Trab: Der Mariendorfer Rennsonntag

Daniel Wagner schnappt sich den Pott

Der zweimalige Berliner Champion gewinnt mit Vulkan den Geburtstags-Pokal des VDT und beendet gleichzeitig seine Trainerkarriere. Victor Gentz und Dennis Spangenberg gelingen jeweils zwei Erfolge

Vulkan (4) mit Daniel Wagner gewinnt (Foto: ©Marius Schwarz)

Der VDT, Deutschlands ältester Züchter- und Besitzerverein, zeigte sich an seinem alljährlichen Renntag einmal mehr spendabel. Neben kostenlosem Glühwein für die Zuschauer hatten die vom Vorsitzenden Andreas Prössel angeführten Vereinsmitglieder das Preisgeld von zwei der insgesamt neun Rennen finanziell angehoben – der Geburtstagspokal des VDT war sogar mit 4.500 Euro dotiert. Er wurde eine Beute von Daniel Wagner und Vulkan. Der zweimalige Berliner Champion hatte seinem Schützling in dem 2.000-Meter-Bänderstartrennen einen Traumverlauf als zweites Pferd an der Innenkante verschafft und Vulkan setzte auf den letzten Metern genügend Kräfte frei, um in 1:16,2 min. an dem Piloten It’s Amazing (Roman Matzky) vorbeizugehen.

Sieger beendet seine Selbständigkeit

Für Daniel Wagner war der feine Erfolg zugleich das zumindest vorläufige Ende eines beruflichen Abschnitts. Denn der „Lange“ wird seine Selbständigkeit als Trainer aufgeben, um zukünftig das Team von Roman Matzky zu verstärken.


„Ich freue mich auf die neue Aufgabe – es wird bestimmt eine spannende Sache!“

Daniel Wagner


Ob der Abschied vom Trainergeschäft aber wirklich eine Entscheidung für die Ewigkeit ist, bleibt abzuwarten. Denn Daniel Wagner, der über viele Jahre hinweg zu den Besten seiner Zunft gehörte, bringt wahrlich genügend Empfehlungen mit, um jederzeit wieder in die alleinige Verantwortung zurückzukehren. In seiner Trainerkarriere hat der sympathische Sportler gemeinsam mit seiner Gattin Linda, deren Anteil am Erfolg nicht verschwiegen werden soll, stolze 1.177 Siege erzielt – eine prächtige Bilanz! Wer weiß also, ob ihn die Rennsportfans eines Tages nicht doch als Trainer wiedersehen.

Gentz hält sich zweimal schadlos

Mit seinem durch eine Zulage gehandicapten Topfavoriten Iron Steel (13:10), der diesmal bei weitem nicht so spritzig wirkte wie zuletzt und in der schnellen Schlussphase keinen Boden mehr gutmachen konnte, war Victor Gentz in diesem Rennen nur viertplatziert. Der 29-jährige Profi hielt sich aber mit zwei Siegen schadlos. Der erste Treffer erfolgte mit Hakon von Haithabu (96:10). Im Rennen war von dem Wallach lange nichts zu sehen. Victor Gentz machte ihn erst auf der Schlusshalben flott. Der Vierjährige, der überaus leicht gewann und sich bei seinem Erfolg um eine volle Sekunde auf 16,0/1.900m steigerte, unterstrich damit die Einschätzung seines Umfeldes. Denn trotz mehrerer Disqualifikationen wird dem Dunkelbraunen viel Talent attestiert.

Gleich im Anschluss legte Victor Gentz mit Gobelin mit dem nahezu identischen taktischen Strickmuster nach. Der Wallach machte ebenfalls erst auf den letzten 600 Metern ernst und verabschiedete sich in der Tagesbestzeit von 14,7/1.900 mit drei Längen Vorsprung von den Gegnern. Ein geradezu sensationelles Ergebnis angesichts der Tatsache, dass das Rennen als Handicap ausgeschrieben war!

Auch Spangenberg siegt doppelt

Auch Dennis Spangenberg war zweimal erfolgreich und bleibt damit ebenso wie Victor Gentz auf dem Kurs in Richtung Edelmetall. Nahezu unbegrenztes Vertrauen wurde seinem Schützling Navy Blue entgegengebracht, denn die Stute rangierte am Wettmarkt bei 12:10. Bei ihrem in 16,5/1.900m erzielten Sieg – dem dritten Treffer hintereinander – musste die eingangs der Tribünenseite nach vorne gegangene Dreijährige aber ihr ganzes Können in die Waagschale werden. Denn der außen herum bärenstarke Kilbeggan (Wladimir Gening) erwies sich als überaus unbequemer Gegner und ließ bis zum Zielpfosten nicht locker.

Auch bei Spangenbergs zweitem Tagestreffer war mit Jorma Bo (Heinz Wewering) bis in den Einlauf hinein ein ernstzunehmender Konkurrent im Weg. Nach einem geschonten Verlauf als zweites Pferd innen erwies sich Muscle Design in 15,2/1.900m dann aber doch als das stärkere Pferd und verschaffte Dennis Spangenberg den 58. Saisonzähler.

Khalid und Kashmir haben bei den Amateuren die Nase vorn

Der Amateur-Pokal des VDT ging an den erstmals von Sarah Kube gesteuerten Khalid. Die Amazone sicherte ihrem Schützling zunächst eine ideale Lage als viertes Pferd außen. Ende der Gegenseite schaltete sich der 13:10-Favorit vehement ins Geschehen ein und gewann in 15,8/1.900m mit anderthalb Längen Vorsprung leicht. Der Sieg wäre allerdings mit Sicherheit nicht so klar ausgefallen, wenn der Tempomacher Panasonic Diamant (André Pögel), der bis weit in den Einlauf hinein zähe Gegenwehr geleistet hatte, in der Endphase nicht ein Eisen verloren hätte. Er war der Pechvogel des Rennens und konnte das Geläuf nicht mehr halten. An dem disqualifizierten Wallach vorbei stürmten Ragazzo (Ludgina Paulssen) und Raquel Welsh (Tom Karten) auf die Ränge zwei und drei.

Das zweite Amateurrennen des Nachmittags ging an den norddeutschen Gast Mario Krismann, der seinen von der Spitze aus eingesetzten Stallcrack Kashmir hauchdünn vor der speedigen Cascada (Sönke Gedaschko) über die Ziellinie finishte. Die Angreiferin verlor den Ehrenplatz allerdings im Anschluss am grünen Tisch – sie hatte im Einlauf die Spur nicht korrekt gehalten.

Nimczyk und Wewering gewinnen überlegen

Quasi eine bessere Trainingseinheit war die Aufgabe für Here she goes, denn die von Michael Nimczyk gesteuerte Stute zeigte nach zwei Disqualifikationen wieder ihr wahres Gesicht und bewies, was sie glattgehend leisten kann. Die Vierjährige ging eine Runde vor dem Ziel nach vorne und gewann in 16,4/1.900m mit vier Längen Vorsprung.

Eine tolle Vorstellung lieferte der von Heinz Wewering trainierte und gefahrene Debütant Romeo Diamant ab. Der Nachkomme der Italienerin Ilabis Font schoss in 13,4 sofort an die Spitze. Im weiteren Verlauf konnte Heinz Wewering die Pace abflauen lassen und sein Schützling dankte es ihm, indem er ab dem Schlussbogen große Reserven freimachte und sich in 18,5/1.900 völlig überlegen von den Gegnern verabschiedete. Mit der Riesenaußenseiterin Iduna Chip (Michael Hönemann) und Sindbad Diamant (Michael Nimczyk) auf den weiteren Plätzen zahlte die Dreierwette 11.359:10 aus.

In memoriam Peter Reckzeh

Bei der Veranstaltung wurde eine Gedenkminute für den Mariendorfer Sulkysportler Peter Reckzeh eingelegt, der am 20. Oktober nach tapfer erduldeter, schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren verstorben war. Der Berliner erzielte in seiner Berufskarriere 556 Trainersiege sowie 452 Fahrererfolge und schrieb mit dem von seiner Gattin Brigitte selber gezüchteten Hengst Bols mit einem Ehrenrang im Deutschen Traber-Derby ein Stück Rennsportgeschichte.

Gesamtumsatz: 108.875,99 Euro – Bahnumsatz: 30.867,70 Euro – Außenumsatz: 78.008,29 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – ein Renntag mit hochdotierten PMU-Prüfungen – findet am Mittwoch, dem 15. November statt. Beginn ist um 17.30 Uhr.

Quelle. Berliner Trabrenn-Verein (BTV)

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