugo Langeweg jun. gesteuerte Stute Ilja Medo gewinnt das als „Wettstar by PMU – Trophy“ gelaufene Bruno-Cassirer-Rennen. Das Duell zwischen Michael Nimczyk und Jörgen Sjunnesson endet 4:4 – Errakis mit dem dritten Meeting-Sieg – Sarah Kube gewinnt den Derby-Pokal der Amateure.

Mittelpunkt des Abendprogramms, das nach anfänglichen Regengüssen unter trockenen und bis Einbruch der Dunkelheit sonnigen Bedingungen fortgeführt werden konnte, war die sich an Stuten bis 20.000 Euro Gewinnsumme richtende Wettstar by PMU-Trophy - um mal mit dem Künstler Prince zu sprechen „formerly known as“ Bruno-Cassirer-Rennen, mit dem seit langem Mariendorfs erstem Retter (1913) und langjährigem Präsidenten (bis 1933) gedacht wurde.

Schon der Vorlauf für die „armen Girls“, jene bis maximal 8.000 Euro Gewinnsumme, hatte es in sich. „Sie kann laufen, wo Sand ist und wird gewinnen“, hatte Woodbrown Beautys Züchter, Besitzer und Trainer Frank Ostermann klipp und klar vorab kundgetan, und sein „Verwandler“ Jörgen Sjunnesson und die fünfjährige Goetmals-Wood-Tochter hielten Wort. Start-Ziel war das Gespann eine Macht, legte enormes Tempo vor und erstickte alle Angriffsversuche rabiat im Keim. Am besten vom Rest hielt sich Cora Sun, die einen gewaltigen Abstand zur durch einen „Platten“ gehandicapten Dritten Ida F Boko und den übrigen Finalistinnen Gingerbell und Uptoheaven Diamant hatte.

Genau so kernig verlief Qualifier 2, in dem Lucky Lady Blue unterstrich, dass ihr Triumph am 21. Juli über So Keck und Hannah Hazelaar keine Eintagsfliege bleiben sollte. Ausgangs der ersten Kurve in Front gezogen, ließ Hannu Voutilainen bald den mit Super Pro „dauerfeuernden“ Gerd Biendl vorbei, der die stramme Fahrt voll durchzog. Das stellte die hinteren Chargen, zu denen Hannah Hazelaar und die für 2.500 Euro nachgenannte Favoritin Zante Grif zählte, vor unüberwindliche Probleme. Die Italienerin signalisierte in dritter Schlussbogenspur erste Nöte und sprang schließlich im Bemühen, wenigstens das Finale zu erreichen, das brave TraberParti-Girl ließ mal wieder jenes Fitzelchen Spritzigkeit vermissen, das auf diesem Level notwendig ist, und eine ernüchterte Besitzergemeinschaft zurück. Anders Lucky Lady Blue, die ratzfatz auf der sicheren Seite war und in tollen 1:13,3 2½ Längen vor ihrem Schatten Ilja Medo, der aus der äußeren Deckung zuschlagenden C’est La Vie C, Super Pro und Queen for a Day durchs Ziel flitzte.

Im 20.000 Euro wertvollen Finale verpasste Ilja Medo, einzig derentwegen Hugo Langeweg junior angereist war, ihrem Trainer Marcel Hauber ein Déjà-vu-Erlebnis: 2018 hatte für ihn Jaap van Rijn mit der inzwischen hierzulande wohlbekannten Gian Luca Pasel die 10.000 Euro Siegprämie eingerannt. Nun folgte ihr die Muscle-Mass-Tochter auf dem Thron. Hollands vielfacher Champion brachte das holländische Meisje blendend aus dem zweiten Band hinter Super Pro unter, die an der 2020-Meter-Startmarke als Einzige noch fetziger in die Hufe kam, und lauerte an der Innenkante mucksmäuschenstill auf ihre Chance. Die kam, als erst Cora Sun beim Angriffsversuch in der letzten Biege aus dem Takt geriet und der teils mit fünf Längen führenden Woodbrown Beauty, deren Kräfte Jörgen Sjunnesson beim zweiten Mal wohl etwas überschätzt hatte, ganz sachte die Luft ausging. Schien es zunächst, als presche Gerd Biendls Super Pro mit Hurra zum Sieg, so konnte es aus ihrem Windschatten Ilja Medo noch eine ganze Ecke besser. Wuchtig ließ die Braune mit der langen, breiten Blesse ihre Kontrahentin um 1½ Längen rechterhand liegen und feierte den bedeutendsten Erfolg der Karriere. Deutlich hinter Super Pro wurde Woodbrown Beauty auch von Lucky Lady Blue und Queen for a Day eingesammelt, so dass die ersten vier Prämien allesamt an mit 20 Meter Zulage bedachte Ladys gingen. „Zum ersten Mal hat Marcel sie mit Zugwatte ausstaffiert - das hat prächtig hingehauen“, strahlte der 35jährige „Junior“, „ausgangs des Schlussbogens war ich mir meiner Sache ziemlich sicher, obwohl Super Pro dort noch stramm unterwegs war. Heute abend wird bei der Strohballen-Party kräftig gefeiert.“

Mächtig nasse Füße bekamen die acht Trotteurs Français, deren Auftaktprüfung von kräftigen Regengüssen begleitet wurde. Das machte Favorit Fighter Pilot wenig aus, den Mykola Volf durch die Todesspur schickte und der den Versuch Diego du Bellays, aus dem Fahrwasser von Tempomacher Elixir d’Andain abzustauben, mit letztem Einsatz zum Scheitern verurteilte. Gut abgetrocknet war die Pferde-Avus dann, als die 13 „ärmeren“ Franzosen-Traber zum Kehraus der V7+-Wette antraten. Die beiden Favoriten Fanny Hill und Errakis ließen sich weder durch eine zehnminütige Verzögerung wegen „Geschirrarbeiten“ noch einen Fehlstart aus der Façon bringen. Von der „8“ brachte Nimczyk Fanny Hill fliegend ab, aber auch Jörgen Sjunnesson hatte den diffizilen Errakis von der „13“ auf dem richtigen Fuß erwischt, fand eine exquisite Passage durch die vor ihm beginnenden Kandidaten, knöpfte der Un-Mec-d’Héripré-Tochter für die Schlussrunde die Spitze ab und hielt die Pace fortan enorm hoch. Einzig Fanny Hill und Eternity de Ginaï vermochten ihm auf den Fersen zu bleiben, und die tapfere Fanny Hill inszenierte gar einen tollen Angriff. Die beiden Fahrer des Abends boten ein begeisterndes Finish, an dessen Ende Errakis mit „Hals“-Vorsprung seinen dritten Meeting-Sieg in der Scheuer hatte und Sjunnesson zum 4:4 gegen Deutschlands Spitzenreiter ausglich.

Die erste saftige Überraschung ließ nur bis zum 2. Rennen auf sich warten. Beim Total-Ausfall der Gemeinten Quick Winner, der schon vor dem Ab galoppierte, und dem nach einer Runde mit Atemproblemen angehaltenen Oscar L.A. nutzte Catchdriver Jörgen Sjunnesson die „Kistenfahrt“ mit Iban Beuckenswyk, schlug aus der Deckung hinter Taktgeber Jeremy Dragon kurz und trocken zu und verschaffte dem Wallach beim zehnten Auftritt die erste Siegerschleife seines Lebens. Der Totalisator notierte den zweiten Sieg-Fall des Abends mit 599:10. Auch die zweite Fuhre als Ersatzmann für Manfred Walter verwandelte der Catchdriver aus Schwedens Süden, der sich in Berlin längst einen prominenten Namen gemacht hat. In einem Vier- und Fünfjährigen-Vergleich pochte er mit Caviar’s Dream unerbittlich auf die Führung und hielt den einmal eroberten Vorteil eisern bis ins Ziel gegen die auf ihn eindringenden Heine Attack und Oxidizer fest, an dem sich der innen keine freie Bahn findende Uno per te Diamant hauchdünn vorbeischob. Zwei Starter, dank Sjunnesson zwei Sieger - bei Besitzer Norbert Gehrmann könnte nach diesem traumhaften Abend durchaus Kaviar satt aufgetragen werden.

Bei strahlendem Sonnenschein war im 4. Rennen, dem Pokal der Vier- und Fünfjährigen, endlich „Goldhelm-Zeit“. Zum sechsten Mal bei ebenso vielen Starts nahm sich UBetterWin Diamant seinen Namen schwer zu Herzen; von Michael Nimczyk mit Verve losgelassen, war der Vierjährige, ein Spross des amerikanischen Spitzendeckhengsts Muscle Hill, nach 200 Metern vorn und regelte alles nach Belieben, ohne an Grenzen gehen zu müssen. Genauso leicht fiel dem 33jährigen der nächste Treffer mit Izzi’s Newport; über die Meile brauchte er 300 Meter, um G.G.‘s Victoria aus der Pole Position zu schubsen, schläferte fortan die Konkurrenz ein und setzte sich im Einlauf spielerisch ab. Treffer Nummer drei war mit Nada más fällig, der seinen Namen („nichts mehr“) konterkarierte und „viel mehr“ als alle anderen auf der Pfanne hatte. Aus Startreihe zwei ging’s gemütlich los, nach 400 Metern war’s vorbei mit der dezenten Zurückhaltung. Zügig rückte der Neffe von Derby-Sieger Nu Pagadi und Bruder Comanche Moons im ersten Bogen vor, übernahm 1100 Meter vorm Ziel die Spitze und verabschiedete sich leichtfüßig vom Rest, von dem sich über weite Wege Donna Leone H am effektivsten hielt.

"Goldhelm" Michael Nimczyk strahlte nach dem Derby-Marathon-Pokal im Winners Circle mit Laurel Park (Foto:©Marius Schwarz)

Der nächste Punkt für den gefräßigen Goldhelm war im Derby-Marathon-Pokal über die 1978 letztmals geforderte Derby-Distanz von 3200 Metern fällig, in der die Vorentscheidung trotz der „2½ Runden rum“ nach 500 Metern fiel. Dort wuchtete Nimczyk seinen Laurel Park vor Nico Way an die Spitze, der anschließend als „erster Gänserich“ lange gemütlich dahinschlendern durfte. 1:09,7 für die letzten 400 Metern, dazu ohne Check und rundum barfuß aufgeboten, „womit er sich richtig wohl fühlt“ - da kam keiner mit dem von Jean-Pierre Dubois 2015 gezüchteten Großneffen der Moni Maker auch nur annähernd mit, dem 1:16,4 genügten. „Er ist enorm gereift und hat sich prächtig entwickelt. Läuft alles glatt, steht er vor einer bemerkenswerten Zukunft“, resümierte Nimczyk für den Benjamin des Feldes, der gerade 16 Starts auf dem braunen Buckel hat.

Beim einzigen Programmpunkt für die Amateure, dem achten und letzten Lauf des Derby-Pokals der Amateure, flutschte es für den frischgebackenen internationalen Amateurmeister Andre Pögel wie auf Öl. Trat er mit Perfect Hall die Spitze zunächst an William Scott ab, so holte er sie sich nach 600 Metern zurück, hielt die Pace durchweg hoch und verurteilte den Umsturzversuch seines Schattens locker zum Scheitern. Zum Gesamtsieg reichte es jedoch nicht. Den holte sich Sarah Kube mit 41 Zählern vor Ande Pögel (29) und Dr. Marie Lindinger, die einen Strich weniger auf dem Kerbholz hatte.

Wie stets gilt der letzte Blick dem Totokassen: Bei 13 Rennen flossen 2018 15.000 Euro mehr durch die Kassen. Allerdings dürften damals vier nach Frankreich übertragene und über die PMU zu bewettende Prüfungen einiges an Umsatz abgezogen haben, so dass das 2019er Plus pro Rennen von knapp 1.000 Euro mit Vorsicht zu interpretieren ist.

Umsatz bei 12 Rennen: 330.442,33 Euro (incl. 184.452,28 Euro Außenumsatz)


Donnerstag, 1. August 2019 - 4. Tag des Derby-Meetings

Yen zweimal hoch im Kurs

André Pögel und Yen gewannen die Internationale Meisterschaft der Amateure (Foto:©Marius Schwarz)

Die Stute gewinnt mit André Pögel Vorlauf und Finale der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure und sorgt so für ein tolles Geburtstagsgeschenk für Karin Walter-Mommert. Der Shootingstar-Cup geht an den Lasbeker Hengst Naheed und seinen Trainer Josef Franzl. Viermal Michael Nimczyk – Louisa „für Berlin“

Der vierte Tag des Meetings ist seit je her der Tag der Amateure, die vier der zwölf Prüfungen vor der Brust hatten. Die „Aufwärmübung“ vor der 1997 ins Leben gerufenen Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure holten sich wie bei 18:10 erwartet Fionaro und Sarah Kube, die sofort nach dem „Ab“ das Zepter vor Bonanomi CG in die Hand nahmen. Ein Walkover wurde es jedoch nicht, denn auf der Zielgeraden setzte die Bayerin dem Berliner hartnäckig zu, der sich hauchdünn ins Ziel rettete.

Im mit 25.000 Euro höchst dotierten Amateurfahren der Republik hingegen stand die Form Kopf. Der Sieg Volare Gars im chronologisch gesehen ersten und nach Ausschreibung 2. Vorlauf für 3,9fachen Sieg-Einsatz war zunächst alles andere denn eine Überraschung. Ein kleines Kuddelmuddel, das die in zweiter Spur galoppierende Opalis im ersten Bogen auslöste und dessen Leidtragender der außen neben ihr postierte Baxter Hill war, nutzte Thomas Maaßen konsequent, um den Fuchs aus der inneren Falle zu bugsieren. Auf ein Führpferd hatte Super Queen C bzw. Leonie Kalis ohnehin gewartet - nun war‘s eben nicht wie gedacht Baxter Hill, der durch die Todesspur ackern musste, sondern der seit Monaten die exquisite Form haltende Wallach des Stalles Habo. Mit dem ließ sich Deutschlands Amateurchampion die Butter nicht vom Brot kratzen und gewann mit angezogener Handbremse vor der außen fliegenden Gian Luca Pasel, Super Queen C, Baxter Hill und Hedy Beuckenswyk.

Zwei stolze Serien rissen unmittelbar darauf in Vorlauf 1. Neunmal in Folge war Very Special One nicht zu boxen gewesen, doch entpuppte sich Startplatz „1“ als Gift für den Hengst, den man nach den öffentlich kolportierten Transportproblemen von Seiten des Veranstalter zum Schutz der Wetter ruhig hätte ohne Wetten laufen lassen können. Als innerer Dritter hinter Co-Favorit Provenzano und dem wie ein Pfeil in Front geflogenen Hercules Petnic, der die Fahrt enorm drosselte, waren ihm (zu) lange die Hufe gebunden. Als endlich ganz weit außen die Ampel auf Grün sprang, waren die ersten beiden Plätze fast schon vergeben. Wie Peter Platzers Main-Wise-As-Sohn „j.w.d.“ die Beine in die Hand nahm und bis auf eine halbe Länge heranbrauste, war genauso großes Kino, wie Yen aus der Deckung kämpfte wie eine Löwin und für 25,3faches Aufgeld den vom Fleck weg führenden Hercules Petnic in die Knie zwang. Auch dahinter setzte es eine kleine Überraschung, denn Provenzano konnte seine sechsfache Siegesserie nie recht bestätigen und erreichte hinter Indira OE als Fünfter gerade so den Endlauf, den Yen erneut als ziemlich unbeachtete Außenseiterin in Angriff nahm.

„Ich fand die beiden Vorstellungen nach der mehr als einjährigen verletzungsbedingten Pause, nach denen Yen schon abgesungen worden war, nicht so schlecht“, konstatierte Andre Pögel nach dem Vorlauf, „von Startplatz ‚9‘ war die Defensiv-Taktik ohnehin zwingend vorgegeben, und die hat ihr sehr geschmeckt.“ Allein, dem Wettvolk fehlte der wahre Glaube, die auf dem Gestüt Westerau des Dr. Friedrich Gentz zur Welt gekommene große Schwester des im Derby-Trostlauf startenden ManU könne im Finale noch einmal solch einen Husarenritt hinlegen, und schickte sie für 216:10 los. Konnte sie aber doch - und wie! Im ersten Bogen übernahm die blendend aus dem Band gekommene Tochter von Hambletonian-Sieger Scarlet Knight das Sagen vor Hercules Petnic, während Volare Gar gemeinsam mit Hedy Beuckenswyk alle Chancen am Start verstolperte, und konnte ziemlich unbedrängt ihren Stiefel durchziehen.

Erstes Stirnrunzeln bei den Wettern, als Peter Platzer mit dem auf utopische 10:10 heruntergehandelten Very Special One in der Todeslage 600 Meter vorm Ziel erstmals nachfassen musste, derweil für Yen die Aktien bis ins Ziel extrem hoch standen. Ganz leicht setzte sie sich zum siebenten Sieg aus gerade mal 19 Starts ab, der ihr Konto auf 32.330 Euro pushte, und bescherte dem Hufschmied seinen zweiten Erfolg in diesem Klassiker: Schon 2002 hatte er mit Speed of Shogun das heißeste Eisen im Feuer gehabt. Aus der Meute der Genasführten hielt Hercules Petnic den Ehrenplatz eisern gegen Very Special One und die lediglich einen Hauch zu spät kommende Gian Luca Pasel fest. Nie den rechten Zugriff auf die vorderen Matadore hatte trotz zweier Zugpferde Baxter Hill, der die letzte Prämie einstrich.

Großer Bahnhof und Küsschen für Pferd und Fahrer von Geburtstagskind Karin Walter-Mommert, der „Mutter der Kompanie“ der Mommert-Pferde, die sich kein schöneres sportliches Geschenk vorstellen konnte und spontan den Ertrag ihrer 20-Euro-Siegwette der Kinderkrebshilfe spendete.

Andre Pögels Dank galt „Familie Mommert, die mir das Vertrauen geschenkt hat, Yen nach der langen Pause zu steuern, sowie Thomas Holtermann und seinem Team, die einen fantastischen Job gemacht und Yen trotz der vielen und langen Unterbrechungen zurück auf einstige Höhen geführt haben. Aus im Grunde fast zwei Jahren Pause gelingt nur den Wenigsten ein derartiges Comeback.“

Der Shootingstar kommt aus Lasbek

Der zum zweiten Mal seit seiner Gründung 1997 ohne Vorläufe entschiedene Shootingstar-Cup wurde zum Schaulaufen des Lasbekers Naheed, der mit dem Pfund dreier souveräner Hamburger Saisonerfolge angereist war und die Flüsterpropaganda, er gehe rechtsherum noch einen Tick stärker, „aufm Platz“ gnadenlos unterstrich. Dabei lief’s anders als von Josef Franzl geplant, denn der mächtige Sohn des amerikanischen Super-Vererbers Muscle Hill kam an Tempomacher L’Amicus einfach nicht vorbei und bolzte den Großteil des Wegs mit der Nase im Wind durch die Außenspur. Beim fünften Start „lifetime“ gegen viel erfahrenere Kontrahenten ein nicht unerhebliches Risiko, das der Vierjährige auf die leichte Schulter nahm. Er zerlegte den Leader und gab derart entschlossen Fersengeld, dass auch die übrige Konkurrenz um die besseren Plätze in Form von Ignacio und I can steel nur das staunende Nachsehen hatte. „Weil ich nicht wie gedacht in Front kam, musste er außen rum. Er ist ein enorm starker Bursche, der seinen Weg machen wird und aufgrund seiner Größe sicher noch ein wenig Zeit zur Entwicklung braucht. Ich denke, er ist im nächsten Jahr richtig gut“, gab Lasbeks Gestütstrainer einen Vorgeschmack auf die hoffungsvolle Zukunft Naheeds, der Shootingstar-Vorbilder wie Indio Corner, mit dem sich Franzl erstmals auf der Siegerliste verewigt hat, Celebrate Light, Celestial Dreams, Arc de Triomphe, Indio Corner, Out of the Slums hat.

Mit 30 Kandidaten stark nachgefragt war die Zweitauflage des Handicap de Luxe, dessen 1. Vorlauf Start-Ziel von der an Startplatz „8“ mit vollen Segeln lospreschenden Ghislaine dominiert wurde. Michael Nimczyk konnte unterwegs die Fahrt enorm drosseln, so dass die kapitale Stute genug Reserven hatte, sich den über die dritte Schlussbogenspur heran raufenden Longhire knapp, aber sicher vom Leib zu halten. In Abteilung 1 des 2. Vorlaufs vermochte Taj Mahal Diamant den ersten harschen Angriff Escudos auf die Spitze 300 Meter lang abzuwehren, bis Robbin Bot ein Einsehen hatte und den Wallach dahinter einparkte. Im Einlauf behielt der Diamond-Way-Sohn dann doch nach langem Gerangel deutlich vor dem Rest, von dem Kleiner Donner den Handicap-Spezialisten Campione um Platz drei düpierte, um eine halbe Länge die Oberhand.

Abteilung 2 wurde von den beim „Ab“ galoppierenden Ring the Bell und Obsession Eden gründlich durchgeschüttelt. Aus Startreihe zwei fand Thomas Panschow für Louisa eine tolle Passage und parkte sie im ersten Bogen als innere Zweite ein. Mitte der Überseite nach außen beordert, nahm sich die fest auf der Derby-Bahn stationierte „gute Louise“ die führende Senorita Diamant zur Brust und marschierte im Einlauf auf und davon - „Bestätigung wie Belohnung dafür, dass sie kaum einen Mariendorfer Renntag auslässt und fast immer gegen viel stärkere Pferde in den Ring steigt“, wie Quotenschreck Thomas Panschow berichtete, der sich mit der nicht immer ganz einfach zu handhabenden Stute prima eingefummelt hat.

Vier Schleifen für den Goldhelm

„Auf der Demo“ war im Rennen der Gewinnarmen Cruzado, der aus Startreihe zwei wie ein Messer durch weiche Butter durchs Feld schnitt und in der ersten Kurve auf dem Regiestuhl saß. Dort schlug Michael Nimczyk mit dem Timoko-Sohn nach zwei sehr langsamen Abschnitten für die finalen 500 Meter einen Takt an, dem niemand auch nur annähernd gewachsen war. Wie auf der Parade spazierte der Braune turmhoch überlegen zum ersten und sicher nicht letzten Erfolg seiner gerade erst begonnenen Karriere. Die Hoffnungen der „Königswetter“ waren bereits in der 3. Runde passé, als Manfred Zwiener mit 348:10-Außenseiter Cognac Simoni aus der Deckung den entscheidenden Schnaps spritziger ging als die fürs Tempo zuständige Vorderfrau Flatrate AV.
Nach zahlreichen „Longshots“ gab’s zunächst in der Mamma-Mia-Trophy eine Dreierwette zum Abschreiben von der Quotentafel. Start-Ziel aufs Ganze ging Rudi Haller mit Pompano Julian, übernahm im ersten Bogen das Kommando und hielt das Tempo durchweg so hoch, dass Stradivari ebenso wenig zur Attacke schreiten konnte wie der durchweg hinter dem Juliano-Star-Sohn liegende Candyman Hornline. Dass Michael Nimczyk dennoch zum dritten Mal im Winner Circle vorstellig werden sollte, lag an der nachträglichen Herausnahme Pompano Julians, der bei der Kommandoübernahme im ersten Bogen Little Danny über den Senkel gefahren war.
Sieg Nummer vier, zugleich den neunten Streich im Meeting, bescherte dem amtierenden deutschen Champion im unvermeidlichen Match der Franzosen-Traber Birdy de Neuilly. Der Crack der in letzter Zeit kräftig investierenden Anne Lehmann ließ sich über den langen 2500-Meter-Kanten weder von 20 Meter Zulage noch der Todesspur für die letzte Runde schrecken und war längst im sicheren Hafen, als die ewig eingesperrte Erha d‘Antan endlich frei und auf Touren kam.

Zufrieden dürfte der Veranstalter bei Kassensturz gewesen sein: Mit „4,5 Mille Plus“ gegenüber 2018 stoppte der wegen der elftägigen Unterbrechung des Meetings vorab nicht unerwartete Abwärtstrend der ersten drei, fast schon in graue Vorzeit entschwundenen Tage. Und weil wiederum niemand alle sieben Sieger der V7+-Wette zu prognostizieren vermochte, wurde ein neuer Jackpot von 8.763,31 Euro generiert, der für eine der nächsten Königsdisziplinen des Wettens den Rubel, der in „modern times“ ein Euro ist, weiter kräftig rollen lassen wird.

Umsatz bei 12 Rennen: 307.265,37 Euro (incl. 188.444,92 Euro Außenumsatz)

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)

SAMSTAG, 3. AUGUST 2019. 6. TAG DES DERBY-MEETINGS

DER GOLDHELM VOR DEM ERSTEN SIEG IM STUTEN-DERBY?

"Goldhelm" Michael Nimczyk und La Grace sind die Topfavoriten im Stuten-Derby 2019 (Foto: ©www.lingk.com)

DER TROSTLAUF: EINE SACHE FÜR JACKY BROS? – SUPER TROT CUP UM 70.000 EURO – MONTÉ-DERBY MIT TITELVERTEIDIGER ZAUNI – GRANDIOSES GOTTLIEB-JAUSS-MEMORIAL

Das Derby-Meeting biegt am Samstag mit einem 14-Rennen-Menü (Start des 1. Rennens - Finale des 2. Handicap de Luxe - um 13.00 Uhr) in die Zielgerade ein. 24 Stunden vor dem zum 124. Mal ausgetragenen deutschen Traber-Derby kämpfen im Stuten-Derby (11. Rennen, 17.14 Uhr) jene zwölf 2016 geborenen Ladys um 82.775 Euro, die sich vor zwei Wochen in vier Vorläufen qualifiziert haben. 1989 als eigenständiges Stuten-Derby installiert, wird mit ihm als Arthur-Knauer-Rennen eines havelländischen Züchters und Funktionärs gedacht, der unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Wiederaufnahme des hiesigen Rennbetriebs beteiligt war. Der „Vorname“ Eduard Winter erinnert an den Berliner Unternehmer und Vater Marion Jauß‘, die ihrerseits als Besitzerin, Züchterin, Amateurfahrerin und Sponsorin seit Jahrzehnten dem Trabersport verbunden ist - erst jenem Berlins, später zusätzlich dem Norddeutschlands.

Glasklare Vorausfavoritin ist La Grace, die Michael Nimczyk die Gnade zuteil lassen kann, sein erstes Stuten-Derby unter Dach und Fach zu bringen. In dieser Hinsicht ist der achtfache deutsche Goldhelm nämlich noch unbeleckt. Spielerisch leicht gewann sie stramm vorneweg ihren, den schnellsten Vorlauf: „Ich brauchte sie nie zu fordern - da war noch viel Luft nach oben“, strahlte der 33jährige an jenem 20. Juli voller Optimismus. So, wie sich die vom Franzosen Jean-Pierre Dubois gezüchtete Lady auch bei ihren Matches zuvor präsentierte, kann ihm voll zustimmen. Natürlich waren auch die Vorlaufsiege Velten Isabels, die damals ihr erstes Rennen überhaupt bestritt und zweifellos von den frühen Ausfällen der Gemeinten Marylin Monroe Bo und Gwendoline Go profitierte, Klingandes, mit der Heinz Wewering seinen neunten Treffer im Stuten-Derby anpeilt, und vor allem Rock my Dreams aller Ehren wert. Doch La Grace lief nach den Eindrücken des 20. Juli in einer eigenen Liga. Michael Nimczyk, verwandeln Sie!

Der Trostlauf - eine Sache für Jacky Bros?

Zwölf jener Stuten, die sich nicht fürs Finale grande zu qualifizieren vermochten, können sich Trost im mit 10.000 Euro überschriebenen sogenannten Finale B (4. Rennen) holen. Die vor dem Vorlauf-Zug hoch gehandelten Jacky Bros, Marylin Monroe Bo und Gwendoline Go vermasselten sich sämtliche Endlauf-Chancen durch ausgiebige Startgaloppaden und wollen beweisen, dass sie eigentlich ins große Finale gehören. Der Teufel steckt im Detail und kickte, da auch hierfür die Startplätze ausgelost wurden, Marylin und Gwendoline in Startreihe zwei. Da hat Jacky mit dem fast idealen Startplatz „5“ die sehr viel bessere Karte erwischt. Nun muss der erst 24jährige, gleichwohl in solchen Prüfungen sehr erfahrene holländische Shootingstar Jaap van Rijn sie nur noch fehlerlos über die geforderten 1900 Meter bringen.

Offener Super Trot Cup

Der Hammer aus Sicht der Wetter ist die mit dem 8. Rennen beginnende V7+-Wette, in der vom Veranstalter garantierte 35.000 Euro im Wetttopf sind und die die Köpfe vor lauter Grübeln rauchen lassen wird. Schon das Gottlieb-Jauß-Memorial (9. Rennen), mit dem Mariendorf seinem am 12. Juli 1999 tödlich verunglückten 16fachen Fahrerchampion ein Denkmal gesetzt hat, hat es in sich: Massai, Hector Boko, Big Boss As, Arendelle, Kentucky Bo, Osoma und Cachamour sind allesamt harte, sieggewohnte Typen, bei denen es auf Tagesform und Rennverlauf ankommt, wer wem ein Schnippchen schlägt.

Noch schwieriger wird’s im 13. Rennen, dem mit der Rekordsumme von 70.000 Euro ausstaffierten Super Trot Cup, an dem sich heuer sechs Länder beteiligt haben. Über Mailand, Berlin-Mariendorf, Baden bei Wien, das schwedische Jägersro, Wolvega und das dänische Skive zog vom 18. Juni bis 22. Juli der Reigen der Vorläufe, aus denen sich maximal die jeweils ersten Beiden fürs Finale qualifizierten. Das ist demzufolge eine Ansammlung von „Winnern“, wie man sie nicht alle Tage sieht. Da die einzelnen Resultate schwer miteinander zu vergleichen sind, darf reichlich spekuliert werden, wobei dem zugelosten Startplatz über die geforderten 2500 Meter keine gar so große Bedeutung zukommen muss. In Jägersro dominierte Zefiro dei Cedri ebenso leicht wie Durk M Boko in Wolvega, Vincent SM in Mailand und Pocahontas Diamant in Baden. Kniffliger war’s dort bei der ob des großen Andrangs zweiten Ausscheidung für Lord Brodde, und in Berlin kämpfte sich Rainbow Diamant erst mit dem allerletzten Schritt an Desert King vorbei. Es gilt für die Wetter das geflügelte Wort von der Qual der Wahl.

Zauni vor der Titelverteidigung

Keine Wahl, sondern eine klare Sache war Ronja Walters „Ja“ für das Monté-Derby, das sich Mariendorf 2013 zum 100. Geburtstag spendiert hat. Im Vorjahr war sie nach dem Sieg ihres neuen Paradepferds Zauni zu Tränen gerührt, diesmal versucht die deutsche Monté-Championesse, das Kunststück zu wiederholen. Der in zahlreichen französischen Monté-Schlachten gestählte Zauni, inzwischen nur noch unterm Sattel eingesetzt, geht die an 6. Stelle platzierte 20.000-Euro-Aufgabe mit einem frischen und überzeugenden Sieg vom 26. Juli in Wolvega an und sollte seinen härtesten Widersacher in Vivier de l’Oison haben. Dessen Vater Prince de Montfort holte sich 2013 die Premiere; „Sohnemann“, mit 412.580 Euro an Gewinnen der reichste der Neun, steht in Frankreich stets aufs Neue in Gruppe-Prüfungen seinen Mann. Gespannt sein darf man auf Hollands Hochkaräter Hambo Transs R, der durchaus in die engere Entscheidung eingreifen kann, setzt er sein Potential um. Für den mit fünf Jahren jüngsten Aspiranten ist’s die Premiere unterm Sattel.

Kurz nach dem letzten Rennen wird wie üblich kräftig in die Zukunft investiert: Vor der offenen Endellschen Tribüne aus dem Gründerjahr der Trabrennbahn 1913 kommen zur 29. Derby-Auktion 77 Jährlinge in den Ring. Dass durchaus ein Derbysieger dabei sein kann, haben Lotis Photo und Ferrari Kievitshof 2007 bzw. 2015 bewiesen.

Unsere Tipps:

1. Finale “ Handicap de Luxe “
2. King of Times – French Kiss – Magic Love
3. Maxi Cup – So Keck – Slimfit
4. Marylin Monroe Bo – Jacky Bros – Gwendoline Go – Mass Finest
5. Larsson – Glaedar – Oragos
6. Zauni – Vivier de L‘Oison – Hambo Transs R
7. Naama – Versace Diamant – Ibracadabra
8. Fitforfun – La Ballade – Dolly Pop
9. Osoma – Cachamour – Kentucky Bo
10. Soulmate Diamant – Amaja – Rilana
11. La Grace – Velten Isabel – Rock my Dreams – Klingande
12. Nashua – Frosted – Dolce Gabana
13. Zefiro dei Cedri – Vincent SM – Pocahontas Diamant – Fabio Bianco
14. Erha d’Antan – Astasia du Vivier – City du Spatel


Sonntag, 4. August 2019 - 7. Tag des Derby-Meetings

Es ist angerichtet für das Blaue Band!

Alessandro Gocciadoro, neuer Star aus Italien, gilt mit Juan Bros als heißer Kandidat auf den Sieg im Traber-Derby 2019 (Foto:©Marius Schwarz)

Wer gewinnt Deutschlands bedeutendstes Trabrennen? – Knackt Orlando Jet den Bahnrekord? – Derby-Revanche mit Emilion – acht Zweijährige erstmals unterwegs

Zieht ein (Don) Juan in den Winner Circle ein?

Don Juan - in der europäischen Literatur der Typus des Lebemannes und Frauenhelden. Zwei solcher Helden könnten nach Lage der Vorlauf-Dinge das zum 124. Mal anstehende deutsche Traber-Derby unter sich ausmachen: Von den zwölf Aspiranten, die sich vor 14 Tagen in den vier Pflichtübungen durchgesetzt haben und sich im Finale (12. Rennen) um 18.00 Uhr um die ausgelobten Rennpreise von 188.325 Euro balgen, haben zwei Juans, von holländischen Züchtern zur Welt gebracht und ins deutsche Gestütbuch eingeschrieben, ihren Qualifier mit Tschingderassabum gewonnen.

Im schlanken Gang und dennoch exquisiten 1:13,3 erledigte Juan Les Pins die Pflicht und beließ erkennbar noch einige Pfeile für den 4. August im Köcher. Der von Hollands Shootingstar Jaap van Rijn mit viel Umsicht gesteuerte Zögling Arnold Mollemas entsprießt einer noblen Familie: Seine Mutter Pine Spirit, mittlerweile 21 Jahre alt, ist das, was man eine Zuchtperle nennt: Sie gebar schon die Derbysieger Unforgettable (2002) und Expo Express (2011). Werden tatsächlich aller guten Dinge Drei, ist sie auf Augenhöhe mit der legendären Nobleness, deren drei Kinder Gutenberg, Hadu und Lord Pit Walter Heitmann ebenfalls drei Derby-Sieger bescherte.

Dass es tatsächlich so kommt, ist aber noch längst nicht ausgemachte Sache. Er kam (erstmals nach Deutschland), sah (sich Orkan von Haithabu auf den ersten 400 Meter von hinten an) und siegte - in einer Manier, die seinen Anhang in Verzückung geraten ließ. Die Rede ist von Italiens neuem Superstar Alessandro Gocciadoro, der landauf, landab mit seinen Rössern ein ums andere Mal für Furore sorgt und das Blaue Band des deutschen Trabrennsports erstmals nach Italien holen möchte. Auch sein Juan Bros spielte im Vorlauf mit den Gegnern Katz und Maus. Im Ziel trennten ihn vom Zweiten Real Perfect, mit dem Rudi Haller nur darauf erpicht schien, hinter dem Überflieger den Ehrenplatz einzusacken, sage und schreibe 40 Meter. 1:13,4 war das erste und sicher nicht letzte geharnischte Wort des Love-You-Sohnes in Deutschland, der mit zwölf Auftritten der erfahrenste des Dutzends ist und erst einmal ohne Gage heimgekehrt ist.

Mit 1:13,1 avancierte aus der Deckung River Flow zum schnellsten Vorlaufsieger und darf für bayerische Interessen wiederum auf die gewiefte Hand von Lokalmatador Thorsten Tietz bauen. Mit Rancoon kam ein zweiter Bayer nur eine Länge hinter ihm ein. Wie Tietz fehlt auch Rudi Haller noch ein deutscher Derby-Pokal in der Trophäen-Sammlung. Oder macht’s gar der erst viermal geprüfte Velten von Flevo aus dem Besitz der Großbesitzer Bernie Johnston und Sigrid Velten? Das kongeniale Duo Jeroen Engwerda als Vorbereiter und Rick Ebbinge, seines Zeichens amtierender Weltmeister der Professionals, haben den Ganymède-Sohn genau zur rechten Zeit in Top-Form gebracht. Im mit 1:14,6 mit Abstand langsamsten Vorlauf gewann er leicht vorneweg. Das muss nicht mal ein Vorteil sein, denn die schnelleren Sieger hatten genügend Zeit, die Kraftspeicher aufzufüllen. Vom Rest ist in erster Linie Jason Dragon ausersehen, in die Phalanx der Gemeinten einzubrechen. Robin Bakker hatte mit dem im 4. Vorlauf Gesetzten alle Mühe und das Glück des Tüchtigen, nach einem Startfehler gerade so als Dritter ins Finale gerutscht zu sein.

Trost für Otero oder Gladiateur?

All jene, die den Cut für die Riesenbörse nicht geschafft haben, dürfen im mit 20.000 Euro dotierten Finale B versuchen (6. Rennen), sich und die Besitzer ein bisschen zu trösten. Das gilt ganz besonders für Otero und Gladiateur. Der im Vorlauf gesetzte Muscle-Hill-Sohn aus Deutschlands Vorzeige-Gestüt Lasbek scheiterte an Startplatz „8“ und der daraus sich ergebenden „Todeslage“ krachend und hat es diesmal mit der „5“ deutlich besser getroffen. Für den Gladiator aus dem Lot des deutschen Trainer-Champions Wolfgang Nimczyk war der Vorlauf bereits im ersten Bogen im Galopp beendet; sein damaliger Fahrer Michael Nimczyk hat sich gegen den Buddenbrock-Zweiten und für Man U entschieden - nur weil er Fußball-Fan ist? Eine dicke Hand im Geschäft um die besseren Prämien sollte auch Ornello haben, der am 21. Juli beim Schlussangriff als sicherer Zweiter 100 Meter vorm Ziel alles im Galopp vermasselte. Ihn nimmt sich erneut Marc Elias vor - Conrad Lugauers Sohn und einer jenen jungen Fahrer, die im Vorjahr in Schweden und anderswo für viel Furore gesorgt haben.

Orlando Jet contra Halva von Haithabu

Wackelt Fridericus’ Bahnrekord? Am 24. September 2016 fegte der Wallach in der Breeders Crown in 1:11,2 um die Bahn - eine Zeit, die seitdem nie mehr erreicht worden ist. Lief der Schwarzbraune dies damals über 1900 Meter, so geht’s in der Derby-Rekordmeile (4. Rennen) über knackige 1609 Meter - mit Start im Bogen, was nicht jedermanns und vor allem jeden Pferdes Sache ist. Am 23. Juni ist Deutschlands Vorzeige-Traber Orlando Jet in Vincennes in solche Sphären vorgestoßen. Hinter Giganten wie Bold Eagle, Looking Superb und Détroit Castelets belegte Deutschlands Traber des Jahres 2016 über 2100 Meter in sagenhaften 1:10,3 den vierten Rang. Nun muss Rudi Hallers „Pferd meines Lebens“, vor fünf Jahren auf der Derby-Auktion für schlappe 7.500 Euro ersteigert und mittlerweile 339.119 Euro reich, mit Startplatz „7“ und einem Halva von Haithabu fertig werden, der in der Form seines Lebens ist und vor zwei Wochen im Charlie-Mills-Memorial keiner Geringeren als Goldy Stardust über 1900 Meter in 1:12,2 locker das Nachsehen gegeben hat. Der „Wikinger“ kann seinen explosiven Antritt von Startplatz „4“ voll ausspielen.

Mit dem 8. Rennen, dem Pokal der Derby-Champions, an dem all jene Fahrer teilnehmen dürfen, die sich mindestens einmal auf der Ehrentafel von deutschem Derby oder Stuten-Derby verewigt haben, beginnt aus Sicht der Wetter der ultimative Höhepunkt. Mindestens 50.000 Euro sind im Auszahlungstopf der V7+-Wette, bei der bis zum letzten Rennen alle weiteren Sieger vorauszusagen sind. Scheint der erste Schritt noch relativ einfach, für den sich die unterwegs immer etwas faule Donna Granata mit Rudolf Haller empfiehlt, so kommt’s danach knüppeldick.

Die heuer nicht nach Geschlechtern getrennte Revanche aufs Derby 2018 kommt in Abwesenheit des damaligen Siegers Mister F Daag und dessen Runner-ups Ids Boko fast als Zweitauflage des Equine-Auktionsrennens für die Vierjährigen daher. An jenem 21. Juli marschierte der Hüne Officer Stephen vorneweg und ließ den Schlussangriff Great Gatsby As‘ an sich abperlen, der das Handicap der zweiten Startreihe auszubügeln hatte. Der zu Beginn gesprungene Very Impressive S, sonst die Sicherheit in Person, rannte dennoch mit viel Pep zu „Bronze“. Diesmal sind die Karten insofern anders gemischt, als der „große Gatsby“ aus der ersten Reihe beginnt, Inspector Bros und vor allem Emilion hinzukommen. Der Hengst aus dem großen Lot des Mariendorfer Motors Ulrich Mommert gilt als ebenso großes wie mit Samthandschuhen anzufassendes Talent, das seine Kapazitäten oft im entscheidenden Moment per Galopp verschleudert hat. So war es in Mariendorf am 7. Juli im ersten und in Wolvega zwölf Tage später im letzten Bogen. Acht hochkarätige Siege sprechen andererseits eine deutliche Sprache, dass der Sam-Bourbon-Sohn in dieser noblen Gesellschaft selbst als Klassenbester noch lange nicht vom Tisch ist. Gegen die geballte „Man-Power“ dürfte es die einzige Stute im Feld schwer haben: Cahaya hat im 2018er Stuten-Derby Platz zwei belegt.

Dem 2017 im gesegneten Alter von 92 Jahren verstorbenen Gerhard Krüger, einer Legende des deutschen, ja europäischen Trabrennsports, ist der erste Auftritt der jüngsten „betriebsfähigen“ Generation gewidmet. Acht Zweijährige stellen sich im 10. Rennen erstmals dem Starter. Sie alle haben sich mit Zeiten zwischen 1:21,5 (Emoji) und 1:23,0 (Lady Rosana) für die „Arbeit“ qualifiziert, so dass die Suche nach dem Sieger einem Würfelspiel gleicht. Schießt Django am schärfsten, oder macht Heck M Eck am meisten Heckmeck?

Der Schlusspunkt des deutschen Derby-Meetings, das 14. Rennen, bleibt paradoxerweise französischen Trabern vorbehalten. Zwölf von ihnen nehmen die bis 1978 zu bewältigende Derby-Distanz von 3200 Metern in Angriff, bei der fast naturgemäß die Reichsten trotz bis zu 40 Meter Zulage die besten Chancen haben sollten - als da sind Confidential Bond, Canyon Castelets, Vérano du Reynard und Vénicio Pommereux. Ein 3.000-Euro-Jackpot in der Siegwette lockt ein letztes Mal, die Wetttaschen ordentlich aufzumachen.

Unsere Tipps:
1. Moncler Bo – Coco Chanel – SJ’s Bianco
2. Samson Ris – Gobelin – Muscle Design
3. Fight for the Nght – Stand up – Valentijn Newport
4. Orlando Jet – Halva von Haithabu – Out of the Slums
5. Timberlake Diamant – Toscanini Diamant – Dewy
6. Gladiateur – Ornello – Otero – Bitter Lemon
7. Samson Ris – Falco – Gobelin
8. Donna Granata – Malory – Golden Future
9. Very Impressive S – Officer Stephen – Emilion
10. Peony – Sir Bourbon – Fräulein Trixie
11. Pompano Julian – Prince of Persia – Run for the Roses
12 Juan Bros – Juan les Pins – Velten von Flevo – Jason Dragon
13. Ovation L.A. – Rheingold – Jack Scott
14. Venizio Pommereux – Confidental Bond – Verano du Reinard

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)


Türkiyemspor war schon immer die Nr. 1 in Kreuzberg und wird es auch bleiben – selbst, wenn wir in der Bezirksliga spielen


Als Aufsteiger schaffte Türkiyemspor in der vergangenen Saison ungefährdet den Klassenerhalt. Zur neuen Saison hat sich allerdings personell einiges geändert: Wolfgang Sandhowe und der Verein gingen getrennte Wege, der Trainer nahm mit Cheung, Schulz und Voahariniaina gleich drei Spieler mit zu TuS Makkabi. Mit Gehring (United) und Ulucay (BSC Süd 05) verließen dazu zwei Korsettstangen der Saison 2018/19 den Club. Parallel verständigte man sich mit Berater Ayhan Erusta auf eine neue Strategie, nach der mit jungen Spielern perspektivisch eine schlagkräftige Mannschaft aufgestellt werden soll. "Jung" muss dabei nicht zwangsläufig unerfahren heißen, wie die gerade bekannt gegebene Verpflichtung von Stürmer Görkem Üre verdeutlicht.


 Türkiyemspor startet am Mittwoch, 07.08. (Willy-Kressmann-Stadion, 19 Uhr)  mit dem Derby gegen Hilalspor in die Spielzeit 2019/20


Berlinsport Aktuell sprach gestern abend am Rande des Testspiels beim BFC Meteor mit Türkiyemspors Sportlichem Leiter Ecevit Özman über den verspäteten Saisonbeginn, neue Perspektiven – und warum Adem Öztürk der richtige Trainer für die Aufgabe ist.

Neu bei Türkiyemspor: Berater Ayhan Erusta, Stürmer Görkem Üre und Trainer Adem Öztürk (v. l.)

Zum Abhören bitte unten anklicken

Beitrag+Fotos: Berlinsport Aktuell/Hagen Nickelé

Donnerstag, 1. August - 4. Tag des derby-Meetings

Bühne frei für die besten Amateurfahrer

Der „ältere Nachwuchs“ im Shootingstar-Cup – Franzosen-Traber über den langen Kanten

Der Österreicher Thomas Royer (r.) ist einer der Top-Fahrer bei den Amateuren (Foto:©www.lingk.com)

Der vierte Tag des Meetings (Start des 1. Rennens um 17.00 Uhr) ist seit geraumer Zeit der Abend all jener Männer und Frauen, die mit viel finanziellem und ideellem Einsatz ein wichtiges Schmiermittel des Trabrennsports sind: Vier der zwölf Rennen sind den Amateuren reserviert, von denen Spitzenkräfte wie Dr. Marie Lindinger, Thomas Royer, André Pögel, Jörg Hafer, Hilda Hofstra, um nur einige zu nennen, manch einem Professional, was Strategie und Taktik anbelangt, bequem das Wasser reichen können.

Nach einem von insgesamt drei Vorläufen zum zweiten „Luxus-Handicap“ dieses Meetings - die anderen beiden werden als 3. und 8. Rennen über die Pferde-Avus-Bühne gehen - bestreiten die oft ein wenig despektierlich „Hobbyfahrer“ Betitelten mit dem 2. Rennen, dem 7. Wertungslauf zum Derby-Pokal der Amateure, ein Warm-up zur Formüberprüfung. In dem sollten die beiden aktuellen Sieger Bonanomi CG und Fantomas das beste Ende unter sich ausmachen und möchte Fionaro ihnen die Siegessuppe versalzen.

Danach ist Schluss mit Abtasten, geht’s für sie wie seit 1997 - damals als Derby-Pokal der Amateure - in der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure in zwei Vorläufen und dem Finale neben der Ehre um üppige Prämien. Allein 25.000 Euro werden im „Endspiel“, das die jeweils besten Fünf bestreiten, verteilt, womit dies das wertvollste Amateurfahren in deutschen Landen ist.

Vor jener großen Kür, die als 12. Rennen um 21.26 Uhr angesetzt ist, stehen 18 Gespanne in der Vorlauf-Pflicht, bei der die jeweils besten Fünf die zweite Chance auf den großen Wurf bekommen. Die Ärmeren bis maximal 20.000 Euro Gewinnsumme messen sich im 6. Rennen, und von jenen Zehn sticht sofort ein Gespann ins Auge, das erste Chancen gar auf den Gesamtsieg anmeldet: Neunmal sind Very Special One und Peter Platzer gemeinsam angetreten, genauso oft haben sie die Konkurrenz eingeseift - ein wahres Dream-Team also, an dem es nur schwer ein Vorbeikommen geben wird. Zumal der bayerische Hengst auch rechtsrum auf der Derbybahn eine vorzügliche Visitenkarte abgegeben und sein Chauffeur sich 2016 in die Siegerliste eingetragen hat. Beide wissen folglich, wie’s geht. Der erklärte Gegner kommt ebenfalls aus dem Freistaat südlich des Main-Äqautors: Provenzano war sich bei den letzten sechs Starts als unbezwingbar entpuppt und erst vor elf Tagen Dr. Marie Lindingers Pech-Serie gestoppt. An jenem 21. Juli hätte ihn der kampfstarke Realist als Speerspitze der Einheimischen fast noch erwischt und ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Weitere Finalkandidaten sind Hercules Petnic, Yen und Schweden-Rückkehrerin Indira OE.

Jene Acht, die maximal 50.000 Euro gewonnen haben, fahren unmittelbar zuvor im 5. Rennen, mit dem die mit 10.000 Euro Garantieauszahlung gespickte V7+-Wette beginnt, ihre Finalisten aus und können sich anschließend ansehen, wen sie für die 20 Meter Endlauf-Mehrarbeit vor der Brust haben. Volare Gar kennt seit Wochen nur erste und zweite Plätze, dürfte aber mit der Derbybahn eher ungute Erinnerungen verknüpfen: Im Fritz-Brandt-Rennen kam er mit dem österreichischen Spitzen-Amateur Thomas Royer über Platz vier im Vorlauf nicht hinaus und sprang im Finale. Nun nimmt mit dem amtierenden deutschen Amateurchampion Thomas Maaßen ein anderer Thomas den Fuchs an die Hand und will es besser machen. Er hat 2017 mit Out oft he Slums triumphiert, während sich der Hotelier aus der Dachstein-Region den Titel 2014 mit Faust Hanover und 2018 mit Desert King geholt hat - jeweils von Josef Franzl perfekt vorbereitet. Der stellt ihm heuer Baxter Hill zur Verfügung - sehr gut möglich, dass aller guten Dinge drei sind. Nur wenn er die letzten Vorstellungen deutlich überbietet, kann Gentle Yankee aus dem prognostizierten Zwei- einen Dreikampf machen. Der Hengst aus dem Lot von Marion Jauß, die selbst 1997 die erste Auflage mit King Boshoeve gewonnen hat, hat hier 2018 mit Jörg Hafer als Sieger des zu sehr ähnlichen Propositionen entschiedenen Fritz-Brandt-Rennens seinen größten Coup gelandet.

Finanzieller Höhepunkt für die Profis ist der heuer unter der Schirmherrschaft von wettstar.de stehende Shootingstar-Cup, der seit 1997 all jenen Vierbeinern, deren Karriere drei- und vielleicht auch vierjährig noch nicht recht ins Rollen gekommen ist, eine Plattform bietet, mal etwas zügiger „an Kohle“ zu kommen. 14.000 Euro sind ein üppiges Salär. Pferde wie Celebrate Light, Celestial Dreams, Arc de Triomphe, Indio Corner, Out of the Slums haben diesen „zweiten Bildungsweg” zum Durchstarten in eine bemerkenswerte Laufbahn genutzt. Hatte Michael Nimczyk nun dreimal in Folge den Shootingstar in den Fingern, so ist der deutsche Champion diesmal Zuschauer. Von 2009 bis 2012 war der Cup fest in niederländischer Hand. Sehr gut möglich, dass es nach dem 10. Rennen mal wieder heißt: „Oranje boven“. Ignacio, I can steel und der oft springende I’ll be there haben durchaus das Zeug dazu. Deutscherseits sollten der aktuelle Dreifach-Sieger Naheed aus dem formstarken Nobel-Gestüt Lasbek und der in Berliner, ja gar Mariendorfer Besitz befindliche, ebenfalls in Norddeutschland vorbereitete Bogomir CG die meisten Anhänger finden. Joeyboy nicht vergessen! Dessen Formen lesen sich zwar nicht so fettig, doch ist die Steuerung durch Heinz Wewering ein echtes Plus. Dass der mit 16.903 Treffern erfolgreichste Trabrennfahrer des Kontinents trotz seiner 69 Jahre noch lange nicht zum alten Eisen zählt, hat er bei Klingandes Überraschungssieg im Vorlauf zum Stuten-Derby nachdrücklich bewiesen. Mit seinem Namen beginnt 1997 die Ehrenliste.

Die einzige von der Mittelstrecke abweichende Aufgabe haben die sturmerprobten Trotteurs Français zu lösen. Sämtliche zehn Teilnehmer des 11. Rennens sind mit französischem „Pferdepass“ unterwegs und müssen für 2500 Meter ein wenig mehr Puste als gewohnt mitbringen. Am Start, der immer wieder sehenswert direkt vor Publikum erfolgt, legt Birdy de Neuilly 20 Meter hinter unter anderem Erha d’Antan los. Das sollte der „Vogel“, der schon letztens mit Michael Nimczyk aus ähnlicher Ausgangslage zum Sieg geflogen ist, locker schaffen.

Nachdem die Amateure mit dem Finale das letzte sportliche Feuerwerk gezündet haben, gibt’s zum Ausklang ein echtes Höhenfeuerwerk. Beruhigend für alle Tierliebhaber und Tierschützer: Die edlen Vierbeiner sind dann längst in ihren Boxen, zudem wird auf laute Knalleffekte verzichtet.

Unsere Tipps:
1. Escudo – Mr Culpeper – Taj Mahal Diamant
2. Fionaro – Fantomas – Bonanomi CG
3. Ghislaine – Longhire – Goofy Wan
4. Nahib – Cruzado – Uncle Bens Diamant
5. Baxter Hill – Volare Gar – Khalid
6. Very Special One – Provenzano – Indira OE
 7. Namur – Evander Holyfield – San Pardo
8. Senorita Diamant – Ring the Bell – Touchdown OK
9. Pompano Julian – Stradivari – Candyman Hornline
10. Naheed – I can steel – Bogomir CG – I‘ ll be there
11. Birdy de Neuilly – Dean les Jarriais – Erha d’Antan
12. Int. Derby-Meisterschaft der Amateure - Finale -


Freitag, 2. August - 5. Tag des derby-Meetings

Wettstar-by-PMU-Trophy: 18 Ladys wollen ans große Geld

Prämienregen für die Vier- und Fünfjährigen – 3200-Meter-Marathon über die alte Derby-Distanz

Rudi Haller konnte bislang beim Meeting eine gute Rolle spielen (Foto:©www.lingk.com)

Freitagabend? Damenwahl! Nachdem der Abend zuvor im Zeichen der Amateure stand, darf nun das vermeintlich schwache Geschlecht an den großen Geldtopf ran. 18 vierbeinige Ladys, zufällig alle aus den Generationen 2014 und 2015, wollen an möglichst große Teile jener 28.000 Euro, die in der Wettstar-by-PMU-Trophy, Stammbesuchern als Bruno-Cassirer-Rennen geläufig, in drei Läufen verteilt werden. Sie bilden das Gerüst der 12-Rennen-Karte, die mit einem Rennen für französische Traber um 17.00 Uhr beginnt. Ausschließlich Pferde aus dem Schlaraffenland des Trabrennsports sind noch einmal im 11. Rennen am Start. 13 an der Zahl - wenn das mal nicht für den einen oder anderen Wetter zur Unglückszahl wird, denn diese Prüfung mit dem Untertitel „Der Garantiebrief der Signal Iduna“ ist zugleich die letzte für die V7+-Wette. Die vor einem Jahr ins Spiel gebrachte Königswette ist mit einer Garantieauszahlung von 30.000 Euro inklusive 8.720 Euro Jackpot fürwahr königlich unterfüttert, doch einen Garantiebrief, dass sämtliche sieben Sieger der Rennen 5 (18.38 Uhr) bis 11 auf einem Schein richtig angekreuzt werden, gibt’s natürlich nicht. Vorausfavorit in der letzten Riesenklippe ist Errakis, der im Handicap de Luxe zweimal in bestechender Manier mit der Konkurrenz Schlitten gefahren ist. Startreihe zwei hinterm Auto könnte dem kniffligen Burschen, der gern frei weg von der Leber marschiert, mehr Sorgen bereiten als die Konkurrenz. Passenderweise wird er die Startnummer „13“ tragen.

Die Traber-Damen steigen mit ihren beiden Vorläufen des Cassirer-Klassikers an zweiter und dritter Stelle in die V7+-Wette ein (6. und 7. Rennen). Wer ins mit üppigen 20.000 Euro dotierte Finale will, muss unter die ersten Fünf kommen, was bei den etwas ärmeren Ladys - jenen, die maximal 8.000 Euro für ihre Besitzer eingetrabt haben - einfacher ist: Sie nehmen die 1900 Meter des 6. Rennens lediglich zu Siebent in Angriff. Klare Favoritin dürfte Ida F Boko werden. Nicht nur, dass Rudi Haller sein Lot bestens in Schuss und bisher während des Meetings durchweg eine gute Rolle gespielt hat. Die Vierjährige war bei sieben 2019er Versuchen nur bei einem nicht auf der Ehrenrunde zu bewundern. Zwei aktuelle Siege in Folge lassen für Cora Sun aus dem Besitz des Mariendorfer Bahneigentümers Ulrich Mommert den Ehrenplatz erhoffen, doch da will Gingerbell ein gehöriges Wort mitreden. Nach vier Treffern am Stück war für Thorsten Tietz‘ Stute ein Vierteljahr Durchschnaufen angesagt. Vor dem Comeback am 19. Juli, das die wie ein Wiesel losfegende Dunkelbraune als Achte beendete, hatte ihr Trainer verkündet, der Fokus liege einzig und allein auf dieser Wettstar-by-PMU-Trophy. Das sollte man durchaus für bare Münze nehmen. Weil auch Woodbrown Beauty an guten Tagen im Winner Circle eine echte Beauty abgibt - viermal war sie auf diesem Catwalk präsent - und Uptoheaven Diamant zwar noch nie gewonnen, aber eine überaus gleichmäßige Bilanz mit zweiten und dritten Rängen vorzuweisen hat, müssen sich Shalala und American Dream sputen, wollen sie ums große Geld noch einmal ran.

Das dürfen sie im 12. Rennen 20 Meter vor jenen fünf Qualifikantinnen in Angriff nehmen, die sich im 7. Lauf durchsetzen müssen. Beste Werbung in eigener Sache machte am 21. Juli Lucky Lady Blue, die Hannah Hazelaar, Deutschlands Startpferd mit den meisten Besitzern, „traurig“ vier Längen hinter sich ließ. Nicht immer ist der Schützling Hannu Voutilainens allerdings so blendend aufgelegt, wie drei Disqualifikationen zeigen. Bombensicher und echte Siegertypen sind Kiss Me Bo, Super Pro, C’est La Vie C, bei der man Platz sieben aus einem Amateurfahren nicht auf die Goldwaage legen darf, und vor allem Zante Grif. Die Italienerin aus dem Erfolgsstall des Paul Hagoort ist bis auf einen Galopp-Ausrutscher in Oslo am 9. Juni in dieser Saison durchweg Erste oder Zweite geworden.

Zwei Pokale und jeweils 7.500 Euro gibt’s für die Vier- und Fünfjährigen zu gewinnen. Acht etwas Reichere messen sich im 4. Rennen, das von Erfolgsverwöhnten nur so wimmelt. Seinem Namen alle Ehre gemacht hat UBetterWin Diamant und bei fünf Versuchen überhaupt noch nicht verloren. So schwer wie diesmal hatte es der Sohn des amerikanischen Super-Vererbers Muscle Hill jedoch noch nie: Major Ass, Bleu Roi, Far West, Icebear Newport und Schweden-Heimkehrer Iron Creek sind granitene Brocken. Da könnte der erste graue Fleck auf der weißen Weste fällig werden. Die Ärmeren können im 10. Rennen ihren Kontostand gewaltig aufbessern. In erster Linie dafür in Frage kommen die beiden Bayern Uno per te Diamant und Zidane sowie Berlins „local hero“ Oxidizer.

Langer Atem ist über die bis 1978 gelaufene Derby-Strecke von 3200 Metern des Derby-Marathon-Pokals (9. Rennen) gefragt. Auf einem solchen Marsch sind 20 Meter Zulage, die Gustavson Be, RitchiRitch Diamant, Quick Crown und Cashback Pellini aufgebürdet bekommen, kein allzu großes Handicap, so dass die vorderen Sechs um den von Michael Nimczyk gesteuerten Laurel Park und Libero nicht allzu lange allein bleiben werden. Speziell die Dauerläufer Gustavson Be und RitchiRitch Diamant werden auf den 2½ Runden die Daumenschrauben gewaltig ansetzen. Als Lohn der langen Mühen winken jenem mit der meisten Puste 6.600 Euro.

Nach dem 12. Rennen (21.26 Uhr) können es sich die Vierbeiner in ihren Boxen ganz entspannt wohlergehen lassen: Der Renntag klingt geräuschlos mit einer Lasershow aus.

Unsere Tipps:
1. Fighter Pilot – Elixier d’Àndain – Diego du Bellay
2. Oscar L.A. – Quick Winner – One Penny Black
3. Intouchable – Perfect Hall – William Scott
4. UBetterWin Diamant – Far West – Iron Creek
5. Izzi’s Newport – Zucchero – Paris Turf
6. Ida F Boko – Cora Sun – Ginger Bell
 7. Zante Grif – Kiss Me Bo – Sup Pro – Hannah Haazelaar
8. Fandjo – Nada Mas – Bellaya CG
9. Laurel Park – Gustavson BE – RitchiRich Diamant
10. Zidane – Uno per te Diamant – Oxidizer – Heine Attack
11. Errakis – Fanny Hill – Furtif du Levant
12. Finale Bruno Cassirer-Rennen

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)


Ich hoffe, dass ich (...) sagen kann: 'Hey, ich kann auch eine Oberligamannschaft trainieren' – ich habe das Potenzial dafür. Und ich hoffe, dass ich was mit der Mannschaft erreichen kann.


Es war einer der Paukenschläge in dieser Sommerpause: der Abgang von Murat Tik und seinem Funktionsteam beim Oberligisten CFC Hertha 06. Ein neuer Trainer musste somit gesucht und möglichst schnell gefunden werden. Das gelang: nur wenige Tage später – aber eben auch nur derer 14 vor dem Saisonstart – präsentierten die Charlottenburger mit Tuurjalai Zazai einen Nachfolger. Der Deutsch-Afghane vollzieht damit nach seinen Engagements bei den ambitionierten (damaligen) Landesligisten Brandenburg 03 und 1. FC Novi Pazar in der vergangenen Saison nun einen Sprung von zwei Spielklassen.


Der CFC Hertha 06 startet am Sonnabend mit einem Auswärtsspiel beim FC Hansa Rostock II in die Spielzeit 2019/20. Ihr erstes Heimspiel bestreiten die Charlottenburger dann am 18.08. gegen den SC Staaken.


Berlinsport Aktuell sprach mit "Tuli" Zazai am vergangenen Sonntag nach dem Testspielsieg von Hertha 06 beim TSV Mariendorf 1897 (2:1) über die Probleme des späten Amtsantritts, neue Spieler – und sein Saisonziel mit dem CFC.


Zum Abhören bitte unten anklicken

Interview+Fotos: Berlinsport Aktuell/Hasso Nickelé
Beitrag: Berlinsport Aktuell/Hagen Nickelé


Gerade gegen Tennis Borussia ist es dann ja so, dass die Motivation nochmal höher ist. Das haben wir in der letzten Saison ganz oft gemerkt – und wird uns auch diese Saison genau so erwarten.


Tennis Borussia hat am Sonnabend eine kurzfristig anberaumte Partie gegen Türkiyemspor gewinnen können und somit die Testspielphase zur Saison 2019/20 erfolgreich abschließen können. Kommende Woche starten die Lila-Weißen dann mit dem Traditionsduell bei Aufsteiger SV Tasmania in die neue Spielzeit der NOFV-Oberliga Nord. TeBe-Coach Dennis Kutrieb beobachtete den Gegner schon mal u. a. am Sonntag bei dessen Test gegen Hilalspor (1:1). Im Halbzeitgespräch mit Berlinsport Aktuell äußerte er sich über die Vorbereitung, die Erkenntnisse aus Spielbeobachtungen – und den besonderen Rahmen des Spiels am kommenden Wochenende.

Zum Abhören bitte unten anklicken

Beitrag+Fotos: Berlinsport Aktuell/Hagen Nickelé

Bekanntermaßen hat Fabian Gerdts den Berliner SC Richtung Berlin United verlassen – sein Nachfolger auf der Trainerbank im Grunewald ist wieder aus den eigenen Reihen. Wie der Vorgänger trainierte Zeljko Ristic die A-Junioren des BSC, bevor er nun die 1. Herren übernahm.


Unser Ziel ist es weiter, attraktiven Fußball zu spielen – den man heute ansatzweise gesehen hat und den weiter forcieren.


Am Donnerstag gelang ein 2:1-Sieg gegen den Neu-Oberligisten Tasmania – Berlinsport Aktuell sprach im Anschluss mit dem neuen Trainer über das Spiel, den Unterschied zwischen Jugend- und Männerbereich – und dessen bisherige Trainerstationen.

Zum Abhören bitte unten anklicken

Beitrag+Fotos: Berlinsport Aktuell/Hasso und Hagen Nickelé


Wir haben eben mal kurz 40 Tore verloren – da muss man gucken, wie wir das auffangen. Wir wollen aber auf jeden Fall wieder einstellig abschließen.


Beim TSV 1897 Mariendorf findet diesen Sommer ein mittlerer Umbruch statt: prominentester Abgang ist dabei sicher Torjäger Dennis Dort (zu Stern Marienfelde). Aus den zahlreichen Neuzugängen will Trainer Thorsten Cornils aber wieder ein schlagkräftiges Team zusammenstellen. Berlinsport Aktuell sprach mit dem Trainer des Landesligisten über die vergangene Saison, Ab- und Zugänge in diesem Sommer – sowie die kommende Spielzeit in der Staffel 2 .

Zum Abhören bitte unten anklicken

Beitrag+Fotos: Berlinsport Aktuell/Hasso und Hagen Nickelé

Sonntag, 21. Juli 2019 - 3. Tag des Derby-Meetings

Vorläufe zum 124. Traber-Derby: Drei der vier Gesetzten straucheln

Beeindruckend: Juan Bros mit Fahrer Alessandro Gocciadoro (Foto: ©www.lingk.com)

Juan Bros auf der Demo – River Flow fließt am schnellsten – Alles „Oranje“ im Auktionsrennen – Napsters Monté-Debüt verblüfft selbst den Trainer

Es ist angerichtet für das höchstdotierte deutsche Trabrennen des Jahres, das in zwei Wochen zum 124. Mal ausgetragene Derby. Wie tags zuvor bei den Stuten kannten die in den vier Vorläufen gesetzten der 34 eingeschriebenen Hengste und Wallache - eine Stute wagte sich heuer nicht gegen das starke Geschlecht - wenig Erbarmen mit dem Gremium des Veranstalters: Otero purzelte über die Todesspur als Fünfter aus dem Finale, Gladiateur flog in der ersten Kurve im Galopp aus selbiger und damit aus dem Endlauf, und auch Jason Dragons Griff nach der Derby-Krone hing nach einem Startaussetzer am seidenen Faden. Ohne den späten Patzer Ornellos wäre die Finalteilnahme des „Drachen“ kaum zustande gekommen, wobei genau jener die Rennleitung der kniffligen Entscheidung enthob, ihn im Nachgang zurücksetzen oder gar disqualifizieren zu müssen: Marc Elias hatte sich in der ersten Kurve wenig gentlemanlike vor Piet de Wit an die Innenkante gequetscht und den Rivalen dabei zum Galopp genötigt. Es war das einzige grobe Foul der ausufernden 14-Rennen-Karte, das die Stewards mit 500 Euro Geldbuße und 7 Tagen „Zuschauen“ maßgerecht würzten.

Jene, die für die Gemeinten in die Bresche sprangen - wobei die Setzliste wie üblich streng nach den in wichtigen Vorprüfungen gezeigten Resultaten erstellt wurde -, setzten andererseits deutliche Duftmarken. 170:10-Überraschungsgast River Flow erledigte mit 1:13,1 die Pflicht von allen Aspiranten am zügigsten, Juan Bros mit einem unnachahmlichen Sturmlauf, bei dem der Rest um „zwei Weilen“ oder rund 40 Metern kräftig zerzaust wurde, mit dem größten Vorsprung, was fürs Finale grande noch lange kein Freifahrtschein zu ähnlichen Heldentaten ist. Velten von Flevo war mit 1:14,6 der langsamste der Vorlauf-Sieger, was nicht bedeuten muss, dass er für den 4. August um „kurz nach Fünfe“ auch die meisten Körner sparen konnte. Juan Les Pins, der kleine Bruder der unvergessenen Derby-Sieger Unforgettable und Expo Express, war der Einzige, der als Gesetzter und Favorit des Wettvolks die Erwartungen erfüllte - und dies in bestechender Manier.

Mit einem Paukenschlag begann der Vorlauf-Reigen, denn der gesetzte und selbst für den Derby-Sieg im Vorfeld hoch gehandelte Otero war nach einem Run durch die Todesspur an der letzten Ecke gründlich rasiert und wurde mit Ach und Krach Fünfter. Doch auch sein vermeintlich größter Gegenspieler Jaxon Schermer, mit dem sich Michael Nimczyk von River Flow Mitte der ersten Kurve die Führung krallte, kam im Einlauf für keinen der beiden besten Plätze in Frage, obwohl der Varenne-Sohn wie gewünscht frei von der Leber weg marschieren durfte. „Aus der Kiste“ waren River Flow und Thorsten Tietz, die mit 1:13,1 den ersten, nicht mehr übertroffenen Maßstab setzten, ebenso stärker wie der in dessen Fahrwasser gelegene Rancoon, so dass die Bayern-Fraktion eins/zwei war.

Zumindest beim gesetzten 14:10-Favoriten Juan Les Pins stand in Qualifier 2, in dem drei der lediglich sieben Kandidaten das erste Klassenziel „durchgehender Trab“ nicht erreichten und mit roten Karten ausgemustert wurden, die Form 1a. Mit dem Schützling Arnold Mollemas konnte es sich Jaap van Rijn sogar leisten, 1100 Meter vorm Ziel die Führung an Gangster abzutreten und dahinter der Dinge zu harren, die vielleicht kommen sollten. Kamen sie aber bis 600 Meter vorm Ziel, als sich Hollands Nachwuchsstar nach außen orientierte, nicht. Der Rest war ein Kinderspiel für den Schwarzbraunen, „der noch recht unerfahren ist und mit jedem Start gewaltig dazu lernt. Er kann mal ein richtig Guter werden“, wie van Rijn befand. Leichtfüßig flitzte er in 1:13,3 1½ Längen vor Jackpot of Steel und Gangster durchs Ziel. Als Vierter war ManU zugleich Letzter.

Realität wurde in Vorlauf 3, was die Kiebitze aus Italien über Juan Bros zu berichten wussten, der, obwohl nicht gesetzt, bei 16:10 „wie Wasser“ gehandelt wurde. Alessandro Gocciadoro, der nur mit extrem chancenreichen Kandidaten auf Reisen geht, stellte ihn und sich erstmals in Deutschland vor - und das ungemein beeindruckend. 500 Meter leistete Roland Hülskath mit Orkan von Haithabu Widerstand, dann ließ er den wie aus dem Ei gepellt daherkommenden Muscle-Mass-Sohn vorbei, mit dem „Alex“ auf den finalen 800 Metern zur Solo-Show anhob. In Windeseile vergrößerte sich der Vorsprung und betrug am Zielstrich, den er in 1:13,4 erreichte, gepflegte 40 Meter vor Real Perfect, der den Windschatten Orkan von Haithabus trefflich nutzte. Dem Europabummler ging für Platz zwei etwas die Luft aus, als dritter Finalist war er jedoch ungefährdet. Eines gab Gocciadoro, Herr über rund 120 Traber, bei der stürmischen Siegerehrung den Besuchern mit auf den Weg: „In 14 Tagen holen wir uns das Blaue Band.“ Der gesetzte Gladiateur war im ersten Bogen aus dem Takt geraten.

Auch im 4. Qualifier hatte der Veranstalter mit seiner Setzliste wenig Glück, denn Jason Dragon begann im Galopp, was ihn 30 Meter und eine gute Rennlage kostete. Robin Bakker kam mit dem Bot-Schützling lediglich im dritten Paar außen unter. Wie am Samstag bei den Ladys präsentierte sich Rick Ebbinge in weltmeisterlicher Form, hielt mit Velten von Flevo an der „1“ die Pole Position eisern fest und durfte zwei extrem langsame Abschnitte vorlegen. Fast selbstverständlich hatte der Dunkelbraune von Eishockey-Legende Bernie Johnston auf den finalen 600 Metern so viele Reserven, dass er sich in 1:14,6 überlegen auf 2½ Längen abzusetzen vermochte. Endgültig in trockenen Tüchern war der Sieg des Hamburger Winterfavoriten, als sich Ornello im Bemühen, ihn vom Sockel zu stoßen, 100 Meter vorm Ziel überging und wie Caprioso disqualifiziert wurde. Den Ausfall dieses Duos nutzten Place Royal und Jason Dragon, für den nach dem anfänglichen Lapsus das Erreichen des Endlaufs oberste Maxime war, zu den Rängen zwei und drei. Flüsterfavorit Jambers ging in der Todesspur unter.

"Oranje boven" im Vierjährigen-Auktionsrennen

Fest in niederländischer Hand war das erstmals ausgetragene Equine-Auktionsrennen um 30.000 Euro für all jene Vierjährigen, die bei der Derby-Jährlingsauktion 2016 in den Ring gekommen waren. Von den in Nordeuropa und Frankreich gestählten Officer Stephen, Very Impressive S und Great Gatsby As erschwerte sich der „beeindruckende“ Hengst Cees Kammingas die Aufgabe durch einen Fehler beim Beschleunigen des Startautos, wogegen der Officer sofort die Kontrolle übernahm und der aus der zweiten Startreihe blendend durchs vordere Getümmel schneidende Great Gatsby As im ersten Bogen den Platz in seinem Windschatten ergatterte. Dort blieb Robin Bakker bei extrem gemächlichem Tempo auch liegen, als gegenüber Charmeur Royal und Copernikus die Bude zuzunageln begannen. Als Dion Tesselaar das Tempo für den letzten Abschnitt forcierte, war es um die kecken Underdogs rasch geschehen. In die Suppe spucken ließ sich der mächtige Officer vom passend freikommenden Great Gatsby As nicht mehr, und dahinter reichte es tatsächlich für den speedigen Very Impressive S noch zu Bronze. Den totalen Triumph der Oranjes machte mit Saisondebütantin Isabella Boshoeve Tesselaars zweite Waffe perfekt.

Zum Auftakt, dem Finale des Handicap de Luxe, gab’s wie bei diesem Meeting üblich den Sieg des Favoriten, bei dem allein die Frage war, ob er den Bänderstart ohne Fehl und Tadel hinbekommen würde. Errakis begann zwar vorsichtig, blieb jedoch im Takt und kreuzte bald schon an der Flanke Goofy Wans auf, den er bis zur letzten Ecke begleitete und sich dann überlegen verabschiedete, ohne dass sich Jörgen Sjunnesson auch nur einmal Sorgen machen musste. Der in Berlin immer prominenter auftrumpfende schwedische Profi scheint den in Frankreich überwiegend durch Galoppaden aufgefallenen Widerspenstigen gemeinsam mit Olaf Schröder allmählich gezähmt zu haben.

Das Rennen der Gewinnarmen wurde eine sichere Beute von San Pardo und Dennis Spangenberg, die Tempomacher Joule VS knackten, dem letzten Ansturm Ibracadabras widerstanden und bei der dritten gemeinsamen Ausfahrt erstmals im Winner Circle landeten. Einen zweiten Treffer des Nachwuchstrainers verhinderte der Goldhelm. Michael Nimczyk knöpfte ihm mit der kleinen Cora Sun im ersten Bogen die Pole Position ab und widerstand dem Endspurt Don’t forget mes mit einem Lächeln.

Nach längerer Durststrecke fuhr die erfolgsgewöhnte Dr. Marie Lindinger endlich wieder zur Siegerehrung vor. In einer knallharten Eröffnung setzte sie sich mit Seriensieger Provenzano gegen die sich in ihren Windschatten verkrümelnde Tessa durch und konnte dem Wallach fortan die Kräfte optimal einteilen. Auf der Zielgeraden zwei, drei Längen voraus, wurde es dennoch höchste Eisenbahn, dass der rettende Hafen in Gestalt der Ziellinie erreicht war, denn mit Riesenspeed kam Realist angestiefelt und lediglich um einen „Hals“ zu spät. Hoch her ging’s im Kommentatoren-Zirkel nach dem zweiten Treffen der Hobbyfahrer, denn Falco, der sich mit Yanick Mollema trotz des letzten Kilometers durch die Todesspur sicher vor Panasonic Diamant und Los Vascos durchsetzte, gehört Hollands Trabrennsport-Experte Nummer eins Hans-Peter Sinnige.

Eine stolze Serie ging in der Monté-Meile für Sattelspezialist Garry zu Ende, der nach sechs Siegen am Stück geboxt wurde. Verantwortlich dafür war Startreihe zwei hinterm Auto, wodurch Ronja Walter die Explosivität ihres Schützlings nicht auszuspielen vermochte und 40 Meter hinter Napster lag, mit dem Lea Ahokas ihr Reiterherz in beide Hände nahm und mit Volldampf auf die 1609 Meter kurze Reise ging. Auf der Überseite schloss Garry die Riesenlücke, was entscheidende Kräfte kostete. Besser als er kam Charm Evening auf Touren und hätte Napster fast noch erwischt, der im Training unterm Sattel gar nicht recht zu überzeugen gewusst hatte, wie Übungsleiter Jochen Holzschuh zu berichten wusste. „Letztlich ist er hier nur gestartet, weil Besitzerin Kirsten Kleinbrahm darauf bestanden hat.“

„Neese“ waren all jene, die sich im Derby-Pokal der Stuten auf ein heißes Duell zwischen So Keck und dem Pferd mit den meisten Besitzern in Deutschland fokussiert hatten. Der Tietz-Stute wie Hannah Hazelaar aus der Besitzergemeinschaft TraberParti drehte Lucky Lady Blue eine lange Nase. Nach einer Runde von Hannu Voutilainen nach vorn beordert, rannte die Fünfjährige, die mit dem richtigen Bein angefangen hatte, den Beiden auf und davon und verbesserte 2½ Längen voraus ihre Bestmarke um eine volle Sekunde auf 1:13,6. Genauso leichtes Spiel hatte am Sommersonntag ein Eisfink: Jaap van Rijn regierte mit Ijsvink Start-Ziel und beließ dem Abano-As-Sohn einige Körner für weitere Auftritte im zweiten Teil des Meetings.

Das Adieu war mal wieder den Franzosen-Trabern vorbehalten, die mit einem bis zur Linie spannenden Finish überzeugten. Durfte Anne Lehmann lange auf den ersten Deutschland-Sieg ihrer Neuerwerbung Dream Gibus hoffen, der Tempomacher Diego du Bellay an der letzten Ecke zerpflückt hatte, so zerstörte die aus dem Hintertreffen mit Robert Pletschacher spät, aber gewaltig nachsetzende Erha d’Antan den Traum der sympathischen Holländerin auf den letzten Metern, und auch Astasia du Vivier, von der man nach ihrem jüngsten Erfolg doch ein bisschen mehr erwartet hatte, hatte eine ordentliche Hand im Spiel.

Umsatz bei 14 Rennen: 359.736,52 Euro (incl. 219.078,57 Euro Außenwette).

Auf der Mariendorfer-Bahn geht es am 1. August ab 16.30 Uhr mit der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure und dem Shootingstar-Cup weiter.


Samstag, 20. Juli 2019: 2. Tag des Derby-Meetings

Vorläufe zum Stuten-Derby mit Haken und Ösen

Sieg mit Debütantin: Rik Ebbinge steuerte Außenseiterin Velten Isabel in den Winner's Circle (Foto. ©www.lingk.com

Zum Teil mächtig durcheinander geschüttelt wurden in den vier Vorläufen zum in zwei Wochen anstehenden Stuten-Derby die dreijährigen Ladys. Nichts da mit einem blanken Durchmarsch der Gemeinten, von denen drei der gar für einen Platz weit vorn im Arthur-Knauer-Rennen Gehandelten mit dem Trostlauf vorliebnehmen müssen - wenn sie sich denn überhaupt trösten lassen wollen. Für die Ungewissheit des Turfs warben andererseits Siegerinnen wie Velten Isabel (207:10) und Klingande (120) - Sportlerherz, was willst du mehr?

Kräftig auf die Nase fielen bereits im 1. Vorlauf die gemeinten Gespanne. Die ob ihrer furiosen Generalprobe in Örebro auf den Favoritenschild gehobene Gwendoline Go explodierte wie dort mit dem Startschuss, die vom Veranstalter gesetzte Marylin Monroe Bo folgte ihr 50 Meter später an den Sünderturm, und als auch Ganes B in der Todesspur im letzten Bogen schwer schnaufend am Ende ihrer Kräfte war, war einer gewaltigen Überraschung Tür und Tor geöffnet. Es war jedoch nicht die vom ersten Meter führende Gaja, die die Lorbeeren einfuhr. Eine weltmeisterliche Fuhre legte der amtierende World-Champion Rick Ebbinge hin, der die debütierende (!) Velten Isabel als innere Dritte versteckt hatte und auf die ebenfalls meisterlichen Trainingskünste seines kongenialen Partners Jeroen Engwerda vertraute. Als die Ampel für die Muscle-Massive-Tochter auf Grün sprang, nahm sie flugs die Beine in die Hand und raufte sich in 1:14,4 an Gaja vorbei. Als Dritte schaffte die weit außen gebrachte Brightlands den Sprung ins Finale.

„Einmal kurz schütteln und weiter geht’s“, war Michael Nimczyks Devise, der in Elimination 2 mit der gesetzten La Grace gar nichts anbrennen ließ. War Jet Flevo am schnellsten flott, so kam die Muscle-Hill-Tochter bereits im ersten Bogen angestiefelt, durfte gnädig die Führung übernehmen und legte ein Tempo vor, dass allen anderen die Schuhe qualmten. Turmhoch überlegen schaffte die von Jean-Pierre Dubois gezüchtete Braune den dritten Karriere-Sieg in 1:14,3. Prächtig zu gefallen wusste auch Jane Attack, mit der Michel Rothengatter die permanente Todesspur nicht scheute und dabei Jessie Bros und Jessy Schermer hinter sich herzog. Mit viel Herz biss sich die Timoko-Tochter zum Ehrenplatz vor Jessy Schermer, mit der das Duo Ebbinge/Engwerda auch die zweite Kandidatin ins Finale brachte.

Nichts für Nervenschwache war dann wieder Vorlauf 3, den Ultrafavoritin Jacky Bros mit einer Galoppade begann, die sie 100 Meter kostete. Wie die 12:10-Favoritin bei nicht übermäßig explosivem Tempo nach einer Runde wieder dran war, im Schlussbogen gar in vierter Spur zu retten suchte, was nicht mehr zu retten war und nach diesem Gewalttransport dennoch Fünfte wurde, nötigte riesigen Respekt ab. Mit der Entscheidung hatte die tapfere Braune jedoch nichts zu tun. Die lag allein zwischen Klingande, die Heinz Wewering nach dem vergeblichen Versuch, Janske Beemd die Führung abzujagen, hinter dieser einparkte, der sich mit Mann und Maus wehrenden Leaderin und der brandgefährlich in dritter Schlussbogenspur aufziehenden Jetway Fortuna, die „HW“ gerade so in Schach zu halten vermochte. „Ich hatte heute so ein Gefühl, dass wir eine Chance hätten“, freute sich der große Münsterländer, der sich in die Siegerliste des Stuten-Derbys so oft eingetragen hat wie kein Zweiter: neunmal.

Im 4. und letzten Qualifier, der auf dem geduldigen Papier als offenster daherkam, schlug zum Ausgleich wiederum die Stunde der Favoriten, von denen sich lediglich Versailles Diamant mit einer schweren Galoppade kurz nach dem Ab ausklinkte. Konnte Michael Nimczyk, der mit Jeanet Newport nach 800 Metern das Zepter an sich gerissen hatte, lange mit dem vollen Erfolg liebäugeln, wurde er von der bei drei Auftritten bislang sieglosen Rock my Dreams auf den letzten 200 Metern regelrecht ausgeguckt. „Mit dem geschlossenen Zaum, den wir ihr vor kurzem verpasst haben, ist sie viel konzentrierter. Zu Beginn des Einlaufs wusste ich, wir würden gewinnen. Ich hab die Peitsche nicht mal umgedreht“, freute sich Josef Franzl, der als „Mann des Tages“ all seine vier Schützlinge in den Winner Circle bugsierte und lediglich mit der „Fremdfuhre“ Mephisto PS als Dritter eintraf. Das dritte und damit letzte Endlauf-Billett schnappte sich die gesetzte Vincennes Diamant.

Halva von Haithabu in 1:12,2 – Tagesbestzeit!

Auch wenn sich Klassepferde im Gegensatz zu früheren Zeiten rar machten im seit 1972, dem Todesjahr des Namensgebers, ausgetragenen Charlie-Mills-Memorial um 20.000 Euro und die Internationalität zu wünschen übrig ließ, dürfte der einstige Weltbürger des Trabersports zumindest an den ersten Beiden Gefallen gefunden haben, die schon in einigen Ländern ihre Visitenkarten abgegeben haben: Holland, Dänemark und Frankreich stehen im Reisepass der Goldy Stardust, Holland, Frankreich, Belgien und Schweden in jenem Halva von Haithabus. Der von Bernd Brodersen gezüchtete Wikinger verbreitet seit zweijährig auf höchster deutscher Ebene Angst und Schrecken und ist (fast) keiner Konfrontation aus dem Weg gegangen. Das hat dem zunächst von Holger Neumann, seit nunmehr zwei Jahren von Gerhard Holtermann vorbereiteten Here-comes-Joey-Sohn mit dem Raketenantritt eine stählerne Härte gegeben, an der sich auch die gute Goldy den Kampfzahn ausbiss. Von Roland Hülskath resolut in Front gescheucht, herrschte der siebenjährige Hengst auf jedem Meter souverän und drehte der sich durch die Todesspur wacker verkaufenden Goldy Stardust 2½ Längen voraus eine lange Nase. „Er scheint wie guter Wein mit zunehmendem Alter immer besser zu werden. Natürlich haben die frühen Einsätze auf hohem Niveau ihre Spuren hinterlassen, aber Gerd (Holtermann) und Uwe (Zevens) bringen ihn stets bestens in Schuss zurück“, schwärmte der an diesem Tag unterbeschäftigte fünffache deutsche Goldhelm, der einen der wenigen weißen Flecken auf seiner persönlichen Landkarte wichtiger deutscher Rennen tilgte: Erstmals prangt nun auch sein Name auf der von Ginster und Kurt Hörmann angeführten Ehrenliste. Vielleicht wäre ihm das Siegen schwerer gefallen, hätte sich Gustavson Be nach 700 Metern eine Galoppade verkniffen, die ihn rund 40 Meter kostete. Wie sich der mit einem gewaltigen Gangwerk ausgestattete Fuchs auf der Zielgeraden reinhängte und Tyrolean Dream und den Rest überlief, war aller Ehren wert.

Dreimal ist Lasbeker Recht

Der glasklaren 15:10-Favoritin Naama blieb es vorbehalten, den Renntag zu eröffnen. Nachdem Josef Franzl von Michael Nimczyk und Stand up im Scheitel der ersten Kurve fürs Kommando durchgewinkt wurde, war die solide Basis für den Sieg der debütierenden großrahmigen Lasbekerin gelegt, die ihren Schatten im entscheidenden Moment lässig um zwei Längen abtropfen ließ. Und weil’s ihm im sonnigen Winner Circle augenscheinlich ausnehmend gut gefallen hatte, legte der Gestütstrainer für die kaffeebraunen Farben mit den weißen Nähten sofort nach. Zwar kam er mit 11:10-Chance Nashua gegen den enorm drückenden Chaplin nicht in Front, konnte sich jedoch ungestraft 1600 Meter ziehen lassen, weil Ronald de Beer nicht auf der Bremse saß. Herausgehen und vorbeiziehen war eine fließende Bewegung des Brioni-Nachkommen, der eine zehnmonatige Pause kaum effektvoller hätte abschließen können.

Dieses war der zweite Streich, und der dritte folgte nicht sogleich, sondern 150 Minuten später nicht minder beeindruckend. Mit dem in Schweden eingetragenen Oscar L.A. fand der „Franzl Seppi“ einen Kilometer lang in Englishtown ein perfektes Zugpferd, legte nach dessen Führungnahme den Hochgeschwindigkeitsgang ein, übernahm nach einer Runde selbst das Zepter und setzte sich überlegen ab. „Die Form steht - ich hoffe, dass bleibt mindestens fürs gesamte Meeting so“, freute sich der zwischen Bayern und Norddeutschland pendelnde Franzl.

Nach einem Start, der jeder Beschreibung spottete und eigentlich hätte zurückgepfiffen werden müssen, knöpfte Michael Nimczyk im Pokal der (vierbeinigen) Publikumslieblinge mit Fast and Furious im Scheitel der ersten Kurve Rebound die Regie ab, durfte ein Viertel im 1:20er Tempo abbummeln, schmetterte das letzte in 1:11 runter - da konnte auch der groß aufrückende Gobelin nur staunend hinterdrein schauen. „Der Dunkelfuchs fühlt sich im zweiten Frühling und hat richtig Spaß am Laufen. Ich hatte nie Zweifel am Sieg“, kommentierte der achtmalige deutsche Champion den rundum überzeugenden Treffer seines furiosen Partners.

Unbefriedigender Kombi-Pokal

Kein guter Stern stand über dem kuriosen Kombi-Pokal. Wie selbstverständlich holte sich Ronja Walter Lauf 1 (die Monté-Abteilung) mit Favoritin Holly Star. Die Schwarzbraune hatte einiges zu tun, den nach einem Kilometer in Front gepreschten Commander H kleinzukriegen. Als dies eingangs der Zielgeraden vollbracht war, gab’s für die Classic-Grand-Cru-Tochter kein Halten mehr. Dame Quick war so quick, sich mit Marloes Knopp vor dem auf dem ersten Kilometer das Tempo vorlegenden Eté d’Ourville und dem am Ende recht müden Commander H Platz zwei zu sichern - und hatte das Glück der Tüchtigen, dass Holly Star nach Überprüfung wegen unsauberer Schritte auf der Zielgeraden disqualifiziert wurde. Im als Sulky-Prüfung mit Profis wiederholten Lauf 2 spielte die Rennleitung ebenfalls Schicksal und disqualifizierte nach endlos währender Überprüfung, die die Verspätung auf unzumutbare 50 Minuten wachsen ließ, den sich nach Hause raufenden Phil Taylor im Nachhinein wegen unreinen Trabs, womit sich sein hartnäckiger Widersacher Eté d’Ourville mit Dennis Spangenberg hätte als Sieger feiern lassen können - wenn er nicht längst schon im Stall zum Duschen gewesen wäre. Dass beide nachträglichen Disqualifikationen nicht im öffentlich zugänglichen Rennbericht als solche vermerkt sind, sei nur als Randnotiz erwähnt.

„Die Spitze nehmen und niemanden passieren lassen“ lautete das probate Erfolgsrezept im Derby-Pokal der Flieger für Donna Granata und Rudi Haller. Die englische Meile nahm nur die Berlinerin Louisa ein wenig zügiger in Angriff, ließ jedoch die Granate bald vorbei, die von der gefährlich gut auf Touren kommenden Honesty Newport nicht mehr zu kaschen war.

Das einzige Amateurtreffen des 14-Gänge-Menüs wurde eine leichte Beute von Fantomas, den Sönke Gedaschko aus der zweiten Startreihe wie ein Phantom durchs Feld lavierte und aus der Deckung die ihren Fluchtversuch nicht durchstehende One Penny Black sowie die endkampfstarke Danielle Simoni auf die Plätze verwies.

Der Absacker war wie tags zuvor den Trotteurs français vorbehalten, die sich aus drei Bändern über zwei Kilometer austoben durften. Beim fast schon üblichen Springfestival war der vom Start fliegende Birdy de Neuilly nach verdecktem Verlauf zum guten Schluss der eindeutig Stärkste und bescherte Michael Nimczyk den dritten Tagestreffer.

Der Umsatz blieb unter jenem des Vorjahrs: Bei 14 Rennen wurden 282.226,74 Euro umgesetzt. Das entspricht einem Schnitt von 20.159 Euro zu rund 23.000 Euro des vergleichbaren 2018er Samstags.

Umsatz bei 14 Rennen: 282.226,74 Euro (incl. 168.829,34 Euro Außenumsatz).


Nachschau Freitag, 19. Juli 2019 - 1. Tag des Derby-Meetings

Der Goldhelm glänzt

Michael Nimczyk gewinnt mit Toscanini Diamant das Halbfinale der Newcomer-Serie (Foto: ©Marius Schwarz)

Beide Hauptereignisse gehen an Michael Nimczyk: Toscanini Diamant schwingt den Taktstock bei den Newcomern – Free Bird fliegt in der Silberserie – Munteres Favoritensterben – Berliner Combo erster Meeting-Sieger – V7+-Jackpot von 8.719,18 Euro

Das ging ja gut los für den deutschen Goldhelm! Das mit einigem Stottern beginnende, mit Spannung erwartete Derby-Meeting 2019 läutete Michael Nimczyk so ein, wie er sich bei jenem des Vorjahrs präsentiert hatte: Als siegeshungriger Löwe, der sich nicht nur zum einzigen Doppelsieger der von zahlreichen Favoritenstürze geprägten Elf-Rennen-Karte aufschwang, sondern die wertvollsten Prämien einsackte.

Bevor es bei idealem Rennbahn-Wetter - bei 25 Grad fielen die vage prognostizierten Schauer aus - endgültig heißen konnte: „Manege frei“ zu der auf 17 Tage gestreckten wichtigsten deutschen Traber-Veranstaltung, musste etwas an Prinz Russels Ausrüstung justiert werden. Dann waren einige der unerfahrenen Kandidaten partout nicht hinter den Startwagen zu bugsieren, so dass es mit acht Minuten Verspätung losging. Nun war auch Favorit Fight of the Night am späten Nachmittag richtig auf zack, übernahm nach 500 Metern resolut das Kommando und schaute nie mehr zurück. Leicht und locker stiefelte die Berliner Pflanze - Trainer ist der Karlshorster Andreas Gläser, Züchter Fritz Pögel, auch die Besitzer sind bodenständig, Gustav Diamant war jahrelang Mariendorfer Bahnrekordler und Ferrero Küsschen eine Berliner Stute - beim zweiten Start zum ersten Mal in den Winner Circle und ließ all jene strahlen, die ihm ihr Wettgeld mitgegeben hatten: 1,6fachen Einsatz bekamen sie „ohne Zittern“ zurück.

Ein ähnliches Bild präsentierten die Amateure in ihrer ersten Prüfung mit dem kleinen Unterschied, dass sich 13:10-Favorit Fionaro an der von Herbert Tuscher sofort nach vorn beorderten Gri Happy Girl die Zähne ausbiss. Für 162:10 machte das „Homebred“ des Stalles Granit das seit Jahrzehnten im Rennsport verwurzelte 73jährige bayerische Urgestein glücklich, der anschließend um seine Stute bangen musste, die sich während der Siegerehrung selbstständig gemacht hatte.

Das siegreiche Duo im Winner's Circle (Foto: ©Marius Schwarz)

Nicht nur finanzieller Höhepunkt dieses ersten Tages war das 1. Halbfinale der neu konzipierten Newcomer-Serie für Vier- und Fünfjährige, das qua Ausschreibung die Besten aus den sechs Vorläufen hinter dem Startwagen versammelte (Halbfinale II wird am 9. August in Wolvega ausgefahren). Deutschlands Goldhelm steckte rigoros seinen Claim ab und machte sehr deutlich, dass er an seine glanzvollen Derby-Tage 2018 anzuknüpfen gedenkt. Mit dem zum zweiten Mal ohne Check aufgebotenen und dadurch sehr viel quirliger wirkenden Toscanini Diamant schwang er sofort den Taktstock und ließ sich durch das Allegro, das Favorit Give You All of Me in der Todesspur abspulte, nur unwesentlich beirren. Nicht so sehr der Schwede als das eigene ständige Pendeln mit dem Kopf brachte Toscanini an der letzten Ecke in die Bredouille und für sechs, sieben Schritte aus dem Tritt, was Rennkommentator Murat Eryurt veranlasste, ihn im Vorgriff auf die Rennleitung disqualifiziert zu sehen. Die jedoch sah, da dieser kurze Aussetzer weit vor der Einlaufmarke stattfand, dazu keinerlei Anlass. Michael Nimczyk hatte den Muscle-Hill-Sohn rechtzeitig wieder im Griff und siegte sozusagen „kommentarlos“ sicherer, als es der Richterspruch "mit einem Hals Vorsprung“ auswies. „Noch stärker ist er, schicken wir ihn ohne Eisen ins Rennen, aber da er während des Meetings noch einmal antreten soll, konnten wir ihn heute nicht barfüßig ins Match schicken“, kommentierte der 33jährige. Der tapfere Quälgeist musste in einem sehenswerten Finish auch seinen ständigen Schatten Major Ass vor sich dulden und für die Knochenarbeit mit Bronze knapp vor Timberlake Diamant zufrieden sein.

Zweiter Hingucker war Lauf 5 der Silberserie um 6.000 Euro, auch wenn von den sieben Kandidaten lediglich ein Quartett ohne Beanstandung durch die Rennrichter das Ziel erreichte. Vom Fleck weg machte Thorsten Tietz mit Glaedar Dampf, was in die Tagesbestzeit von 1:13,2 mündete. Zu gewinnen vermochte der Lucky-Chucky-Sohn dennoch nicht. Als Nimczyk den lange versteckten Free Bird losließ, flog der kleine, kampfstarke Ready-Cash-Hengst verblüffend leicht um 2½ Längen vorbei und scheint nach einigen Problemchen auf bestem Weg, an die überragende Vorsaison anzuknüpfen.

Den 1. Vorlauf des Handicap de Luxe dominierte Errakis, wie er bzw. Catchdriver Jörgen Sjunnesson es wollten. Im Ziel waren sie im schlanken 1:16,8-Gang weit voraus, und wer etwas auf die Abstammung eines Pferdes gibt, war mit dem kapriziösen Franzosen auf der sicheren Seite: Eines seiner Geschwister ist niemand anderes als Oyonnax, 2010 der überraschendste Prix-d’Amérique-Sieger aller Zeiten! Mächtig kämpfen musste der launische Campione in Vorlauf 2, der sich in einer von Online PS sehr zügig gestalteten Partie erbittert gegen die unermüdlich fightende Heras Traum um eine halbe Länge durchsetzte und Manfred Zwieners Hoffnungen voll erfüllte: In 1:16,6 waren der Ex-Europameister und sein „braunschimmeliger“ Schwede am ersten Ziel der Wünsche und kreuzen in zwei Tagen mit Errakis und den Anderen noch einmal die Klingen – dann um den doppelten Siegpreis von 2.800 Euro.

Der erste, den Hobbyfahrern vorbehaltene Lauf des Kombi-Pokals ging nach sattsam bekanntem Rezept, das da lautete, die Spitze zu übernehmen und bis zum Zielstrich niemanden vorbeizulassen, an Thorsten Tietz‘ Schweden-Mitbringsel Västerbo Morning. Die Stute, der der Berliner Rechtskurs wohl sehr viel besser mundet, als in ihrer Heimat „linksrum“ zu laufen, wimmelte mit ihrer Besitzerin Sarah Kube den zudringlichen Night Star Sam, Georgies Express und Stormy Salsa sehr sicher ab. Ein völlig anderes Resultat ergab der zweite, von Profis bestrittene Lauf, in dem Stefan Schoonhoven mit Hollands Geheimtipp C’est La Vie C der Schwedenstute den Weg an die Spitze resolut verbaute und damit den soliden Grundstein für einen letztlich sicheren Sieg legte. Keine Rolle nach dem harschen Beginn spielte die ins äußere Mittelfeld abgetauchte Västerbo Morning. Der schon in Lauf 1 manch merkwürdigen Schritt dazwischenhauende Night Star Sam trabte bei der Zweitauflage bedeutend schlechter und wurde 300 Meter vorm Ziel mit der blauen Karte ausgemustert. Hinter der eleganten Fuchsstute feierten mit Late Night Show, Orefice und Look Red Romulus verdeckt vorgetragene Außenseiter in dieser Reihenfolge fröhlichen Ringelreihen und ließen die Viererwette auf 49.377:10 explodieren.

Bonanomi CG und Andreas Geineder waren im 5. Rennen die chronologisch Ersten, die nicht aus der Pole Position zur Ehrenrunde eindrehen durften. Die hatte Hellboy inne, und der schmucke Fuchs marschierte vorneweg wie beim Parademarsch. „Wer zur Hölle ist die denn“, mag sich Uwe Zevens gedacht haben, als der Nachwuchsmann seine Stute auf der Zielgeraden aus der Deckung losließ und die Igor-Fant-Tochter brav und sicher zum dritten Karriere-Erfolg davon flitzte.

Nicht zurückzudrehen vermochte Fridericus das Rad der Zeit, obwohl Heinz Wewering den Schwarzbraunen, der den eisernen Gustav Diamant nach neun Jahren Regentschaft am 24. September 2016 als Bahnrekordler abgelöst hatte, vorneweg mächtig knattern ließ. 1400 Metern lang sparte Gerhard Biendl seinem Rapido OK im Windschatten Fridericus‘ viele Körner, beorderte den Italiener dann nach außen und brauchte ihn „nur laufen zu lassen, wie er wollte. Er machte alles von allein“, strahlte der oftmalige Bayern-Champ. Rapido OK tilgte im neunten Anlauf einen weißen Fleck auf seiner „To-Do-Liste; bis dato hatte er noch nie in Mariendorf gewonnen.

Den nicht unbedingt krönenden Schlusspunkt setzten die aus drei Bändern auf die 2500 Meter weite Reise geschickten Franzosen-Traber, die ihrem Ruf für Überraschungen vollauf gerecht wurden. Mit Brandy Hornline beim Ab, Casanova d’Amour im ersten Bogen und Barbariska 700 Meter vorm Ziel fielen drei aus dem Favoriten-Quartett im Galopp aus. Nummer vier Dark Look sprang mit Mykola Wolf in die Bresche und rang den mit dem ersten Schritt führenden Djoko du Bellay mit dem letzten Aufbäumen nieder.

Umsatz bei 11 Rennen: 212.606,89 Euro (incl. 139.061,69 Euro Außenumsatz)

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)


Stern Marienfelde und BFC Preussen werden sicher oben mitspielen – dass wir den 4. Platz halten können, wird sicher eine schwierige Kiste.


Unter schwierigen Umständen verlor der Lichtenrader BC am Sonntag seinen Test bei Stern 1900 deutlich mit 0:6. Berlinsport Aktuell sprach nach der Partie mit dem Trainer des Landesligisten, Detlef Garz, über die Erkenntnisse aus der Partie, die Liste langwieriger Ausfälle (und auch die zwei, die Sonntag aus gutem Grund passen mussten...) – sowie die anstehende Saison in der Landesliga Staffel 1.

Zum Abhören bitte unten anklicken

Beitrag: Berlinsport Aktuell/Hasso und Hagen Nickelé
Fotos (3): ©Christoph Lehner