Trab / Rückschau: Der Mariendorfer Rennsonntag

Wildcat Hanseatic mit imposantem Auftritt

Auf Kurs: Hans-Jürgen von Holdt mit Wildcat Hanseatic (Foto: ©Marius Schwarz)

Gelungene Generalprobe für das Fritz-Brandt-Rennen: Hans-Jürgen von Holdt führt die Stute zur 14,7-Tagesbestzeit. Auch der von Tim Schwarma präsentierte Wallach Mad World scheint für den am 30. März stattfindenden Amateur-Klassiker bestens gerüstet zu sein.

Auf die Tagesbestzeit musste das bei frühlingshaften Temperaturen zahlreich erschienene Mariendorfer Publikum am Sonntag bis zum abschließenden neunten Rennen warten. Und dass die Marke nicht etwa in einer den Profis, sondern den Amateuren vorbehaltenen Prüfung aufgestellt wurde, war ein deutlicher Hinweis auf den ersten großen Berliner Saisonhöhepunkt, der am Karfreitag (30. März) bevorsteht: das Fritz-Brandt-Rennen. Eine, die dort mit Sicherheit eine ganz scharfe Klinge schlagen wird, ist die Stute Wildcat Hanseatic. Denn ihre Generalprobe hätte nicht imposanter ausfallen können. Hans-Jürgen von Holdt übernahm mit der Sechsjährigen nach einem kurzen Abtasten mit den Gegnern noch im ersten Bogen entschlossen die Spitze. Der Rest war eine One-Horse-Show: In 14,7/1.900m gewährte die Braune, die im Dezember den renommierten Winterpokal der Amateure gewonnen hatte, ihrem ebenfalls für den Brandt-Klassiker genannten Gegenspieler Locarno (André Pögel) zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Angriffsmöglichkeit und verabschiedete sich auf der Zielgeraden mit fünf Längen Vorsprung von dem keineswegs enttäuschenden Kontrahenten.

Mad World ist nicht zu stoppen

Ähnlich überzeugend agierte der von Tim Schwarma trainierte und gefahrene Mad World, der ebenfalls für das Highlight am Karfreitag vorgesehen ist. „Wir haben ihn diesmal vorne ohne Gummiboots antreten lassen – und so gut wie heute hat er mir zuvor noch nie gefallen“, zeigte sich Tim Schwarma begeistert. Er hatte wahrlich allen Grund zur Freude, denn nachdem sein Schützling Mitte der Gegenseite die Position deutlich verbessert und sich an die Seite des Piloten Bosphorus Venus (Thorsten Tietz) gelegt hatte, übte er einen enormen Druck aus und rang seinem Kontrahenten, der nicht mehr entscheidend gegenhalten konnte, im Schlussbogen eine Galoppade ab. Während Bosphorus Venus umgehend gemaßregelt wurde, stiefelte Mad World unermüdlich weiter und erreichte die Ziellinie mit vier Längen Vorsprung. Angesichts dieser Leistung darf sein Besitzer Marco Schindler dem geplanten Brandt-Engagement gespannt entgegensehen. Dass die Kilometerzeit in 17,3/1.900m recht mäßig ausfiel, war nicht von Bedeutung. Denn die Pace war auf der ersten Runde überaus flau und erst als sich Mad World einschaltete, zog das Tempo rasant an.

Nimczyk mit zwei Siegen auf Jubiläumskurs

Einziger Doppelsieger des Nachmittags war Michael Nimczyk. Mit Stradivari zeigte sich der Deutsche Meister bereits im Vorfeld überaus optimistisch. „Falls er auf den Beinen bleibt, kann er eigentlich kaum verlieren“, äußerte sich der Profi im Vorab-Interview und sein 11:10-Topfavorit rechtfertigte die hohe Wertschätzung voll und ganz. Selbst ein Rennverlauf in der Außenspur stellte den Love-You-Sohn nicht vor die geringsten Probleme und als ihm Nimczyk ausgangs des Schlussbogens den Kopf frei gab, verabschiedete sich der auch äußerlich bestechend wirkende Hengst in 16,8/1.900m mit acht Längen Vorsprung von den Gegnern. Seinen zweiten Tagestreffer feierte der Goldhelm mit Harryet Hazelaar, die in 15,8/1.900m auftrumpfte. Die Stute zog eine Runde vor dem Ziel an die Spitze und gewann mit drei Längen Vorsprung in überlegener Manier. Michael Nimczyk schraubte mit dieser Ausbeute die Anzahl seiner Siege auf 1.995 Treffer – das Jubiläum steht also unmittelbar bevor.

Aggettos Auftritt mit Licht und Schatten

Hopp oder top – das war einmal mehr die Frage beim Auftritt von Aggetto, der nun wieder fest Thorsten Tietz anvertraut ist. Der oft ungestüme Wallach zeigte sich diesmal von seiner Sonnenseite und gewann seine Aufgabe in 14,8/1.900m leicht. „Es gibt aber dennoch eine Menge zu verbessern“, äußerte sich sein Vorbereiter und Fahrer beim anschließenden Siegerinterview und es war in der Tat unübersehbar, dass die Verfassung noch nicht ganz bei 100 Prozent ist. Denn nachdem Aggetto vor den Tribünen das Kommando übernommen hatte und quasi schon mit der halben Bahn geführt hatte, wurden seine Schritte auf den letzten Metern doch deutlich kürzer. Thorsten Tietz: „Im Schlussbogen hat er mir nicht mehr gefallen – aber der Erfolg war dennoch nie in Gefahr, denn Aggetto ist alles andere als ein Aufstecker.“

Wewering und Wagner gewinnen souverän

Die gleiche Kilometerzeit wie Aggetto erzielte der von Heinz Wewering präsentierte Romeo Diamant, der sich nach seiner dreimonatigen Winterruhe glänzend vorbereitet zurückmeldete. Auch der Rennverlauf erinnerte an Aggettos Auftritt, denn Romeo Diamant übernahm ebenfalls vor den Tribünen die Führung. Der Rest war für Dr. Manuach Messengießers Vierbeinerstolz, der als nächstes das Schwarzer-Steward-Rennen am Ostermontag in Bahrenfeld bestreiten soll, nur noch eine reine Formsache. Die Verfolger hatten gegen den Sechsjährigen, der sich auf der Zielgeraden hochüberlegen mit fünf Längen Vorsprung löste, nicht den Hauch einer Chance.

Ganz hervorragend lief es auch für den Daniel Wagner anvertrauten Insoglio, dessen letzter Erfolg auf den 2. Dezember 2016 – damals in Karlshorst mit Thomas Panschow im Sulky – zurückdatierte. Der Wallach hatte danach zwar viele ordentliche Leistungen gezeigt – doch ein voller Erfolg blieb ihm stets verwehrt. Nun platzte dank der cleveren Taktik des zweimaligen Mariendorfer Champion endlich der Knoten. Daniel Wagner führte seinen Schützling rasch an die Spitze und schläferte mit einer gebremsten Pace die gesamte Gegnerschaft ein. Auf den letzten dreihundert Metern machte sich Insoglio souverän frei und Daniel Wagner strahlte: „Das war mit Sicherheit keine Eintagsfliege!“

Ordentlich Kasse für Finnegan Bros' Sieg

Für die größte Überraschung der Veranstaltung sorgte ein norddeutscher Gast: nämlich Kornelius Kluth. In der recht turbulenten Auftaktprüfung, in der die beiden Favoriten Extra Cash (Dennis Spangenberg) und Iasi (Michael Nimczyk) durch Galoppaden ausfielen, führte der Berufsfahrer den bei 214:10 sträflich hoch gehandelten Finnegan Bros zum ersten Saisonsieg. Der sechsjährige Hengst profitierte von einem Traumverlauf als zweites Pferd innen und spielte seine Reserven in 15,6/1.900m auf der Zielgeraden aus. Der Erfolg fiel mit zwei Längen Vorsprung sehr sicher aus.

Grazia Greenwood vorn dank Hallo Bo's Fehler

Im vierten Anlauf gab es den ersten Jahreserfolg für die von Victor Gentz betreute und gesteuerte Stute Grazia Greenwood. Die auf der Schlusshalben aus dem Mittelfeld heraus immer stärker ins Geschehen eingreifende Fünfjährige hatte die Ziellinie deutlich hinter Hallo Bo (Thorsten Tietz) zwar eigentlich nur als zweites Pferd passiert. Da der Gegner allerdings die korrekte Gangart im Einlauf nicht mehr halten konnte, wurde er nachträglich disqualifiziert und Grazia Greenwood konnte das erste Mal seit Mai 2017 wieder auf eine Ehrenrunde gehen.

Gesamtumsatz: 126.010,93 Euro – Bahnumsatz: 38.386,30 Euro – Außenumsatz: 87.624,63 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 18. März statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.

Quelle: Berliner Trabrenn-Verein (BTV)

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